Familie

Räumt auf und vergesst nicht das gute Leben!

Ich möchte gerne aufräumen. In meinen Schränken stapelt sich zuviel Besitz. Und ich habe so viele Pflanztöpfe gesammelt, dass ich eine Gärtnerei eröffnen könte. Mich juckt es in den Fingern, die Schleichsammlung meiner Kinder zu sortieren. Wann immer die Welt in Unordnung ist, bedrängt mich die Lust, Kontrolle über mein eigenes Leben zurückzuerobern und die Tiefkühltruhe abzutauen.

Also räume ich auf. Aber ganz anders als sonst. Ich lasse die häusliche Unordnung Unordnung sein (auch wenn Marie Kondo ihre hübschen Hände über ihrem hübschen Kopf zusammenschlägt). An einem anderen Ort wird meine ordnende Hand stärker gebraucht. Es rumpelt nämlich ganz mächtig in meinem Herzen, es haben sich soviel Anspannung und Traurigkeiten und Sorgen angesammelt, dass ich sie gründlich sortieren und auslüften muss. Und wenn dann endlich ein bisschen Platz geworden ist, fülle ich diesen mit Dingen, die mir Leben schenken.

Und genau dafür will ich heute werben. Lüftet euch mal kräftig aus. Schließt die Social-Media- und News-Tabs. Kocht euch eine gute Suppe. Schaut euch Spaceforce auf Netflix an. Nichts geht über Comic Relief! Umgebt euch mit lebensspendenden Dingen und Tätigkeiten und vor allem Menschen. Blendet alles Geschwurbel aus – ja, auch das fromm getarnte.

Ach, ich stelle mir vor, dass Gott dieser Tage uns zuruft, dass wir doch das Feiern und Freuen und Staunen nicht vergessen sollen. Gerade jetzt. Gerade jetzt!

Diese Links haben mir diese Woche ganz viel Freude geschenkt:

Der ordinäre Oktober

Worauf es im Leben wirklich ankommt – eine faröische Großmutter erzählt.

7 Dinge, die dir gut tun

Ein Tag in Jerusalem mit Hazel Brugger

Eat, pray and be merry

Das Beste geben

Euch ein ganz wunderbares Oktoberwochenende! Lasst es krachen mit Kürbissuppe und einer guten Netflixserie.

Familie, Gedanken

Uuuuuund Corona geht weiter…..

Die Nachricht kam Sonntag im Wald. Ich graste das Unterholz nach Steinpilzen ab. An meiner Pilzstelle wuchs dieses Jahr leider nichts außer undefinierbarer orangefarbener Pilze, die ich nicht kannte. Zu trocken war es gewesen. Der Regen, der fiel, erreichte kaum den Waldboden. Aber zurück zur Handynachricht. Da stand ich also wie ein Männlein im Walde, ganz still und stumm. Amelies Schule sollte einige Tage geschlossen werden. Corona. Bäm. Na gut. Wir haben Routine. Das bekommen wir hin.

Zwei Tage später. Ich knie im Dreck und versenke Narzissenzwiebeln im lehmigen Gartenboden. Das Handy mal wieder. Bing. Weitere Nachricht von der Schule. Ach ja, das Gesundheitsamt hat ein bisschen verzögert reagiert. Amelies Klasse muss tutto completti in Quarantäne. Bäm. Na gut. Wir kriegen das hin. Nach gefühlt fünf Jahren Coronazustand haben wir Routine. Pläne werden gekappt, Bücher daheim aufgestockt, ein Kuchen gebacken.

Meine Kinder haben bisher alle Coronamaßnahmen willig und tapfer und ohne ein negatives Wort geschluckt. Regelrecht hineingewachsen sind sie in eine neue Normalität und waschen sich ohne Aufforderung ordentlich die Hände und haben ihre Maske immer parat. Aber nun zerbröselt es meine Große. Die Pandemie ist eine schwere Decke, die sich im Sommer kurz ausgelüftet hat und die sich nun wieder auf uns legt. Alles, was wir tun können, ist abwarten, Abstand halten und schon mal alle Pläne für Herbst und Winter auf Eis legen. Unseren Seelen eine Hornhaut verpassen. Unsere Herzen in Dickfelligkeit packen.

Ich suche Therapie im Garten als gäbe es ein Morgen. Blumenzwiebeln verteile ich in unserer Wiese, die auch dieses Jahr nicht zu einem Rasen wurde. Stauden pflanze ich, unansehnlich sind die meisten zu dieser Jahreszeit. Ich gestalte und erträume mir einen Garten und erst nächstes Jahr im Sommer wird diese Arbeit Früchte und Blüten tragen. Ich pflanze ein ganzes Beet voller Feldsalat, den essen hier alle gerne und reichlich. Tief in den kalten Boden stecke ich soviele Knoblauchzehen wie noch nie. Sie treiben bereits aus. Ich kippe unseren Küchenabfall auf unseren Komposthaufen Nr. 1 und werde Haufen Nr. 2, der sich in dunkle Erde verwandelt hat, heute durchsieben. Sie wird die kahler werdenden Beete zudecken.

Es gibt ein Morgen. Tief in unsere Herzen hat Gott eine taktgebende Hoffnung hineinprogrammiert. Jeden Morgen erhebt sich die Sonne, erhebt sich unser Körper und unsere Seele. Im Herbst und Winter sind sie schwerfällig und müde. Kaum schafft es die Sonne sich gegen den Oktobernebel zur Wehr zu setzen. Die Narzissenzwiebeln werden schlafen. Meine Kinder lernen am Küchentisch. Ich schreibe. Und putze. Und backe Brot um Brot, das schneller aufgegessen ist als ich neuen Sauerteig ansetzen kann. Es gibt ein Morgen, sonst würden wir das Heute nicht leben. Und alles, was wir heute tun, kann eines Tages aufblühen. Nicht die großen Heldentaten, sondern unsere hartnäckige Treue. Vielleicht nächstes Jahr im Frühling. Oder erst in der nächsten Generation, die sich in der Zukunft Geschichten erzählen wird von uns Alten, die es schafften, hoffnungsvoll, pragmatisch und handelnd durch die Corona-Pandemie und die Klima-Krise zu steuern. Hoffen wir, dass sie sich genau diese Geschichte erzählen werden! Und dass sie die Stauden und Zwiebeln weiterpflegen, die wir einst in dunklen Zeiten pflanzten.

PS: Morgen Abend bin ich in der FEG Karlsruhe zum Thema:

Slow Down – Wege der Entschleunigung.

Ich freue mich so sehr, wenn du mit dabei bis! Das Ganze kannst du dir live und online ansehen. Mehr Infos hier: