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Der Höhepunkt dieses Tages ist der Gang zur Post. 200 Meter. In den Ästen des Bergahorns stecken noch die Nester vom Vorjahr. In den Vorgärten schieben sich die Schneeglöckchen aus dem kalten Boden. Auf der Wiese sind noch die letzten grauen Reste der Schneeiglus zu erkennen, die vor zwei Wochen von einer lärmenden, lachenden Kinderschar erbaut wurden. Mein Sehen ist geschärft durch die erzwungene Bettruhe der letzten Woche. Ich sauge alles auf, als würde ich es zum ersten Mal sehen.

Seit einer Woche hüte ich die Couch im Wohnzimmer. Neben mir der Stapel Bücher, Tulpen von einer Freundin, das Strickzeug. Vor einer Woche wurde ich operiert. Routineeingriff. Eine Bauchspiegelung und die Entfernung von irgendwas, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Nach einigen Stunden durfte ich das Krankenhaus verlassen. Eine Freundin schob mich per Rollstuhl direkt ans Auto, die Drogen hatten meinen Kreislauf auf die schönste, wattewolkigste Art zerschossen. In den Tagen darauf dachte ich viel über die kurzen Begegnungen mit dem Klinikpersonal nach. Jede kleine Freundlichkeit hatte mich fast zum Weinen gebracht. Das Anästhesieteam war ganz wunderbar zu mir und das ist vielleicht das größte Geschenk, wenn man sich in einer solch vulnerablen Situation befindet. Ich glaube, ich habe mich bei allen tausend Mal bedankt.

Nun kann ich schon wieder kleinere Strecken schleichen gehen. Mit jedem Tag werde ich mobiler. Hoffentlich werde ich bald wieder lange Wege wandern, bergauf, bergab.
Schade, dass ich durch die OP ein Wochenende verpasst hatte, auf das ich mich schon sehr lange gefreut hatte. Unser Netzwerktreffen auf Langeoog.
Es war dick angestrichen im Kalender, ein Event wie ein Leuchttuem mitten in den vielen Alltagsverpflichtungen des Januars und Februars. Mein Bahnticket verfiel, in Echtzeit sah ich auf Social Media den anderen bei ihrer Anreise und fröhlichen Gemeinschaft zu. Und…. es störte mich nicht. Kein bisschen! Obwohl ich natürlich die Leute vermisste.
Mit Verwunderung stelle ich fest, dass ich gut in Akzeptanz geworden bin. Ich habe aufgehört mich gegen Störfaktoren aufzulehnen und gelernt, die unabänderlichen Fahrplanänderungen stoisch hinzunehmen. Obwohl ich von Natur aus keine besonders ausgeprägte Flexibilität besitze – aber vielleicht bin ich wie ein Paar DocMartens, das sehr lange eingelaufen werden muss, bis es weich und biegsam wird.
Roll with the punches, sagt man im Englischen. Im Reitsport lernte ich als Kind das Abrollen bei einem Sturz vom Pferd: den Körper rund machen, Kinn auf die Brust, sich seitlich über die Schulter abrollen. Den Sturz mit ausgestreckten Armen abfangen zu wollen ist hingegen eine saublöde Idee, die in Gelenkbrüchen enden kann. Außerdem Zügel loslassen! Niemals daran festhalten! Da könntest du das Pferd mit seinem ganzen Gewicht auf dich ziehen.
Die letzten Jahre bedeuteten für mich Sturztra…