Familie

Wir haben unseren Hauskreis aufgegeben

Du und ich – wir sind hier bereits eine Weile gemeinsam unterwegs. Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich mich das macht! (Auch wenn ich im Kommentarbeantworten so richtig mies bin. Aber ich gelobe Besserung…..). Manche von euch sind schon sehr lange dabei, andere sind erst vor kurzem dazugestoßen. Manche von euch sind gläubige Christen, andere finden das Ding mit Gott befremdlich. Manche von euch sind hier, weil sie gern ein bisschen Koch- und Haushalts- und Garteninspo haben. Andere wollen sich was für ihren Glauben mitnehmen. Und eine Handvoll von euch hat – wie ich – in den letzten Jahren das Ding mit dem Glauben und dem richtigen Bibelverständnis und der freikirchlichen Gemeindekultur zu hinterfragen begonnen. Du wirst hier weiterhin eine bunte Mischung aus allem finden. Mal den Garten, dann Glaube und auch Vorsicht Modewort! Dekonstruktion.

Ich liebe diese bunte, unsortierte Schnittmenge sehr, weil sie so sehr das echte Leben abbilden. Aber in den sozialen Medien wollte ich mich dann doch etwas besser sortieren. Deshalb gibt es neuerdings auf Instagram zwei Accounts von mir: Meinen bisherigen führe ich weiter (den findest du unter Veronika Smoor) und dort werde ich mich den vielen Fragen, die Leben und Glaube aufwerfen, widmen. Und ich habe einen neuen Account aus dem Boden gestampft, ein kleines Projekt, mit dem ich schon sehr sehr lange liebäugle:

What would Grandma do? (Was würde Großmutter tun?)

Unter dem Titel findest du mich also jetzt auch auf Instagram, wo ich mich allen Dingen widme, die mich eben auch begeistern: Ein einfaches Leben führen. Haushalt. Garten. Stricken. Nähen. Kochen. Backen. Haltbarmachen. Ökomuttis.

Aber jetzt genug des Vorgeplänkels. Wir haben Ende Juli und so Vieles neigt sich dem Ende zu. Wir haben nun unsere beide Mädchen durch die Grundschule durch und ein neuer Abschnitt steht an. Im Garten verblühen die ersten Stauden und Rosen. Und auch unseren Hauskreis haben wir verabschiedet. Nicht für die Sommerpause, sondern für immer. Gestern saß ein Teil von uns ums Lagerfeuer und wir reminiszierten, was uns als Hauskreis im Lauf der Jahre an Kuriositäten begegnet ist. Da gäbe es einiges zu erzählen, ja ganze Bücher zu füllen, aber meistens haben diese Geschichten etwas mit sehr sensiblen Dingen zu tun, deshalb schweige ich an dieser Stelle.

Heute morgen ging ich wie fast jeden Morgen durch meinen Garten. Die Reste des Lagerfeuers erinnerten mich daran, dass auch hier etwas gestern Abend zu Ende gegangen ist. Es hat eine Zeit lang gelodert, dann ist es verglüht. Jetzt ist hier nur noch Asche, die ich später als Dünger auf die Beete ausbringen werde. Die Katzenminze ist verblüht, genauso wie die wunderschöne Veronicastrum Japonicum. Ich zwicke die vertrockneten Blütenstände ab. Daran erinnert mich jeden Freitagabend Monty Don in seiner BBC-Sendung „Gardeners World“. Deadheading nennen es die Engländer. Das Tote entfernen, damit Platz wird für neue Blüten. Also deadheade ich, was das Zeug hält. Es kostet seine Zeit. Fast scheint es, als wäre die Pflanze kurz böse auf mich, weil sie nun keine Samenstände bilden kann. Aber dann rafft sie ihr Grün zusammen und blüht erneut. Ich könnte heulen vor Freude über meinen Garten. Vor allem, wenn ich ihn im Morgen- und Abendlicht betrachte.

