Tagesschau und Unkrautsuche

iuHier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau *tääätääätätätätääääää*

Das war das Abendritual meiner Kindheit. RAF. Tschernobyl.Challenger. Reagan. Kohl. Danach ging’s in die Heia. Und ich verschwendete kaum mehr einen Gedanken an die Welt da draußen. Hier war alles in Ordnung. In diesen vier Wänden. Auf diesem Hof. Die größten Tragödien spielten sich ebenfalls in meinem kleinen Radius ab. Wenn meine Katze überfahren wurde. Oder wenn ich eine schlechte Note nach Hause trug. Mir erschien die Welt als Ganzes als eher wackliges Konstrukt, aber das ängstigte mich nicht, weil mein Umfeld stabil und der Tisch dreimal am Tag gedeckt war.

Es ist Jahre her, dass ich zum letzten Mal die Tagesschau verfolgt habe. Wahrscheinlich während meiner ersten Schwangerschaft. Mit Baby verging mir der Appetit auf Katastrophenmeldungen und Schwarzmalerei. Außerdem wollte ich meine heranwachsenden Kinder nicht mit den Abgründen der Menschheit konfrontieren. Ein paar Mal hab ich dann doch wieder die Nachrichten gesehen. Bis aufs Wetter fand ich die Aussichten trüb bis schaurig. Und in letzter Zeit donnert’s mir zu oft. Die alte Weltordnung, die ich noch aus der Kohl-Ära kenne, zerbröckelt. Autokraten sind en vogue. Filterblasen verwässern Wahrheit. Immer mehr Menschen in meinem Umfeld gehen Verschwörungstheorien auf den Leim. Der Ton ist harsch. Das vernünftige Mittelmaß hat ausgedient.

Ich sehe den Zustand der Welt und schüttle den Kopf und die Fäuste Was nützt’s?

Sollte ich nicht eher den Zustand meines Herzens studieren? Da wo die Quelle des Lebens sitzt und gleichzeitig die Quelle allen Unheils? Wie oft habe ich in den letzten Jahren Steine aufgelesen, um sie auf andere werfen zu können? Unausgesprochene Verurteilungen, Kritik, Abwertungen haben Wurzeln geschlagen und verhindern, dass Gnade wachsen kann.

Ich bin nicht dazu berufen, die ganze Welt zu retten oder die Heldin zu spielen. Ich bin hierher gestellt, in dieses Haus, in diese Straße, in diesen Ort. Nicht um Steine zu werfen, sondern den steinigen Jesusweg zu gehen.

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Vergeben statt Vergeltung.

Opferbereitschaft statt Selbstverwirklichung

Bescheidenheit statt Konsum

Barmherzigkeit statt Rechthaberei

Aufbauen statt Einreißen

Mein Herz möchte immer das zweite. Alles, was ihm schnelle Befriedigung verschafft und das sich wie ein Krebsgeschwür einnistet. Aber meine Befriedigung dient nicht dem Frieden der Welt. Sie tötet nur nach und nach meine Lebensfreude, meine Beziehungen.

Fangen wir bei uns selbst an. Gehen auf Unkrautsuche im eigenen Herzen. Werden zu Friedensstiftern in unseren Häusern, in unseren Straßen, in unseren Orten.

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4 Kommentare zu „Tagesschau und Unkrautsuche

  1. Ich habe die Tagesschau auch immer als Kind geschaut, bei meinen Grosseltern, da wir lange keinen Fernseher hatten. Die Melodie habe ich jetzt noch im Ohr. Danke für deine Gedanken dazu.

  2. So schön geschrieben, Veronika!
    Ich glaube ebenfalls, dass es so gut ist, im eigenen Herzen mit der „Unkrautsuche“ anzufangen. Wie kann ich die Welt verbessern, wenn ich es in meinen eigenen vier Wänden nicht schaffe? Aber gleichzeitig freue ich mich, dass Gott unablässig Samen der Gnade zwischen all unser Unkraut streut 🙂 Danke für deine Gedanken!
    Viele Grüße, Natalie

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