DIY, Familie, Slow Living, Weihnachten

Du hast das gut gemacht UND Last Minute DIYs

Mach dir eine Tasse Tee, setz dich an deinen Lieblingsplatz, lass dich – wenn möglich nicht stören.

Ich hab dir nämlich etwas zu sagen:

Du hast das dieses Jahr gut gemacht.

Damit meine ich nicht unbedingt deine Leistung im Job und zu Hause oder dass du endlich den Bügelwäscheberg abgearbeitet oder fünf Kilo abgenommen hast. Nein, ich glaube, dass du in aller Unvollkommenheit versucht hast, das Beste aus der Situation zu machen. Du hast dich den Gegebenheiten immer wieder neu angepasst. Bist ins Homeoffice gegangen. Hast deine Kinder im Homeschooling betreut. Hast vieles jonglieren müssen. Und trotzdem versucht, die Stimmung aufrecht zu erhalten. Du hast dich um alleinstehende Freunde gekümmert. Um deine Eltern. Du hast dich zwischen Anforderungen zerrissen und trotzdem noch immer ermutigende Worte für andere gehabt. Es war (ist) schwer, mit anzusehen, wie Freunde in die Verschwörungsmaschinerie gerieten und dieser Riss durch Gesellschaft und Christenheit schmerzt dich. Gratulation, dass du einen kühlen Kopf bewahrt hast. Dass du für Politiker betest. Dass du der Wissenschaft mehr Vertrauen schenkst als selbsternannten Youtube-Experten.

Du hast das gut gemacht.

Manche von uns – so wie ich – kehren sich jetzt gerne nach innen. Halten ihre Ängste in Schach mit der ruhigen Arbeit ihrer Hände. Für diese Sorte Menschen habe ich ein paar Dinge, die mir in den letzten Wochen Freude gebracht haben. Aber wenn du nicht zum Team Selbermachen gehörst oder dich solche „Inspirationen“ enorm unter Druck setzen, dann lass es ohne schlechtes Gewissen sein. Weihnachten passiert auch ohne selbstgebackene Lebkuchen und handgeklöppelte Sterne und handgeschriebene Karten.

Gut. Nachdem wir das geklärt hätten, dürfen alle Bastel- und Backmuffel hier zum Ende runterscrollen (da kommt noch eine wichtige Ankündigung!).

Der Rest darf sich an DIY-Ideen und Linktipps ergötzen.

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Kinderleichte Weihnachtskarten mit Masking Tape

Ich liebe Weihnachtskartenschreiben (und möchte doch das Projekt meist mittendrin abbrechen, weil ich kein Ende finde und sich das Prozedere über Tage hinzieht!). Dieses Jahr habe ich eine Idee von Zuckersüße Äpfel umgesetzt. Kinderleicht. Falls du Blankokarten und Masking Tape daheim hast, kannst du direkt loslegen!

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Ofenanzünder
Uns waren die Anzünder ausgegangen. Ha! Wer hätte gedacht, dass man selber welche machen kann! Ich habe im Keller eine Box mit Wachsresten. Die kramte ich raus zum Kerzengießen und da kam uns die Idee zur Ofenanzünder-Herstellung.


Du brauchst:
– Eine Muffinform (am besten schon eine ältere, die du nicht mehr brauchst)
– Wachsreste
– Holzspäne, trockene Nadelbaumzweige und – zapfen, Zeitungspapier.

Aus dem Papier schneidest du Kreise aus, die so in die Muffinform passen, dass sie noch oben ein Stück rausschauen. Dann mit dem trockenen Material füllen und mit flüssigem Wachs tränken. Wir haben zuviel Wachs benutzt und werden das nächste Mal so verfahren, dass das Trockenmaterial nur damit überzogen wird, nicht darin ERSÄUFT.

Trocknen lassen und dann als Anzünder in deinem Ofen nutzen.

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Die weltbesten Lebkuchen (ca. 30 bis 40 Stück)


Dieses Rezept stammt aus dem tiefsten Franken und landete vor vielen Jahren in meinem Rezeptordner. Ich backe sie jedes Jahr, weil sie über alle anderen Lebkuchen dieses Landes und des gesamten Universums triumphieren.

Zutaten:

  • 500 g Zucker
  • 150 g Marzipan
  • 10 Eiweiß
  • 400 g Nüsse, gemahlen
  • 100 g Zitronat
  • 100 g Orangeat
  • 15 g Lebkuchengewürz
  • 150 g Mehl (ich verwende Dinkelvollkorn)
  • Abrieb von einer Zitrone
  • 10 g Hirschhornsalz
  • Oblaten

Zubereitung:

Eiweiß steif schlagen, Zucker einrieseln lassen und weiter schlagen bis der Eischnee glänzt. Das Marzipan zerkleinern und hineinbröseln. Anschließend Nüsse, Zitronat, Orangeat, Zitronenabrieb, Lebkuchengewürz und Mehl unterrühren. Das Hirschornsalz in wenig Wasser auflösen, beifügen und vermengen.

