8 Schritte für mehr Klarheit

Wenn es ums E-Mail-Schreiben geht, bin ich die Queen der Prokrastination. Nicht selten geschieht es, dass man Wochen oder Jahrzehnte auf eine Antwort von mir warten muss. 

Vor kurzem musste ich zwei Emails verfassen, die ich eigentlich nicht schreiben wollte. Es waren Dinge vorgefallen, mit denen ich den Empfänger / die Empfängerin konfrontieren musste. Wenn es um Konfrontation geht, bin ich die Queen der Vermeidung. 

Ich saß vor dem Laptop, der Cursor blinkte auffordernd und ich überlegte, ob ich mir nicht erst noch eine Tasse Kaffee machen sollte (die dritte des Morgens). Auf halbem Weg zur Küche blieb ich abrupt stehen und riss die Augen auf. Ein Außenstehender hätte meinen können, ich hätte einen milden Schlaganfall erlitten. Dem war (Gott sei Dank) nicht so. Mich hatte nur eine kleine Erleuchtung ereilt. Eigentlich war es nur ein einziges Wort, welches in meinem Kopf aufgeploppt war wie ein blinkender, glitzernder Neon-Schriftzug.

Ich kehrte zum Laptop zurück. Der Kaffee war vergessen. Die E-Mails schrieb ich ohne einmal abzusetzen. Ich strich alle Verbalpölsterchen wie „eigentlich“ und „vielleicht“ und „möglicherweise“ heraus. Einige Minuten kreiste ich um den Absende-Button. Aber aus Erfahrung habe ich gelernt: Schlafe eine Nacht drüber!

Ich war mir nicht sicher, ob ich in der Hitze des Gefechts über das Ziel hinausgeschossen war. Oder ob sich mein forsches, forderndes, direktes Auftreten wie ein Paar neues, steife Schuhe anfühlte, das ich erst einlaufen musste. 

Am folgenden Tag schickte ich die Mails ohne Änderungen raus. Und fühlte mich nicht panisch beklommen (nach dem Motto: Wie hole ich eine abgeschickte Mail zurück?). Sondern sehr gestärkt und klar. 

Du fragst dich, welches Wort mich auf dem Weg zur Kaffeemaschine wie der Schlag traf? 

Ich verrate es dir:

Klarheit. 

Und weil „Klarheit“ das fehlende Puzzleteil in meiner jetzigen Lebensphase ist, erkor ich es prompt zu meinem Wort des Jahres 2023. Wenn du hier schon eine Weile mitliest, dann weißt du, dass ich bei solchen Aktionen wie „Wort des Jahres“ oder „Fasten-Challenge“ nach wenigen Tagen Wochen aufgebe. Das liegt weniger an mangelndem Durchhaltevermögen, als daran, dass mein Interesse weiterwandert zu anderen, spannenderen Dingen. Ich bin einfach so gestrickt und deshalb mache ich bei solchen Aktionen schon lange nicht mehr mit. Und wenn doch, dann plane ich schon vorab für die Wahrscheinlichkeit meines Abweichens eine Extraportion Milde mit ein. 

Warum mich dieses Wort so packt? Weil ich Klarheit drin…

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