Familie, Hausrenovierung

Alles findet seinen Platz. Auch wir.

Ich bin heute morgen mit einem feierlichen Gefühl aufgewacht. Eine verschlafene Weile brauchte ich, bis ich auf den Grund meiner Feierlichkeit stieß: Genau vor einem Jahr sind wir hier eingezogen! 

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Das musste gefeiert werden. Und wie kann man solch einen Jahrestag besser feiern als mit dem Umräumen eines Zimmers? Genau. Ich räumte also heute Amelies Zimmer um, stellte eine Kommode hinein, die ich ertrödelt hatte und es fühlte sich fast ein bisschen an wie Umzugstag light. Vielleicht wird das jetzt Tradition? Armin baute eine Stufe vor den Nebeneingang. Ich kochte einen großen Topf Spaghetti Bolognese für meine Kinder und Nachbarskinder, die zum Spielen hier waren. Gegen Abend pflanzte ich noch einen Apfelbeerenstrauch in den Vorgarten. Es ist hier immer noch nicht alles fertig: Ich schiele Richtung Dachboden und die nicht vorhandene Gartenwege und den fehlenden Außenanstrich.

Aber – und das sage ich nicht ohne Stolz – die letzten Umzugskisten sind weg. Letzte Woche ausgepackt. Na, wer sagt’s denn!

Ich habe es bis heute nicht bereut, dass wir dieses Häuschen gekauft haben. Die ersten Monate waren nicht einfach, vor allem die Kinder litten unter Trennungsschmerz und Heimatsehnsucht. Und ich kam mir ebenfalls entwurzelt vor. Kannte hier niemanden.

Aber es hat Zeit gebraucht. Woche um Woche, Monat um Monat. Die Dinge fanden ihren Platz. Und wir ebenfalls. Ich weiß jetzt, wo ich klingeln kann, wenn mir der Zucker ausgeht. Ich weiß, wo ich nachmittags einen kleinen Schwatz plus Sekt auf einer Sonnenterrasse bekomme. Ich weiß, wo ich hinkann, wenn alle Stricke reißen. Ich weiß, dass in diesem Dorf meine Kinder gut aufgehoben sind, auch wenn ich sie manchmal erst zum Sonnenuntergang wiedersehe.

So, jetzt entschuldigt mich bitte. Ich feiere noch ein bisschen weiter – mit einem letzten seligen Rundgang durch den abendlichen Garten.

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Bücher, Garten

Tag der Erde und des Buches

IMG_5465Gestern war offizieller Earth Day. Bei mir ist gerade jeder Tag Earth Day. Meine Fingernägel sind schwarz vom vielen Graben in der Erde, vom Pflanzen, Säen, Unkraut ausreißen. Ich habe in den letzten Tagen 30 Säcke Rindenmulch geschleppt, Bäume gekauft, Sommerblumen gepflanzt. Der ehemals verwilderte Vorgarten ähnelt nun – nach meinem Permakulturexperiment – einem großartigen Misthaufen. Passanten bleiben stehen und fragen nach, was ich da treibe. Und ich tue so, als hätte ich voll die Ahnung vom Gartenbau. Dabei bin ich doch nur eine Dilettantin, die zu faul zum Umgraben ist und stattdessen den ganzen Vorgarten  mit Pappkarton und Heu abdeckt. Ich wische mir also den Schweiß von der Stirn und trompete voll Selbstbewusstsein: Jaaaaa, das ist ein Prinzip aus der Permakultur. Mein Gegenüber nickt unsicher und verabschiedet sich schnell. Ich trage sicherlich zur Belebung des Dorftratsches bei. Was man nicht alles tut, um sich zu integrieren…

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Und auf den Earth Day folgt prompt der Welttag des Buches. Also lasst uns heute Bücher feiern! Diese wunderbaren Parallelwelten, in die wir fliehen können, wenn wir uns einsam fühlen, Inspiration und Ablenkung brauchen, wenn wir im Kopf in eine andere Zeit reisen möchten, wenn wir Stimmen brauchen, die uns zum Lachen bringen oder in eine neue Richtung lenken.

In den letzten Monaten habe ich weniger gelesen, was unter Umständen an unserem Netflix-Abo liegen könnte. Ähäm. Das muss sich ganz schnell wieder ändern.

Hier ist ein kleiner Stapel der Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe und die Eindruck hinterließen. In ihnen werde ich immer wieder lesen.

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Welches Buch hat euch in letzter Zeit zum Lachen gebracht?

Zum Nachdenken?

Zum Weinen?

Welches Buch nehmt ihr immer wieder gerne in die Hand? 

 

 

 

 

Familie, Fotografie, Gedanken

Never one thing

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Am Freitag Vormittag rief mich Armin an. Er kam gerade aus einem Gespräch mit unserer Steuerberaterin. „Schatz, wie sehr hängst du an deinem Foto-Business?“

„Hä?“

„Wenn du jetzt nicht richtig Gas gibst, dann lohnt sich das überhaupt nicht mehr.“

Bei den Worten „richtig Gas geben“ erhöhte sich mein Blutdruck schlagartig. Und ich spürte, wie sich alles in mir sperrte. Das würde heißen, jedes Wochenende diesen Sommer on Tour zu sein. Aktiv Kunden anwerben. Homepage überarbeiten. In neue Ausrüstung investieren. Mich weiterbilden. Ein neues Konzept erstellen. Und und und….

Die Entscheidung traf ich innerhalb von Sekunden.

