Familie, Weihnachten

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IMG_0026.jpgDie letzten zehn Jahre waren die vollsten, erfüllendsten, herausforderndsten, arbeitsreichsten, beglückendsten und beängstigendsten Jahre. Vorübergegangen sind sie im Nu. Und dann doch wieder nicht. Da waren die quälend langen Tage mit Baby. In denen nie irgendwas passierte. Nur das allabendliche Schreikonzert von mehreren Stunden. Ich dachte, sie würden nie vorübergehen und das Leben, wie ich es kannte, sei für immer vorüber.

Ich hatte Recht mit meiner Vorahnung. Das Leben, wie ich es kannte, war tatsächlich vorüber und ist auch nie wieder zum Vorschein gekommen. Was hatte ich Angst – wollte das Alte nicht loslassen. Ja, wir konnten nicht mehr spontan den Rucksack aufschnallen und nach Peru fliegen. Und ja, ich machte traurig winke-winke Richtung Ausschlafen, straffen Bauchmuskeln und meinem kleinen Sportwagen.

Aber die Lektion ist immer die gleiche. Ich lasse das Alte los und werde neu. Kein Tod ohne Auferstehung. Diesen Prozess werde ich immer wieder in meinem Leben durchlaufen, doch nie war er bisher krasser als mit der Geburt meines ersten Kindes.

Ich blicke so dankbar zurück. Auf die letzten 10 Jahre….mit den eintönigen Babyjahren und deren Einsamkeit….mit dem Gesundschrumpfen meines Lebens…mit so vielen wunderbaren Menschen und neuen Freundschaften….mit dem Erlernen neuer Fähigkeiten….mit Reisen….mit Meilensteinen unserer Kinder…..mit Niederlagen und Erfolgen….mit dem Bau unserer Familie, die sich heute stärker denn je anfühlt.

So gehe ich jetzt in die Weihnachtszeit, mit einem angeschwollenen Herz, das zu gelegentlichen Sentimentalitätsausbrüchen neigt.

Wenn sich morgen Abend der ganze Trubel gelegt hat, wenn ihr den Stress des Krippenspiels, der erzwungenen? Familienidylle, des Essenvorbereitens, Geschenkeverpackens, Verwandtschaftsbesuchens hinter euch habt, dann geht vor die Tür. Dort ist es nie so still wie an Heilig Abend. Schaut zum Himmel. Sprecht ein Gebet. Glaubt einfach – so verrückt wie es auch klingen mag – dass Hoffnung bereits da ist. Dass sie seit 2000 Jahre hier ist und immer wieder neu begriffen werden darf.

Mag das Leben uns manchmal hart rannehmen und Altvertrautes uns entrissen werden, so dürfen wir glauben: Die Geburt in Betlehem war der erste Tag der Auferstehung. Und diese dauert bis heute an.

Ich wünsche euch allen ein Fest, an dem ihr etwas von dieser Hoffnung schmeckt!

Frohe Weihnachten, meine Lieben.

 

Familie, Haushalt, Renovierung

Power Hour

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Großes Aufatmen.

Der Dachboden ist fertig. Bis auf Kleinigkeiten wie Fußleisten, Lampen, etc. Ich verspreche, ich werde ab jetzt nie wieder hier darüber schreiben! Endlich kann sich nach unserer Hardcore-Renovierungsaktion Weihnachten hier breitmachen. Alles, was wir bisher in allen Winkeln des Hauses gestapelt hatten, wie Playmobil- und Legokisten, sind nun auf den Dachboden verbannt. Herrlich, diese neue Freiheit! Keine zugebauten Kinderzimmer mehr. Endlich haben die Mädchen einen Raum, wo sie bauen, spielen, sich verkleiden, chillen, Schule spielen usw. können. Ohne eine nervige Mutter, die alle zwei Tage komplett die Nerven verliert, weil sie die Türen zu den Kinderzimmern nicht mehr aufkriegt….

Große Seligkeit.

