Einfach Advent :: Teil 3

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Meditation

Vor einigen Tagen las ich irgendwo: Das alte Jahrzehnt geht zu Ende.

WHAT???

Diese einfache Wahrheit sinkt erst jetzt in mein Bewusstsein! In meinem Alltagstrott übersah ich die simple Tatsache, dass sich eine Dekade dem Ende zuneigt und eine neue vor der Tür steht. Wo war ich vor zehn Jahren? Wo warst du vor zehn Jahren?

Ich lebte an einem anderen Ort.  Mit einem fröhlichen Baby im Arm und ungewisser beruflicher Zukunft im Herzen. Meine Tage fanden zwischen Wickelkommode, Kinderwagenrunden, Müttercafe und der Toilette statt (in der ich mich regelmäßig einschloss um a) zu heulen b) heimlich Schokolade zu essen und c) meinen Verstand zurecht zu rücken). Meine Welt war sehr klein geworden und die Welt dort draußen drehte sich ungerührt von meiner Müdigkeit und Ignoranz weiter.

In Italien bebte die Erde. Die Folgen der Finanzkrise belasteten die Wirtschaft und trotz Regulationsversuchen lernte der Mensch nichts aus den Folgen zügelloser Gier. Patrick Swayze starb und Barack Obama wurde zum Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. In Winnenden und Umgebung tötete ein Teenie 15 Menschen.

Und ich fragte mich: In welcher Welt wächst mein zartes unbekümmertes Baby auf?

Die Welt ist in den letzten zehn Jahren nicht besser geworden. Aber auch nicht schlechter. Sie ist in diesen Tagen das, was sie ist und schon immer war: ein Planet voller Menschen, die zerbrochen und erlösungsbedürftig und streitsüchtig und sehnsuchtsvoll und verbittert und hoffnungsfroh sind. Ein Planet, auf dem Menschen leben, die die Ärmel hochkrempeln und Lieder singen und Babies füttern und für Gerechtigkeit kämpfen.

Das war vor 2000 Jahren nicht anders. Nur dass die Hirten auf dem Felde keine Nikes trugen und das Geschehen rund um Betlehem nicht livestreamen konnten. Diese Menschen damals – die frierenden Hirten ohne große Zukunftsperspektiven, die Teenies aus Nazareth, die im Viehstall gerade Eltern wurden, ausländische Elite-Astronomen auf der Suche nach Wahrheit – reichen hinein in unser eigenes Leben. Denn uns verbindet eines mit ihnen: die Hoffnung.

Die Hoffnung auf eine bessere Welt. Auf die Ankunft des Einen, der alles erlöst hin zu einer neuen Erde, auf der nichts anderes herrschen wird als Friede.

Hoffnung ist nichts, was uns einfach in den Schoß fällt – sie ist ein aktiver Zustand. Zur Hoffnung muss du dich entschließen, wieder und wieder. In der Dunkelheit der Nacht. Im Voranstasten durch dein wildes Leben.

Hoffnung entfaltete sich paradoxerweise in Momenten und Phasen meines Lebens, in denen ich keine Hoffnung mehr sah. In denen ich aufgeben wollte. In denen ich zerschmettert am Boden lag. Dieses Durchschreiten von Talsohlen in tiefster Finsternis ist Geburtstort für neue Hoffnung. Dort, wo wir überhaupt nichts spüren können außer Verzweiflung. Dort, wo wir glauben, es wird nie mehr anders werden. Dort, wo alles zerbricht. An diesen Orten sind wir Gottes Herz immer am nähesten. An diesen Orten suchen wir ihn, klagen ihn an, klammern uns an ihn. Hoffnung ist keine rosa Wolke aus optimistischen Gedanken. Manchmal reicht Hoffnung nur von Minute zu Minute, von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag. Sie ist kein billiges Versprechen, dass am Ende alles gut wird, aber sie ist eine Kapitulation vor der Liebe Gottes, die mein Leben immer und immer wieder auf Seine Weise rettet.

Und der Retter ist nah. So nah, dass er deinen Herzschlag kennt und achtet. So nah, dass er mit dir auf der Toilette heult und die Tafel Schokolade teilt . So nah, dass er deine widersprüchlichen Gefühle aushält. So nah, dass er deine Sorgen von deinem Herz ablesen kann. So nah, dass er zusammen mit dir wütend ist über den Zustand der Welt. So nah, dass er das Flickzeug bereit hält, um diese Welt und dein Herz und deine Beziehungen zu reparieren. Wieder und wieder.

Heute. Und auch noch in zehn Jahren.

