Aufatmen im Advent, Einfach Advent, Einfache Adventszeit, Familie, Weihnachten

Einfach Advent :: Teil 1

IMG_0003_edited-1Endlich, endlich, endlich ist es soweit!

Schon die ganze Woche bombardiert mich mein Kopf mit Ideen und Texten für mein neues Blogprojekt. Ich freu mich ja so, dass du dabei bist! 

Und weil wir Advent dieses Jahr ganz einfach feiern wollen, leg jetzt dein Nudelholz, die zu entwirrende Lichterkette, den Terminplaner zur Seite, mach dir eine Tasse Tee und setz dich zu mir. Sperr die Kinder ins Spielzimmer, schließe die Tür, um das Küchenchaos nicht im Blick zu haben, stell das Telefon aus. Jetzt ist deine Zeit.

Jedes Jahr nehme ich mir vor, den Advent wirklich zu feiern, zu entschleunigen und zu entrümpeln. Ganz viel Zeit will ich mit Freunden, mit Gott, mit den schönen Vorbereitungen verbringen. Und dann werde ich doch wieder von einer Flut an eigenen Erwartungen, Perfektionismus, Terminen, Erledigungen, Konsum davon geschwemmt und gerate drei Tage vor Weihnachten ins Zuckerkoma mit begleitender Hysterie.

Vielleicht geht es dir ähnlich. Wollen wir gemeinsam aussteigen? Uns den Advent zurückholen? Zumindest zeitweise? Es dieses Jahr wirklich ein bisschen anders machen?

Natürlich können wir nicht komplett aussteigen, aber wir können uns kleine Nischen schaffen. Termine streichen oder erst gar nicht zusagen. Konsum minimieren. Ein bisschen hier und da fasten. Daheim bleiben. Uns nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich vorbereiten. Erwartungen auf ein realistisches Maß zurückschrauben.

Lasst uns eine adventliche Gegenkultur schaffen. Eine kleine Adventsrevolution!

Lass uns hier jeden Freitag vor Weihnachten treffen, Tee trinken, tief ein- und ausatmen, den Blick aus Wesentliche lenken und das Unwichtige wie altes Lametta abschütteln.

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Meditation

Einige Tage später beeilte sich Maria, ins Bergland von Judäa zu kommen, in die Stadt, in der Zacharias lebte. Als sie das Haus betrat und Elisabeth begrüßte, hüpfte Elisabeths Kind im Bauch seiner Mutter, und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt. (…) Etwas drei Monate blieb Maria bei Elisabeth und kehrte dann nach Hause zurück. 

Lukas 1, 39-41 / 56

Maria hatte vom Engel Gabriel erfahren, dass sie schwanger ist. Ein Teenager ist sie, an der Schwelle zur Frau. Altersmäßig nicht weit entfernt von meiner großen Tochter, die am liebsten den ganzen Tag mit Schleichpferden spielt und Geschichten hört. Ich muss mir das immer in Erinnerung rufen: Maria war fast noch ein Kind! Würde der Engel Gabriel heute einem 14-jährigen Teenager mit dieser Message erscheinen, wäre die Reaktion wohl so: „Alter, warte! Lass uns 1 Clip für TikTok machen!“

Gott mutet Maria das zu: eine Verheißung, die sich nicht immer leicht tragen lässt, die übersetzt für ihren Alltag viel Kummer und Anstrengung und Furcht bedeutet. Er wartet nicht, bis sie verheiratet, versorgt und ein finanzielles Polster angespart hat. Mitten hin wirft er sie ins Unfertige.

Ihre erste Handlung: Sie sucht sich eine andere Frau als Stütze. Ihre Cousine Elisabeth, die ebenfalls schwanger ist. Bereits im sechsten Monat. Sie bleibt drei Monate bei ihr und erfährt dort Trost und Zuspruch.

