Gedanken, Glaube

Da bist du ja!

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Ich habe mich am Wochenende ordentlich eingemummelt.

Einmummeln bedeutet in meiner Sprache: Mich zurückziehen. Mit einem ganz schlechten Psychothriller. Im Bett rumgammeln. Niemanden sehen wollen. Niemanden hören wollen.

Letzte Woche war eine Phase mit vielen Menschen. Und ich habe jeden einzelnen absolut willkommen geheißen. Meine Book-Club-Mädels. Meine Kinder und deren mannigfaltigen Freunde. Reitkameraden und Therapeuten und Lehrer. Noch mehr Kinder. Mein Mann. Familie. Die Frauen beim Ladiespoint in Oberjesingen am Freitagabend.

Aber nach solch einer Phase werde ich zum wortkargen, brummigen Eremiten.

Menschen in solcher Geballtheit konnte ich im letzten Jahrzehnt nur in geringer Dosierung zu mir nehmen. Aber nun wendet sich das Blatt seit einiger Zeit. Die Dosis kann ich erhöhen, ohne dass es zu ernsten Nebenwirkungen führt. Und trotzdem muss ich mir nach solchen intensiven Zeiträumen unbedingt Einmummel-Tage verschreiben.

Sonst leidet meine Seele an einem Ungleichgewicht, weil ich vor lauter Hineinhorchen in andere Menschen innerlich austrockne. Wenn ich nicht regelmäßig an die Quelle gehe, werde ich wütend und ich brause auf: Warum bietet mir niemand Wasser an??

Dabei bin ich es doch, die für mein geistliches Wohlergehen verantwortlich bin. Das ist niemand sonst. Weder mein Mann, noch meine Kinder, noch mein Hauskreis.

Meine Verantwortung für mich selbst schaut so aus: Ich muss mich wieder und wieder an die Quelle setzen und die ist an dem tiefsten Punkt in mir. Den, zu dem niemand Zugang hat. Er mag eine kleine Hütte in den fernsten Bergen sein. Oder eine Waldlichtung im Dunklen. Eine Insel im tobenden Meer. Kein anderer Mensch hat ihn je gesehen. Aber genau dort berührt mein Herz das Herz Gottes. Dort flüstert er mir zu: „Da bist du ja.“ Und in diesen Worten liegt die tiefste Wahrheit über mich: Nur Freude. Keine Anklage.

„Da bist du ja.“

Mit dieser allumfassenden Freude kann mich nur Jesus anschauen. Niemand sonst. (Vielleicht noch unsere Kinder, wenn sie klein sind. Aber im nächsten Satz brauchen diese dann schon wieder was von uns: Snacks. Schnürsenkelbinden. Smartphone.)

„Da bist du ja.“ 

Diese Worte höre ich nur, wenn alles um mich herum still ist. Wenn keine anderen Menschen in der Nähe sind, die diese Worte aufscheuchen und vertreiben könnten.

Ja, manchmal versuche ich, meine Mitmenschen mit diesen Worten ebenso zu lieben. Aber diese Liebe ist solch ein billiger Abklatsch von der göttlichen Liebe:

Da bist du ja,“ sage ich zu meinen Mann. Mit leicht genervtem Unterton. Übersetzt: „Wird aber auch Zeit, dass du endlich von der Arbeit heimkommst und mir mit den Kindern hilfst.“

Da bist du ja,“ freue ich ich mich ehrlich über das Kind, das ich mittags von der Schule abhole. Und im nächsten Atemzug sage ich: „Du siehst ja schon wieder total zerwuselt aus.“

„Da bist du ja,“ seufze ich, wenn meine Freundin das Café betritt und kann es kaum erwarten, ihr meinen ganzen Seelenmüll vor die Füße zu schmeißen.

„Da bist du ja, sage ich der Nachbarin und hoffe, sie merkt nicht, wie sehr ich mich danach sehne, dass sie meine Einsamkeit stillt.

Ich werde nie perfekt in der Liebe sein. Sie wird immer nur eine äußerst ungeschickte, von unlauteren Motiven gespickte Annäherung an das Ideal sein.

Nachdem ich mich die letzte Woche so sehr verausgabt hatte, Liebe zu praktizieren, wurde es nicht nur Zeit zum Einmummeln, sondern auch wieder an die Quelle zu gehen. Dort, wo der Liebhaber und Kenner meiner Seele bereits wartete mit einem Lächeln auf dem Gesicht: „Da bist du ja“. 