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Nein. Es geht beim besten Willen nicht mehr. Ich kann nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen.

Ich liebe die Fotografie. Aber wenn ich mich dafür kaputt mache, werde ich sie am Ende hassen.

Also haben wir mein Gewerbe abgemeldet. Ich habe dieses Mal die Hilfe meiner Steuerberaterin und meines Mannes gebraucht, um den Ausstieg aus meinem Gehetzt-Sein zu finden. Manchmal braucht man mehrere Menschen, die einem zur gleichen Zeit genau das bestätigen, was man schon lange Zeit instinktiv wusste, aber sich nicht eingestand.

Am folgenden Tag bestätigte mir der christliche Vordenker Dallas Willard meinen Entschluss mit folgendem Zitat:

Du musst erbarmungslos die Hetze aus deinem Leben entfernen. Die Hektik ist der größte Feind des geistlichen Lebens. 

So lange wollte ich an allem festhalten, ALLES schaffen, für alle ALLES sein.

Ich bin ein Arbeits-Junkie auf der Suche nach dem nächsten Kick. Nach einer Weile muss ich in den Entzug. Ich werde mein Leben lang ein Junkie bleiben, der immer wieder von Neuem in den Heilungsprozess geführt wird.

Ich kann nicht ALLES sein. Wenn ich versuche, ALLES zu sein, nehme ich Schaden an meiner Seele. Nehmen meine Kinder Schaden. Mein Mann. Meine Freunde. Mein Körper.

Ich kann nicht auf Dauer einem schnellen Rhythmus folgen. Meine Lebensmelodie ist kein Heavy-Metal-Stück.

Also verschreibe ich mir Ruhe. Aktivitäten, die mich lebendig machen. Viel Schlaf. Zeit zum Schreiben. Zeit zum Sein. Melisse-Brennnessel-Tee. Im Garten liegen.

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Und endlich, endlich wieder mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Die haben in letzter Zeit herzlich wenig von ihrer Mutter gehabt, die versuchte alles zu sein. Und darüber hat sie vergessen, wo ihr Herz eigentlich zu Hause ist.

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In diesen Tagen begleitet mich das Lied von May Erlewine „Never one thing“. Der aktuelle Lieblings-Song meiner Töchter und mir – so, so gut!
Wir sind soviel – aber nie alles auf einmal.

Never one thing, no. Not one thing at all. 

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Bücher, DIY, Familie, Garten, Hausrenovierung

Arbeit satt

Abends sinke ich todmüde auf die Couch, jede Faser meines Körpers jammert ein bisschen. Es ist eine zufriedene Müdigkeit, die mich früh ins Bett treibt. Dann schlafe ich wie ein Stein bei offenem Fenster, grabe ein paar Träume aus den Tiefen meines Unterbewusstseins und werde beim Morgengrauen von unserer Haus- und Hofamsel geweckt.

Manchmal sehne ich mich nach Urlaub, nach einer Mutter-Kind-Kur, nach dem Ruhestand. Aber andererseits mag ich meine Arbeit. Sie fordert mich zurzeit an allen Ecken und Enden: Ich liebe es, Menschen zu fotografieren. Über das Leben zu schreiben. Ich liebe das Kochen und Wäschewaschen und meine Hände in der frühlingskühlen Erde zu versenken. Ich liebe das Werkeln am Haus und im Garten. Ich liebe es, früh am Morgen Pläne zu schmieden. Ich liebe es, mit meinem Mann an Projekten zu arbeiten. Ich liebe es, neue Menschen hier am Ort kennenzulernen. Alles das füllt momentan meinen Kalender, mein Herz, meine Gedanken. Und ja, manchmal wird mir angesichts der Fülle an Aufgaben schwindlig und auch ein bisschen übel.

Unser Umzug ist fast ein Jahr her. Manches ging schnell. Manches ist unerledigt. Manches wächst nur langsam. Manches ist anders als erwartet.

Erwartet hatte ich, dass wir zügig fertig sind. Ein paar mal die Ärmel hochkrempeln und zack: Gemüsegarten, Hausanstrich, Blumenrabatten, Dachboden erledigt. Aber unser Haus, unser Garten bremsen uns, verlangen von uns: Macht langsam. Macht einen Schritt. Und dann schaut euch an, was ihr heute geleistet habt. Feiert ein bisschen. Schlaft. Spielt mit den Kindern. Und dann arbeitet weiter.

Könnte es sein, dass die Arbeit lohnender ist als das angestrebte Ziel? Sie ist der Weg, unserem Zuhause ein Gesicht zu geben. Sie drückt aus, wie wir leben wollen. Sie schenkt Zufriedenheit und Selbstvertrauen.

Die Arbeit ist seit unserem Umzug nie erledigt, selbst wenn wir abends den Hammer, den Pinsel, die Wäscheklammern und den Stift fallen lassen. Aber dafür gibts dann mal ein neues Gemüsebeet. Eine neue Wäscheleine. Eine Mini-Bücherei (auch so ein überflüssiges Projekt, das mir so viel Freude gemacht hat). Ein neues Buch. Eine gestrichene Wand.

Leute, mir fallen hier gleich die Augen zu und ich hoffe, ich hab in meinem Halbschlaf nicht völligen Murks geschrieben. Meine Tochter steht just in diesem Moment neben mir und möchte ein zweites Mal ins Bett gebracht werden. Ich glaub, ich leg mich direkt dazu…..Dann mal Gute Nacht, ihr Lieben!

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