Einfach Advent :: Teil 2

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Meditation

Zu jener Zeit ordnete der römische Kaiser Augustus an, dass alle Bewohner des Römischen Reiches behördlich erfasst werden sollten. Diese Erhebung geschah zum ersten Mal, und zwar, als Quirinius Statthalter von Syrien war.  Alle Menschen reisten in ihre betreffende Stadt, um sich für die Zählung eintragen zu lassen.
Lukas 2, 1-3

Wie mag es Dir wohl seit dem letzten Freitag ergangen sein? Als wir uns schworen, wir würden unseren Advent entzerren, entschleunigen und ein wenig revolutionieren? Vielleicht hast du öfter innegehalten. Deinen eigenen Herzschlag gespürt, deine Gedanken gehört, die Menschen um dich herum gesehen. Vielleicht fällt es dir noch schwer, loszulassen.

Ich will dir von meiner Woche berichten.

Sie war voll, laut, hochemotional und stressig.

Alles war ganz anders, als ich es geplant hatte. Und mein Handy hat in der letzten halben Stunde zehnmal BING gemacht, weil ich die Vorbereitung unseres Hauskreisabends versemmelt habe. Gott sein Dank sind wir ein spontaner Haufen mit hoher Frustrationstoleranz.

Während sich draußen Väterchen Frost alle Mühe gibt, mich im Turbogang in Weihnachtsstimmung zu versetzen, tobt in diesen hübsch geschmückten vier Wänden der ganz normale Wahnsinn mit Sahnehäubchen:  Plätzchen backen, einen Kindergeburtstag wuppen, Englischvokabeln pauken, Wutanfälle abfangen, Tränen abwischen, Dreck wegwischen, Emails auf die lange Bank schieben, verloren gegangene Reithandschuhe suchen. Und sich zwischendrin literweise Erkältungstee hinter die Binde kippen. Die lieben Infekte haben sich die falsche Jahreszeit rausgesucht. Muttersein mit dem verrückten Mental Load in der Adventszeit ist eine Sache, die wir gerade noch so zusammen mit Vanillekipferln und Heidesand gebacken bekommen. Aber dann noch on top ein Infekt ist…. nun tja…..eine Zwangsentschleunigung.

Aber da gab es die Zwischenräume:

Als ich spontan auf dem Heimweg bei einer Freundin klingelte. Ich wollte ihr nur kurz ein Päckchen Plätzchen vorbeibringen und daraus wurden 20 Minuten, die wir mit einem sehr gehaltvollen Gespräch und Kaffee füllten.

Als wir den gestrigen Kindergeburtstag bei klirrendem Frost mit einem Lagerfeuer beschlossen und die abholenden Eltern zum Glühwein einluden. Alle blieben länger ……

Als ich früher ins Bett ging und in eines meiner Lieblingsbücher versank.

Als ich vorgestern durch den Garten ging und Zweige vom Kirsch-, Apfel- und Quittenbaum pflückte und sie in eine Vase an mein Küchenfenster stellte.

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Als meine Kinder beschlossen, ihre alten Flötenkenntnisse zu entstauben und Weihnachtslieder zu spielen, bis uns die Ohren abfielen.

Als wir nach einem vollen, anstrengenden Tag abends nicht den Fernseher einschalteten, sondern „Hilfe, die Herdmanns“vorlasen.

Als ich am Wochenende in meiner alten Heimat mit Armin einen ausgedehnten Waldspaziergang machte.

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Als ich an selbigem Nachmittag mit Geschwistern, Nichten und Neffen um den alten Esstisch meiner Eltern saß und meine Mutter Plätzchenteller füllte und saure Gurken und Leberwurstbrote auf den Tisch stellte.

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Als ich heute früh realisierte, dass mein Instagram-Fasten das großartigste Geschenk dieser Adventszeit für mich ist, weil mein Kopf Klarheit gewinnt, mein Leben trotz seiner Fülle ruhiger und mein Herz weniger gehetzt ist. (Diese kleine App hat mein Leben stärker kontrolliert als ich es wahrhaben wollte. Sie hat mich vom richtigen Leben zu oft ferngehalten, weil ich damit beschäftigt war, mein Leben bühnenreif für Insta zu präsentieren.)

Der Gedanke der Zwischenräume stammt nicht von mir, sondern von dem Kalender: Der Andere Advent. Dort kam am letzten Sonntag Quirinius, der syrische Statthalter zu Wort. Von ihm wissen wir kaum etwas, nur dass er wohl eine Menge um die Ohren hatte mit Zahlen und Verwaltung und Ordnungsfragen und Druck von oben.

Man legte ihm u.a. folgende Worte in den Mund:

Verliert euch nicht! Oder anders gesagt: Findet euch wieder. Die Aufgaben werden nicht verschwinden. Aber die Zwischenräume könnt ihr weiten. Dass genug Raum ist für dich. Wie Gott dich gewollt hat. Mensch mit menschlichem Antlitz. Mit einem Herz, das hüpft vor Liebe. Mit Seele, richtig Seele. Und wachsendem Mut, den Frieden auszurufen und dass ein guter Stern über allem steht. 

Trotz bester Vorsätze passiert es uns, dass wir uns verlieren in den verwirrenden und engen Gassen unseres Adventsalltags. Wir dürfen aufhören, uns deshalb zu stressen, uns zu verurteilen. Es passiert uns allen. Aber gehen wir nicht achtlos an den kleinen Lücken vorbei, die sich auftun. So wie in engen Gassen sich manchmal ein kleiner Platz auftut, der einlädt zum Verweilen. Richtig schöne kleine Plätze mit einem Café und Geranien in Blumentöpfen und einem Straßenmusikanten. Lass dich für ein paar Minuten nieder. Lausche der Musik. Bestelle einen starken Kaffee und bitteschön auch das Stück Torte das dich anlacht. Nein, und lass das Handy stecken. Das ist kein Moment, den du mit der Welt teilen musst, denn er ist nur für dich.

