Garten für Träumer – Part 3

Ich feiere den Regen so hart. Hier ist es so grün wie seit drei Jahren nicht mehr! 

Komm, wir gehen gemeinsam weiter in meinem Garten.

Wir gelangen in den Seitengarten, der einst Dornengebüsch war. Jetzt vermischen sich hier Sitzplatz, Kübelpflanzen, Kräuter und Tomaten. Oft sitze ich hier am Morgen mit meinem Kaffee – und wenn es nur fünf Minuten sind! Merke: Man kann nie genug kleine, lauschige Sitzplätzchen im Garten haben. Jeder eröffnet neue Sichtachsen und fängt die Sonne zu einer anderen Tageszeit ein.

Mein Kräuterbeet war der Startschuss auf diesem Grundstück, noch bevor die ersten Bauarbeiter anrückten. Man muss ja gleich von Anfang an die Prioritäten richtig setzen. Wer braucht schon einen Fußboden und Elektrizität, wenn er Thymian, wilden Quendel, Borretsch, Zitronenmelisse, Zitronenverbene, Schnittlauch, Koriander, Oregano, Salbei und Petersilie haben kann? Alle mediterranen Kräuter habe ich in ein kleines Bett aus Kies und mageren Boden gesetzt, weil sie meine Kompostgaben im letzten Jahr nicht leiden mochten (sie waren so kümmerlich, also düngte ich wie eine Weltmeisterin. War ein Riesenfehler, wie ich lernte. Sie möchten einfach ihre Ruhe. In einem Kiesbett. Fertig. Und jetzt wachsen sie endlich!). 

Einst
Heute
Einst
Heute

Weiter geht’s auf meinem neu angelegten Kiesweg mit seinen eigenwillig verlegten Randsteinen. Die hab ich letztes Jahr einbetoniert. Natürlich ohne Richtschnur und frei Schnauze, weil ich ein 80/20-Typ bin. Ich mach’s zu 80% richtig. Der Rest ist mir dann auch egal, weil mir Zeit, Kraft und Lust fehlen.

Letzte Woche stand hier eine Freundin – ebenfalls im Sternzeichen Gartenenthusiastin und schmunzelte über dieses kleine Rasen/Unkrautfläche. „Das ist so deutsch!“ Ach ja. Erwischt. Ich mag kleine, sinnlose Rasenflächen, weil ich auf ihnen am Morgen barfuß gehen kann und mich das an meine Kindheit erinnert. Überhaupt habe ich ein paar sinnlose Sachen im Garten, die einen radikalen Biogärtner empören würden. Aber ich brauche Nostalgie! Und daher findest du hier auch die verschriene Forsythie, den nutzlosen Flieder und ein bisschen Buchs, weil sie alle miteinander Kindheitsflair verströmen.

Die typisch deutsche Minirasenfläche ist umrandet von meinem Tomatenbeet. Ja, ich setze die Tomaten jedes Jahr an die gleiche Stelle, auch wenn da mancher Gartenexperte die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Funktioniert! Im Frühjahr kommt Pferdemist und Mulch auf die Beete und im September erschlagen mich die roten Früchte. Tomaten lieben warme Hauswände, die bis in die Nachtstunden Sommerhitze abstrahlen!

Und jetzt kommst du in den unteren Gartenbereich. Dort wo selten die Sonne hinscheint. Hier stand ich vor fünf Jahren mit meinem Mann. Wir waren auf Häuserjagd. Dieses Häuschen verwarf ich just in dem Moment, als ich den Schattengarten sah. Hier würde niemals etwas wachsen und dabei träumte ich doch von einem überquellendem Selbstversorgergarten, wie man sie auf Youtube sieht!

Fünf Jahre später habe ich den Salat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der mag es nämlich gar nicht so sehr sonnig, sondern fühlt sich pudelwohl im Schatten. Wie auch andere Gemüsesorten: Rote Beete, Kohlrabi, Erbsen, Möhren, Spinat, Rhabarber, Zwiebeln, Knoblauch, Radieschen, Pastinake. Ja, selbst Erdbeeren und Kartoffeln und viele Kohlsorten gedeihen hier. Nicht immer üppig, aber ich bin überrascht, was geht, wenn man einfach mal macht! 