Ich bin jemand – und du vielleicht auch – die sich enorm schwer tut, um Hilfe zu bitten. Ganz im Gegenteil, in schwierigen Situationen tendiere ich dazu, mich zu isolieren. Als ich mit meinen Mädchen schwanger war, und auch die Zeit danach, schaffte ich alles alleine. Natürlich hatte ich einen Mann an der Seite, aber der war den Großteil des Tages auf Arbeit. Großeltern und Familie lebten weit entfernt. Wir waren neu am Ort. Und die ersten zarten Freundschaftsbande wollte ich nicht mit Hilfsanfragen zerreißen. Mir fehlte eine Elisabeth. Ein Ort, an dem man mich kannte. An dem ich mich fallen lassen konnte. Eine weise, ältere Vertraute, mit Güte in den Augen und Zuspruch auf der Zunge.

Ich habe heute nur eine Handvoll Freunde. Mein sogenanntes Home-Team. Die Art Freunde, die ich um 2 Uhr nachts anrufen kann, wenn die Bude brennt. Es sind nicht mehr als drei oder vier. Oder vielleicht auch nur zwei. Und das finde ich schon viel. Das sind Menschen, von denen ich ziemlich alles weiß und die so ziemlich alles von mir wissen. Und wir lieben uns trotzdem oder gerade deswegen.

Gute, gelingende Beziehungen sind ein totales Gegengewicht zu dem Schneller-Höher-Weiter unserer Zeit. Denn Beziehungen brauchen genau das Gegenteil: Zeit – Tiefe – Beschränkung.

Maria hat drei Monate bei ihrer Cousine verbracht. Ein Vierteljahr. Wer gelingende Beziehungen führen will, muss Zeit investieren. Sich auf eine oder zwei Personen konzentrieren und nicht auf 20.

Alles, was wir nicht mit Zeit oder Geld oder anderen wirtschaftlichen Messbegriffen benennen können, sind die echten Geschenke. Sie sind es, die Ewigkeitsrelevanz besitzen: Liebe, Freundschaft, Güte, Gerechtigkeit, Erbarmen, Fürsorge.

In der Adventszeit möchte ich immer tausend Leute einladen, Karten an alle, alle Menschen schicken, an jeden denken…(in der leisen, egoistischen Hoffnung, dass diese Menschen auch mir etwas Aufmerksamkeit zukommen lassen). Vielleicht braucht es auch hier: Zeit – Tiefe -Beschränkung. Vielleicht konzentrierst du dich dieses Jahr nur auf eine Person. Vielleicht musst du dieses Jahr toxische Bindungen kappen. Dir dein eigenes Hometeam suchen.

Ich glaube tatsächlich: Wenn ich eine Person im Blick behalte, dann habe ich die ganze Welt im Blick.

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Inspiration

Möchtest du an Weihnachten nicht alleine sein? Dann klink dich bei der Aktion „‚Keiner bleibt alleine“ ein. Tritt der Facebookgruppe bei, um Gastgeber zu finden.
Oder werde selbst Gastgeber für Mitmenschen, die Weihnachten sonst alleine in ihrer Bude hocken würden.

 

Übermorgen ist erster Advent. Stichtag für den Adventskalender. In den letzten Jahren haben diese Dinger Dimensionen angenommen, die den Wert eines Weihnachtsgeschenkes schon fast übersteigen. Ganz ehrlich? Eine Kleinigkeit pro Türchen genügt. Oder ein billiger Adventskalender vom Discounter deiner Wahl.Wenn du aber deine Kreativität an einem Adventskalender austoben willst, dann verschenke Zeit.

Neben Kleinigkeiten stecke ich meinen Kindern Zeit-Gutscheine in den Adventskalender.

Beispiele:

  • Weihnachtsmarktbesuch
  • Punschtrinken mit Vorlesestunde
  • Eine Rückenmassage
  • Gemeinsam einen Weihnachtsfilm anschauen
  • Bratäpfel zum Abendessen
  • Eine halbe Stunde länger aufbleiben
  • Freunde zum Adventskaffee einladen
  • Abendspaziergang mit Weihnachtsbeleuchtung-Gucken
  • Plätzchenbacken
  • Spieleabend
  • Girlande basteln
  • Gemeinsam musizieren
  • u.v.m.