An dieser Stelle hatte ich gerade eine laaaaangatmige Ausführung über das Verlassen unseres Hauskreises geschrieben, aber beim Durchlesen habe ich mich zu Tode gelangweilt. (Ich habe gelernt: Wenn es für dich langweilig ist, ist es auch für deine Leser*innen langweilig.) Da hilft nur der Delete-Button. Also in aller Kürze, denn wir habe heute noch alle Wichtigeres zu tun: Es hat nicht mehr gepasst. Nicht von den Leuten her (die wir von Herzen lieb haben), sondern von der Form. Mein Mann und ich sind zum ersten Mal in unserem gemeinsamen Leben völlig ohne christliche Gemeinschaft. Und es fühlt sich gut an. Richtig, richtig, richtig gut. Erleichternd. Auf einmal ist der Weg frei für neue Wege. Und wie die aussehen werden, wissen wir noch gar nicht.

Es ist eine Zeit des Verblühen, des Deadheadings. Das ist der Kreislauf des Lebens, dem wir nie entgehen können, sondern dem wir vertrauen lernen müssen. Vertrauen heißt, im Rückblick erkennen, dass Gott es auf unerklärlich verschlungenen, ja oft unerträglich schmerzhaften Wegen gut gemacht hat. Und ich werde weiterhin diese verschlungenen Wege gehen. Eigentlich leben wir doch unser ganzes Leben im Blindflug, weil wir nicht wissen können, was uns hinter der nächsten Biegung erwartet. Es wird Schwieriges sein und so viel Gutes. Es ist nie die Frage, ob mich etwas treffen wird, sondern wie ich dann damit umgehe und wo ich meinen Halt finde, wenn der Boden unter mir wackelt. Mich haben die letzten anderthalb Jahre stiller gemacht, unsicherer.

Der Sommer steht mit vielen Verheißungen und vielleicht auch mit Schwierigem vor der Tür und ich werde ihn nutzen, um ganz tief Atem zu holen. Um zu schreiben und zu träumen. Um zu beten und Menschen zu treffen. Um Zeit mit den Kindern und meinem Mann zu verbringen. Um Bücherberge zu lesen und in die Wälder zu gehen.

Und was sind deine Pläne für den Sommer?

Hast du schon einmal ein frommes Umfeld verlassen? Wenn ja, wie war das für dich?
(Ich möchte nicht dafür werben, die eigene Gemeinde, den Hauskreis zu verlassen. Um Himmels Willen, wenn du dich dort wohl fühlst, wenn es dir dort gut geht, wenn sie deine Fragen aushalten, dann halt daran fest.)

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Auch heute stelle ich wieder in guter alter Straßenkünstler-Manier meinen Hut auf. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, dann darfst du gerne etwas reinschmeißen für einen Kaffee, ein bisschen Wolle oder Schokolade. 

Danke.

Dankbarkeit, Garten, Gedanken, Glaube, Haushalt

Wenn dich heute deine Arbeit anödet….

Und wieder frage ich mich an diesem Vormittag, wie ich denn das Wäschezusammenlegen und das Aufräumen und Kochen und Putzen rasch hinter mich bringen kann, bevor ich mich an die wirklich wichtige Arbeit machen kann.

(Wichtige Arbeit: Das ist der landläufigen Meinung nach die, die ordentlich bezahlt und gesehen und gelobt wird).

Auf dem Weg in den Keller fällt mir der überquellende Bioeimer auf, bücke ich mich nach achtlos hingeworfenen, dreckigen Socken und füttere noch schnell die Kaninchen. Währenddessen rotiert es in meinem Kopf: Was ist noch im Kühlschrank? Ich kann doch nicht schon wieder Pfannkuchen backen. Heute muss etwas Nahrhaftes auf den Tisch. Und ich gehe in den Garten, pflücke zwei dicke Blumenkohlköpfe, grabe ein paar Frühkartoffeln aus und pflücke eine Salatgurke. Auf dem Weg ins Haus leere ich den Bioeimer, zupfe ein paar Unkräuter und mache mir eine Gedankennotiz, dass ich heute noch unbedingt die Löcher in meinen Leggings stopfen sollte. Ich seufze, atme tief ein und aus, lasse die Schultern hängen und spüre erst jetzt, wie angespannt mein Nacken ist.

Eine Stunde später stehen Blumenkohlbratlinge, Kartoffelbrei und Gurkensalat auf dem Tisch. Das ist ein todsicheres Lieblingsessen der Kinder und ich muss keine Tischrevolte befürchten.

