Garten

Garten für Träumer – Part 4: Was ich gelernt habe

Als ich einmal in Melbourne wohnte, wurde ich beinahe depressiv. Und das, obwohl eine Bücherei, Kinos, Galerien, trendige Läden, Coffeeshops und Restaurants direkt ums Eck meiner Wohnung lagen. Warum, warum, warum konnte ich hier nicht einfach glücklich sein?

Wann immer ich in Städten wohnte, ging etwas in meiner Seele ein und Unruhe heftete sich an meine Fersen. Ich verstand mich selbst lange Zeit nicht. Ich starrte auf Häuserwände. Auf der Suche nach meinem urbanen Ich. Ich lebte mit angehaltenem Atem. Die Verbindung zur Natur künstlich gekappt. Kultur, Kino, Konzerte konnten mir Landschaften, Grün und Erde nicht ersetzen.

Als wir aufs Land zogen, atmete ich aus. Und ein. Und wieder aus. Etwas rückte in meiner Seele an den richtigen Platz.

Und genau das hat mein Garten in den letzten 13 Jahren mit mir gemacht:

Er rückt etwas in mir an den richtigen Platz.

Und nicht nur das: Ich wachse gemeinsam mit ihm. Er hat mich so vieles gelehrt:

  • Ein Garten wird nie ein abgeschlossenes Projekt sein. Und seitdem ich das verstanden und akzeptiert habe (es hat einige Jahre gebraucht), weitet sich diese Sicht auf andere Lebensfelder aus.
  • Ich mache viele, viele Fehler. Trotzdem blüht immer irgendwas. Irgendwas kann ich immer ernten. Und wenn es Brennnesseln sind.
  • Nichts blüht das ganze Jahr über. Auch ich nicht.
  • Der Garten ist Fitnessstudio, Therapie und ein halbes Jahr lang Gemüse- und Obstlieferant.
  • Ich herrsche nicht über den Garten (das ist fürchterlich anstrengend und verdirbt die ganze Gärtnerfreude), sondern ich bin Beobachterin und Gestalterin.
  • Kein Garten lässt sich über Nacht aus dem Boden stampfen und sieht dann aus wie ein Pinterest-Cottagegarten. Es braucht Zeit. Viel Zeit.
  • Ich bin kein geduldiger Mensch. Fragt meine Familie. Nichts hat mich so sehr Geduld gelehrt wie ein Karottenbeet.
  • Lasse ich Liebe in den Garten fließen, wird er mich zurücklieben.
  • Das Staunen über die Vielfalt der Schöpfung lässt nicht nach. Man könnte meinen, mit der Zeit stumpft man als Gärtnerin ab. Aber ich werde mich wohl noch mit 80 an den ersten grünen Spitzen freuen, die sich Anfang Februar aus der Erde schieben.

Wie sehr ich mir wünsche, dass du neue Freude an deinem Garten oder Balkon bekommst. Dass du vielleicht ein paar Kräutertöpfe auf den Balkon stellst. Den Perfektionismus zur Seite schiebst. Deinen Garten mit ganz neuen Augen ansiehst.

Und einfach mal machst.

Familie

Garten für Träumer – Part 3

Ich feiere den Regen so hart. Hier ist es so grün wie seit drei Jahren nicht mehr! 

Komm, wir gehen gemeinsam weiter in meinem Garten.

Wir gelangen in den Seitengarten, der einst Dornengebüsch war. Jetzt vermischen sich hier Sitzplatz, Kübelpflanzen, Kräuter und Tomaten. Oft sitze ich hier am Morgen mit meinem Kaffee – und wenn es nur fünf Minuten sind! Merke: Man kann nie genug kleine, lauschige Sitzplätzchen im Garten haben. Jeder eröffnet neue Sichtachsen und fängt die Sonne zu einer anderen Tageszeit ein.

