Familie

Darf Frau sich langweilen?

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Wie den Schnee mit der Schneeschaufel schiebe ich diesen Blogpost vor mir her.

Es geht heute nämlich ums gefürchtete Nichtstun. Leerlauf. Langweile.

Welche Familienfrau gibt in in dieser pandemiegeplagten Zeit zu, dass sie sich langweilt?

Ich.

Deshalb fällt mir dieser Blogpost so schwer. Weil ich mit meinem Ennui aus der Reihe tanze. Und anderen damit auf die Füße trete – obwohl ich das ja gar nicht möchte.

Aber von Anfang an. Meine Mädels sind nun in einem Alter, in dem sie das Homeschooling zum größten Teil alleine wuppen. Sie brauchen mich nur noch zum Mittagessenkochen, Tintenpatronenkaufen und gelegentlich zum Vokabelnabfragen. Vielleicht nehme ich das alles auf eine allzu leichte Schulter. Vielleicht sollte ich mich mehr in ihren Lernprozess investieren, aber dummerweise habe ich den Überblick bereits vor sechs Wochen verloren und keine Absicht ihn wiederzufinden. Ich bin an dieser Stelle wahrscheinlich genau so müde, wie einige von euch. Nun sage ich mir: „Dann werden meine Kinder halt KEINE Nobelpreisträger!! Wir alle werden mit Lücken aus dieser Zeit herausgehen.“ Und ich hoffe – ich naives Wesen! – dass die Lehrpläne angepasst werden. Denn schließlich sollte ja die Schule für den Schüler da sein und nicht der Schüler für die Schule. So hat das Jesus doch mal gesagt, oder?

Während meine Kinder lernen, setze ich mich selbst an den Schreibtisch und arbeite an meinen zwei Buchprojekten. Mein Flow wird von hereinplatzenden Kindern unterbrochen. Mal blockiert der Drucker oder eine Frage kann ohne elterliche Hilfe nicht gelöst werden. Kleine Bodenwellen. Nichts, worüber ich mich aufregen müsste. Das Leben halt. Und ich erinnere mich an die Zeit, als die Kinder kleiner waren und ich fünf Jahre lang keinen Gedanken zu Ende denken konnte.

Nach drei Stunden Kopfarbeit mache ich Feierabend, putze irgendwas, koche irgendwas und dann sitzen wir alle gemeinsam am Mittagstisch. Die Kinder lernen nach dem Mittagessen meist noch eine Zeitlang und ich hau mich aufs Ohr. Lese. Mache ein leckeres Nickerchen.

Am Nachmittag setzt meine Antriebslosigkeit ein. Ich könnte zwar soviel machen. SOVIEL! Den Keller streichen. Die Garage aufräumen. Dieses ausmisten. Jenes putzen. Aber ich sitze mit einem Kaffee vor dem Holzofen und starre in die Flammen. Dann packen wir uns warm ein, gehen eine Runde Schlitten fahren, durch den Wald laufen. Anschließend heiße Schokolade, Kartenspiele, Stricken, noch ein Fitzelchen Hausarbeit, Abendessen, Lachen, Erzählen, Fernsehschauen, Telefonieren. Immer mit vielen Leerlauf-Lücken. Manchmal setzt sich ein Kind zu mir und wir reden einfach, während wir unsere Füße in Sofaritzen stecken. Nutze den Tag. Nutze die Stunde.

Das schlechte Gewissen habe ich in den Urlaub geschickt.

Ganz sicher erlebt die Mehrzahl von euch lieben Lesern / Leserinnen diese Zeit ganz anders. Vor allem, wenn ihr kleinere Kinder im Haushalt habt oder eine Baustelle oder Kinder, denen das Homeschooling schwerfällt, etc. Ich wollte eigentlich nicht mit meinem entspannten Alltag vor eurer Nase herumwedeln, aus Angst, mich unbeliebt zu machen, aus Angst, Neid hervorzurufen. Und das hat mich zu einer ganz anderen Frage geführt:

Welches Frauenbild lassen wir in unserer Leistungsgesellschaft gelten und welches nicht?

Dürfen Frauen entspannt sein? Nickerchen machen? Faulenzen? Dinge gut genug sein lassen, ohne sie perfektionieren zu müssen? Sich Optimierungen verweigern? Dürfen Frauen zugeben, dass sie nicht unter Stress leiden?