 

Familie, Gedanken, Haushalt, Hobbies, Schreiben

Januartage

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Ich sollte mich nicht mit meiner pferdehaarbedeckten Leggins aufs Sofa schmeißen.

Tu ich aber.

Ich bin zu müde, mich umzuziehen. Außerdem möchte ich dieses kurze Zeitfenster zwischen Pferdestall und Abendessen nutzen und mich meinem Blog widmen.

Sauge ich halt morgen das Sofa. Oder übermorgen. Sei’s drum. Mein Blog ist mir im Moment wichtiger. Und das Schreiben sowieso.

Was füllt meine Januartage so dermaßen aus, dass ich nicht mal Zeit für einen kurzen Hosenwechsel habe?

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Nun, es ist wieder Schulalltag eingekehrt und damit Vokabelabfragen, Fahrtdienste, Klavierüben, AGs, Diktatüben. Und und und. Einst meinte ich vermessen, dass ich nie eine von diesen überengagierten Müttern sein würde, die mit ihren Kindern paukt. Das mag daran gelegen haben, dass ich mit verklärten Augen meine Kinder als Selbstläufer sah. Aber, wie 99% aller deutschen Kinder auch, sind sie normales, gesundes Mittelmaß. Nun darf ich meine kümmerlichen Mathefähigkeiten auffrischen und die Innereien eines Rindes kennenlernen (natürlich nur auf dem Papier).

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Meine Kinder sind neuerdings Vegetarier. Ich stehe in der Küche, zerbreche mir den Kopf und koche ausgewogene Mahlzeiten. Also: Kartoffelbrei und Süßkartoffelpommes. Nein, ihre Geschmackspalette hat sich durchs Vegetariertum nicht erweitert, wie man meinen möchte. Die Mädchen lassen einfach nur das Fleisch weg. Und mein Curry muss ich weiterhin alleine löffeln. Immerhin ist ofenwarmes Brot eine Mahlzeit, bei der es kein Murren und Wehklagen gibt. (Unser neues Lieblingsrezept mache ich ganz simpel und fix im Bräter)

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Einige Tage habe ich bei meinen Eltern verbracht (ganz am Ende der Ferien, als ich dringend Urlaub von meiner Familie brauchte. Ich liebe sie wirklich. Aber….ach, wer selbst Kind und Mann hat, weiß Bescheid). Ich hatte vergessen wie es sich anfühlt, einfach nur Tochter zu sein. Nicht Partnerin, nicht Mutter, nicht Freundin. Nur ich. Exquisit!

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Ich habe das Arbeitszimmer meines Vaters blockiert, die Aussicht auf Felder und Wälder genossen und geschrieben. Mein Planer für 2021 musste fertig werden. Und nun bin ich bis über beide Ohren beschäftigt mit einer neuen Buchidee und meinem Buch „Hoffnung leuchtet“, das in wenigen Wochen auf den Markt kommt.

Schmeiß noch meinen Book-Club, Hauskreis, Kindergeburtstag (oh, wie ich 11-Jährige liebe!!!), Renovierungsprojekte (Kellerstreichen) in den Mix und die Minuten auf der Couch und Laptop schrumpfen zusammen.

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Aber das ist wohl dem Jahresanfang und seinem Schwung geschuldet, mit dem er forsch daher kommt. Nein, ich habe mir nichts vorgenommen. Ich nehme das Leben wie es kommt und finde mein altes Ich eigentlich ganz knorke. Aber es kribbelt mir in den Fingern und im Kopf. Ich sehne mich nach einem neuen Strickprojekt, nach Näharbeiten, nach Bewegung im Freien, nach Gartenarbeit, nach der ersten Aussaat. Ich sehne mich danach, all meine Ideen und Worte und heilige Wut aufs Papier fließen zu lassen. Ich sehne mich nach tiefen Beziehungen. Ich sehne mich nach innerer und äußerer Gesundheit.

Ich nehme den Schwung mit in meine Januartage. Und zwischendrin parke ich einige Minuten auf dem Sofa. Pferdehaare hin oder her.

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PS: Am 17. Januar um 19:30 Uhr bin ich in Oberjesingen beim Ladiespoint mit dem Thema „Zugangswege zu Gott – Leben in geistlicher Vielfalt“

Und am 22. Januar bin ich um 9 Uhr bei der Atempause in Wolpertshausen mit dem Thema: „Was uns Frauen stark macht“