Ich habe endlich wieder Zeit, mich den ganz wunderbaren Seiten des Advents zu widmen. Ein paar Kipferl backen. Den Baum schmücken. Post schreiben. Stricken. Nähen. Schreiben.

Große Pläne.

Da meine Mädels und ich nur noch zehn Tage daheim sind, muss ich noch so einiges erledigen. Dann gehts auf Kur (freufreufreu!). Damit der Haushalt, meine Arbeit und alle Vorbereitungen mich nicht überwältigen, habe ich die Power Hour eingeführt. Vielleicht auch was für euch? So nehmen gerade die kleineren Arbeiten nicht soviel Raum ein und sind schnell von der Liste gestrichen. So geht’s:

Ich schreibe mir alles auf, was ich innerhalb einer halben Stunde schaffen will. Heute waren das z.B folgende Punkte.:

  • Wäsche sortieren und die erste Ladung waschen
  • Igel ausmisten und füttern
  • Küche aufräumen
  • Spülmaschine beladen
  • Betten machen
  • Lüften

Dann stelle ich den Timer auf meinem Handy. Go!

Wofür ich sonst ewig brauche dank mangelnder Motivation ist nun ruckzuck erledigt. Ich hab sogar fast ein bisschen Spaß beim Wettkampf gegen die Zeit. Wenn ich die Liste vor dem Piepen des Timers schaffe, dann hebt das meine Laune ungemein und ich belohne mich mit einer Tasse Tee.

So. Genug geschwafelt für heute. Ich muss weiter. Die Uhrzeiger rücken gnadenlos Richtung Mittag und da wären noch Bad und Böden. Ich stell mal gleich meinen Timer…..

 

 

Rezension

New York Christmas – Rezepte und Geschichten

Das Buch wurde mir liebenswerterweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Das hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension – diese entspricht zu 100% meiner eigenen Meinung.

Wer mit mir befreundet sein will, der muss zwei Dinge aushalten (ok, in Wahrheit sind natürlich noch viel mehr!): Meine New-York-Vernarrtheit und die Inbrunst für alles Ess- und Trinkbare.

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Sobald auf einem Buchtitel das Wort New York erscheint, ist es bereits im Warenkorb. Wenn sich dieses dann auch noch um Essen dreht, dann dreh ich durch. Vor einigen Monaten schlich ich bereits in einer Buchhandlung um den einladenden Titel „New York Christmas“ herum. Ich blätterte darin und fachsimpelte mit der netten Verkäuferin über meine Lieblingsstadt. In ihren Augen flackerte Sehnsucht. In meinem Herzen auch.

Nun liegt das Buch schon einige Wochen in meiner Küche. Ich habe es dutzende Male durchgeblättert, darin geschmökert und so einiges ausprobiert.

Der erste Eindruck

Das Buch kommt so hochwertig daher wie ein polierter Buchladen in Greenwich Village. Rezepte wechseln sich ab mit Short Stories (Paul Auster – mein Lieblings-New-York-Autor!) und exzellenten Fotografien von Julia Cawley. Das Design ist ruhig, klar – alles in Wintertönen gehalten.

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Der Inhalt

Von der Adventszeit bis Silvester ist alles abgedeckt:

  • Christmas Baking – Cookies, Sweets & Brownies
  • Winter Brunch – Pancakes, Bread & Bagels
  • Happy Holidays – Burger, Soul Food & Cakes
  • Christmas Dinner – Starter, Main Dishes & Desserts
  • New Year’s Eve – Appetizer, Popcorn & Drinks

Die Kurzgeschichten und Fotos machen dieses Buch zu mehr als nur einem Kochbuch. Es ist ein Bildband, den man immer wieder gerne zur Hand nimmt.

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Die Rezepte

Viel Bekanntes ist natürlich dabei – denn auch wenn New York sich immer wieder neu erfindet – so gibt es Eckpfeiler, an denen niemand rüttelt. Wie z.B. Cheesecake, Waldorfsalat, Reuben Sandwich usw.