Gerade wir Frauen müssen uns an die eigene Nase packen, denn jene steckt sich allzu gerne in die Angelegenheiten anderer (das kann ich leider auch nur allzu gut!). Sobald wir „unangemessenes Verhalten“ erschnüffeln, zielen wir mit Spott oder Neid oder Misstrauen oder Abwertung auf die Frau, die anders lebt.

Und genau dieses Gefühl verfolgt mich dieser Tage. Ich bin nicht „richtig“, weil es mir mitten in der Pandemie ganz ordentlich geht. Weil ich Zeit habe. Mir Zeit nehme. Und lieber mit meinen Kindern Schlittenfahren gehe, anstatt Vokabeln abzufragen.

Wir geben in Achtsamkeitsseminaren und so mancher Therapie viel Kohle aus, um einen Zen-Zustand zu erreichen und dann verbieten wir uns und anderen diesen zu leben? Steht uns die Angst im Weg? Die Angst, wir könnten ins Mittelmaß abrutschen? Unsere Kinder könnten ins Mittelmaß abdriften? Wann wurde eigentlich aus dem guten alten Mittelmaß ein No-Go?

Was lernen Mädchen von uns? Unsere Töchter? Lernen sie, dass Weiblichkeit an Überproduktivität und Stress geknüpft sein muss? Dass Pausen etwas Schlechtes sind? Dass ihr Wert an ihre Leistung geknüpft ist? Dass sie ihrem inneren Antreiber mehr gehorchen müssen als dem natürlichen Rhythmus ihres Lebens? Dass wir nichts sind, solange wir nicht etwas Besonderes sind? Dass es wichtiger ist, die Häkchen immer an die richtige Stelle zu setzen, als mutig die eigene Lebensrealität zu leben?

Das Leben ist doch keine Ziellinie, die wir überqueren müssen, sondern ein Weg mit vielen Abzweigungen, die wir neugierig erforschen sollten.

Ich träume davon, dass wir Frauen aufhören uns gegenseitig kritisch zu beäugen, uns Solidarität schenken, auch wenn die Lebenswirklichkeit der anderen gerade ganz konträr zu meiner eigenen steht. Unsere Vielfalt feiern.

Uns mit unserer Mittelmäßigkeit versöhnen und damit unsere Töchtern tausend Mal besser beschenken als mit einem geschliffenen französischen Vokabular.

23 Gedanken zu „Darf Frau sich langweilen?“

  1. Liebe Veronika,
    danke für diesen Post. Ich habe mich kürzlich mit einer befreundeten Mutter darüber unterhalten, dass sie, so wie ich, gar nicht so viel arbeitet. Ich arbeite Teilzeit und nachmittags ist einfach auch mal Zeit zum lesen zum spazieren gehen oder was auch immer. Ich arbeite sicher keine 40 Stunden pro Woche und habe manchmal meinem armen Mann gegenüber ein schlechtes Gewissen. Für mich steckt dahinter aber immer auch die Frage: darf ich es mir leicht machen? Ich versuche das leicht-machen und die Pausen zu leben, finde es aber nicht einfach. Die inneren Antreiber schwingen nach wie vor ihre Peitschen. Frei bin ich davon nicht. Manchmal finde ich den Satz „es heißt human being nicht human working“ … hilfreich, versuche tief einzuatmen und daran zu denken, wie Gott am 7. Tag auf dem Sofa saß und ein Buch las (oder Socken gestrickt hat?) nachdem er die Welt erschaffen hat. Danke für deine vielen ehrlichen Artikel! ich lese deinen Blog so wahnsinnig gerne und freue mich jede Wochen, wenn etwas Neues in meinem Posteingang landet.
    Liebe Grüße
    Catherine

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  2. Liebe Veronika,

    Vielen Dank für deine Ehrlichkeit und diesen ermutigenden Eintrag.
    Das Thema Frauenbild beschäftigt mich auch schon seit längerer Zeit und ich musste lernen gnädig mit mir und anderen zu sein. Oft tappe ich wieder in die Perfektionismus Falle und muss mich erneut zum Nichtstun und delegieren zwingen.

    Ich denke es ist an der Zeit, dass wir Frauen uns gegenseitig dazu ermutigen Pausen zu machen, Hilfe anzunehmen, und uns gegenseitig erlauben aus den vorgefertigten Rollenbildern auszubrechen. Vielen Dank, dass du hier voran gehst und dich traust ehrlich zu sein.

