Gedanken, Glaube

Vom Backen und der Bibel

IMG_0406_edited-1Als Kind hatte ich zu Weihnachten ein Backset geschenkt bekommen: mit kleinem Rezeptbuch, Backformen, Spatel und Nudelholz. Ich habe es gehütet wie einen Augapfel und benutzt als würde übermorgen eine Hungersnot ausbrechen. Ich lernte schnell, dass beim Backen immer die gleichen Grundzutaten verwendet werden: Zucker, Mehl, Eier, Butter, Backpulver. Noch ein bisschen Kakao dazu und meine Eltern mussten tapfer lächelnd trockenen Marmorkuchen hinunterwürgen. Später kam dann meine psychedelische Phase, in denen ich einfache Napfkuchen mit knallbuntem Zuckerguss und all diesem hübschen Klimbim verzierte, der einem bereits Zahnschmerzen beim Hinsehen verursacht. Kurzum: Ich liebte Backen! Die Variationen waren endlos!

Und liebe es auch noch heute. Mein Backrepertoire ist zum Wohle meiner Familie ein ganz anderes geworden: Apple Pies und Rote-Beete-Brownies, Hefezopf und Rhabarer-Streuselkuchen, Blaubeermuffins und Bananabread. Die Grundzutaten sind aber die gleichen wie vor 35 Jahren.

Nun darf ich beobachten wie meine Kinder in der Küche lernen. In den ersten Jahren war ich immer dabei, zeigte ihnen, wie man Eier trennt, Muffinteig nie zu lange rührt, Hefe in handwarmes Wasser bröselt und Schneebesen effektiv abschleckt. Heute werfen mich die Kinder aus der Küche, weil ich ja doch nur rummeckere, wenn Backpulver sich fröhlich in den Ritzen des Holzparketts versammelt und Eierschalen im Teig landen.

Selbständig suchen sie die Zutaten zusammen. Wie großartig sind all die Variationsmöglichkeiten von Zucker, Mehl und Co?  Dann backen sie mit großer Leidenschaft ihre Schoko-Cookies und Himbeerschnörkelkuchen. Natürlich würde ich vieles ganz anders machen! Die Cookies gleichmäßiger formen! Die Schnörkel kunstvoller schnörkeln! Ich lerne, mir jeglichen Kommentar zu verkneifen und gemeinsam mit meinen Kindern, die beim Backen den Spaß zelebrieren und das Aufräumen scheuen, die Küche hinterher wieder zu sanieren. Und am Ende schmecken Cookies und Kuchen ganz exzellent – auch wenn Form und Farbe eigenwillig ausfielen.

IMG_0292_edited-1Vorsicht – Gedankensprung!

In letzter Zeit erreichen mich immer wieder Mails und Nachrichten von Lesern und Freunden, die ihre liebe Not mit starrer Bibelauslegung in ihrer Gemeinde und überhaupt im freikirchlichen Bereich haben. Und wer mich kennt, hier schon eine Weile mit liest, weiß, dass es mir ähnlich geht.

„Kann das wirklich so gemeint sein? Was lese ich durch meine freikirchlich- / westlich- / weiblich- /deutsch- / kulturell-geprägte Brille, das vielleicht ganz ganz anders gemeint war? Kann ich etwas, das vor 2000 Jahren ganz spezifisch an eine Gemeinde geschrieben wurde, eins zu eins auf mein heutiges Leben übertragen und von anderen verlangen, dies auch zu tun?“

Es mag einen etwas schwindlig und ängstlich machen, wenn man sich selbst die Erlaubnis erteilt, Fragen und Zweifeln Raum zu geben. Aber nur dann bleibt ein Glaube lebendig, fortschrittlich und gesellschaftlich relevant.

Jesus war es nie darum gegangen, uns in eine starre Form gießen zu wollen. Es ging ihm auch niemals darum, überhaupt eine neue Religion gründen zu wollen. Sein Ziel war und ist es, unsere Welt in den ursprünglichen Zustand – Shalom zwischen den Menschen, Shalom zwischen Gott und Mensch, Shalom zwischen Mensch und Schöpfung – zu formen. Nichts anderes bedeutet es, Reich Gottes zu bauen: Zurück zu diesem Urzustand. Dafür hat er gelehrt. Dafür ist er ans Kreuz gegangen. Dafür ist er auferstanden.

Es braucht nur wenige Zutaten – aber die sind mühsam zu kultivieren – um dieses Reich Gottes zu bauen. Wir finden sie in der Bibel: Nächstenliebe. Gebet. Glaube. Gastfreundschaft. Erbarmen. Selbstbeherrschung. Geduld. Freude. Hoffnung. Freundlichkeit. Erlösung. Hingabe.