Was mir als erstes positiv auffällt: Kaum ein Rezept hat eine ellenlange Liste. Alle Zutaten sind im normalen Handel erhältlich. Vieles geht tatsächlich „schnell nebenbei“. Obwohl ich in den letzten Wochen enorm eingespannt war, konnte ich bereits einiges bereitwilligst testen.

Den fantastischen Egg Nog zum Beispiel. Als ich meinen Kindern „Eierpunsch“ vorsetzte, rümpften sie die Nasen. Ich zwang sie zum Probieren („Ihr seid doch die Kochbuchtester!“) und da ward es angesichts des cremigen, süßen, würzigen Getränks um sie geschehen. Um mich auch. Das wird zu unserem Weihnachtsstandard-Getränk.

Oder der fruchtige Tomato Cobbler. Superschnell zubereitet und vor allem mit der Haube aus Cheese Biscuit sehr köstlich (obwohl Tomaten ja doch eher in die Sommerzeit passen – ich würde hier eher Rosenkohl oder eine Mischung aus Kürbis und Pilzen wählen).

Die schokoladig-zarten Snowcaps waren so schnell verschwunden, dass ich nur noch die Krümel bekam.

Für den Waldorf-Salat habe ich zum ersten Mal selbst Mayonnaise hergestellt: eine Offenbarung (und die kandierten Walnüsse erst!).

Das werden nicht die letzten Rezepte sein, die ich teste. Wie wär’s mit Herbed Monkey Bread? Oder Süßkartoffelauflauf mit Pilzen und Lauch?

Jedes Rezept hat eine liebevolle Einleitung, die Anleitungen sind sehr gut erklärt und gegliedert. So mancher Klassiker weist einen kleinen Twist auf. Mac and Cheese wird tomatisiert. Spaghetti with Meatballs enthalten Orangenabrieb und Zimt. Der Cheesecake kommt mit Kardamom und Blaubeeren daher.

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Kaufempfehlung

Beide Daumen hoch! Das ultimative Weihnachtsgeschenk für jeden Foodie und New-York-Fan.

„Christmas in New York“ hat sich bereits einen festen Platz in meinem Küchen-Bücherregal ergattert. Es wird definitiv jedes Jahr zur Weihnachtszeit seinen Einsatz bekommen. Und dann werde ich mich jedes Mal neu an den Bildern und dem Wohlgeschmack New Yorks erfreuen.

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Lisa Nilschlag
Lars Wentrup
New York Christmas – Rezepte und Geschichten
Hölker Verlag
176 Seiten, zahlreiche Fotos
ISBN 978-3-88117-977-5
24,95 Euro

 

 

 

Familie, Gedanken, Hausrenovierung, Renovierung

Von Träumen, Dreck und harter Arbeit

Lasst euch was gesagt sein: Legt niemals Renovierungsprojekte in die Adventszeit.

Ich habe das für euch getestet und kann nun berichten, dass Renovierungsarbeit schmerzhaft mit dem Verlangen nach familiär-idyllischer Adventszeit kollidiert.

Traum: Ich habe bereits zum ersten Advent acht Plätzchensorten gebacken, Fenstersterne mit den Kindern gebastelt, wir sitzen jeden Nachmittag punschtrinkend bei brennenden Kerzen und baldowern Geschenke aus.

Realität: Ich stehe farbverschmiert auf dem Dachboden. Die Kinder sind tagelang sich selbst überlassen und nutzen diesen glücklichen Umstand, um ihre Geschwisterrivalitäten ungestört zu vertiefen. Zum Abendessen gibt’s Fertigpizza.

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Vor zwei Jahren hatten wir einen Traum. Den Traum von diesem Haus hier. Ich hätte es besser wissen müssen. Und zwar, dass Träumen immer viel schmutzige, harte Arbeit folgt und dass mir deren Erfüllung nie einfach so in den Schoß fällt. Wir träumten von einem Haus mit Holzböden und einer Landhausküche, in das wir Freunde einladen. Ein Haus, in dem Vollblutleben stattfindet. Ein Ort, der uns Rückzug bietet, wo wir und andere Heilung und Freundlichkeit erfahren, wo wir unser ganzes kreatives Potenzial entfalten können.