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  3. Voll schön geschrieben liebe Vroni! Meine Kids dürfen in die Notbetreuung da wir beide systemrelevant sind aber wir handhaben es ähnlich wie du. Die Zeit die wir haben wird genossen und wir machen das Beste aus „Corona“.

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  4. Liebe Veronika,
    Dein Artikel spricht mir aus der Seele.
    Meine Kids homeschoolen überwiegend selbstständig und ich habe immer wieder spontane Leerlaufphasen. Oft fehlt mir grad auch der Elan, die Zeit „sinnvoll“ zu nutzen und „produktiv“ zu sein, bzw hinter den Schulsachen mehr hinterher zu sein, dass es „ordentlicher“ erledigt wird. Und dann denke ich: ich mag nicht. Es läuft doch.
    Kein Nerv für Stress.
    Mehr Nerv für gemeinsam Spiele zu spielen am Nachmittag, Kuchen zu backen, zu puzzeln (Danke für die Inspiration!) und dabei via Spotify die neuen 5 Geschwister Hörspiele zu hören. Gemütlich und entspannt. Ab und zu kleines Spaziergängle in der Kälte. Mal mit den Kids, mal mit dem Mann, ner Freundin oder alleine, wenn ich Zeit mit meinen Jesus brauche.
    „Hätte“ und „Könnte“ machen mir öfters ein schlechtes Gewissen, aber ich bin irgendwie im Winterschlaf. Und hebe meine Kraft auf, um die zeitweiligen (coronabedingten) emotionalen Schwankungen der Kids abzufangen.
    Ich bin privilegiert. Das weiß ich. Und dankbar dafür.
    Liebe Grüße
    Caroline

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  5. Liebe Veronika, vielen Dank für Deine Ehrlichkeit und Deinem Ja zu einem mittelmäßigen, unspektakulären Alltag mit vielen Freiräumen. Die Beschreibung Deines Tagesablaufs klingt wunderbar! Der Weg dahin ist allerdings aus eigener Erfahrung echt nicht einfach. Eine meiner größten Umstellungen seit Beginn der Pandemie ist die Tatsache, dass jetzt eigentlich immer jemand daheim ist. Der Mann im homeoffice und mindestens eins der erwachsenen Kinder. „Gebraucht“ werde ich ähnlich wie Du hauptsächlich in der Küche und habe viel freie Zeit. Und trotzdem fiel es mir anfangs schwer, mich ohne schlechtes Gewissen oder das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, einfach an den PC oder mit einem Buch hinzusetzen. Gewisse Grundstrukturen brauche ich natürlich auch für mich selbst, um einigermaßen in Schwung zu bleiben, doch immer mehr übe ich mich darin, diese (für mich) entschleunigte Zeit einfach anzunehmen und bewusst auszukosten. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen, doch vielleicht werden wir gerade jetzt darauf vorbereitet, diese dann achtsamer zu leben, mit weniger Terminen und frei von inneren Antreibern und Perfektionismus 🙂

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  6. Liebe Vroni und all ihr lieben Kommentatorinnen, Danke für eure wunderbare Ehrlichkeit! Ich habe gestern ganz bewusst eine mir zugewiesene Aufgabe, die ziemlich zeitintensiv gewesen wäre, abgelehnt, um weiterhin am Nachmittag Schlittenfahren gehen zu können und nicht am Schreibtisch sitzen zu müssen! So habe ich es auch offen und ehrlich begründet! Es war ziemlich herausfordernd und neu für mich, aber es hat so gut getan, ehrlich darauf zu schauen, was mir gut tut und was ich möchte! Es wird wirklich Zeit, dass ich lerne, freie Zeit von ganzem Herzen zu genießen und nicht mit Arbeit zu füllen! Das ist Leben!
    Seid gesegnet ihr alle, die ihr das auch gerade lernen dürft! Wie schön, auf diesem Weg gemeinsam unterwegs zu sein!

