Familie

Mutter! Was für ein Tag!

thumb_IMG_0077_1024

Muttertag ist schon ein bisschen überfrachtet mit Erwartungen, richtig? Genauso wie Hochzeitstag, Geburtstag und die ultimative High-Expectations-Zone Weihnachten. Er fing gut an, der Tag aller Mütter. Oder die Mutter aller Tage: Ausschlafen dürfen. Kaffee und Geschenke ans Bett. Ach, mehr brauche ich doch gar nicht als diese wunderbaren selbst gemachten Geschenke und Karten und Gutscheine, in die meine Kinder all ihre Liebe gestopft haben. Und mein Mann – der Schenk-Experte – hat mir direkt noch das Gilmore-Girls-Kochbuch oben drauf gepackt. Da saß ich inmitten von Geschenkpapier und Kaffee und glücklichen Kindern und dem Gefühl, vielleicht doch ein paar Sachen richtig gemacht zu haben.

thumb_IMG_0007_1024

Ab da ging’s dann aber leider bergab. Mit dem Talfahrt-Express Richtung Frontal-Crash. Der kam dann am Nachmittag. Das Wohlbefinden meiner Mädchen und meiner selbst war am Tiefpunkt, Langeweile hat zu nicht enden wollenden Konflikten geführt, meine Erwartungshaltung war – ach, wie so oft! – hoch. Der Talfahrt-Express hielt im Tal der Tränen. Dort verweilten wir eine ganze lange Weile. Und dann schafften wir es, unsere Befindlichkeiten zu sortieren, uns alle aufs Sofa zu verfrachten, während mein Mann hektisch Taschentuch-Nachschub besorgte.

thumb_IMG_0078_1024

Wir holten unser Familienandachtsbuch raus und lasen die Geschichte von Noah. Wie passend, dachte ich. Wir hatten heute ja auch unsere kleine Flut: Da herrschten Zorn und Wut und Enttäuschung und scharfe Worte. Eine große Wasserflut spülte sie hinweg. Und gegen Ende die Hoffnung, das Ölblatt, das Weitermachenwollen, das Vergebenwollen. Der letzte Satz der Andacht lautete: „Sie lagen sich gegenseitig in den Armen und lachten und weinten vor Freude.“

thumb_IMG_0065_1024

Und genau so war es. Das letzte Quentchen Anspannung löste sich auf und wir mussten lachen, während uns noch ein Rest Tränen in den Augenwinkeln hing.

Wir mussten raus an diesem Nachmittag, etwas ganz anderes sehen. Da fiel mir mein letzter Blogeintrag ein…von wegen, ich schaff es nicht mehr ins Museum! Also schauten wir uns moderne Kunst in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall an. Uns stellten sich viele, sehr viele Rätsel in den Weg, die wir wild und frei interpretierten: Der Berg aus viel Salz und wenig Reis? Eine versalzene Mahlzeit, die den Künstler inspiriert hat. Eine aufgeschnittene Leinwand? Der Künstler leidet unter schwerer Scheren-Phobie. Eine Instant-Chicken-Soup-Illustration? Andy Warhol hatte wohl nie Zeit zum Kochen.

thumb_IMG_0069_1024

Zum Abendessen wollten wir in ein beliebtes chinesisches Restaurant, welches in der Online-Welt hoch gepriesen wird. War natürlich ausgebucht. Meine Kinder wollten gerade das Heulen anfangen. Ein gestrenger Blick von Mama und Papa und sie rissen sich mit bebenden Lippen zusammen. Auf dem Weg zurück zum Auto kamen wir an einem unscheinbaren vietnamesichen Restaurant vorbei. Tja, und am Ende waren wir froh, dass wir nicht in China, sondern in Vietnam gelandet waren. Das war die bisher beste Mahlzeit des Jahres! Ich fühlte mich, als säße ich mitten in einem kleinen Straßenlokal in Saigon, wo ich Nudeln mit Rindfleisch, Koriander und Chili schlürfte.

Tja, so ist das, wenn man unbedingt nach China will. Und dann an einem ganz anderen Ort landet. Wir müssen den Kreislauf aus Erwartung, Enttäuschung, Hoffnung, „Auferstehung“ immer und immer wieder durchlaufen. Nicht jeder Muttertag geht freudig zu Ende. Nicht jedes enttäuschende Erlebnis erfährt am Ende die freudige Auflösung. Vieles verstehen wir nicht. Vieles stellt uns vor Rätsel. Aber ganz oft scheinen Hoffnung und Auferstehung bereits durch.

thumb_IMG_0081_1024

PS: Morgen Abend bin ich mit dem Vortrag „Heiliger Alltag“ im Cellarium in Knittlingen! Sehen wir uns dort?