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Tja, und dann steht ja schon Nikolaus vor der Tür. Auch hier werden schon lange die üblichen, kleinen Nikolausgaben vom allgemeinen Konsumrausch verdrängt und die Kinder mit ZUVIEL überschüttet. Auch wenn andere Kinder mehr bekommen und unser eigener Nachwuchs dann jämmerlich jammert, so steht uns allen etwas mehr Bescheidenheit gut an.Ein Stiefel reicht. Schoko-Nikolaus, ein paar Plätzchen und Lebkuchen, eine Tüte Süßigkeiten. Vielleicht noch ein Non-Foodartikel Bäm! Fertig.

Bei uns dieses Jahr im Stiefel:

Der echte Nikolaus
Nikolaus-Fruchtgummi 
Pflanzwürfel „Lebkuchenbaum“ 


Less Mess

Fasten-Challenge::

Fasten ist Entrümpelungskur für Kopf und Herz. Und da wir ja dieses Jahr Adventsgegenkultur betreiben wollen, lade ich dich ein zu Deinem ganz eigenen Fasten. (Ich selbst verkneife mir Instagram ab dem 1. Advent, und freu mich noch gar nicht drauf…)

Unsere Challenge in der ersten Adventswoche:

„Ich kaufe keinen neuen Dekokram.“
(Auch wenn er mich auf dem Adventsmarkt noch so anlacht.)

Ich bin sicher:  Ruhe wird in dein Leben fließen inklusive neuer Kreativität. Ohne den inneren Zwang, jemand anderen kopieren zu müssen. Ohne das nagende Gefühl, nicht zu genügen. Du wirst deine eigenen Gedanken hören. Und vielleicht sogar Gottes Stimme – beide müssen nicht mehr mit dem Lärm der Welt konkurrieren.

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Wenn es hektisch wird, krame ich wieder meinen Tagesplaner raus mit dem ich mich strukturieren und ganz bewusst kleine Nischen für mich einplane. Du kannst ihn hier ausdrucken.


Motto der Woche

Nutze, was du hast::

Was könntest du in der Adventszeit mit dem machen, was du bereits zu Hause hast?Getrocknete Orangenscheiben. Moos. Tannenzapfen. Rote Beeren. Kleine rote Äpfel. Walnüsse. Fichtenzweige. Alte Kuchenformen. Ausstecherle. Rotes Band. Alte Gesangbücher. Marmeladengläser. Filz. Salzteig. Schöne Äste. Zimtstangen. Holzkisten und -schubladen. Efeu. Wolle. Bilderrahmen.

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Entertainment-Ecke

Ich bin bekennender Fan der Landfrauenküche im Bayerischen Fernsehen. Im Advent gibt es eine Sonder-Edition. Entweder immer Montags im BR um 20.15 Uhr oder in der Mediathek.

Flashmobs haben ihre besten Tage lange hinter sich, aber diesen schaue ich mir jedes Jahr in der Weihnachtszeit wieder an und heule ein bisschen:

https://www.youtube.com/watch?v=SXh7JR9oKVE

Und auch dieses Video hat alle Jahre wieder seinen grandiosen Auftritt:

Christmas is the best…even at its worst:

 


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Familie, Gedanken, Glaube

Alltagshelden

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Irgendwann in der Nacht hatte sich unsere Katze erbrochen.

Ich tastete mich im Dunkeln in unseren Holzschuppen, um Brennmaterial für unseren Ofen zu holen und trat hinein. Gott sei Dank war nicht Sommer und ich hatte meine Schuhe an. Mit Glibber am Schuh und Holz in den Armen hüpfte ich ins kalte, dunkle Haus zurück und stemmte mich gegen eine Welle der schlechten Laune und Übelkeit. Nicht heute, mein Freund, nicht heute.

Ich musste gar keine schlechte Laune haben, denn das erledigten bereits meine Kinder für mich, die türenknallend das Haus verließen. Dann: Einkaufen, Hasen füttern, Emails erledigen, Wäsche machen (was ohne Trockner abenteuerlich ist, denn alle behängbaren Plätze in diesem Haus sind mit feuchter Wäsche verziert), Garten umgraben, Mittagessen kochen, Brot backen.