 

Inspiration

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Alternativen für Adventsstressoren
(Weihnachtsmärkte, Feiern, Bastel- und Backmarathons):

  • Macht einen Winterspaziergang durch den Wald
  • Stell ein Vogelfutterhaus auf und beobachte die Vögel
  • Holt Weihnachtsbücher raus und macht eine Vorlesestunde
  • Kocht gemeinsam
  • Lade Freunde ein und bestellt Pizza
  • Erzählt Geschichten aus eurer Kindheit: Wie war Weihnachten damals?
  • Geht abends raus und seht euch die Weihnachtsbeleuchtungen an
  • Mach einen Kinoabend daheim
  • Schaue alte Fotoalben an (von vor 10 Jahren!)
  • Geh durch deine Vorräte und pack Päckchen für bedürftige Familien (Infos für die Aktion im Heilbronner Raum hier)

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Less Mess

Ausmisten::

Jetzt magst du mich fragen: Bist du komplett wahnsinnig geworden? Vor den Feiertagen ausmisten?

Yes, my friend – auch wenn ich kein Marie-Kondo-Fan bin: Du hast richtig gelesen!

Schnapp dir einen Wäschekorb und gehe damit zügig durch die Zimmer: Alte Bücher und CDs, verstaubte Bastelarbeiten, kaputte Stifte, ausgemalte Malbücher, ungenutztes Spielzeug – sammle alles ein. Stell dir das Handy, gib dir eine halbe Stunde. Wenn deine Kinder bereits größer sind und damit vernünftiger, beteilige sie an der Aktion.
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Demnächst liegen neue Schätze unter dem Christbaum und sie können keinen Ehrenplatz einnehmen, wenn sie in der Masse unseres angehäuften Besitzes verschwinden.

Fasten-Challenge

Ich lade Dich zur Fasten-Challenge in der dritten Adventswoche ein und dieses Mal wird es richtig hart. Das ist eine Nummer für die Hardcore-Faster unter uns: Zucker.

Jedes Jahr kann ich an Heilig Abend Plätzchen und Lebkuchen nicht mehr sehen. Dieses Jahr will ich mir den Appetit aufheben und deshalb in  der folgenden Woche auf Süßes verzichten. Bist du dabei?

 

Entertainment-Ecke

Für alle Fans von Tatsächlich Liebe…..Where are they now?

 

 


Einfach Advent

2 Kommentare zu „Einfach Advent :: Teil 3

  1. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt einen Blogbeitrag auf diese Art gelesen habe. Vielleicht noch nie. Angefangen habe ich vor zwei Stunden. Ich kam bis zum Ende des ersten Absatzes. Dann habe ich ungläubig geschaut, zurückgeschaut, geheult und den Laptop zugeklappt. Gebetet, nochmal zurückgeschaut. Nach vorne geschaut. Lieber erstmal Plätzchen gebacken.
    Tee gekocht. Nochmal angefangen. Zwei Absätze weitergekommen. Wieder geheult. Trotzdem weitergelesen. Heftig mit dem Kopf genickt. „Eigentlich gar nicht so doof“, gedacht. „Auf keinen Fall, da bin ich raus“, ging mir als nächstes durch den Kopf :-).
    Ich danke dir für diesen tiefgründigen, durchdachten und berührenden Beitrag und freue mich auf nächste Woche.

  2. Ich danke dir auch sehr für diese Worte, vor allem die zu Beginn. Ich befinde mich gerade in der Situation, in der du vor zehn Jahren warst: kleines Baby mit zuckersüßem Lächeln, aber miserablem Nachtschlaf; Zuhause sein und die Welt dreht sich weiter, das Leben läuft und alles scheint so schnell an mir vorbeizuziehen und sich zu entwickeln. Und ich bin hier in unserer Wohnung und trete auf der Stelle… nachts und mit weinendem Baby im Arm.
    Deine Worte über die Hoffnung in schwierigen Phasen haben mein Herz sehr berührt und für mich in Worte gefasst, was da gerade in meinem Herzen umherschwirrt.

    Um deine Worte nochmal zu wiederholen: Zur Hoffnung musst du dich entschließen, wieder und wieder. . In der Dunkelheit der Nacht.

    Das möchte ich diese Nacht auch tun, wenn mich das hilflose Weinen weckt und mein Körper nach Ruhe schreit und eigentlich nicht mehr trösten kann, sondern selbst Trost, Erholung und vor allem Hoffnung braucht!! Ich will hoffen und mich in Gottes Liebe werden!

    Liebe Veronika, ich danke dir, das du diesen Blog führst. Gott hat ihn schon ein paar Mal gebraucht, mir Mut zu geben. Vielen Dank und liebe Grüße.

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