Familie

Alltagsschnipsel

Es passiert hier nichts, was die Welt aus den Angeln hebt. Das ist ja ganz wunderbar, aber auch ein wenig langweilig. Oder wie mein Liebster sagen würde: Unser Leben ist zurzeit völlig ereignislos.

Also nehm ich dich mit in meinen Alltag. Setz dich zu mir, mit einer Tasse Tee, und lass mich erzählen. Ich fühl mich dieser Tage nämlich ein wenig eintönig-einsam und freue mich über Gesellschaft, auch wenn sie nur digital-imaginär ist.

An den meisten Tagen wache ich sehr früh auf. Ich lasse es langsam angehen, sitze eine Weile auf der Couch mit meinem Kaffee und seh dem Tag zu, wie er wintermüde seine Augen öffnet. Die stillen Morgenstunden sind mir die liebsten. Das erzähle ich manchmal meinem früheren Ich und das lacht schrill und ungläubig. Ich sträube mich, in Hektik zu verfallen, obwohl sich in meinem Arbeitszimmer halbfertige Projekte stapeln. Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass sich das nie ändern wird, denn egal, wie zügig ich sie abarbeite, kommen doch immer neue dazu.

Nach einer heftigen Kopfarbeitphase rutscht jetzt die Energie in die Hände. Das ist der Rhythmus meines Lebens. Entweder findest du mich am Schreibtisch und an meinen Büchern. Oder so wie in letzter Zeit eher mit Akkuschrauber, Brotteig und Putzeimer .

Morgen wird meine Jüngste 10. 10!!!! Damit verlassen wir offiziell und hoffentlich ganz unsentimental (reiß dich zusammen, Veronika!) die Kindheitsjahre. Wir sind gar nicht so traurig über den Wegfall eines Kindergeburtstags (und nein, wir werden ihn nicht heimlich feiern und danach wehklagen, dass wir uns wie Anne Frank fühlen *eyeroll*). Den holen wir im Sommer mit Pauken und Trompeten und einer Eisbar nach. Unsere Jüngste wollte sowieso schon immer mal einen Sommergeburtstag. Covid macht’s möglich.

Mein letztes großes Projekt dieses Jahres ist von meiner Liste gestrichen. Die Wandverkleidung im Flur. Man könnte meinen, ich hätte sie mühelos zurechtgeschnitten und elegant angeschraubt. Hahaha! Ein Matrose wäre rot geworden, hätte er mich fluchen hören: Die Kappsäge, der Winkelmesser, die krummen Wände, die Kaffeemaschine!!!! Am Ende siegte die Pragmatikerin in mir: Man darf halt nicht so genau hinsehen, dann gehts.

Aber nun macht mein Herz jedes Mal einen Freudensprung, wenn ich die Treppe hinauf- und hinuntereile. Sie ist genau so geworden, wie ich sie mir erträumt habe. Und gleichzeitig ist es doch auch ganz schön albern, sich an einem hübschen Treppenaufgang zu ergötzen, während da draußen die Welt brennt.

Einst……

Ach ja, die Welt. Ich möchte Riesenschritte machen, etwas Fühl- und Greifbares verändern. Und während mein eigenes Leben zur Ruhe kommt, ich beim Morgengang durch den Garten die Frostkunstwerke von Mutter Natur bestaune, die Kinderbetten mache, den Boden putze, einkaufe und Kuchen backe, wächst die Unruhe. „Du müsstest doch mehr machen als das!“

Aber vielleicht – ja, oder ganz sicher – ist es die Zeit des Wenigers. Es ist die Zeit, in der wir uns nach innen anstatt nach außen kehren. In der wir unsere wenigen Kontakte, die wir haben, so richtig ausgiebig feiern und zu schätzen wissen. Vielleicht ist das die Zeit, in der wir nachdenken, wie wir zukünftig leben wollen und wie die ersten Schritte in eine neue Richtung aussehen können. Unser Ego, unser Konsum, unser Anspruchsdenken, unser Rechthabenwollen, unsere Deutungshoheiten dürfen gerne ein bisschen ramponiert werden. *

Genug der philosophischen Anwandlungen für heute. Es warten dreckige Böden, ungemachte Betten und Buchbestellungen auf mich. Und auch, wenn ich heute mal wieder die Welt nicht gerettet habe, will ich neu Frieden schließen mit den Unfertigkeiten des Lebens. Vielleicht ist es das, was wir brauchen: Menschen, die Frieden bringen. Und wie können wir Gottes Licht weitertragen, wenn wir mit uns selbst im Krieg sind?