Die Oblaten mit etwas Abstand auf einem Brett oder Backblechen verteilen. Die Teigmasse mit einem Löffel auf die Oblaten streichen. Über Nacht kalt stellen (Kellertemperatur reicht).

Am nächsten Tag den Ofen auf 210 Grad vorheizen (Ober-/Unterhitze), die Lebkuchen 10 Minuten backen. Anschließend nach Belieben mit Schokolade oder Zuckerguss überziehen.

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Du MUSST diesen Rosmarin-Heidesand probieren. Ich weiß. Rosmarin in Plätzchen? Klingt komisch. Aber vertrau mir. Süßgebäck und Rosmarin passen zusammen wie Rudi Carell und Herzblatt. Jeder bei uns ist komplett verrückt danach.

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Und während du deine Karten schreibst und die WELTBESTEN Lebkuchen backst, hör dieses Christmas Coffeeshop Ambience (welches mein Mann abfällig als Fahrstuhlmusik betitelt. Banause).

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Am Sonntag startet Focus Online seinen zweiten Zuhause-Sonntag.

Und ich bin dabei!

9 Stunden lang laufen spannende Beiträge – vor allem für Familien. Mein Thema lautet:

„Wie können wir als Familie in diesem Jahr Weihnachten gestalten“.

Du wirst mich im Wald, in der Küche und im Wohnzimmer sehen. Schalte dich mit rein: Ich bin um 12.50 Uhr am Start. Und ca. 40 Minuten später bietet Daniel Kallauch ein tolles Kinder-Familien-Weihnachtskonzert.

Familie

Von Frisörterminen und der Apokalypse

Ich war gestern beim Frisör. Als hätte ich eine leise innere Ahnung besessen, vereinbarte ich diesen Termin bereits vor zwei Wochen. Es herrschte kein Massenansturm und mein Frisör, ein Meister in seinen 60ern, versprühte stoische Ruhe und trockenen Galgenhumor. Ich genoss JEDE MINUTE. Den Kaffee. Den Smalltalk. Die Gala-Zeitschrift, die ich immer nur beim Frisör lese. Die Hände, die meinen Kopf massierten. Die hin- und herfliegenden Witze. In fröhlicher Laune kaufte ich am Ende noch ein völlig überteuertes Produkt für die langen, wilden Haare meiner Mädchen. Ich hab noch nie Haarprodukte beim Frisör gekauft. NOCH NIE. Wieso soll ich 18 Euro für ein Shampoo ausgeben, wenn ich beim Drogeriemarkt dafür 4 Shampoos UND eine Packung Ohropax bekomme? Aber angesichts des anstehenden Lockdowns ließ ich all meine Geiz-Prinzipien fahren.

Angesichts der hohen Fallzahlen müssen wir uns erneut zusammenreißen, auch wenn wir auseinanderfallen wollen, nicht wahr? Der Frisörmeister schließt heute früh nicht auf. Und auch so viele andere nicht. Meine Kinder bleiben in ihren Betten liegen anstatt im Dunklen lustlos zur Schule zu schlurfen. Und ich? Ich sitze hier orientierungslos Punkt 6 Uhr auf der Couch, weil mich meine innere Uhr, dieses dämliche Ding, aus dem Bett fegte. Nun habe ich das, was ich mir immer sehnlichst um diese Jahreszeit gewünscht hatte. Ruhe. Zeit. Langsamkeit.

Ein Ja, aber schwingt mit. Unruhe zerrt an meiner Seele. Wie wird es denn weitergehen? Ein Virus hat uns unser Lebensskript aus der Hand genommen. Es ist ja in der Theorie für einen Gläubigen eine feine Sache, nicht wahr? Jetzt haben wir die Chance, mit leeren Händen und sorgenvollen Herzen uns Gott zuzuwenden! Jetzt kann er die Kontrolle übernehmen! Aber in der Praxis ist das gar nicht so leicht, liebe Leute. Weil wir sicherheitsliebenden Menschen mit der Unberechenbarkeit des Lebens konfrontiert sind. Weil Gott uns diese Unberechenbarkeit zumutet, anstatt seinen wundervollen Plan mit uns effizient zu entfalten. Der Virus ist immer noch da. Trotz aller Gebete. Kann ein Virus Teil des Planes sein? Oder passieren einfach Dinge, weil sie passieren, ohne sie mühsam in das Wirken Gottes einordnen zu müssen? Es zeigt mir, dass weder Gottes Wirken, noch sein Plan, noch unser Leben linear verlaufen, sondern wie Zickzacklinien, die abbrechen, woanders wieder ansetzen und manchmal gar nicht viel Sinn ergeben.