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Eine Unruhe macht sich in mir breit. Seit elf Jahren mache ich genau das, was ich tagtäglich tue. In schönster, beruhigender Routine, während die Welt brennt. Ich wäre so gerne eine große Glaubensheldin, eine die Menschen rettet. Aber das Mittagessen muss gekocht und bei den Hausaufgaben geholfen werden. Er fühlt sich gerade eng an, dieser Alltag und ich lasse meine Muskeln spielen, spinne Ideen, schaue nach Stellenanzeigen, träume, träume, träume. Ich bin innerlich so ferne von meinen Alltag und schwärme von großen Glaubenshelden, dass ich fast vergesse, dass du, der du dich blind durch dein Leben tastest und über Hindernisse stolperst ebenso ein Held bist. Und ich auch. Gott beleuchtet Heldentum ganz anders als die großen Scheinwerfer in hippen Churches. Die Letzten werden die ersten sein. Das Kleine ist Gott wertvoll. Er verlässt die 99 Schafe, die er sicher in der Hand hat, um das eine Verlorene zu suchen.

Die Sache ist die: Ich taste mich durch mein Leben wie der Mensch am Morgen auf dem Weg in den Holzschuppen. Ich sehe nur einen Meter weit, und ja: Manchmal trete ich in Erbrochenes und eine Welle der Befindlichkeiten meiner Mitmenschen spült mich an den Rand des Wahnsinns und ich stolpere über liegengelassene Schulranzen und Vesperdosen. Ich kann immer nur den nächsten Schritt gehen und am Morgen beten: Herr, lenke meinen Schritt. Heiliger Geist, zeige mir, was wirklich wichtig ist. Jesus, liebe mich und meine Mitmenschen gesund. Und wenn ich dabei eine Rolle spielen darf, dann stoße mich mit der Nase darauf!

Es ist leichter, sich in den Tagträumen zu verlieren, in denen ich die große Heldin bin anstatt sich dieser Stunde und dieser Minute zu stellen, in der der Müll entsorgt, dem Kind zugehört, der Mann umarmt werden will. Mein Leben ist kein Konzept, das irgendwann in der Zukunft stattfinden wird. Gottes Plan ist hier und heute mit mir. Das Aufwischen von Katzenkotze inklusive. Fühlt sich nicht so irre wichtig an, wie Slumkindern lesen und schreiben beizubringen, aber ich baue auch hier „Reich Gottes“ mit meinen winzigen Bausteinen. Nicht die Größe und Wichtigkeit ist entscheidend, sondern die Liebe, mit der ich die Steine an ihren Platz setze und dem Vertrauen, mit dem ich mich durchs Dunkle taste.

Ich hänge meine Küchenschürze zurück an ihren Haken, das Mittessen steht im Ofen. Die Kinder kommen gleich. Und dann finden sie mich hier, mit offenen Armen und Kirschenauflauf. Manchmal ist das Reich Gottes der Arm einer Mutter und eine heiße Mahlzeit an einem kalten Tag.

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Ich

Ich…

 

…feiere: den 45. Geburtstag meines Mannes. Es ist so schön, gemeinsam älter und welker zu werden.

…rieche: Holzfeuer im Ofen, nasses Laub unter meinen Stiefeln, Zimtschneckenkuchen. Und den Müll, der dringend raus muss.

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…freue mich: über Sprachnachrichten von Freundinnen, unsere neue Fassade, einen gesünderen Lebensrhythmus.

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…plane: den kompletten November. Er ist der vollste Monat des Jahres und ich mache es mir nun zur Gewohnheit, gleich zu Montagsanfang den November minutiös zu planen und soviele Geschenke wie möglich schon im Voraus zu besorgen. Das entspannt mich ungemein!

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…trauere: unserer Katze Cookie nach. Wir mussten sie leider abgeben (in gute Hände!), weil sie alle paar Tage weglief und sich nicht mit unserer anderen Katze vertrug.