An solchen Tagen wie heute muss es erst fünf oder sechs Uhr Abends werden bevor ich mich an die „wirklich wichtige“ Arbeit machen kann. Aber dann bin ich meist schon so müde und ausgelutscht, dass ich mich in den Garten setze und den Bienen zusehe. Das ist zwar nicht produktiv, aber enorm meditativ. Ich lasse meine Gedanken von der Leine, während die Bienen um mich herum nicht anders können als ihrer eigenen Arbeit nachzugehen. Sie sind sich so ähnlich, meine Gedanken und die Bienen. Sie taumeln mal hierhin, mal dorthin. Verweilen nur kurz, streifen ihr Ziel und tasten alles ab, was halbwegs interessant erscheint. Die Bienen landen beim Borretsch. Meine Gedanken landen bei Gott.

Dieser Tage mag ich nichts anfangen mit meinen alten Gottesbildern, die von König oder Herr oder Löwe sprechen. Alles, was nur im entferntesten mit Kampfbegriffen getränkt ist, stößt mich ab. Vielleicht, weil ich einen Muttergott dieser Tage nötiger habe als einen, der für mich kämpft. Ich hatte in meinem Leben zwei oder drei intensive Gottesbegegnungen und ansonsten schaut mein Glaube völlig unspektakulär aus. Vielleicht betreibe ich nicht genügend geistliche Verrenkungen, wer weiß. Vielleicht ist mir ein minimalistischer Glaube näher als einer mit viel Zierrat. Und dann muss ich lachen, als mir ein kleines Licht aufgeht inmitten der Bienen und des Borretsch. Da ist ein Gott, der für mich seit langem im Alltag so sehr viel greif- und erfahrbarer ist als in einem pompösen Gottesdienst. Weil er nämlich den Dreck hinter mir wegräumt. Weil er die Kartoffeln und den Blumenkohl und die Gurken (und den Borretsch natürlich!) wachsen lässt, die uns nähren. Weil ihm fruchtbarer Dreck unter den Fingernägeln klebt. Weil er sich unermüdlich nach dem Unkraut in meinem Herzen bückt. Weil er das Kaputte sucht und repariert. Weil er uns kleidet und abends mit Gnade zudeckt und sie in alle Ritzen stopft, damit uns in der Dunkelheit nicht kalt wird.

Gott verrichtet ja die gleiche Arbeit wie ich! Das ist eine so schlichte Wahrheit. Wie viel lieber hätten wir einen Gott der Sensationen, des Glitters, der großen Gefühls-Erfahrungen. Er ist oft im Flüstern, selten im Sturm. Und dieser Alltag, das ist das Flüstern Gottes. Eine schlichte Einladung, die wir oft wie billige Werbung unachtsam in den Mülleimer werfen, weil sie nicht verlockend genug ist.

Morgen früh, wenn ich das Frühstück richte und nach dem Putzeimer greife, möchte ich mich daran erinnern, dass ich eine heilige Arbeit verrichte. Auch Gott ist bereits da, ebenso älter und grauer wie ich, der aber im Gegensatz zu mir nicht müde wird, nach seinem Putzeimer zu greifen und den Tisch zu decken und alle zum Essen zu rufen. Wenn Gott seine Arbeit ernst nimmt(er könnte uns etwas über langweilige Routinen erzählen!), will ich meine Arbeit auch ernst nehmen.

Ihr lieben, wunderbaren, großartigen Blogleser*innen! Wie kann ich euch danken? Euch allen, die ihr das letzte Mal etwas in meinen „Hut“ geworfen habt und dabei auch noch so liebe Worte mitgeschickt habt. Ihr seid absolut grandios – Danke, Danke, Danke ❤️

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Auch heute stelle ich wieder in guter alter Straßenkünstler-Manier meinen Hut auf. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, dann darfst du gerne etwas reinschmeißen für einen Kaffee, ein bisschen Wolle oder Schokolade.

Danke.

Familie

Dieses komische After-Corona-Feeling *

Nach dem Schleudergang namens Corona sind wir alle etwas zerknittert und hängen durch. Schwerer sind wir auch geworden. Und unser Herz, das vorher fröhlich durch die Welt hüpfte ist vorsichtiger geworden.