Mein Kräuterbeet war der Startschuss auf diesem Grundstück, noch bevor die ersten Bauarbeiter anrückten. Man muss ja gleich von Anfang an die Prioritäten richtig setzen. Wer braucht schon einen Fußboden und Elektrizität, wenn er Thymian, wilden Quendel, Borretsch, Zitronenmelisse, Zitronenverbene, Schnittlauch, Koriander, Oregano, Salbei und Petersilie haben kann? Alle mediterranen Kräuter habe ich in ein kleines Bett aus Kies und mageren Boden gesetzt, weil sie meine Kompostgaben im letzten Jahr nicht leiden mochten (sie waren so kümmerlich, also düngte ich wie eine Weltmeisterin. War ein Riesenfehler, wie ich lernte. Sie möchten einfach ihre Ruhe. In einem Kiesbett. Fertig. Und jetzt wachsen sie endlich!). 

Einst
Heute
Einst
Heute

Weiter geht’s auf meinem neu angelegten Kiesweg mit seinen eigenwillig verlegten Randsteinen. Die hab ich letztes Jahr einbetoniert. Natürlich ohne Richtschnur und frei Schnauze, weil ich ein 80/20-Typ bin. Ich mach’s zu 80% richtig. Der Rest ist mir dann auch egal, weil mir Zeit, Kraft und Lust fehlen.

Letzte Woche stand hier eine Freundin – ebenfalls im Sternzeichen Gartenenthusiastin und schmunzelte über dieses kleine Rasen/Unkrautfläche. „Das ist so deutsch!“ Ach ja. Erwischt. Ich mag kleine, sinnlose Rasenflächen, weil ich auf ihnen am Morgen barfuß gehen kann und mich das an meine Kindheit erinnert. Überhaupt habe ich ein paar sinnlose Sachen im Garten, die einen radikalen Biogärtner empören würden. Aber ich brauche Nostalgie! Und daher findest du hier auch die verschriene Forsythie, den nutzlosen Flieder und ein bisschen Buchs, weil sie alle miteinander Kindheitsflair verströmen.

Die typisch deutsche Minirasenfläche ist umrandet von meinem Tomatenbeet. Ja, ich setze die Tomaten jedes Jahr an die gleiche Stelle, auch wenn da mancher Gartenexperte die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Funktioniert! Im Frühjahr kommt Pferdemist und Mulch auf die Beete und im September erschlagen mich die roten Früchte. Tomaten lieben warme Hauswände, die bis in die Nachtstunden Sommerhitze abstrahlen!

Und jetzt kommst du in den unteren Gartenbereich. Dort wo selten die Sonne hinscheint. Hier stand ich vor fünf Jahren mit meinem Mann. Wir waren auf Häuserjagd. Dieses Häuschen verwarf ich just in dem Moment, als ich den Schattengarten sah. Hier würde niemals etwas wachsen und dabei träumte ich doch von einem überquellendem Selbstversorgergarten, wie man sie auf Youtube sieht!

Fünf Jahre später habe ich den Salat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der mag es nämlich gar nicht so sehr sonnig, sondern fühlt sich pudelwohl im Schatten. Wie auch andere Gemüsesorten: Rote Beete, Kohlrabi, Erbsen, Möhren, Spinat, Rhabarber, Zwiebeln, Knoblauch, Radieschen, Pastinake. Ja, selbst Erdbeeren und Kartoffeln und viele Kohlsorten gedeihen hier. Nicht immer üppig, aber ich bin überrascht, was geht, wenn man einfach mal macht! 

Dieses Haus und der Garten lehren mich, nicht erst auf Idealzustände zu warten, sondern mit dem zu arbeiten und hantieren, was da ist. Das Beste daraus machen. 

Ich habe mit einem erhöhten Beet angefangen. Die restlichen Terrassenbretter verbaut. Dann kamen noch weitere Beete dazu. Mit jedem Jahr und wachsender Kraft habe ich den Gemüsegarten Stück für Stück erweitert. Ich probierte verschiedene Dinge aus: Kartoffeln in Tonnen (war mäßig erfolgreich). Hügelbeet (war ganz nett, aber auch nicht der Brülller). Bohnen-Tipi (mega!).