Dieses Haus und der Garten lehren mich, nicht erst auf Idealzustände zu warten, sondern mit dem zu arbeiten und hantieren, was da ist. Das Beste daraus machen. 

Ich habe mit einem erhöhten Beet angefangen. Die restlichen Terrassenbretter verbaut. Dann kamen noch weitere Beete dazu. Mit jedem Jahr und wachsender Kraft habe ich den Gemüsegarten Stück für Stück erweitert. Ich probierte verschiedene Dinge aus: Kartoffeln in Tonnen (war mäßig erfolgreich). Hügelbeet (war ganz nett, aber auch nicht der Brülller). Bohnen-Tipi (mega!).

In diesem Frühjahr hab ich es mir total gegeben. Neue Hochbeete hingeklotzt. Hochbeete sind ja ein Thema, bei dem man viel Geld verbrennen kann. Meine Güte! So ein Hochglanz-Hochbeet, aus dem ich dann mal fünf Möhren, zwei Zwiebeln und drei Salatköpfe ernte, kann beim Gartenmarkt des Vertrauens an die 200 Euro kosten. Soviel ist mir kein Salatkopf wert. Viele bauen ein Hochbeet aus Paletten. Ich mag aber den Style nicht. Ich stieß auf ebay Kleinanzeigen auf gebrauchte Palettenrahmen (Stück ca. 8 Euro). Ich hab sofort zugeschlagen. Die Rahmen lassen sich beliebig hoch aufeinander stapeln. Dann noch Teichfolie reintackern. Zack. Fertig. Ganz nach meinem Geschmack: günstig, schnell, unkompliziert. Ich habe selten so mühelos ein neues Beet angelegt. Meinen neuen Kartoffelacker habe ich mit der bewährten Kartonmethode angelegt. Karton auf den Boden, dieses Mal 20 cm Erde draufgeschichtet (habe ich mir liefern lassen, da ich nicht genug eigenen Kompost vorrätig hatte). 

Mein Garten ist von Wildnis umzingelt. Ein stark vernachlässigter Schlosspark, in dem sich Kauze und Füchse und Fledermäuse tummeln. Und Schnecken. Sobald ich zarte Salatpflänzchen aus dem Haus in den Garten trage, wittern sie dies am anderen Ende des Parks und versammeln sich zum Exodus ins Gelobte Land. Du ahnst es: mein dunkelstes Kapitel mit meinem Garten!

Ich habe alles ausprobiert: Bierfallen (ist ja ganz lustig, im Alkohol zu ersaufen, nur leider plumpsen hier auch die nützlichen Schnegel rein). Kupferband (Die Schnecken lachen sich leider nicht tot und kriechen unter den Hochbeeten noch oben). Schnexagon (hat mäßig gewirkt, ist aber schmerzhaft teuer). Über Kaffeesatz und Eierschalen kriechen sie schulterzuckend hinweg. Mulchen mit Schneckenkorn ist eine Idee, tötet aber auch die Schnegel. Es hilft nur eine todsichere, mechanische Methode: abends in den Garten und die Schnecken zerschneiden absammeln. Andere schwören auf Laufenten. Nur leider darf ich keine weiteren Haustiere mehr anschaffen. Ein gewisser Mitbewohner ist dezent genervt von unserem Zirkus. 

Im Frühjahr wächst meine Gartenmotivation ins Unermessliche. Ich zeichne auf kariertem Papier elaborierte Pläne. Was? Wann? Wohin? In der Theorie halte ich Abstände und Fruchtfolge und die korrekte Mischkultur ein.  Aber sobald ich vor meinen Beeten stehe, herrscht in meinem Kopf blankes Chaos und ich pflanze alles so, wie ich es für richtig halte. Pläne sind dazu da, über den Haufen geworfen zu werden. Die Mehrheit des Gemüses wächst überraschend gut. Und manches muss ich erst durch Ausprobieren lernen. Zum Beispiel, dass Möhren im normalen Beet nie aufgehen. Oder bereits weggefressen werden, sobald sie ihre zarten Hälmchen an die Oberfläche schieben. Aber jetzt, im Hochbeet, fühlen sie sich pudelwohl und ich darf auf eine reiche Ernte hoffen. 

