Familie, Garten

Sonntags-Dienst

„Aber heute ist doch Sonntag!“ meinte Armin entsetzt, als er gestern nichtsahnend den Garten betrat und uns drei entdeckte, wie wir mit dreckigen Händen in der Erde wühlten. Wir versuchen tatsächlich unseren Sonntag freizuhalten von dem, was unser Leben beschleunigt, belastet, fordert.

Aber Gartenarbeit? Endlich mal ohne Zeitdruck säen, pflanzen, träumen, beobachten können? Ich finde, Hobbies zählen nicht als Sonntagsarbeit. Gestern war ich im Garten meinem Schöpfer näher als in jeder Kirche. Ich meine, im Garten begann doch alles, oder?

Hier beginnt auch vieles. Der Rhabarber schießt. Der erste Schnittsalat taucht auf. Rote Beete und Chilis wollen pikiert werden. Zuckererbsen werden gesät. Die Bienen taumeln glückstrunken von Blüte zu Blüte. Und ich träume davon, wie dieser Garten im Sommer aussehen wird.

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Familie

Ja-Tag!

IMG_3917Ich hab leider einen fürchterlichen Tick als Mutter.

Sobald mich meine Kinder um etwas bitten, formt sich in meinem Mund bereits das Nein. Egal, wie das Ende des Satzes meiner Kinder aussehen könnte. Das Nein drängelt auf meiner Zungenspitze, um ins Freie zu können.

„Mama, können wir auf dem iPad spielen?“ „Nein!“ (Sonst werdet ihr tech-süchtig)

„Dürfen wir uns ein Eis holen?“  „Nein.“ (Der viele Zucker!)

„Machst du heute Pizza zum Abendessen?“ „Nein.“ (Keine Lust)

„Dürfen wir heute bis 10 Uhr aufbleiben?“ „Nein.“ (Wann soll ich denn in Ruhe die Doku über Serienkiller ansehen?)

„Gehst du mit uns zum Skaterplatz?“ „Nein.“ (Ich muss doch noch eure Pizza backen!!!!)

Ich bin Anhängerin einer etwas altmodischen Erziehung mit einem Schuss gesunden Egoismus. Das schlechte Gewissen hab ich mir mit den Jahren abgewöhnt. Fehler mache ich sowieso. Am laufenden Band. Manchmal sag ich ja, wenn ich nein sagen sollte. Manchmal sag ich nein, wenn ein Ja dran wäre. Manchmal fordere ich Regeln zu hart ein. Oder spreche irgendwelche verrückten Strafen aus, deren Konsequenzen ich nicht einfordere. Und manchmal höre ich gar nicht richtig zu.  Das Leben ist – wie Anne Lamott so schön sagt – Vergebungsschule (Forgiveness School). Ich als Mutter darf hinfallen und meine Kinder um Vergebung bitten. Nein, nicht wenn ich ihnen ein Eis vorenthalte, wenn sie schon drei hatten. Sondern wenn ich mich mal wieder verrückt-autokratisch verhalten habe. Das kommt vor….man sollte es nicht meinen….

Vor einigen Wochen kam mir eine Idee und die sprach ich auch sofort aus. Dass ich keinen Filter besitze, ist leider auch wahr. Ideen sprudeln einfach aus mir heraus, denn ich rede gerne, bevor ich denke.

Es war Freitagmittag, die Kinder saßen gerade beim Essen und ich war bester Laune:

„Wie wäre es, wenn Freitag unser Ja-Tag wird?“ Meine Kinder ließen die Löffel sinken und starrten mich an. „Was auch immer ihr wollt, ich sage zu allem Ja!“ (Eine heikle Versprechung, ich weiß. Was hat mich an diesem Tag nur geritten? Die gute Laune??)

Meine Kinder konnten ihr Glück nicht fassen und fingen sofort an mit dem Wünschen:

„Können wir heute zum Skaterplatz?“ Ja.

Auf dem Weg zum Skaterplatz kamen wir an einem Obststand vorbei.

„Können wir anhalten und gucken?“ Ja.

„Kannst du uns Datteln kaufen?“ (Mist, das sind die teuren Medjool-Datteln!) Ja.

„Können wir noch 10 Minuten länger bleiben?“ Ja.

„Können wir uns für 2 Euro irgendeinen Mist im Billigmarkt kaufen?“ Ja.