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  7. Liebe Veronika,
    Du sprichst mich mit Deinem Beitrag sehr an. Auch ich erlebe gerade eine sehr ruhige Phase in meinem Leben. Und habe dabei ein schlechtes Gewissen. Nachdem das letzte Jahr im Pflegebereich sehr stressig war und viele bestehende Probleme bei meinem bisherigen Arbeitgeber verschärft hat, habe ich eine neue Arbeitsstelle gefunden. Nun habe ich noch Resturlaub vom Vorjahr und Überstundenabbau, und bin vier Wochen zuhause. Meine Kinder sind erwachsen, mein Mann in der Arbeit. Es fällt mir schwer das alles zu genießen. Es ist halt einfach in very busy zu sein.
    Dein Text ermutigt mich!
    Vielen Dank dafür!
    LG Susanne

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  8. Liebe Veronika
    Danke für deinen Blog! Er ist mir immer wieder eine Ermutigung und inspiriert mich.
    Auch wenn wir in der Schweiz die Schulen noch offen haben und meine vier Kinder, sprich
    drei davon am Morgen in der Schule sind, nehme ich mir immer mal wieder ein bisschen Zeit um mit dem kleinsten Schlitteln gehen.
    Obwohl mich dann der Wäscheberg und der staubige Flur manchmal schon sehr nerven… Weil ich von Natur aus ein wenig Ordnung brauche für meine Seele 🙂
    Ich muss lernen über dem „unfertigen“ zu stehen können und auch dann ausgelassen durch den Flur tanzen. Das habe ich mir als Vorsatz für 2021 fest vorgenommen.
    Ich möchte meinen Kindern wirklich mitgeben und auch vorleben ( ich übe es ) das es wichtig ist auch mal einfach „Sein“ zu können.
    Für uns als Familie ist Corona was positives ( mal mehr mal weniger ) 🙂
    Ich wünsche euch allen viel durchhalte willen und Freude!
    Und neue Ideen zum entspannen…
    Grüsse Eliane

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  9. Liebe Veronika,
    Du sprichst aus der Seele, meine Kinder sind nicht alle Selbstständig, trotzdem brauchen Sie mich weniger, putzen macht mich auch nicht mehr glücklich. Ich dachte schon ich komme in die Midlife Krise, ich stehe kurz vor meinem 40. Geburtstag:)
    Ich muss mich denke ich wieder finden in dem „neuen“ Lebensabschnitt.
    Dein Blog ist einfach klasse, mach bitte so weiter, deine ehrliche und offene Art ist toll .
    Sei gesegnet
    Geni

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  10. Liebe Veronika,
    Wie toll du dieses ( heikle) Thema in Worte fassen kannst, ich lese dich immer so gern, auch wenn ich nie was dazu schreibe, dafür lieber denke.
    Ein Lernfeld, auch für mich.
    Alles alles Liebe und Gute für dich,
    Von Herzen,
    Andrea

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  11. Danke, Danke, Danke für Deinen wunderbaren Beitrag. Ich arbeite Teilzeit im Homeoffice, aber auch nur so viel wie notwendig und in der restlichen Zeit gehen wir Schlitten fahren und backen Cookies und genießen die Familienzeit, die ehrlicherweise ja auch nicht immer leicht zu ertragen ist, obwohl ich es liebe, meine Herde um mich zu haben. Annehmen, was gerade ist und nicht nach dem schielen, was sein könnte, ist doch die Kunst. So wie auf dem Foto von dir. Nutze den Tag – so wie er heute ist. Was morgen ist, weiß keine von uns.
    Danke für deine wunderbaren, das Herz berührenden Worte. DANKE!
    CONSTANZE

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  12. Hallo,

    ich lese den Post gerne. Es ist schön, das ihr auch zur Ruhe finden dürft. Mir ist das leider nicht so vergönnt, denn ich habe mich für viele Kinder entschieden und diese sind nun alle zuhause und im online Studium oder Homeschooling oder Kindergartenfrei oder stillend und noch ganz klein. Es ist so schwer, da gerade den Haushalt zu schaffen, den Kindern gerecht zu werden, den überblick beim homeschooling zu behalten, wo er nötig ist. Der Alltag ist so schwer und anstrengend geworden. So gerne hätte ich Leichtigkeit zurück.
    Gerade habe ich meinen Mann gefragt, ob er wohl einen weiteren Monat Elternzeit nehmen könnte. Aber das ist finanziell heikel. Aber darf ich vielleicht auch mal mein Wohl über das stellen? Darf ich dennoch in den Urlaub fahren wollen? Bin ich genug? Darf ich sein?