In der Nähe der Beete steht unser 1000-Liter-Wassertank. Eine gute, eine sehr sehr gute Investition. Der Inhalt wurde in den letzten Sommern knapp, so dass wir noch einen weiteren Wassertank an anderer Stelle unseres Hauses planen. Und daneben setze ich im Juni Brennesseljauche an. Bester Dünger ever.

Und ganz hinten stinkt der Kompost vor sich hin. Verrichtet seine wundersame Alchemie, die aus Bioabfällen duftende Erde produziert. Ganz von alleine. Zweimal im Jahr schichte ich die Masse um, um Luft an den Kompost zu bringen. Sonst schimmelt er nur vor sich hin. Im Herbst und Frühjahr siebe ich ihn. Und dann kommt er auf die Beete. Nur nicht auf meine mediterranen Kräuter. Das hab ich durch Try and Error bitter gelernt. 

Was anfangs wie ein unmöglicher Garten aussah, hat sich zu einem Garten der unendlichen Möglichkeiten entfaltet. Man braucht Augen der Liebe und Geduld. Und den unerschütterlichen Willen, es einfach mal auszuprobieren. Vielleicht wachsen keine Möhren. Dafür aber eine Menge Blumenkohl. 

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Zum Weiterlesen:

Prinzip Permakultur

Der Biogarten (meine Bibel)

No Dig Organic Home & Garden

Bin im Garten

Mein Wildgarten

Zum Schauen:

Jedes Wochenende zelebriere ich BBCs „Gardener’s World“ mit Monty Don. Ich liebe und verehre ihn. Hach, die exzentrischen Engländer. Keiner kann so schön leidenschaftlich gärtnern wie sie. Leider kann ich die Sendungen nur auf Youtube aufrufen.

Gartengemüsekiosk

Noch ein Engländer: Charles Dowding

Permaculture

….Und habt ihr noch Literatur- und Videotipps?

6 Kommentare zu „Garten für Träumer – Part 3

  1. Liebe Veronika,
    Danke für deine Einblicke in deinen Garten. Du schaffst es so ehrlich auf deine Stärken und Schwächen einzugehen, dass ich ganz ich sein darf beim Lesen und mich nicht vergleiche. Ich freu mich immer über neue Einträge und Bücher, deine tiefgründigen Worte und deinen Humor. Meine Kinder sind 2 und 4, daher schaue ich hinauf, wie es vielleicht mal bei mir wird.
    Wir haben einen Kleingarten und ich habe meine Liebe zum Gärtnern entdeckt. So ein Haus mit Garten ist mein Traum. Vielleicht bereitet Gott sowas für mich irgendwann vor 🙂

    Ich schaue sehr gern die Videos von Marie – Wurzelwerk und lese den Blog. Sie hat eine fröhliche Art Informationen kurz und knackig zu vermitteln.

    Sei ganz lieb gegrüßt aus Dresden, das auch gerade ganz viel Regen bekommt und grünt,
    Luisa