Ich sah den Dachboden, seine kalten Ziegel, Balken, dunkle Mauern, den Dreck und erträumte mir einen freundlichen warmen Raum mit charmantem Dielenboden. Wo meine Kinder ihre Spielwelten aufbauen und stehenlassen können. Wo sie mit ihren Freunden feiern. Wo Bandproben und Teeniekreise und Mädelsparties stattfinden. Aber das sind vorerst noch Träume….

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So ist das mit Träumen. Sie sind Geburtsdiener und helfen uns und anderen ins Leben. Träume können auch eine Berührung von Gott sein. Träume sollen uns ein bisschen Angst machen. Wir sind ihnen auf der richtigen Spur, wenn sie uns nachts nicht schlafen lassen, wenn wir sie uns stundenlang bunt vor Augen malen und dieses fliegende Gefühl in der Magengegend bekommen.

Vor langer Zeit hatte ich den Traum von einem Baby. Mein ganzes Wesen sehnte sich mit jeder Faser nach einem Baby, bis es nach quälend langer Zeit endlich soweit war. Vor fast genau zehn Jahren (in zwei Wochen feiern wir Jubiläum!), hielt ich unsere kleine Tochter im Arm, schlafberaubt, hormonüberfrachtet und voller Glück.

Das Familienleben danach sah nicht wie Ramawerbung aus. Sondern es war und ist ein Leben aus echtem Fleisch und Blut: Durchlittene Nächte, Konflikte, Reisen, Neufindung, Haushaltsroutine, Glücksmomente, Erfüllung, Ermüdung. Würdet ihr heute unsere Familie sehen, dann kämt ihr vielleicht nie auf die Idee, wieviel jahrelange Arbeit und Geduld und Durchkämpfen und Entschluss zur Liebe darin steckt.

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Am Anfang steht immer dieser kleine Knoten, der in unseren Herzen und Bäuchen pocht. Der Wärme in jede Ecke unsere Körpers schießt, wenn wir nur daran denken. Der unseren Bauch in ein Karussell verwandelt: Ich möchte schreiben! Ich möchte diesen kalten Raum in etwas Schönes verwandeln! Ich möchte Freunde um meinen Tisch versammeln! Ich möchte Chocolate Chip Cookies backen!

Ohne dieses Pochen würde nichts entstehen auf dieser Welt: Kein einziges Lied und Buch. Keine Familien und Gemeinde. Kein Kunstwerk und kein Restaurant. Keine Herzverpflanzungen und botanische Gärten. Keine Fotografie und keine Frauenrechte.

Wenn ich das Bild lange genug vor Augen habe, dann bekomme ich die Kraft. Dann heißt es Ärmel hochrollen und die dreckige, anstrengende Arbeit verrichten. Durchbeißen. Hinfallen. Aufgeben wollen. Hindernisse überwinden. Und wenn die Kraft ausgeht, nochmal nachlegen.

Gestern haben wir den alten Dielenboden abgeschliffen. Uns klebt noch heute morgen Holzstaub in Augen und Nase. Morgen werde ich in stundenlanger Kleinarbeit den Dachboden säubern. Und dann kommt der Lack auf den Boden. Wenn er trocken ist, wird der Raum endlich zum Spieleland freigegeben. Wofür wir drei Wochen veranschlagt hatten, hat nun fast ein Jahr gedauert. Es fühlt sich gut an, so kurz vor der Ziellinie.

Mit einer Übernachtungsparty weihen wir den Dachboden ein. Unsere Große wird 10. Gemeinsam mit ihren Freundinnen wird sie den frischlackierten Boden mit Chips und Popcorn vollbröseln. Die alten Balken und neuen Wände werden vor Kichern und Toben widerhallen.

Neues Leben. Das ist es, was mein Herz immer wieder höher schlagen lässt. Leben, das wir in die Welt hineinträumen.