Wir hatten uns zurückgezogen, in unsere vier Wände. Unsere Kontakte fanden fast nur noch online statt und jetzt, wo wir endlich wieder ins Freie kriechen, uns an die Helligkeit nach dem Höhlendasein gewöhnen müssen, haben wir unsere Schutzhaut verloren.

Zumindest geht es mir so. Jedes Treffen erschöpft mich mehr oder weniger. Das ist ein verrückter Zwiespalt, denn ich freue mich so unendlich, meine lieben Menschen wieder zu sehen. Andererseits rolle ich mich abends in meiner Höhle zusammen und trinke wie eine Verdurstende Stille und Alleinsein. Es braucht wohl Zeit, bis ich Eremitin mich ans Licht, an Menschen, an Termine gewöhnt habe. Das geht nicht von jetzt auf plötzlich. Minischritte sind gefragt und ein gutes Hineinhorchen in mich selbst.

Vielleicht bin ich aber auch nur vorsichtiger geworden. Und das wäre irgendwie schade. Denn dann würde ich meine eigene Person wie ein gelesenes Buch zurück ins Regal stellen, wo es dann verstaubt. Hemingway hat mal so etwas in der Art gesagt wie: Wir werden mit dem Alter nicht weiser, sondern vorsichtiger. Und da fühle ich mich tatsächlich ertappt. Andererseits ist es aber auch so, dass wir uns im Alter besser kennenlernen. Wir laufen nicht mehr jedem Selbst- und Glaubensoptimierungsprojekt hinterher. Wir kennen unsere Grenzen. Nur kann es schleichend passieren, dass wir uns dauerhaft in einer Höhle einrichten und nicht merken, wenn unsere Höhle zum Gefängnis wird. Wo die Gitterstäbe Angst, Überheblichkeit, Resignation, Trägheit heißen könnten.

Bin ich offen für Neues? Traue ich mich neue Wege zu erforschen oder bleibe ich lieber auf dem ausgetretenem Pfad, nur weil er vertraut ist? Ich möchte mir zumuten, mich selbst wieder ein bisschen herauszufordern, das Leben wachzukitzeln. Es ist nämlich immer noch da. Wenn sich meine Augen erst wieder an das Licht gewöhnt haben, dann werde ich erste Wackelschritte unternehmen. Ein bisschen die Komfortzone ausweiten. Nicht zu weit. Sonst liege ich ja gleich wieder zusammengerollt in meiner Höhle.

Ich traue mir in nächster Zeit ein neues, kleines, feines Projekt zu (mehr dazu bald!). Und Gästin in zwei Podcasts zu sein. Und dann reichts auch schon wieder. In den Sommerferien findest du mich dann strickend und gärtnernd und lesend in meinem Garten.

Wenn du noch keine neue Schutzhaut hast, dann gib dir selbst Zeit. Frische Haut verbrennt schnell in der Sonne, sie braucht schrittweise Gewöhnung. Ich wünsche uns allen, dass wir jenseits unserer Höhle neues Leben entdecken. Dass wir nicht vorsichtiger werden und nicht aufhören zu lieben. Dass wir uns nicht allzu bequem einrichten und neugierig bleiben. Dass wir unsere Grenzen respektieren und wissen, wann es an der Zeit ist, neue Wege zu gehen. Dass wir mit uns selbst noch nicht abgeschlossen haben. Denn das hat Gott auch nicht.

!! NEU !!:

Ich führe diesen Blog nun schon seit 12 Jahren. Darin steckt eine Unmenge Arbeit und Zeit und Energie und Freude. Ich möchte ihn auch weiterhin kosten- und werbefrei führen. Aber nachdem im letzten Jahr Vorträge und Lesungen weitgehend weggebrochen sind, habe ich mich dazu entschieden, eine Kaffeekasse aufzustellen. Hier darfst du gerne was reinschmeißen. Und mir damit einen Kaffee oder neue Wolle oder Zarbitterschokolade spendieren. Tausend Dank!

*Damit will ich nicht ausdrücken, dass Corona tatsächlich vorbei ist. Nur der Lockdown. Mit Zukunftsprognosen halte ich mich zurück. Damit lag ich die letzten 18 Monate immer falsch.