Bilder, Familie

Bilder

Ich bin früher – als ich noch Zeit hatte – gerne ins Museum gegangen. Am liebsten alleine, denn dann konnte ich mein Tempo selber bestimmen. Ich verbrachte kleine Ewigkeiten vor Bildern. Weniger, weil ich der große Kunstkenner bin. Ich kann wahrscheinlich keinen Rubens von einem Rembrandt unterscheiden. Aber ich mag die Geschichte, die ein Bild erzählt. Manchmal ganz offensichtlich, manchmal muss man arg interpretieren. Oder ignorant mit der Schulter zucken und weitergehen.

Mein letzter Museumsbesuch ist lange her. Kultur ist von Kinderprogramm abgelöst worden. Und manchmal fehlt es mir arg: das Jazzkonzert, die Galerie, das Kino, die Vernissage.

Gerade schaue ich mir die Bilder der vergangenen Wochen an, die ich geschossen habe. Es sind immer wiederkehrende Motive. Kleine Stilleben des Alltags. Ich stehe fest auf immer gleichem Boden mit immer gleichen Menschen und Tieren. Und doch erzählen auch sie eine Geschichte. Eine, die keinen Anfang und kein Ende hat. Es ist die Geschichte des Mittendrin. Auch die ganz großen Künstler haben oft ganz normale Alltagsmomente auf die Leinwand gebracht: ein Mädchen, das Milch in eine Schüssel gießt. Ein Schlafzimmer mit ungemachtem Bett. Zwei in ein Buch vertiefte Mädchen. Momente eingefroren in Ewigkeit, die nun in den großen Museen der Welt hängen und Menschen selbst nach Jahrhunderten noch bewegen.

Nun, meine persönlichen Fotos werden niemanden mehr in Jahrhunderten bewegen, aber sie werden mir mit jedem weiteren Jahr zunehmend zum Schatz werden. Sie werden erzählen, wie wir unseren Mai 2018 verbracht haben. Und zwar so:

IMG_5976

Die Mädchen verbringen die Abendstunden am liebsten im Garten. Träumen sie von der nächsten Apfelernte?

IMG_6315_edited-1

Kleine Strickprojekte….

IMG_6328-2_edited-1

….und Matheaufgaben.

IMG_6373

Ich versuche mich das erste Mal an Bohnen für unser Bohnen-Tipi. Ob sie den Schnecken zum Opfer fallen werden?

IMG_6343_edited-1IMG_6369_edited-1

Der Garten ist so ganz anders, als ich ihn geplant hatte. Irgendwie sehr viel wilder, eigenwilliger, naturnaher. Er ist weder sauber, noch geordnet, noch schnecken- und Queckenfrei. Aber so ganz einzigartig mit seinem Spiel aus Licht und Schatten, mit provisorischer Feuerstelle und uralten Obstbäumen, unebenem Boden und Brombeerranken.

IMG_6372_edited-1

Amelie backt ihre guten Schoko-Cookies für Papa und unsere Himmelfahrt-Wandergesellschaft.
IMG_6331_edited-1

Ich hab mir zum ersten Mal selbst ein Kleid genäht. Nun tja, das Ergebnis ist bitterlich enttäuschend. Was hab ich einen Abend lang vor mich hingeschmollt! Das Kleid sitzt wie ein Kartoffelsack. Nun grübele ich darüber nach, wie ich es soweit optimieren kann, dass es straßentauglich wird….

IMG_6371_edited-1IMG_6352_edited-2

Endlich ist der Platz unter der Tellerschaukel leer!

IMG_6342_edited-1

Und jeden Abend Radieschen aufs Butterbrot.

IMG_6334IMG_6333

Letzte Arbeiten am Manuskript für mein neues Buch.

IMG_0178

Wanderung durch die märchenhafte Tobelschlucht. (Und der Typ / die Typin, welche(r) obiges Kunstwerk in mühevoller Kleinarbeit geschaffen hat, bekommt meinen vollen Respekt! Wieviele Rückschläge und neue Anläufe wird er / sie gebraucht haben?)

IMG_0198_edited-1IMG_0185