In diesem Frühjahr hab ich es mir total gegeben. Neue Hochbeete hingeklotzt. Hochbeete sind ja ein Thema, bei dem man viel Geld verbrennen kann. Meine Güte! So ein Hochglanz-Hochbeet, aus dem ich dann mal fünf Möhren, zwei Zwiebeln und drei Salatköpfe ernte, kann beim Gartenmarkt des Vertrauens an die 200 Euro kosten. Soviel ist mir kein Salatkopf wert. Viele bauen ein Hochbeet aus Paletten. Ich mag aber den Style nicht. Ich stieß auf ebay Kleinanzeigen auf gebrauchte Palettenrahmen (Stück ca. 8 Euro). Ich hab sofort zugeschlagen. Die Rahmen lassen sich beliebig hoch aufeinander stapeln. Dann noch Teichfolie reintackern. Zack. Fertig. Ganz nach meinem Geschmack: günstig, schnell, unkompliziert. Ich habe selten so mühelos ein neues Beet angelegt. Meinen neuen Kartoffelacker habe ich mit der bewährten Kartonmethode angelegt. Karton auf den Boden, dieses Mal 20 cm Erde draufgeschichtet (habe ich mir liefern lassen, da ich nicht genug eigenen Kompost vorrätig hatte). 

Mein Garten ist von Wildnis umzingelt. Ein stark vernachlässigter Schlosspark, in dem sich Kauze und Füchse und Fledermäuse tummeln. Und Schnecken. Sobald ich zarte Salatpflänzchen aus dem Haus in den Garten trage, wittern sie dies am anderen Ende des Parks und versammeln sich zum Exodus ins Gelobte Land. Du ahnst es: mein dunkelstes Kapitel mit meinem Garten!

Ich habe alles ausprobiert: Bierfallen (ist ja ganz lustig, im Alkohol zu ersaufen, nur leider plumpsen hier auch die nützlichen Schnegel rein). Kupferband (Die Schnecken lachen sich leider nicht tot und kriechen unter den Hochbeeten noch oben). Schnexagon (hat mäßig gewirkt, ist aber schmerzhaft teuer). Über Kaffeesatz und Eierschalen kriechen sie schulterzuckend hinweg. Mulchen mit Schneckenkorn ist eine Idee, tötet aber auch die Schnegel. Es hilft nur eine todsichere, mechanische Methode: abends in den Garten und die Schnecken zerschneiden absammeln. Andere schwören auf Laufenten. Nur leider darf ich keine weiteren Haustiere mehr anschaffen. Ein gewisser Mitbewohner ist dezent genervt von unserem Zirkus. 

Im Frühjahr wächst meine Gartenmotivation ins Unermessliche. Ich zeichne auf kariertem Papier elaborierte Pläne. Was? Wann? Wohin? In der Theorie halte ich Abstände und Fruchtfolge und die korrekte Mischkultur ein.  Aber sobald ich vor meinen Beeten stehe, herrscht in meinem Kopf blankes Chaos und ich pflanze alles so, wie ich es für richtig halte. Pläne sind dazu da, über den Haufen geworfen zu werden. Die Mehrheit des Gemüses wächst überraschend gut. Und manches muss ich erst durch Ausprobieren lernen. Zum Beispiel, dass Möhren im normalen Beet nie aufgehen. Oder bereits weggefressen werden, sobald sie ihre zarten Hälmchen an die Oberfläche schieben. Aber jetzt, im Hochbeet, fühlen sie sich pudelwohl und ich darf auf eine reiche Ernte hoffen. 

In der Nähe der Beete steht unser 1000-Liter-Wassertank. Eine gute, eine sehr sehr gute Investition. Der Inhalt wurde in den letzten Sommern knapp, so dass wir noch einen weiteren Wassertank an anderer Stelle unseres Hauses planen. Und daneben setze ich im Juni Brennesseljauche an. Bester Dünger ever.

Und ganz hinten stinkt der Kompost vor sich hin. Verrichtet seine wundersame Alchemie, die aus Bioabfällen duftende Erde produziert. Ganz von alleine. Zweimal im Jahr schichte ich die Masse um, um Luft an den Kompost zu bringen. Sonst schimmelt er nur vor sich hin. Im Herbst und Frühjahr siebe ich ihn. Und dann kommt er auf die Beete. Nur nicht auf meine mediterranen Kräuter. Das hab ich durch Try and Error bitter gelernt. 

