Der Zeiger tickt nicht mehr. Ferien!

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Unsere Uhr ist pünktlich zum Ferienbeginn stehengeblieben. Bevor mir dieser Umstand ins Bewusstsein fiel, freute ich mich mit ungläubiger Begeisterung daran, wie langsam die Zeit an so einem Ferientag vergehen kann. Als es aber um zwei Uhr nachmittags immer noch 20 vor neun war, begann ich nach einer neuen Batterie zu kramen. Ich fand keine und beschloss, dass die Uhr bis zum Ferienende schweigen soll. Als Erinnerung daran, dass Zeit in diesen süßen Woche keinerlei Rolle spielt. Die strenge Mahnerin, gnadenlose Antreibern, eiskalte Messschnur schweigt. Auch ihr steht so ein Urlaub von ihrem ewigen Geticke gut an.

Wir vertreiben uns die nicht mehr messbare Zeit daheim. Wie zu jedem Ferienbeginn wackeln die ersten Tage. Unser Rhythmus verlagert sein Gewicht, ein bisschen eingerostet ist er, festgebacken in seinen alten Routinen. Er rutscht ein bisschen hierhin und dorthin bis er eine neue, wesentlich leichtere Gangart gefunden hat. Langeweile rieselt ihm manchmal wie Sand ins Getriebe. Und dann schickt die Mutter ihre Kinder mit dem Fahrrad ins Dorf, wenn sie weder Lust noch Zeit hat. Oder sie packt den Nachwuchs ins Auto und „macht Urlaub daheim“, wenn sie die Entdeckerlust packt und den Kochlöffel in die Ecke wirft.

Urlaub daheim ist eine ganz feine Sache. Wir spielen Touristen im eigenen Lande und entdecken Orte in unserem Landkreis, die wir noch nicht kennen. Meine Kinder wollen zwar lieber nach Italien, aber nach Entdeckertagen in urtümlichen Tälern und an glitzernden Wasserläufen  verstummen die verwöhnten Kinderwünsche.

Gestern führte uns solch ein „Urlaub-daheim-Tag“ ins Kloster Schöntal. Eine schlecht ausgebaute Straße führt dorthin, als solle man abgeschreckt werden, dass nur nicht zu viele Menschen dieses Kleinod entdecken. Nach Besichtigung und Zwetschgenkuchen und Rhabarberschorle holten wir unser Badezeug aus dem Auto und ließen uns an einer Wildbadestelle an der Jagst nieder. „Wie im Paradies,“ seufzte meine Große. Und sprach meine eigene Empfindung aus. Unser neues Hobby ist nun also Wildbaden. Denn dabei lernen wir Fische und Libellen, Schwäne und Weiden, eiskaltes Flusswasser und sonnengewärmte Flusskiesel kennen. Lichtpunkte tanzten auf dem Wasser. Wir aßen Pistazien und Brombeermuffins. Ich schwamm weit den Fluss entlang. Ganz alleine. Die Mädchen kreischten vor Vergnügen.

Lebenssatt fuhren wir die schlecht ausgebaute Straße wieder zurück. Schworen uns, wiederzukommen. Im Kofferraum klapperte ein Umzugskarton mit einem englischen Teeservice, das jemand zum Verschenken an den Straßenrand gestellt hatte. Ich war seit einem Jahr auf der Suche nach dem perfekten 12-teiligen Teeservice (yep, ich bin jetzt in DIESEM Alter!). Jemand hatte es im Kloster aussortiert. Wir hatten Urlaub daheim gemacht und ein Hammersouvenir mit nach Hause gebracht.

Die Sonne stand bereits hinter unserer Kiefer, als wir auf unseren Hof einbogen. Wie spät es war, weiß ich nicht mehr genau, aber laut unserer Wanduhr war es immer noch 20 vor neun.

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6 Kommentare zu „Der Zeiger tickt nicht mehr. Ferien!

  1. Hallo liebe Zuhause-Urlauberin , was für wunderschöne Erlebnisse ihr hattet von 20 vor neun bis 20 vor neun! Ich lese immer wieder gerne deine Beiträge. Dankeschön!
    Und das neue Teeservice ist auch sehr schön. Freut mich für dich dass es dir so ganz nebenbei als i-Tüpfelchen an dem Tag dazugegeben wurde.
    Liebe Grüße , Sonja A

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