Vielleicht liegt ja darin auch eine große Erleichterung und eröffnet neuen Raum zur Hingabe. In diesen Tagen lerne ich neu, dass mein Glaube soviel mehr als nur eine Bewältigungsstrategie für schwierige Zeiten oder ein Erklärungsmodell ist, sondern ein Ort, an dem ich sicher bin, auch wenn der Sturm tobt. Ich glaube ja, ein reifer Glaube ist keine beleidigte apokalyptisch gefärbte Protesthaltung, sondern ein stilles Hineinsterben in eine unbegreifliche Hand Gottes, die nur Gutes will.

Und was tue ich, wenn die Sorgen nach meinem Herz greifen wollen? Meine beste Therapie ist die langsame Arbeit meiner Hände, das rhythmische Klappern meiner Stricknadeln, das langsame Kneten des Brotteigs, das Fegen des Schuppens, das Anzünden des Feuers, das Schreiben von Karten. Ich möchte die nächsten Tage noch ein paar ganz simple Ideen und Rezepte hier posten, so dass unsere Hände (und Kinder) beschäftigt bleiben und unsere Herzen zur Ruhe kommen. Wie wäre das?

Auch wenn ich Zeiten der Ungewissheit entgegen gehe, so tue ich das wenigstens mit einer neuen Frisur. Hauptsache, die Haare sitzen bei der Apokalypse. Ich schlag dieses Motto mal meinem Frisörmeister vor. Und dann können wir in ein paar Monaten hoffentlich bei einer Tasse Kaffee darüber lachen.

Familie

Volldampf voraus?

Hallihallo Welt da draußen! Gibt es dich noch? Ich fühl mich, als wäre ich auf meinem kleinen Dampfer auf dem Niemandsozean unterwegs.

Seit ich bei Facebook abgelegt habe, herrscht himmlische, fast schon unheimliche Ruhe in meinem Leben. Haben wir uns alle plötzlich wieder lieb oder sind die Gräben mittlerweile zu Ozeanen angewachsen?

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und man möchte so dringend gerne einen Schlusspunkt setzen. Das vergangene Jahr wie ein Päckchen verschnüren, die losen Enden alle sauber verknoten und ins Land schicken, wo der Pfeffer wächst. Aber wir werden es mit ins neue Jahr schleppen wie eine Last, die sich nicht abschütteln lässt. Das, was im Frühjahr für die meisten von uns ein kurzes, unangenehmes Intermezzo bei Sonnenschein war, zerfranst nun unsere Geduld und Kraft und Hoffnung. Es ist nicht ganz so leicht, dieser Tage meinen Dampfer auf Kurs zu halten. Mit Volldampf voraus geht es schon lange nicht mehr. Altersmüde tuckert er vor sich hin. Mit gelegentlichen Aussetzern und einer drohenden Meuterei der Besatzung. Ich halte die Mannschaft bei Laune mit Plätzchenbacken und Brettspielen, Schlittenfahren und Punschstunden, Vorlesen (ja, auch fast 12-jährige bekommen noch sehr gerne vorgelesen) und Musik. Wir dümpeln vor uns hin. Und vermissen die Landgänge, Freunde und Familie. Die Mädchen sehnen sich nach Pferden – das Vermissen ist tägliche Begleiterin, die sich in Herzen krallt.

Gerade in dieser Zeit ist ein gut geplanter Tagesablauf wie ein Gerüst, an dem man sich entlang hangeln kann, ohne groß über jeden Schritt nachsinnen zu müssen. Ich schreibe Listen wo ich gehe und stehe. Die Tat, das Nähen und Schreiben und Putzen und Kochen ist meine Therapie. Und auch ein bisschen „The Crown“. Und die Gebete am frühen Morgen, noch bevor meine Familie aufsteht.

Ich kratze also alles, was an Bord noch an guter Laune und Hoffnung und Lichtblicken und Schönem vorhanden ist zusammen und füttere meinen kleinen Dampfer damit. Er tuckert weiter vor sich hin. Hinein in eine ganz andere Weihnachtszeit. Weiter ins neue Jahr. Irgendwann wird er wieder festmachen. Und dieses Irgendwann ist mein Fernrohr. „Land in Sicht“, werde ich eines Tages rufen dürfen.