    Meine Fragen gerade…

    Liebe Grüße
    Andrea – die Großfamilienmama

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    1. Liebe Andrea, dir wünsche ich in deinem trubeligen Alltag doch ab und zu Ruhemomente, Durchatmen und vor allem eine Zeit, in der deine Bedürfnisse gesehen und gestillt werden. Du darfst sein! Unbedingt!
      Liebe Grüße
      Veronika

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  13. Liebe Veronika,
    erst gestern habe ich mit einer Freundin genau über dieses Thema gesprochen…. immer öfters ungewollter Leerlauf in meinem Alltag. Für mich schwer auszuhalten – der Garten macht noch Winterschlaf, der Putzfimmel schläft auch …
    Danke, Danke fürs Teilhaben an Deinen Gedanken!
    Kiki

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  14. Liebe Veronika!
    Super Text! Ich kann mich in ALLEM wiederfinden! Da meine zwei Töchter etwa im gleichen Alter sind wie deine geht es mir ganz genau so! Nur kommt bei mir noch dazu, dass ich sogar „ausschlafen“ kann und die Kids von alleine um 7:00 Uhr aufstehen und mit dem Homeschooling anfangen… Klar gibt es dann Phasen mit Fragen usw. Aber hält sich alles in Grenzen und ich bin auch nicht gewillt da noch mehr einzugreifen, mit zusätzlichen Abfragen oder so… Danke auch für deine Worte im Bezug auf andere Frauen und deren Lebensweise…..
    P. S. Ich freue mich schon sehr auf dein neues Buch!
    Liebe Grüße von Judith

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  15. Liebe Veronika, auch ich gehöre zu denen, deren Kinder noch viel an Zeit und Energie fordern. Ich arbeite wenig und versuche, bei wenig zu bleiben. Ja, manchmal wird es zu viel. Ja, manchmal ist es genau richtig. Und dein Artikel freut mich. Es klingt so wunderbar ausbalanciert. Herrlich. Und ich finde es eine Kunst, das leben zu können. Eine Kunst, die du dir erarbeitet hast. Ich kenne deine Bücher, einen Teil deines (heiligen) Alltags oder das, was du geteilt hast (danke dafür). Und gerade deshalb finde ich es wunderbar. Es gab wilde Zeiten und jetzt gibt es ruhige Zeiten. Und mir wird ganz warm, denn dann gibt es auch wieder ruhige Zeiten für mich. Also danke für den Post. Auch wenn ich in einer konträren Weise lebe, war es ermutigend. Alles Liebe in der Ruhe!

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  16. Liebe Veronika, welch starker Beitrag. Danke. Ich selbst habe schon seit längerer Zeit meinen Alltag mit meinen 4 Kleinkindern entschleunigt. Für mich war es auch eine Wertfrage. Was möchte ich meinen Kindern mitgeben. Das Bild einer in sich ruhenden Mutter, die zufrieden ihre Beine mit den Kindern baumeln lässt oder eine Mutter, die stets die Kinder fordert, da sie einem von irgendjemandem vorgegebenen Ideal entsprechen sollten. Geht es im Ganzen nicht um Beziehung und sich selbst zu finden. Es braucht Mut, doch meine Erfahrung ist, dass andere Menschen einem nicht wirklich verurteilen, sondern selbst das Verlangen danach verspüren, aber einfach noch nicht den Sprung aus dem Laufrad geschafft haben.
    Herzlich Lydia

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  17. Liebe Veronika,

    Wir haben für die nächsten Jahre eine Dauerbaustelle mit unserem älteren Haus und Grundstücke, eine Erstklässlerin, die sich mit Homeschooling nicht so leicht tut, ein gelangweiltes Kindergartenkind und ein zahnendes Baby. Die zwei Großen sind gerade endlich mal bei Freunden und das Baby schläft und ich sitze auf dem Sofa – und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich nichts tue! Oder das Nichts-tun nicht intensiv genug genieße. Schon irgendwie blöd 🙂 ich freue mich sehr, wenn unsere Kinder selbstständiger werden und ich mehr Zeit auch für mich habe. Aber ich habe auch Respekt vor der Eigenverantwortung dann ganz für mich zufrieden zu sein. Ohne die Ausrede zu haben, man habe für nichts Zeit und ohne sich Druck zu machen, wie man zu sein hat, was man leisten muss. Ich finde dein Beitrag klingt da sehr gesund! 🙂

    Liebe Grüße
    Doro

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  18. Liebe Veronika,
    Danke für diesen ehrlichen Beitrag! Ich bin Mama von 4 Jungs und da läuft so einiges. Beim Lesen als du davon geredet hast wie du deine Mädchen positiv prägen willst mit einer Mama, die auch Pausen macht habe ich gedacht: Jawohl! Und ich denke diese Vorbild ist genauso wichtig für meine kleinen Männer die dann hoffentlich mal Ehemänner werden und schon von Klein auf lernen und sehen dürfen dass Frau auch Pausen braucht und das Leben geniesst. Mich hat dein Artikel sehr ermutigt ohne schlechtes Gewissen „zu sein“. Zeit zu haben und sie mir zu nehmen für die wirklich wichtige Dinge wie mit den Kindern Draussen zu sein, mir ihre Alltagsgeschichten anzuhören, ein Buch zu lesen, ein Bad zu nehmen… Danke viel mal! Alles Gute wünsche ich dir!