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* Hurra! „Anders Leben“ ist in wenigen Tagen da! Die neue Zeitschrift des Bundesverlags, an der ich mitarbeiten darf. Ein absolutes Herzensprojekt. Wenn dich oben genannte Frage ebenfalls bewegt, dann ist diese Zeitschrift genau für dich!

PS: Meinen Vortrag „Roots – Heimat finden in einer entwurzelten Welt“ kannst du hier anschauen.

Gedanken, Glaube

Im Dunklen gehen.

„Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond.“
Mascha Kaléko

Endlich dürfen die Mädchen wieder reiten. Ihr größte Leidenschaft. Zwar nur im wöchentlichen Wechsel, aber immerhin. Das ist unser meist gebrauchtes Wörtchen in dieser Zeit. Immerhin.

Immerhin haben wir einen Garten. Immerhin können wir in den Wald. Immerhin haben wir immer genug Essen im Kühlschrank. Immerhin haben wir eine gute medizinische Versorgung. Immerhin sind die Schulen geöffnet.

Immerhin.

Mein Mann geht neuerdings täglich am Abend eine Runde spazieren. Im Dunklen. Ich begleite ihn nie, weil ich den Reiz des Im-Dunklen-Spazierens nicht nachvollziehen kann. Aber gestern Abend stand ich dann vor dem Reitstall, in dem gerade meine Jüngste verschwunden war, um dort immerhin eine halbe Stunde Westernreiten zu dürfen, und ich beschloss eine Runde im Dunklen zu gehen.

Ui. War das finster auf der kleinen Nebenstraße, die rechts und links von mannshohem Gestrüpp gesäumt war. „Ich wette, ein Mann würde hier fröhlich-pfeifend ohne erhöhte Stresshormone entlangschlendern“, murmelte ich wütend in meinen dicken Schal. In den Tiefen meiner Manteltasche fand ich eine Mini-Taschenlampe. Was noch bis vor einer Stunde Sträucher und Bäume waren, entpuppten sich jetzt als starre Geistgestalten, die mich stumm anblickten. Eine Maus raschelte ohrenbetäubend laut im Unterholz und brachte mein Herz zum Klopfen.

Ich bog in einen Feldweg ab. Mein Herzschlag beruhigte sich. Freie Fläche. Ich roch die nasse, schwere Erde. Kuhmist. Alte Zuckerrüben. In der Ferne flackerten die Lichter der Stadt. Über mir die Sterne. Zum Takt meiner Schritte formte ich stille Worte, die wie junge Hund durcheinander purzelten. Jedes wollte zuerst drankommen und gehört werden: Corona…..Müde….bitte gib Kraft…..meine Kinder…..alleine….vermisse…..Sehnsucht….traurig.

Nichts lenkte mich ab von der stillen Zwiesprache mit dem Himmel. Da waren nur ich und die Dunkelheit und die fernen Lichter und Gott. Im Dunklen ist mehr Platz für unsere Ängste. Aber auch für Sein. Trost. Frieden.

Ich muss öfter mit meinem Mann durch die dunklen Abende spazieren. Gerade jetzt, wo alles, was im Frühjahr und Sommer noch so leicht war, sich schwer wie Lehmklumpen an mich hängt.

Die Lehmklumpen nach meinem Spaziergang im Dunklen ließ ich an meinen Stiefeln trocknen. Später werde ich sie leicht abklopfen können. Immerhin.

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PS: Lust auf einen virtuellen Frauenabend am kommenden Freitag, den 20. November? Hier halte ich einen Vortrag zum Thema: Roots – Halt finden in einer entwurzelten Welt.

Klinkt euch mit ein!

Bücher, Schreiben

Geschenkideen und meine Links der Woche

Normalerweise wäre ich jetzt on tour. Bei irgendeinem Frauenfrühstück. Oder in Vorbereitung auf das nächste. Und ja, ich vermisse die Begegnungen, das Mitteilen meiner Gedanken und Erfahrungen. Aber andererseits war mein Haus nie sauberer als in diesen Tagen. Ist doch was, oder?

