Never one thing

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Am Freitag Vormittag rief mich Armin an. Er kam gerade aus einem Gespräch mit unserer Steuerberaterin. „Schatz, wie sehr hängst du an deinem Foto-Business?“

„Hä?“

„Wenn du jetzt nicht richtig Gas gibst, dann lohnt sich das überhaupt nicht mehr.“

Bei den Worten „richtig Gas geben“ erhöhte sich mein Blutdruck schlagartig. Und ich spürte, wie sich alles in mir sperrte. Das würde heißen, jedes Wochenende diesen Sommer on Tour zu sein. Aktiv Kunden anwerben. Homepage überarbeiten. In neue Ausrüstung investieren. Mich weiterbilden. Ein neues Konzept erstellen. Und und und….

Die Entscheidung traf ich innerhalb von Sekunden.

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Nein. Es geht beim besten Willen nicht mehr. Ich kann nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen.

Ich liebe die Fotografie. Aber wenn ich mich dafür kaputt mache, werde ich sie am Ende hassen.

Also haben wir mein Gewerbe abgemeldet. Ich habe dieses Mal die Hilfe meiner Steuerberaterin und meines Mannes gebraucht, um den Ausstieg aus meinem Gehetzt-Sein zu finden. Manchmal braucht man mehrere Menschen, die einem zur gleichen Zeit genau das bestätigen, was man schon lange Zeit instinktiv wusste, aber sich nicht eingestand.

Am folgenden Tag bestätigte mir der christliche Vordenker Dallas Willard meinen Entschluss mit folgendem Zitat:

Du musst erbarmungslos die Hetze aus deinem Leben entfernen. Die Hektik ist der größte Feind des geistlichen Lebens. 

So lange wollte ich an allem festhalten, ALLES schaffen, für alle ALLES sein.

Ich bin ein Arbeits-Junkie auf der Suche nach dem nächsten Kick. Nach einer Weile muss ich in den Entzug. Ich werde mein Leben lang ein Junkie bleiben, der immer wieder von Neuem in den Heilungsprozess geführt wird.

Ich kann nicht ALLES sein. Wenn ich versuche, ALLES zu sein, nehme ich Schaden an meiner Seele. Nehmen meine Kinder Schaden. Mein Mann. Meine Freunde. Mein Körper.

Ich kann nicht auf Dauer einem schnellen Rhythmus folgen. Meine Lebensmelodie ist kein Heavy-Metal-Stück.

Also verschreibe ich mir Ruhe. Aktivitäten, die mich lebendig machen. Viel Schlaf. Zeit zum Schreiben. Zeit zum Sein. Melisse-Brennnessel-Tee. Im Garten liegen.

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Und endlich, endlich wieder mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Die haben in letzter Zeit herzlich wenig von ihrer Mutter gehabt, die versuchte alles zu sein. Und darüber hat sie vergessen, wo ihr Herz eigentlich zu Hause ist.

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In diesen Tagen begleitet mich das Lied von May Erlewine „Never one thing“. Der aktuelle Lieblings-Song meiner Töchter und mir – so, so gut!
Wir sind soviel – aber nie alles auf einmal.

Never one thing, no. Not one thing at all. 

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13 Kommentare zu „Never one thing

  1. Liebe Veronika, danke für deinen Text. Er spricht mich sehr an. Ich möchte auch so vieles sein! Er kommt grad zur rechten Zeit. Herzliche Grüsse, und viele schöne Momente mit deinen Mädels! Sonja

  2. Huch. Manchmal muss es eben ‚brutal‘ sein. Etwas beenden braucht eben auch Mut. Alles liebe und GENIESSE die Zeit. Wir müssen nicht immer alles überall perfekt sofort.

  3. Das habe ich mir gerade auf die Fahne geschrieben, ist aber nicht ganz so leicht, wie bei dir. Ich bin Großfamilienmama und ein Großfamilienalltag bringt zu viel Termine mit sich. Und die zu sortieren ist nicht so einfach. Dafür geht es ein paar Tage ans Meer und ich sortiere und dann bin ich hoffentlich auch gnädiger, achtsamer mit mir selbst. Mir tut es heute gut, diese Zeilen zu lesen. Geht nicht nur mir so. Danke.

    viele Grüße
    Andrea

  4. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung! Bestimmt nicht leicht, vor allem, wenn man wirklich so gut fotografieren kann wie du!
    Aber „weniger ist oft mehr“ tut dem Leben gut.

  5. Du weißt aber schon, dass ich jetzt einen Ohrwurm habe, der gar nicht mehr ausziehen will? Danke für das Lied, es trifft meine Lebenswirklichkeit gerade sehr gut. Und wie schön, dass wir deine wunderbaren Fotos an diesem Ort noch sehen dürfen….liebe Grüße und segensreiche Tage

  6. „Du musst erbarmungslos die Hetze aus deinem Leben entfernen. Die Hektik ist der größte Feind des geistlichen Lebens.“ Danke für dieses herausfordernde Zitat! Ich hoffe, ich nehme es mir in den richtigen Momenten zu Herzen!

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