Immer wieder dasselbe schreiben….

Gestern Abend hatten wir wieder Hauskreis.

Wir sind eine aufgeweckte Truppe, die sich gerne theologisch in Bibelstellen verbeißt. Wenn das nicht so dein Ding ist, keine Sorge. Jeder hat seine Leidenschaft. Ich hatte mal eine Freundin, die Halsketten aus getrockneten Heringen herstellte. Sie war Designerin mit Herz und manchmal völlig ohne Verstand, denn sie heiratete sich selbst. Das ist aber eine andere Geschichte, die in einem anderen Land spielte, vor langer Zeit und für viel Furore in der Presse sorgte.

Ich will nicht abschweifen. Wir vergnügten uns also beim Bibellesen (obwohl ich ahne, dass dich die Geschichte mit meiner Designerfreundin mehr interessiert). Momentan fressen wir uns durch den Philipperbrief. Und gestern bat ich meine aufgeweckte Truppe, ihren messerscharfen Intellekt an der Haustür abzugeben und dafür die Intuition an dessen Stelle treten zu lassen. Manchmal erzählt uns nämlich die Intuition eine ganz andere Geschichte als der Intellekt. Wir lasen eine Stelle und ließen die Worte auf uns wirken, ergründeten, welche Satzfetzen, welche Worte etwas in uns zum Klingen brachten. Oft sind das Worte, die gerade an etwas anknüpfen, womit wir ringen.

Ich blieb an folgendem Satz hängen: „Mir macht es keine Mühe, euch immer wieder dasselbe zu schreiben.“ (Philipper 3,2). Der gute alte Paulus erregt so manches Mal meine Empörung, aber an dieser Stelle musste ich erleichtert auflachen.

Immer wieder dasselbe schreiben.  

So geht es mir hier. Manchmal sitze ich vor dem blinkenden Cursor und fühle mich müde. Was soll ich denn noch schreiben? Hab ich denn nicht über Familie und Glaube und Garten und Küche tausend Mal geschrieben? Ist es nicht an der Zeit weiterzuziehen, den Laden dicht zu machen und ein „Für unbestimmte Zeit geschlossen“-Schild aufzuhängen?

Aber es geht mir doch in anderen Lebensbereichen ähnlich. Meine Morgenroutine: seit 40 Jahren dieselbe. Der wöchentliche Putztag. Das Wäschelegen. Rasenmähen. Kinder ins Bett bringen. Kochen. Und mein Schreiben. Diese Routinearbeiten, die uns manchmal ermüden, weil sie nie enden. Sich von Woche zu Woche, Tag zu Tag so ähneln. Aber sie verraten etwas über unsere Treue. Unsere Fürsorge.

Mein Blog wird dieses Jahr 10. Als er noch in den Windeln lag, hab ich ihn umsorgt, gehegt und gepflegt und gepampert. Er lernte laufen und ich postete unzählige Bilder und stellte fast jeden Tag einen Beitrag ins Netz. Und jetzt geht er ein bisschen bereits seine eigenen Wege, so wie meine Kinder.

Mir macht es keine Mühe, hier weiter zu schreiben. Aber ich werde von der Familienthematik etwas mehr abrücken und nichts mehr über meine Kinder – höchstens nur im Vorbeistreifen – schreiben. Sie sind nun ihre eigenen Menschen und ihre Klassenkameraden sollen nicht montags laut verkünden: Alter, ich weiß, was du am Wochenende gemacht hast! 

Familie wird für mich immer privater, je älter die Kinder werden. Und ihre Geschichten sind nicht mehr meine Geschichten.

Außerdem definiere ich mich mittlerweile weniger über mein Muttersein. Es wird immer ein ganz wertvoller, geschätzter Teil meines Ichs sein. Aber es steht nicht mehr so akut im Vordergrund wie früher. Anderes hat sich für mich aus dem Hintergrund herausgelöst und spielt nun größere Rollen: Eine Leidenschaft fürs Leben, für Glaubensfragen, die sich nicht leicht lösen lassen, für soziale Gerechtigkeit, für Alltagsbeobachtungen, für Musik und Kunst und Literatur und Theologie. Für die Frage, wie wir besser Gemeinschaft leben können und wie wir Randgruppen integrieren können. Und ja, auch weiterhin für mein Leben in Garten und Küche.

Immer wieder dasselbe machen. Das ist der Untergrund, auf dem wir laufen lernen und funktionieren. So ist das mit der Treue in den kleinen Dingen: An vielen Tagen fühlt sich das Zähneputzen und Schreiben, Wickeln und Kochen, Holzhacken und Beten zäh an. Aber am Ende sind wir dankbar für ein gesundes Gebiss, große, ordentlich ernährte Kinder, ein warmes Zuhause und so manche Gebetserhörung.

Und ich bin dankbar für einen bunten Blog, der überquillt vor Lebenserfahrung, manchen peinlichen Gedankenergüssen und Fotos.

Wer weiß, vielleicht kehre ich nochmal zur Familienthematik zurück. In den kommenden Jahren, wenn ich mir die Haare einzeln ausreißen möchte und in Emotionsstürmen untergehe….

PS: An alle meine lieben Schweizer Leser! Ich bin am 3. Oktober 2019 zu einem Vortrag in Zürich. Am 4. Oktober ist noch ein offener Spot – falls ihr mich buchen möchtet. Ich freu mich!

 

 

 

 

6 Kommentare zu „Immer wieder dasselbe schreiben….

  1. Egal, worüber du schreibst: ich lese es gerne und ich freu mich immer sehr, deinen Namen in meinem Postfach zu finden.

  2. Ich lese gerne bei dir obwohl ich keine Familienfrau bin. Mich interessiert, was Familien und Ehefrauen bewegt. Wie sie ticken. Jetzt freue ich mich aber auch auf andere Themen.

  3. Und was war mit dieser Designerin?
    😀 Respekt, so macht man einen Cliffhanger!

    Der Schritt hin zu mehr Privatleben fürs Private ist zu begrüßen — nicht, weil deine Kinder-Küche-Kekse-Geschichten nervten.

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