Aber damit wir uns wenigstens virtuell an meinem Büchertisch treffen können, biete ich euch eine versandkostenfreie Woche ab kommendem Montag, den 16. November an. Ihr könnt schon jetzt eure Bestellung platzieren – es dauert dann halt nur ein bisschen. Ich bin im Vergleich zu Amazon leider eine lahme Ente.

Aber dafür lege ich noch ein Schmankerl on top:

Die ersten 10 Besteller bekommen eine Grußkarte von mir mit in ihr Päckchen.

Schreib mir einfach über das Kontaktformular eine Nachricht, teile mir deine Bestellung, Adresse und Zahlungswunsch (Paypal oder Überweisung) mit.

Was lacht dich an?

Mein Planer 2021

Der „Heilige Alltag“

Eine Portion Optimismus mit „Hoffnung leuchtet“

Viele Ideen für junge Familien

Ein Buch für Menschen, die Essen, Tischgemeinschaft und Kochen lieben

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Ich hab noch ein Extra-Schmankerl für dich. Meine Links der Woche:

Mein Online-Elternseminar „Slow Down – Wege der Entschleunigung“

Der Podcast „Wort und Fleisch“ von Thorsten Dietz und Martin Christian Hünerhoff. So. viele. Aha-Momente!

Mein Dauerbackground dieser Tage (ich vermisse Regen!): Rainy Day in Coffeeshop

Die unglaubliche Nandi Bushell (10 Jahre) an ihren Drums

Die Tricks der Waschmittelindustrie

Mit Efeu Wäsche waschen

Aus alten Stoffresten etwas Neues machen

Carolin Kebekus über Unsichtbare Frauen

Familie

Entdecke Hoffnung auf deiner Türschwelle! Oder: Ein Koffer geht auf Reisen

Ich habe eine besondere Beziehung zum November. Jedes Jahr heiße ich ihn willkommen wie einen alten Freund. Er ist ein stürmischer, anstrengender Freund, der aber auch nicht spart an Umarmungen. Dieses Jahr steht er wieder vor der Tür und hat eine Besonderheit dabei: unseren neuen Teil-Lockdown. November, du bist ein bisschen spät dran! Der April hatte das bereits im Gepäck, gähn. Jetzt sind wir alle schon ein bisschen müde und haben keinen Bock mehr. Aber danach fragst du ja nicht. Du hältst uns die Coronaverordnungen entgegen, wie eine sorgende und unerbittliche Mutter einen Löffel bittere Medizin seinem Kind. Wir jammern, dass wir doch schon soviel davon geschluckt haben. Aber da ist er. Der Löffel. Und wir werden ihn wieder tapfer schlucken. Dieses Mal halt mit mehr Selbstüberwindung.

Heute früh habe ich entschieden, nicht mehr über die Dunkelheit zu jammern, sondern ein paar Lichter anzuzünden. Mir kam dieser Gedanke, als ich gestern Abend ein Köfferchen öffnete, in dem eine kleine Lichterkette blinkte.

Lasst mich das erklären: Wir haben einen Hauskreis (christliche Hausgruppe), der nach all diesen Monaten ausgefranst und verblichen ist. Keiner von uns hat mehr Lust auf ein weiteres Zoom-Treffen.

Also kam eine ganz Kreative von uns auf die wunderbare Idee mit dem Köfferchen.

Vielleicht wäre das auch eine Idee für dich? Für deine Gruppe, Nachbarschaft, Verein, Hauskreis, Gemeinde?

So gehts: Einer packt ein Köfferchen mit Dingen, die deiner Gruppe Freude bringen. In unserem Koffer liegen Postkarten mit Bibelversen, Bücher, Liedverse, Leckereien, Kerzen und auch ein kleines Logbuch, in das wir unsere Gedanken und Gebetsanliegen eintragen. Wenn der Koffer an deiner Haustür ankommt, kannst du entnehmen, was dir gefällt und etwas Neues hinzufügen. Dann bringst du den Koffer weiter zum Nächsten. Vielleicht kannst du ja sogar an der Haustür (mit Distanz) ein kleines Pläuschchen halten!

So tragen wir ein Licht von Haus zu Haus.

Hoffnung. Wärme. Zuversicht. Freude.

All das hat der November nämlich auch im Gepäck. Und ich wünsche dir, dass er dir davon etwas abgibt. Dass du es findest in den kleinen Winkeln deines Alltags, an den unmöglichsten Orten, in den finstersten Stunden.