Von Anfang bis Ende der Bibel geht es um Gottes Geschichte mit uns. Die Zutaten dieser Geschichten sind immer die gleichen, aber es liegt ganz an mir, was ich daraus forme. Beim Backen kann ich aus meinen Zutaten Herzen formen, Kugeln oder einen Riesencookie. Ich kann Sterne, Pferde und Star-Wars-Figuren ausstechen. Ich kann Rosinen und Schokotropfen und Himbeeren in den Teig drücken. Schnörkel in den Teig ziehen. Die fertigen Cookies bunt glasieren, mit Klimbim verzieren, noch heiß verzehren (meine Lieblingsvariante) oder in hübschen Tütchen verschenken.

 

Die Bibel ist kein starres Rezeptbuch, sie hat auf jedes Leben ihre ganz eigene Auswirkung. Sie gibt uns die Zutaten an die Hand, die wir brauchen und gleichzeitig die Freiheit, etwas ganz Eigenes daraus zu formen.

 

Oft fühlt sich das Leben als Christ an, als wären wir gezwungen, für den Rest unseres Lebens trockenen Marmorkuchen zu backen und zu essen. Das passiert, wenn wir die Bibel als wortwörtliches Rezeptbuch lesen und verstehen. Wirklich, das macht das Leben als Christ so attraktiv wie das Sortiment eines DDR-Ladens.

 

Die Zutaten sind immer die gleichen. Aber die Variationen sind endlos, sie ändern sich, passen sich ihrer Zeit immer wieder an. Heute beginnen Freundschaften oft online, anstatt wie früher über den Gartenzaun. Heute fußt unsere Hoffnung eher auf moderner Medizin und überhaupt unserer großartigen Errungenschaften als auf Überlebenszufall wie in den vorhergehenden Jahrtausenden. Heute können wir Menschen weltweit mit einem Mausklick erreichen und müssen oft keine Lebensgefahr auf uns nehmen, um fernen Völkern eine frohe Botschaft zu bringen.

 

So darf sich die Form immer ändern, nur die Zutaten müssen die gleichen bleiben.

 

Sonst landen die Cookies im Mülleimer und unser Leben im „Un-Shalom“.

 

 

 

 

 

Bilder, Ernährung, Garten, Nähen, Rezepte, Slow Living

Sommer ohne Klimbim. Und mit Eisrezept.

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(Shorts: kostenlose Schnittmuster hier und hier)

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Vogeltränke Marke Eigenbau: Alte Blumenampel plus Blumentopfuntersetzer.

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Wir haben zwei Gänge runtergeschaltet.

Man merkt es auch hier. Die Einträge tröpfeln nur noch zeitweise. Mich zieht es momentan wenig in Richtung Laptop, sondern mehr in den Garten, zu meinen Kindern, an die Nähmaschine, in die Küche, auf die Couch mit einem guten Buch. Die Sommergangart sollte doch immer eine langsamere sein, denn diese Tage fliegen vorüber, wenn wir ihnen keinen gebührenden Platz in unserem Leben einräumen.

Früher war der Sommer für mich mit Druck verbunden. In diese kurze Zeit soll alles gequetscht werden. Angefangen von Grillfesten über Schwimmbadbesuche hin zu Einweckparties und Camping. Ach, der Sommer. Er lässt sich auch daheim einfangen und feiern. Ganz ohne Klimbim. Und wenn uns unser Planer nur kleine Zeitfetzchen zuweist, dann sind wir im Garten zu finden. Wo wir spielen und ausruhen, pflanzen und Vogeltränken bauen, Knoblauch ernten und Eis essen.

Es sind doch immer wieder die kleinen Dinge, die den größten Wert besitzen.

Noch drei Schulwochen liegen vor uns. Ich weiß nicht warum, aber dieser Sommer ist ein ganz besonderer für mich. Das liegt wohl daran, dass es der erste Sommer seit drei Jahren ist, in dem wir nicht permanent Baustelle haben. Mein Buchmanuskript habe ich raus. Es kehrt Ruhe ein. Und dabei fühle ich mich an manchen Tagen wie ein Sprinter, der bereits die Ziellinie überquert hat, aber dessen Beine nicht sofort zum Stehen gekommen sind. Sie laufen noch, finden Stück für Stück die langsamere Gangart. Und dann dürfen sie anhalten. Sich hinlegen. Ausruhen.

Ich habe noch ein kleines Eisrezept für euch. Wir lieben es gerade ganz abartig. Habt ihr Blaubeeren? Dann nix wie ran an das ….

….Joghurt-Blaubeer-Eis! (reicht für 5-6 Eis am Stiel)

Zutaten:

80g Blaubeeren oder andere Beeren
Agavendicksaft
1 EL Zitronensaft
230g griechischer Joghurt (10% Fett)
2 EL Honig

Beeren, Agavendicksaft nach Belieben und Zitronensaft in einem kleinen Topf langsam aufkochen. Ca. 4-5 Minuten köcheln lassen, pürieren, abkühlen.

Joghurt mit Honig vermengen. Dann abwechselnd Joghurt und Beerenpüree in Eisformen schichten. Stiele rein. 4-5 Stunden ins Gefrierfach bzw. in die Kühltruhe.

Fertig!