Was anfangs wie ein unmöglicher Garten aussah, hat sich zu einem Garten der unendlichen Möglichkeiten entfaltet. Man braucht Augen der Liebe und Geduld. Und den unerschütterlichen Willen, es einfach mal auszuprobieren. Vielleicht wachsen keine Möhren. Dafür aber eine Menge Blumenkohl. 

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Zum Weiterlesen:

Prinzip Permakultur

Der Biogarten (meine Bibel)

No Dig Organic Home & Garden

Bin im Garten

Mein Wildgarten

Zum Schauen:

Jedes Wochenende zelebriere ich BBCs „Gardener’s World“ mit Monty Don. Ich liebe und verehre ihn. Hach, die exzentrischen Engländer. Keiner kann so schön leidenschaftlich gärtnern wie sie. Leider kann ich die Sendungen nur auf Youtube aufrufen.

Gartengemüsekiosk

Noch ein Engländer: Charles Dowding

Permaculture

….Und habt ihr noch Literatur- und Videotipps?

Familie

Garten für Träumer – Part 2

Wow. 

Danke für die vielfältige Resonanz auf meine Mai-Gartenreihe! 

Wer mit dem Gärtnern beginnen oder seinen Garten neu gestalten möchte, steht vor einem Mount Everest an Fragen. Und genau das kann einen schier überwältigen und davon abhalten, tatsächlich zu starten und sich die Hände dreckig zu machen. Wie werde ich dem Unkraut Herr? Wie kann ich einen Garten schaffen, der mir nicht zu viel Arbeit macht? Was soll ich in meinen lehmigen Boden pflanzen? Ich habe nur einen Balkon – möchte aber gerne Tomaten ziehen! 

Um Angst und Unsicherheit in Schach zu halten und die Freude nicht zu verlieren, sollte man jeden Mount Everest in seinem Leben auf einzelne gangbare Schrittchen herunterbrechen. Sonst wird man ja verrückt. Sonst wird der Garten zur schier erschlagenden Arbeitslast. 

Interessant übrigens, dass der Engländer vom Gardening spricht und der Deutsche von der Gartenarbeit. Vielleicht müssen wir mehr das britische Mindset übernehmen. Uns selbst ein bisschen austricksen. Die Arbeit als Vergnügen, als Bewegung an der frischen Luft, als innige Verbindung zur Schöpfung betrachten.

Fake it until you make it. Würde der Amerikaner dazu sagen. 

Ich habe mir den Kopf zerbrochen, wie ich vorgehen kann. Ich könnte hier mein halbseidenes Amateurwissen komplett ausbreiten (was den Rahmen sprengen würde). Und selbst dann wärt ihr nicht glücklich. Denn mein Garten ist wahrscheinlich ganz anders als deiner. 

Aber weißt du was? Ich nehme dich mit in meinen Garten. Wie wäre das? Wir machen eine kleine, gemeinsame Reise durch meine unterschiedlichen Gartenbereiche. Ich werde aus dem Nähkästchen plaudern und das weitergeben, was bei mir funktioniert hat, was allgemeingültig ist und was hier gar nicht klappt. 

Gärtnern hat einen starken Nachahmungseffekt. Schüttet einer in einer Neubausiedlung fünf Tonnen Schotter in seinen Vorgarten, garniert mit einem Baumarkt-Buddha, ploppen binnen kurzer Zeit in der Nachbarschaft weitere asiatisch angehauchte Gärten des Grauens auf. Und wäre das nicht schön im Umkehrschluss? Wir schaffen uns in unseren Gärten giftfreie, kleine Öko-Oasen mit Bienenstauden und Wiesen und alten Obstsorten und auf unseren Balkonen ziehen wir Tomaten und Kräuter! Und dann hoffen wir, dass uns unsere Nachbarn dies gnadenlos nachmachen.