  2. Liebe Veronika,
    Durch Zufall habe ich den 2. TRAUMGARTEN Beitrag entdeckt. Er spricht mir sehr aus dem Herzen. Ich gärtnere seit ca 5 Jahren nach dem Prinzip der Permakultur und habe beste Erfolge. Da mein Garten sehr groß ist und ich nicht mehr die Jüngste bin, muss ich gut überlegen was machbar ist und ich nicht zum Sklaven des Grundstücks werde! Wichtig ist für mich ein natürlicher Garten, Insektenfreundlich und nützlich. Dieses Jahr möchte ich versuchen, alle Gemüsepflanzen selbst zu ziehen. Ich glaube, das war bis jetzt eine kluge Entscheidung, denn Corona hat die Preise in die Höhe getrieben und die Qualität der angebotenen Waren lässt zu wünschen übrig. Da es bei uns in Thüringen bisher sehr kalt war, bringt es nichts Gemüsepflanzen zu kaufen, die im Freien nur eine Nacht tanzen! Versuche nur weiter zu machen, es ist der richtige Weg. Man sollte immer mit der Natur Gärtnern und nicht gegen sie. Denn das verursacht nur Streß und den braucht man nicht noch zusätzlich. Für mich ist der Garten mein Fitnessstudio, ganzjährig rund um die Uhr geöffnet. Ich kann kommen und gehen wann ich will und mich natürlich auch entspannen! Ich kann Kontakte zu meinen Pflanzen pflegen und brauche nicht auf Coronabeschränkungen Rücksicht zu nehmen..
    Ich freue mich schon auf weitere Blogeinträge.
    Liebe Grüße aus Thüringen

  3. Liebe Veronika,
    sehr gerne lese ich deine Beiträge/deinen Newsletter…und freue mich jetzt auch über deine Gartentipps…zu Laufenten kann ich sagen, erst wenn Salat, Petersilie und Co. gefressen sind, kommen auch die Schnecken dran ;)…seit diesem Jahr habe ich das Buch „Biogärten gestalten“ von Doris Kampas und bin ganz angetan…und arbeite seit diesem Jahr nach dem Grundprinzip des Tiefkulturbeetes (in abgewandelter Weise)…mal schauen, wie es da wächst…
    Liebe Grüße und ein frohes Werkeln
    Nicole

  4. Liebe Veronika, herzlichen Dank für die tolle Gartenreihe… ich liebe es in andere Gärten zu schauen 🙂 Durch dich bin ich auf den Permakultur Garten gestoßen und total begeistert. Vor allem das Mulchen mit Heu bringt so viele Vorteile.
    Unser Garten existiert auch seit 5 Jahren (vorher war hier Feld) ist quasi zweigeteilt. Um das Haus ist der „große“ Garten… hier haben wir viele Blühsträucher-Hecken und Obstbäume gepflanzt (Blumenbeete gibt es noch keine, damit kenne ich mich überhaupt nicht aus). Etwas abseits liegt der große ‚Nutzgarten‘ mit Beeten und Beerensträuchern.
    Ich liebe es auch so, im Garten zu werkeln, auch wenn die Zeit mit 3 kleinen Kindern knapp ist. Aber ab und zu helfen sie auch mal mit.
    Nur die Schnecken machen mir zu schaffen. Der Nutzgarten grenzt an eine wilde Wiese und daraus kommen Scharen von diesen blöden Viechern. Nachdem sie mir quasi über Nacht meine selbstgezogenen Gemüse-Jung-Pflanzen, auf die ich so stolz war, weg gefressen haben, werde ich jetzt wohl doch mal zu Schneckenkorn greifen müssen…
    Liebe Grüße. Rebekka

    1. Hallo Rebekka!
      Du schreibst von der angrenzenden wilden Wiese. Darin wohnen ja sicher nicht nur die Schnecken… Bitte Gott, dass er dir auch die Nützlinge vorbei schickt.
      Als ich ein paar Jahre neben zwei Schafweiden gärtnerte, war es wie das Paradies: Schlangen inklusive. Ich hatte einige Ringelnattern da und einmal auch eine wunderschöne Kreuzotter.
      Keine Ahnung, was deren Leibspeise ist…
      Blindschleichen und diverse Eidechsen fressen Schnecken, der Schnegel lässt auch keine liegen. Recherchiere mal, was so in der wilden Wiese lebt. Naturnahes Gärtnern ist ein großes Vorrecht, denn du lernst die Artenvielfalt kennen.

  5. …. also, wenn dein Kompost stinkt und schimmelt, dann ist da aber was im Argen.

    hach, seufz. Wie gern hätte ich deinen Garten. Nee, Blödsinn, ich habe selbst einen. Also nicht deinen Garten. Aber ein bisschen mehr von deiner Energie.

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