…koche: fast nur noch vegetarisch, seit meine Mädels nun Fleisch komplett aus ihrem Leben gestrichen haben. Diese Woche: Ramen, Hirseauflauf, Spinatquiche, Blumenkohlburger und Pizza Margarita.

…baue: ein Hügelbeet. Ich habe den unrealistischen Traum aufgegeben, dass mein Garten nach nur einem Jahr fertig angelegt sein muss. Er ist Stückwerk. Und nur mit Sorgfalt und Geduld und Beobachten kann ich mich in den Garten hineinfühlen, ihn Stück für Stück wachsen lassen. Nun füge ich also ein Hügelbeet hinzu für die Gurken, Kürbisse und Zucchini im nächsten Jahr.

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…stricke: Spüllappen. Jede Menge Spüllappen. Liebe Familie, du weißt, was unter dem Christbaum liegen wird, gell?

…freue mich: über die Strickjacke, die ich für Josefine gestrickt habe. Mein erstes, wirklich kompliziertes Werk, von dem ich dachte: DAS kann ich nie! Kann ich doch. Ha!

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…backe: ganz viel Brot.

…kaufe: wieder bewusster ein. Das funktioniert nur, wenn ich Zeit habe und wirklich präsent bin. Dann geh ich zum Direkterzeuger, zum Mühlenladen, ins Secondhandgeschäft. Und dann gibt es Zeiten, in denen reichen Kraft und Zeit nur für den schnellen Sprint in den Supermarkt und für den schnellen Klick beim bösen Onlinehändler.

…lese: wie eine Verdurstende, die einen Kanister Wasser in die Hände bekommt. Worte sind Leben. Geschichten mein Rettungsanker.

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…spüre: Ärger über Haushaltsgeräte, die punktgenau IMMER nach zehn Jahren den Geist aufgeben. Aktuell: Waschmaschine und Trockner.

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…schreibe: wann immer es die Zeit zulässt. Und dann direkt am Kamin.

…bewundere: den magischen November.

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…bin gespannt: auf meine letzten beiden öffentlichen Termine dieses Jahr. Am kommenden Samstag, den 16. November um 9 Uhr in der Gartenstraße 20, Ditzingen (Frauenfrühstück) und am 23. November um 19:30 Uhr in der FCV Hechingen, Stutenhofstr. 19/1 (Konzertlesung mit Sally Grayson).

 

 

 

 

Familie

8 Tipps für gestärkte Mütter und Mädchen

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Heute morgen bin ich mit einem Mount Everest an Pickel auf dem Kinn aufgewacht. Im Spiegel sehe ich nur den pulsierenden, roten Pickel. Während meine Mädchen sich für die Schule fertig machen, unterdrücke ich einen Schrei des Entsetzens. Mein inneres Drama bleibt unbemerkt. Doch würde ich gerne rufen: „Wie sehe ich denn aus? So kann ich unmöglich vor die Tür! Mein Leben macht keinen Sinn mehr!!“

Aber nein. Das würde gegen meine eigene ungeschriebene Regel verstoßen. Ich rede niemals vor meinen Kindern negativ über mein eigenes Aussehen, über meinen eigenen Körper. Neugierig sein, was unsere Körper und deren Funktionen betrifft, darauf können wir uns einigen. Die Kinder fragen. Ich antworte. „Das rote Ding an meinem Kinn? Das ist ein Pickel. Ja, das können auch noch Erwachsene bekommen. Und jetzt lass uns Tee trinken und ne Pickelmaske anrühren.“

In letzter Zeit denke ich viel darüber nach, wie ich als Frau ein Vorbild für meine Kinder sein kann. Sie sollen mich nicht nur als Mutter erleben, sondern ganzheitlich als Frau. Aber was bedeutet das denn genau?

Wie kann ich in ihrer Gegenwart nicht nur Mutter, sondern ganz und gar Frau zu sein?

Was will ich ihnen mitgeben, dass sie in einer Welt, die Frauen immer noch auf Aussehen und Nettsein reduzieren will, aufblühen und mutig ihren eigenen Weg gehen?