Du hast deine ganz eigenen Ideen, Vorstellungen und Träume von deinem Garten oder Balkon.

Grundsätzlich sollte jeder Garten folgende Eckpfeiler aufweisen: 

  • Vielfalt
  • Schönheit (liegt immer im Auge des Betrachters. Für den einen ist eine Wildblumenwiese schön. Für den anderen eine ordentlich gestutzte Hecke)
  • Nutzen (dafür musst du kein Gemüse und Obst anbauen. Ich finde, jede Art von Garten bringt bereits einen therapeutischen Nutzen mit sich….)
  • Nachhaltigkeit
  • Kreislauf (wir behalten den Grünschnitt und kloppen ihn auf die Beete. Und sammeln Regenwasser)
  • Kreativität

Also komm mit zu mir nach Hause. 

Wenn du mich besuchst, fällt dir als erstes der Garten vor dem Haus auf. Diese Fläche bot vor vier Jahren diesen jämmerlichen Anblick. 

Eine hohe Tanne. Darunter trockener Boden und alter Liguster und Brombeerranken. Ich wusste: Genau dort möchte ich einen Bauern-Staudengarten haben! Der Vorgarten ist wie eine Visitenkarte. Und wer hier ankommt, soll wissen: Hier haben wir Freude und lieben die Kreativität und Natur!

Liguster und Tanne sagten still Auf Wiedersehen. Den Tannen-Baumstumpf ließ ich stehen. Als Podest für den Kaiser Franz Ludwig. (Ein Ton-Projekt aus der 10. Klasse, von dem ich mich zum Unmut meines Mannes nicht trennen kann und werde).

Um mir Arbeit, Zeit und Geld zu sparen, legte ich auf der kompletten Fläche unsere übriggebliebenen Umzugskartons aus (Kreislauf!). Ich schichtete Heu, welches ich mir von einem Bauern liefern ließ, 20 cm dick auf die Kartons. (Bei Kartons bitte darauf achten, dass sie unbeschichtet sind). Bei einer alten Frau mit beneidenswertem Bauerngarten im Nachbarort fragte ich an, ob ich ein paar Pflanzen aus ihrem Garten haben könnte. Mit Freude drückte sie mir zwei Kartons mit Jungpflanzen in die Hand. Ohne jegliche Planung setzte ich sie wild durcheinander auf mein Heubeet. Wie das funktioniert? Da musst du einfach nur das Heu ein wenig zur Seite schieben, ein kleines Loch in den Karton schneiden und das Pflänzchen in die Erde darunter setzen.

Was soll ich sagen? Dieses Experiment war ein voller Erfolg! Und absolut kostengünstig. Während andere Gärten unter dem Dürresommer 2018 litten, blühte dieses Gärtchen auf, dass es die reinste Freude war. Denn Heu und Karton hielten das Wasser im Boden. Es gibt keine bessere Methode als das Mulchen, um Wasser zu sparen und seinen Pflanzen durch Trockenzeiten zu helfen. Außerdem bildet die Mulchschicht mit der Zeit wertvollen Humus. Also: Rasenschnitt immer auf die Beete! Und in meinem Fall der Mist aus dem Kaninchenstall, der sonst meinen Komposthaufen zum Überlaufen brächte.  

Ich habe mir mit der Zeit noch mehr Stauden zugelegt. Vor allem solche, die mit der Trockenheit und Hitze gut zurechtkommen. Da ist eine Staudengärtnerei Gold wert. Baumärkte und Gartencenter haben eine eher geringe Auswahl mit wenig bis gar keiner Beratung. Wer Geld sparen möchte: Um Staudenableger bei Freunden, Nachbarn und Bekannten bitten. Und selber aus Saatgut ziehen (spart Müll!)

Eine Auswahl meiner Lieblinge: Kugeldistel, Veronica (war klar, oder?), Fetthenne, Blutweiderich, Katzenminze, Lavendel, Lungenkraut, Echinacea, Mohn, Schafgarbe, Glockenblume, Herbstaster, Phlox, Spornblume, Fingerhut, Storchschnabel, Elfenblume.

