Alles ist im Fluss. Auch wir.

IMG_2806_edited-1IMG_0568Als vor gefühlten acht Monaten feststand, dass Schulen und die Arbeitsstätte meines Liebsten schließen und sie ins Homeschooling bzw. Homeoffice schicken, bekam ich ein klitzekleines bisschen Panik. Das wird ja fast wieder so sein……als die Kinder noch nicht in den Kindergarten gingen!!! Von fünf Uhr früh bis abends um halb acht wird sich alles um die Kinder drehen, ich werde zu NICHTS anderem kommen, ich werde nicht mehr schlafen und essen und schreiben und lesen und alleine aufs Klo gehen können, aaaaAAAAH! Ich werde von den Bedürfnissen meiner Familie durch einen Fleischwolf gedreht werden und am Ende der Ausgangsbeschränkungen in gefühlten 10 Monaten werden von mir nur noch traurige Fetzen übrig sein!!!

Da ich ja Gott sei Dank nicht zum Dramatisieren neige (hust), fing ich mich wieder und stellte Überraschendes fest.

Zwei Dinge:

  1. Ich brauche gar nicht so viel Zeit für mich, wie ich dachte.
  2. Meine Kinder sind groß.

Früher trug dieser Blog den Untertitel „Wie (über)lebe ich Familie“. Ein kleiner Gruß in Richtung meiner introvertierten Bedürfnisse nach Rückzug und Alleinsein, welche in der Baby- und Kleinkindzeit litten. Und seitdem sitzt mir die Furcht im Nacken, meine hart erkämpften Freiheiten könnten wieder eingestampft werden. Wie zum Beispiel durch Coronamaßnahmen.

Keine Phase bleibt für ewig starr stehen, meine Lieben. Und so stelle ich nun beglückt fest, dass ich doch meistens wirklich aus tiefstem Herzen gerne mit meiner Familie zusammen bin. Dass mein Herz höher springt, wenn meine Kinder früh verpennt und verwuschelt ins Wohnzimmer tapsen. Dass ich abends die Kinder anbettle, ob wir nicht noch ein Brettspiel spielen können (nein Mama, wir sind müde…..!). Dass sie ihre Stockbrotstecken SELBST über das Feuer halten können bis. das. Stockbrot. fertig. ist!

Manchmal halten wir an Bildern von uns selbst (und anderen) fest und merken nicht, dass sie gar nicht mehr stimmen. Dass wir und die Menschen um uns herum sich unmerklich weiterentwickelt haben. Wir dürfen uns getrost von Zeit zu Zeit aus unserer eigenen Schublade herauskramen, ans Tageslicht halten, den Staub wegblasen, hin- und herdrehen und prüfen, was anders geworden ist.

Deshalb habe ich vor einiger Zeit den Untertitel dieses Blog losgelassen. Er stimmt nicht mehr.

Und so manches mag auch über dich nicht mehr stimmen.

Vielleicht hast du mehr Kraft als du denkst. Oder du hast weniger.

Vielleicht bist du nicht mehr das unsichere junge Mädchen.

Vielleicht brauchst du deine Krücken nicht mehr und kannst sie wegschmeißen.

Vielleicht bist du nicht mehr die Powerfrau.

Vielleicht bist du gar nicht mehr so extrovertiert.

Oder so introvertiert.

Gott meißelt kein starres Bild von uns. Er ist es nicht, der uns in eine Schublade sperrt und uns befiehlt, für immer dort zu bleiben. Wir sind im Fluss, und in Zeiten wie diesen höre ich den Heiligen Geist, wie er früh an mein Bett kommt, mich weckt und mir zuflüstert: Ein neuer Tag, es ist alles neu!

Ich wache auf und freue ich mich auf die langen Stunden mit meinen Kindern, mit meinem Mann. Und erst abends werde ich müde.

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9 Kommentare zu „Alles ist im Fluss. Auch wir.

  1. Sehr echt und ehrlich geschrieben. Ja, ich hatte auch Angst davor meine Freiheiten zu verlieren, die ich nach einer aufreibenden Kleinkindzeit erkämpft habe. Und es stimmt! Manche Ängste sind größer als die Realität es dann ist:) Oder ich habe gelernt, meine Bedürfnisse besser zu äußern? Und mein neuer Chef ist auch netter in dieser Zeit als ich gedacht habe:)

  2. Danke, dass macht Hoffnung! Ich hatte mich auch gerade so schön daran gewöhnt, dass wenigstens am Vormittag, wenn der Kleinste ein Stündchen schläft und die anderen drei in Schule und Kindergarten sind, mal Ruhe im Haus herrscht. Diesen Luxus genieße ich natürlich im Moment nicht mehr, aber dafür tobt hier das Leben. Und es kommen auch wieder andere Zeiten 😉

  3. Ja, stimmt alles. Haken drunter.
    Mir geht Corona zunehmend deswegen auf die Nerven, weil mir die Nähe fehlt.
    Glücklicherweise bin ich glückliche Singelin und halte mich selbst alleine aus.
    Aber ganz ohne Nähe, umarmen und solchen „Kleinigkeiten“ wird mir die Zeit langsam sehr lang.

  4. Sehr schön geschildert. So geht es mir auch. Auch mir ist die Zeit fürs Alleine sein Sehr wichtig. Aber ich geniesse die Zeit mit meinen zwei Mädchen und sie auch mit mir. Mama hat endlich mehr Zeit für sie. Ich werde diese Zeit nie vergessen. Irgendwie hat sie mich ein wenig geerdet…
    Danke für deinen Blog. Du sprichst mir manchmal aus der Seele.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Claudine

  5. Das war ein echter NEWSLETTER für wiedergeborene Menschen. Es ist schade wieviel streamline Christen mitmachen und ich erinnere mich an Menschen, die Freude gemacht haben, wenn nicht genug da war, aus der Kraft des lebendigen Gottes. Sie haben nicht gewartet bis es besser wurde. Haben Blödeleien von Otto und seinen Kopien abgelehnt. Weil Leben so geht wie Du es beschreibt. Gott gibt Kraft dem der sie von ihm erwartet und Veränderungen kosten Kraft, und die Freude lädt den Akku wieder auf. Ich hatte kaum home Office und hatte Angst davor abends von Kindern mit Lagerkoller überfordert zu werden. Wir haben sogar einen Umzug in dieser Zeit gestemmt! Schreibe bitte weiter!

  6. Hallo! Meine Kinder sind 2J und 5M, bin mitten in der Kleinkind/Babyphase… und was ich schon vorher von mir dachte ist noch viel krasser eingetreten: Das erste Jahr ist echt nicht meins. Ich komm zurecht, vieles ist schön, aber mir fehlt auch ne Menge. Ich hab mich bewusst entschieden die ersten 3 Jahre Zuhause zu bleiben und nur weil das das Beste ist, muss ich es ja nicht immer abfeiern… Dein Artikel ermutigt mich in die Zukunft zu sehen und mich umso mehr zu freuen, wie mein Leben aussieht, wenn sie älter sind. Danke!

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