Irre ich mich oder haben wir tatsächlich einen großen Rückschritt gemacht und werden Mädchen stärker als früher auf Aussehen und Nettsein reduziert? Dieser Gedanke beschleicht mich immer, wenn ich den ganzen gegenderten Scheiß im Spielwarenladen ertragen muss: Rosa Einhörner und TopModels-Malblöcke für Mädchen, Technikspielzeug für Jungs. Überraschungsei mit Prinzessinnen-Gedöns für Mädchen und flotten Miniautos für Jungs. Die Message: Mädchen und Jungs werden mehr denn je auf „ihre Bereiche“ genormt. Ich könnte jedesmal Einhornkotze mit Glitzer erbrechen. 

Aber in erster Linie prägen mal wir – die Eltern –  unsere Kinder, auf welche Weise wir unsere Geschlechterrolle ausfüllen und nicht die Spielzeugindustrie.

(Ich bin wahrlich keine Expertin und dieses Elternding fühlt sich an, als würde ich mich mit verbundenen Augen durch einen Raum tasten und dabei ständig über meine eigenen Füße fallen.)

Lange Rede, kurzer Sinn. Wollen wir auf die obigen Fragen zurückkommen. Da bin ich euch noch eine Antwort schuldig.

  1. Ich rede in der Gegenwart meiner Mädchen nie schlecht über mein eigenes Aussehen. Und wir kommentieren auch nicht negativ die Erscheinungsform anderer Menschen. Niemals. Die Wörter dick (als wertendes Wort) und hässlich und  eklig sind aus dem Smoorschen Wortschatz gestrichen.

  2. Freundschaften mit anderen Frauen. Unsere modernen Familien sind häufig isoliert. Umso wichtiger ist es, dass unsere Kinder andere Frauenvorbilder außer Mama kennenlernen. Und dass sie erleben: Frauen aller Formen und Farben und Begabungen gehen hier ein und aus und werden von ihrer Mutter geehrt und willkommen geheißen.

  3. Ich setze mich für Ziele außerhalb des Familienlebens ein. Meine Kinder sollen lernen, dass es dort draußen eine Welt gibt, für die es sich lohnt zu kämpfen und zu leben. Und dass diese Welt ihnen offen steht.

  4. Unsere Mädchen haben einen Vater, der sie in der Werkstatt mitarbeiten lässt und sie ins Programmieren einführt. Hier gibt es keine offenen und versteckten Botschaften „Das-Kannst-Du-Nicht-weil-du-ein-Mädchen-bist.“

  5. Willst du ein echtes Vorbild an Weiblichkeit sein? Dann versöhne dich ganz und gar mit ihr. Egal ob in Form von Therapie oder Seelsorge oder ob du beginnst, deinen Körper freundlich zu behandeln. Manchmal blitzt er durch, mein neuer Beschluss zur Körperfreundlichkeit und laufe einmal nackig – im Eiltempo durchs Haus – an meinen Kindern vorbei. Und die? Die gucken nicht mal schockiert. Die sind das schon gewohnt.

  6. Ich versuche gut für mich zu sorgen. Und damit meine ich nicht das Glas Wein am Abend. Sondern Mittagsschläfchen, Sport, Lachen, Freundschaften, Lesen. Ich suche Heilung vom Perfektionismus und schmeiße regelmäßig innere Antreiber raus.

  7. Auch wenn es mir gelegentlich schwer fällt und es immer wieder neu einüben muss: Ich lasse meine Mädchen sein. Mit ihrem Klamottengeschmack. Mit ihren Vorlieben und Abneigungen. Mit allem, was sie sind und vor allem: mit allem, was sie nicht sind.

  8. Wir suchen bewusst Bücher und Filme aus, in denen Mädchen nicht auf Aussehen und Nettsein reduziert sind. Sondern in denen sie Rollen einnehmen, die etwas in ihrem Umfeld bewegen und verändern.

Leute, die Mittel und Erkenntnisse, die uns heute zur Prägung und Erziehung von Mädchen zur Verfügung stehen, sind unendlich! Aber lass dich nicht verwirren oder einschüchtern.

Denn am Ende bist du deine eigene Expertin, weil du deine Mädchen daheim am besten kennst und am besten liebst.