Ich ziehe auch immer einjährige Sorten, die ich im Mai in die Lücken zwischen den Stauden pflanze. Dieses Jahr: Cosmeen, Spinnenblume, Löwenmäulchen, Zinnien, Nelken-Leimkraut, Sonnenblumen. Auch hier: Blumen aus Saatgut ziehen ist kostengünstiger und umweltfreundlicher. Ich habe meist so viele übrig, dass ich den Rest in Kübel und Terrakottatöpfesie pflanze. Was hab ich früher Geld ausgegeben für hochgezüchtete Balkonpflanzen! Die auch noch völlig nutzlos waren für die Insektenwelt. Ich pflanz neuerdings liebend gerne Stauden in Gefäße, da sie jedes Jahr wiederkommen und damit weniger arbeitsintensiv ist. 

Übrigens: Ein Staudengarten ist auf lange Sicht pflegeleichter als eine Schotterfläche und leitet Sommerhitze ab. 

Falls dich mein Farbkonzept interessiert: Ich habe keines. Ich habe überhaupt kein Konzept. Mein Garten ist völlig impuls- und lustgesteuert. 

Auf der anderen Seite des Blumengartens begrüßt dich eine traurige Fläche. Hier stand bis vor kurzem noch ein gewaltiger Wacholderbaum. Den habe ich fällen lassen. Schweren Herzens. Wie lange ein Baum braucht bis er seine volle Größe erreicht! Und dann kommt ein Menschlein daher und erklärt: „Hier ist der einzige Fleck auf dem Grundstück, wo den ganzen Tag die Sonne scheint. Und wo ich Zucchini, Mais, Gurken und Kürbis anbauen kann. Weg mit dir!“

Tja, letzten Endes esse ich halt doch lieber Kürbis als Wacholderbeeren. Sorry. 

Die Fläche decke ich mit einem schwarzen Vlies ab, damit die Beikräuter darunter eingehen. Dann will ich hier so vorgehen, wie bei meinem Karton-Heu-Staudenbeet. Loch ins Vlies, kleines Loch buddeln, Kürbis rein. Zack. Fertig. Aber es folgte die späte Rache des Wacholders. Unter einer dünnen Erdschicht lauert: 

Schotter! Schotter! Schotter! 

Das muss früher mal ein Parkplatz gewesen sein.

Aber ich werde dem Schotter meine eigensinnige Stirn bieten und es trotzdem mit dem Anbau probieren. Genau das ist Gärtnern. Einfach mal machen. Und dann scheitern. Oder Erfolg haben. Beobachten. Lernen. Seine Schlüsse ziehen. 

Und dann im nächsten Jahr Hochbeete draufklotzen, wenn mit dem Boden gar nichts gehen sollte. 

Und was ist mit dem Unkraut- bzw. Beikrautmanagement? Da bring ich wieder die Mulchschicht ins Spiel. Ich mulche mit allem, was mir in die Hände kommt. Bei uns wird keine einzige Anhängerladung auf die Grüngutdeponie gefahren. Was noch hilft? 

Bodendeckerpflanzen. Und dicht bepflanzen. Mit dieser Art Hacke die Oberfläche leicht durchhacken. Am besten, wenn die Erde leicht feucht ist. Aber bitte niemals Gift einsetzen! Oder lass einfach ein bisschen was von den Beikräutern am Leben. Bei mir kommt zum Beispiel überall im Garten Borretsch und Beinwell. Ich lass beides stehen, wo es passt. Erstens sind sie hübsch. Und zweitens fahren alle Bienen und Hummeln ganz fürchterlich drauf ab.

Aus unserem Küchenfenster blicke ich direkt auf meinen Vorgarten. Mein Abwasch geht leicht von der Hand, während ich dabei verträumt auf meine Blumen blicke. Kein Tag ist gleich. Tapsige Hummeln, nervöse Rotschwänze, eifrige Bienen und sonnentrunkene Schmetterlinge taumeln zwischen den Sträuchern und Stauden hin und her. Der Wechsel der Jahreszeiten ist greifbar. Die Stauden überbieten sich in ihrer Üppigkeit. Es gibt kaum etwas Befriedigenderes als ein Sommergarten.

