Schreiben

Schweigezeit

Hallo Ihr Lieben,

der Blog setzt die ersten Spinnweben an. Aber er muss zurzeit pausieren. Erst hat mich ein Darmvirus ausgeknockt und kaum stand ich wieder auf meinen zwei Beinen, zog eine richtige Grippe den Teppich unter selbigen weg. Nun liege ich im Bett, akzeptiere meine Grenzen, die Langeweile, das Fieber und unerträgliche Gliederschmerzen. Ich hatte ganz vergessen, was für eine b*tch die Grippe ist. Ach ja, und mein Arzt ist im Urlaub. Vielleicht hilft ja Zero Sprite, das ich literweise in mich reinkippe?

Ich werde noch einige Zeit brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen. Bis dahin – macht es gut, alaf und helau.

Ich

Ich….

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….räume: unsere Keller auf. Seit dem Einzug herrschte dort Kriegsgebiet. Was für ein Gefühl, nicht mehr über Berge aus Bauholz, Werkzeug und Abfall steigen zu müssen. Kam mir vor wie eine tapfere Trümmerfrau anno 1945!

…träume: von einem Gemüse- und Blumengarten. Im Sommer möchte ich endlich umgeben sein von Zinnien, Margeriten, Zucchini, Tomaten, Bohnen und Erdbeeren. Mein ganz eigener Garten, geschaffen aus Fantasie und Schweiß.

…backe: Rote-Beete-Brownies. Und Möhrenkuchen mit Frischkäseguss inklusive Schleichtiere als Verzierung. Das hat sich Amelie zu ihrer Geburtstagsparty gewünscht.

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…versorge: Josefine, die es mit dem Magen-Darm-Virus erwischt hat. Eimer halten, Kamillentee kochen, vorlesen, Zwieback reichen.

…lese: Mittelalterromane. Und den Klassiker von Julia Child, den ich zu Weihnachten von meinem Mann bekommen habe: Französisch kochen. Was soll ich sagen? Das Buch hat nicht zu Unrecht Kultcharakter. Meine ersten zwei Gerichte, die ich nach dem Buch kochte, kamen bei ALLEN Familienmitgliedern an. Und eines davon war Kartoffel-Lauch-Suppe (!)….

…lese mit den Kindern: „Unsere kleine Farm“ von Laura Ingall Wilders. Ich habe früher die Serie geliebt. Die Bücher sind ein wenig anders, aber sie besitzen eine ganz besondere Poesie, die meine Kinder und mich in ihren allabendlichen Bann schlagen.

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…schaue: This Is Us (Amazon). Danke an Sandra, die mich zu dieser Serie brachte. Ich brauche nämlich Serien ohne Grusel, Gewalt und Mystery. So richtige Feel-Good-Sachen mit einem kräftigen Schuss Realität, überzeugenden Darstellern (Jess aus Gilmore Girls!!!) und überraschenden Wendungen.

…kämpfe: mit der ersten Schulwoche. Plötzlich bin ich wieder mittendrin im Strudel aus Terminen, Hausaufgaben und frühem Aufstehen. Ich hasse es, meine Kinder und mich selbst zu scheuchen.

…freue mich: dass ich heute keine kreativen Ergebnisse aufweisen kann. Ich habe nichts genäht, nichts gestrickt, nichts gebastelt. Diese Phase meines Lebens verlangt danach, nur mit dem Nötigsten gefüllt zu werden. Schreiben, Haushalt, Kinder. Und Dachausbau.

…bete: dass unser anstehender Dachausbau gelingt. Sozusagen in kürzester Zeit. Mit Minimal-Besetzung. Ist wahrscheinlich utopisch. Aber Wunder passieren manchmal. Oder?

…haue: den Christbaum raus. Endlich wieder Licht und Luft!

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Gedanken

Nähe

IMG_1761_edited-1Seit einiger Zeit ist es trendy, sich ein Wort für das neue Jahr auszuwählen. Ein Leitmotiv. Ein übergeordnetes Thema, das einen durch jeden Monat führt. Fast möchte ich abwinken: „Macht doch jeder, hab ich keinen Bock drauf, zieh ich eh nicht durch, ist ein uralter Hut.“ Der uralte Hut ließ mich nicht los und flüsterte mir zu: „Sei nicht so bockig, mach mit!“

Um die Weihnachtszeit rum kippte mein Gefühlshaushalt eine Wagenladung Einsamkeit über mir aus. Da saß ich an Heilig Abend in der vollen Kirche im fremden neuen Ort und konnte meine Einsamkeit förmlich schmecken. Sie klammerte sich fest und ich schleppte sie mit ins neue Jahr. Ich suchte mir einen ruhigen Ort. Dort schrieb und schrieb ich, betete und klagte ein wenig. Dann blätterte ich in meinem Tagebuch zurück und stellte fest, dass mich die Einsamkeit jährlich um diese Jahreszeit besucht.

Ist es die Tatsache, dass ich mich im Winter in mein Haus zurückziehen? Und alle anderen Menschen auf der Nordhalbkugel dieses ebenfalls tun?  Sind es die stillen Tage, in denen ich meine Sehnsüchte deutlicher als sonst wahrnehme? Erinnert mich der Heilige Geist daran, dass ich andere Menschen brauche? Dass ich für Beziehungen geschaffen bin?

Oder könnte es auch sein, dass diese introvertierte Seele ganz einfach zur Selbst-Isolation neigt? Dass sie sich lieber hinter ihrem Laptop oder Buch versteckt anstatt mit ihrem Mann zu reden? Dass sie lieber alleine durch die Natur spaziert als sich mit Freunden zu treffen? Dass Alleinsein jahrelang solch ein seltener Luxus war, dass sie nun einen massiven Nachholbedarf erleidet? Dass sie sich immer schwerer damit tut, persönliche Nöte mit Freunden zu teilen?

Ich trat aus dem Nebel heraus und erkannte: Ich möchte neu lernen, Nähe zuzulassen. Nähe schenken.

Das ist also mein Wort für 2018. Nähe. 

Ich halte das Wort in meinen Händen und mache mir ein wenig vor Angst in die Hosen. Nähe macht verletzlich und bedürftig. Haha. Möchte ich ja beides nicht sein. Aber nun will ich das Wort durch dieses Jahr tragen. Mutig durch jeden Monat. Und kleine neue Anfänge wagen.

  • Machst du diesen Wort-fürs-neue-Jahr-Trend mit? 
  • Was ist dein Wort?
  • Fühlst du dich einsam zum Jahresanfang?
  • Wie schaffst du Nähe zu anderen Menschen?