„Können wir Monopoly spielen?“ Gerne. Das macht Papa mit euch (Ich HASSE kapitalistische Spiele…und meine Kinder lieben sie leider)

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Es war ein grandioser Freitag und wir waren bester Laune. Skateboards und Schoner, Datteln und Kekse, Billigschrott und lachende Kinder purzelten am Abend aus dem Auto. Das Monopoly-Brett wurde aufgebaut. Selten waren Mutter und Töchter so gelöst.

Der „Ja-Tag“ ist nun wöchentliches Ritual geworden. Immer am Freitag. Denn das ist der Tag, an dem ich mir dafür bewusst Zeit nehme. Ein kleiner Feiertag, wenn die Kinder erleichtert von der Schule heimkommen und wir das beginnende Wochenende mit großen und kleinen Jas feiern.

Ja, der „Ja-Tag“ ist riskant. Wer weiß, was sich die Kinder alles wünschen?? Aber bisher bleiben sie immer im Rahmen. Sie haben gar nicht so viele „unerfüllbare“ Wünsche. Was ich immer wieder feststelle: Ihnen geht es darum, Zeit als Familie zu verbringen. Materielle Wünsche sind drittrangig. Sie wollen, dass wir Zeit für sie haben, ihnen beim Skaten zuschauen, uns mit ihnen kaputtlachen, wenn wir im Billigmarkt Plastikmasken anprobieren, ihnen etwas Gutes gönnen, Brettspiele spielen.

Wie gut tut das, wenn jemand Ja zu meinen Herzenswünschen sagt! 

Übrigens gilt der „Ja-Tag“ in beide Richtungen. Also auch für meine Kids. Wenn ich eine Bitte an sie habe, darf sie nicht maulend abgeschlagen werden. Egal ob Tischabräumen, Klavierüben, Katzefüttern.

Wenn du selbst mal einen Ja-Tag ausprobieren willst, ein paar Tipps für dich:

  • Beachte das Alter deiner Kinder. Wenn sie noch kleiner sind und einen engeren Rahmen brauchen, dann probiere eine Ja-Stunde aus.
  • Mach das nicht sofort zu einem wöchentlichen Ritus, sondern teste aus, ob das in deiner Familie funktioniert.
  • Wähle einen Tag, an dem du wirklich innerlich und äußerlich frei bist.
  • Stell dich innerlich auf den Ja-Tag ein.
  • Falls deine Kinder dazu neigen, völlig utopische Wünsche äußern, musst du vorher doch ein paar Grenzen festlegen.
  • Wenn du eine Großfamilie bist, die Altersrange groß ist, dann kannst du den Ja-Tag nach deinen eigenen Möglichkeiten abwandeln. Vielleicht pro Kind eine Ja-Stunde pro Woche. Einen Ja-Nachmittag alle paar Wochen.
  • Und wenn du eine Mutter bist, die gerade an den Rändern ihrer Kräfte entlang wankt, dann ignoriere diesen Blogpost und alle anderen gut gemeinten Appelle an dich ebenfalls.  Überleben reicht, tapfere Mama.

Probierst du einen Ja-Tag aus?
Wie sind deine Erfahrungen mit dem Ja-Sagen? 

Familie

Der düstere Schwarzwald und das bunte Freiburg

Früher – sans Kids – sind wir gerne weggeflogen, große Städtetrips, Strandauszeiten. Barcelona, Ko Samui, Dublin….you name it all! Reisen war unser gemeinsames Ding. Nun ist das in dem Ausmaß nicht mehr oft möglich, und ich will schon fast sagen: Gott sei Dank! Wir sind gezwungen, uns in kleinerem Rahmen zu bewegen. Mir war nicht bewusst, wieviele Perlen in nächster Umgebung schlummern und darauf warten, entdeckt zu werden. Deutschland war mir früher zu miefig. Zu nah. Zu eng. Mit Reisen in Deutschland konnte ich so schlecht angeben.

Mit den Jahren lässt der Drang nach großspurigen Abenteuern nach. Die Sehnsucht nach dem Anderen, dem Fremden bleibt. Die stillen wir im Nahen. Im Schwarzwald zum Beispiel. Und in Freiburg. Ja, klingt nicht sexy. Aber Perlen findet man überall, wenn man die Augen und Sinne öffnet.

Wir haben uns am Wochenende eine kleine Auszeit mit Freunden gegönnt. Das war dringend nötig und mein Reisetank ist wieder ein bisschen aufgefüllt…..

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