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  • Was sind eure Erfahrungen mit Blumen und Stauden?
  • Wenn ihr schon mal ein Beet neu angelegt habt, wie seid ihr vorgegangen?
  • Wer Fragen hat, darf sie hier gerne stellen. Vielleicht kann ja auch der eine oder andere Leser antworten? Denn jeder bringt seine ganz eigenen Erfahrungen mit….

Garten

Garten für Träumer – Part 1: Wie alles anfing

Alle Gartenfreunde aufgepasst….und die, die es werden wollen…..und die, die es überhaupt nicht interessiert:

Ich werde im Mai eine Gartenreihe machen. Aufgrund erhöhter Nachfrage will ich dem Wunsch doch gerne nachkommen. Auch wenn ich absolut keine Expertin bin. Mit einem Garten ist es nämlich so wie mit einem Baby. Keines gleicht dem anderen. Jedes hat seine ganz eigenen Bedürfnisse und Macken und Schönheiten. Ein Tipp kann immer nur eine Annäherung sein, niemals ein in Stein gemeißeltes Gesetz (ok, bis auf die wirklich offensichtlichen Dinge wie z.B. „Rette deine Pflanzen vor dem Verdursten!!“)

Auch wenn du gar kein bisschen Grünfläche hast oder dich nur marginal fürs Gärtnern interessierst, lade ich dich ein, mit dabei zu sein. Denn manchmal kann es dummerweise passieren, dass wir uns von einer Begeisterung anstecken lassen, zögerlich etwas Grünzeug auf unserer Fensterbank ziehen und zack: sind wir mit Mutter Erde verbunden und bekommen ein Sehnsucht, die uns nicht mehr loslässt.

Das ist mein Wunsch: gemeinsam Freude am Ausprobieren finden. Egal, ob Grünzeug auf der Fensterbank oder ein neues Hochbeet.

Das ist nicht mein Wunsch: Strenge Rasenkanten und strenge Regeln.

Heute erzähle ich dir von meinen Anfängen. Und in den nächsten zwei Wochen gehts an die Praxis. Das Päckchen verschnüre ich am Ende noch mit ein wenig Philosophie. Und dann sind wir hier wieder bei der Tagesordnung (*Alle Gartenhasser atmen auf*)

Ich bin in einem grandiosen Garten aufgewachsen. Das ist nicht übertrieben. Der Garten, das Reich meiner Mutter, war ihr Zufluchtsort, in den sie ihre ganze Kreativität fließen lassen konnte. Als ich groß genug war, bekam ich ein kleines Eck zugeteilt. Ich bin von Natur aus begeisterungsfähig und gut in den Anfängen. Nicht so sehr im Durchhalten. Ich zog also mit Feuereifer Rillen, streute Radieschen hinein und dann verließ mich auch schon wieder die Lust. Giersch und Mutterkraut übernahmen das Ruder in meinem Eck und das war’s dann für die nächsten 30 Jahre mit meiner Gärtnerkarriere.

Ich flog durch die Welt (ok, nur Europa) heute Florenz, morgen Paris. Die Stewardessenuniform im Gepäck, die Sehnsucht von Wurzeln und Zugehörigkeit im Herzen. Ich lebte zu der Zeit in der Stadt, in einer Erdgeschosswohnung. Der Garten gehörte der Vermieterin und ein alter Apfelbaum am Zaun wurde mir zum knorrigen Freund. Immer war er da. Und im Herbst brach das Landmädchen in mir durch, sammelte die Äpfel, die niemand wollte, auf und kochte sich daraus Apfelmus. Und dann besorgte ich je einen Topf Schnittlauch und Petersilie, fragte meine Vermieterin, ob ich sie an den Rand ihres Blumenbeets setzen dürfte. Wenn ich schon ein unstetes Leben führte, brauchte ich etwas Verlässliches. Und das waren meine zwei Kräuterpflanzen und der alte knorrige Apfelbaum, die mich treu versorgten. Sie warteten, während ich durch die Welt (Europa!) jettete und begrüßten mich still bei meiner Heimkehr.