Sauge dich voll mit Gottesgüte. Weite deinen Zwischenraum.

Und dann stürz dich wieder ins Getümmel.

Inspiration

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Backen::

Backen kann ein wunderbarer Zwischenraum sein. Mach dir Musik an, schenke dir einen Kaffe ein. Aber zu kompliziert und ausgefallen sollte es nicht sein, sonst verliere ich sofort die Lust. Auf eine Generalsanierung der Küche nach einer Backaktion kann ich ebenfalls verzichten. Und du sicher auch.

Ich verrate dir mein Lieblingsrezept, für das ich eine neue Methode gefunden habe:

Heidesand
250 g Butter
200 g Zucker
1 ordentliche Prise Salz
1 Päckchen Vanillezucker
375 g Mehl

Zerlass die Butter in einem Topf bis sie braun wird. Abkühlen lassen (darf ruhig noch warm sein, aber nicht heiß). Dann mit Zucker und Salz cremig rühren. Am Ende esslöffelweise das gesiebte Mehl unterrühren.

So. An dieser Stelle formt man normalerweise Rollen, legt sie in den Kühlschrank und nach 3-4 Stunden schneidest du Scheiben ab und backst sie. Hier verliere ich die Nerven. Denn Heidesand bröselt. Und ich bin keine Feinmotorikerin. Du verstehst das Problem?

Ich verarbeite den Teig sofort ohne Kühlung: Nimm eine walnussgroße Portion, rolle sie zu einer kleinen Kugel, leg sie aufs Backblech und drück sie platt. Voila. Sozusagen eine Kreuzung aus alter deutscher Backtradition und amerikanischer Cookieherstellung.

Bei 170 Grad ca. 20 Minuten backen.

Dieser Heidesand ist GÖTTLICH!!

 

Less Mess

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Hand aufs Herz. Unsere Kinder ertrinken in Spielzeug („Mama, ich hab mal gezählt: wir haben jetzt 39 Schleichpferde!“). Wir können entweder verstärkt spielzeugfrei schenken oder gut erhaltenes Spielzeug z.B. in der Verwandtschaft zu Weihnachten weiter verschenken.

Hier meine spielzeugfreien Geschenketipps für Kinder:

  • Gutschein für Restaurant, Kino, Ballett, Theater, Zirkus
  • Zeitschriften-Abo
  • Gutschein für eine Übernachtungsparty
  • Gärtnerset (Samen, Schaufel, Pflanztöpfchen)
  • Schlittschuhe
  • Blumenpresse
  • Stirnleuchte
  • Rucksack
  • Bastelsachen: Knete, Fimo, Washi-Tape, Farben, Kalligraphie-Stifte, Stickset, etc.
  • Schal, Hausschuhe, Mütze, Handschuhe
  • Fotobuch
  • Taschenmesser, Schnitzmesser
  • Hängematte
  • Vogelfutterhäuschen
  • TrinkflascheIMG_2280_edited-1

 

Fasten-Challenge::
Ich lade dich zur  Challenge in der zweiten Adventswoche ein: Social Media.

Ich!kann!es!nicht!genug!empfehlen!

Deine Zwischenräume werden sich nicht mehr mit gehirnaufweichendem Scrollen füllen, sondern mit Freiheit und Ruhe. Versprochen!

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Motto der Woche

Erfreue dich an den Zwischenräumen::

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Entertainment-Ecke

 

 


 

Einfach Advent

4 Kommentare zu „Einfach Advent :: Teil 2

  1. Ich hab auf deinen Blogpost heute gewartet, musste diese Woche manchmal an dich denken. Ich finde Insta ja echt toll und war mir nicht sicher, ob ich wirklich beim Fasten mitmachen möchte. Aber seit ich nun nicht mehr auf Insta gucken gehe, bin ich tatsächlich ruhiger und weiß wieder, wem ich wirklich „folge“ und wessen Gedanken ich zu verschiedenen Dingen, die mich beschäftigen, wichtig finde: Jesus. Das ist mir neu klar geworden und für diesen Anstoß dank ich dir!

  2. Danke für deine Inspirationen, hat mir echt gutgetan!
    Etwas stolpernd bin ich diese Woche ins Instafasten gestartet. Wie geht das, wenn ich einen Blogartikel schreibe, fast alle Leser jedoch über Facebook und Instagram dazu kommen, ihn zu lesen? Ich habe also einen Link gepostet und dann gehen natürlich immer wieder Benachrichtigungen ein. Sich vorzunehmen, nicht so viel Zeit mit Scrollen zu verbringen, ist eine Sache, dieses immerzu abgelenkt werden, so sehr ein Herzchen zwischendurch auch freut, fand ich am störendsten. Nachdem ich die Benachrichtigungsfunktionen ausgestellt hatte (erstmal alle finden😅), wurde es ruhig und entstresst. Zeit für eine persönliche Nachricht, Mitteilungen checken, wann es mir passt, das war echt wohltuend. Ganz liebe adventliche Grüße aus dem gar nicht winterlichen Norden🌲

  3. Ich habe diese Woche ebenfalls die Zwischenräume gesucht … den Anstoß im „Anderen Advent“ fand ich auch richtig gut! Danke für deine herausfordernden Impulse!

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