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  19. Hallo liebe Frauen,
    Natürlich sind Pausen erlaubt! Sie sind sogar notwendig, für Introvertierte sogar lebensnotwendig! Das musste ich erst mal lernen und mir erlauben. „Man muss ja auch Zeit dafür haben, einfach nur dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“ (Astrid Lindgren)
    Die Pandemie war für mich die Möglichkeit, aus dem ehrenamtlichen Hamsterrad aussteigen zu können. (Nach dem Gottesdienst ist vor dem Gottesdienst). „Vor lauter Tun haben wir verlernt zu SEIN.“ (Samuel Harfst).
    Seitdem komme ich wieder zum Verarbeiten, zum Denken und spüre mich selbst wieder. Ich habe endlich den Raum bekommen darüber nachzudenken, was mir wichtig ist, worin ich mich investieren möchte und was ich in Zukunft nicht mehr machen will. Dennoch ist es für mich auch eine Gratwanderung. In dem Bewusstsein, dass das Leben so kurz ist, möchte ich jeden Moment auskosten, füllen, bedeutend machen.
    Für mich ist immer die Frage: Wie zufrieden bin ich damit? Ist es genussvolles Nichtstun oder quälende Antriebslosigkeit, die mir nicht gut tut? Ist es beschwingte Produktivität (Eu-Stress) oder Hektik, die mich nicht mehr atmen lässt? Und wenn ich es analysiert habe, wie will ich damit umgehen?
    Liebe Veronika, mich hat besonders der Satz berührt „Manchmal setzt sich ein Kind zu mir und wir reden einfach, während wir unsere Füße in Sofaritzen stecken.“ Dass Menschen verfügbar, ansprechbar, einfach-nur-da sind, hat einen unschätzbaren Wert – besonders für die Kinder. Meine sind Teenager – und dennoch brauchen sie, dass ich verfügbar bin. Wie oft wird man dann doch gebracht, für Bettkantengespräche, Ratschläge usw. auf dem Weg in die Selbständigkeit. Kinder zu lehren, achtsam mit sich selbst zu sein, es ihnen vorzuleben, ist doch fantastisch! Die Vokabeln haben sie in 10 Jahren vergessen, aber die Ausflüge in ihrer Kindheit werden sie immer im Herzen haben…Wenn du also zufrieden bist, wenn es dir und deinen Menschen gut tut – warum ein schlechtes Gewissen haben? Nur weil unsere Gesellschaft leider andere Werte verlangt? Bruttosozialprodukt?
    Wenn eine Frau zufrieden ist mit dem, wie sie lebt, ist es gut. Es ist schwer, sich in unserer Beurteilungs- und Vergleichs-Gesellschaft zu behaupten. Ich war 17 Jahre lang Vollzeitmama – aus verschiedenen Gründen – und spürte, dass es (für mich) richtig ist. Ohne dass ich denke, es muss jeder so machen. Trotzdem hat es geschmerzt, komisch angesehen zu werden, dass man nicht sofort wieder in den Beruf zurückgeht, wenn das jüngste Kind im Kindergarten ist. Oder dass Gesprächspartner auf Feiern das Interesse verlieren, wenn herauskommt, dass man nicht erwerbstätig ist. Und der Wiedereinstieg in den Beruf war sehr schwierig, als hätte man in dieser Zeit im Keller gelebt und im Privatleben keinen Computer genutzt. Naja.
    Die Zufriedenheit ist für mich der Indikator. Von daher wünsche ich mir nicht „ein“ Frauenbild, sondern viele Frauenbilder, die man nebeneinander stehen lassen kann. Wir sind doch sehr unterschiedlich und jeder braucht was anderes.
    Wir dürfen sein – sagt auch der ICH-BIN-DER-ICH-BIN. Und der muss es ja wissen. 🙂
    Eure Petra

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