Ich wusste, wenn ich mal groß bin, möchte ich einen kleinen Garten haben. Mit einem Apfelbaum und Schnittlauch und Petersilie. Armin und ich heirateten, bekamen Kinder, zogen aufs Land. Mieteten ein kleines Haus mit einem großen verwilderten Garten. Ich hatte absolut keine Ahnung (nur wie man Radieschen sät). Aber meine Sehnsucht nach Verwurzelung beflügelte mich. Ehrlich: ich traf nicht immer die besten Entscheidungen für diesen Garten. Bambus? Neverever again. Ist invasiv wie eine Seuche. Der Wilde Wein an der Hauswand? Ähäm. Der Vermieter wollte uns beim Auszug verklagen. Er ließ sich nicht von meinem Argument überzeugen, dass er doch so hübsch anzusehen ist.

Was ich lernte: Niemand wird als Gärtner*in geboren.

Es ist etwas, das man sich über Jahre in Babyschritten aneignet. Ich hatte Vorzeigegärten vor Augen und verzweifelte an mir selbst und der LANGSAMKEIT, mit der sich so ein Garten entwickelt. Aber das waren alles Gärten, an denen entweder Profis aka Gartenbauunternehmen Hand angelegt hatten (zu teuer! Und letztendlich oft steril) Oder Gärten, die über Jahrzehnte gewachsen waren.

Vor vier Jahren sind wir in unser Häuschen an diesem neuen Ort eingezogen. Und glaube mir: der Garten war eine Herausforderung wie für einen Bergsteiger der Mount Everest. Brombeerhecken. Efeu. Wildnis. Dichter Lehmboden.

Was machst du, wenn du dich überwältigt fühlst? Du nimmst nicht alles auf einmal in Angriff, sondern fängst in einer kleinen Ecke an. Und arbeitest dich mit Babyschritten vor. Und entfernst alle überhöhten Erwartungen aus deinem Herzen wie Brombeerranken aus dem kleinen Garteneck. Und dann liest du. Und lernst. Und fragst andere Hobbygärtner. Und im ersten Jahr erntest du fast gar nichts. Im zweiten dann schon mehr. Im dritten kannst du Zucchinis verschenken.

Mein Garten ist nichts, was ich mir untertan machen kann. Das ist die wichtigste Lektion. Ich kann nur mit ihm arbeiten, sein Ökosystem beobachten und helfend eingreifen. Ich muss seinen Rhythmus verstehen lernen. Wann steht wo die Sonne? Warum mag die eine Pflanze hier nicht stehen? Und vielleicht kann ich lernen, einen Teil der Ernte mit den Schnecken zu teilen?

Mittlerweile wende ich Prinzipien aus der Permakultur in meinem Garten an. Das ist eine Ethik, die Kreisläufe schließt. Z.B. nutze ich kein Trinkwasser zum Gießen, sondern sammle Regenwasser in großen Tanks. Rasenschnitt kommt nicht in die Bio-Tonne, sondern direkt auf die Beete (ganz nach dem Motto „So wenig nackte Haut Erde wie möglich“. Und ich verwende Materialien, die ich hier am Haus oder in der Wildnis finde. Als wir das Dach unseres Schuppens abtrugen, blieben viele halbverrottete Balken übrig. Die habe ich alle als Beetbegrenzung eingesetzt. Ich bin weit von einem hundertprozentigen Permakultur- und Vorzeigegarten entfernt. Meinen Garten sehe ich als einen Prozess, niemals als fertiges Projekt. Wenn ich mich auf diese Unfertigkeiten einlasse, dann ist ein Garten keine Last, sondern Lust. Dann kann ich mit den wilden Ecken leben und mit den angefressenen Kohlpflanzen und verlausten Rosen.

Ich habe jetzt vier Apfelbäume. Und soviel Schnittlauch und Petersilie, wie wir nur essen können! Mein Garten ist mir Kraftort geworden, wo Mutterkraut und Giersch wachsen. Nur nicht in meinen Radieschenbeeten!