Dressember, Schreiben

Neues Profil

Das neue Profil meines Blogs fühlt sich noch ungewohnt an. Als würde ich ein ganz neues Kapitel aufschlagen. Aber es war so eine Art vorgezogener Frühjahrsputz, den ich dringend gebraucht habe. Mein Blog hat sich die letzten 8 Jahre kaum geändert und in letzter Zeit wusste ich eigentlich nicht mehr so recht, in welche Richtung ich blogge. Meine Kinder sind aus der Nummer ein Stück weit rausgewachsen, wollen ihre Privatsphäre und irgendwann ist es auch mal gut das x-te Mal über Kreativprojekte zu schreiben. Ich spüre, dass ich einen anderen Lebensabschnitt betrete – der zwar immer noch stark von meinem Muttersein geprägt ist – aber nicht ausschließlich. Da lasse ich lieber den freshen Mom-Bloggern den Vortritt, die mittendrin im Windelchaos stecken.

Bruchstücke meines Alltags werde ich trotzdem gerne hier reflektieren. Dazu gehört meine Familie. Sie wird immer ein Teil meines Blogs bleiben. Aber da ist soviel mehr.

Dressember zum Beispiel!!! Aber vorab: Heute nerve ich euch zum allerletzten Mal mit meinem Anliegen. Hochheilig versprochen. Aber bitte lest bis zum Schluss durch – das wär mega.

Bis zum 31. Dezember (morgen – huch!) läuft die Aktion gegen Zwangsprostitution und Sklaverei noch. Gestern hab ich mir sogar ein schickes Kleid zugelegt, das ich gerade trage. Aber da ich meine Kamera vergessen habe (bin bei meinen Schwiegereltern), gibt’s kein Bild. Sorry!

Bisher sind 1.428 US Dollar zusammengekommen. Mir bleibt echt die Spucke weg! Tausend Dank!!

Überambitioniert wie immer hab ich ein Spendenziel von 2000 US Dollar gesetzt.
Ich würd mich riesig freuen und ein kleines Feuerwerk entzünden, wenn noch etwas dazu kommt!

Hier der Link. 

Insgesamt sind bis heute für die Aktion weltweit über 1600 Millionen US Dollar gespendet worden. Danke, dass Ihr ein Teil davon seid!

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Ich trage übrigens nicht nur im Dezember Kleider – sondern auch sonst sehr sehr gerne. Darunter kann man soviel verstecken: Schokoriegel vor den Kindern, verhunzte Tattoos, Bauchweg-Unterwäsche. Hier an meinem 40. Geburtstag…..

 

 

 

Familie, Hausrenovierung, Weihnachten

Bye bye 2017!

IMG_3877_edited-1Bei uns fangen die Feiertage immer zwei Tage vor Weihnachten an. Da hat Amelie Geburtstag und ein bisschen feiere ich an dem Tag auch immer den Beginn meiner Reise als Mutter. „Ich kann es nicht fassen, dass ich jetzt 9 bin!“ rief Amelie gestern gefühlte 100 Mal mit ungläubiger Stimme. Ich auch nicht, mein Kind. Ich auch nicht. Mein größter Sehnsuchtswunsch – ein Kind – lag vor 9 Jahren unter dem Christbaum. Alles änderte sich mit unserem ersten Kind. Und ich selbst änderte mich am meisten. Die wichtigste Lektion, die ich in den vergangenen 9 Jahren gelernt habe: Ich schaffe mehr, als ich mir zutraue. In mir ist immer die Kraft, mit der ich die Wehen ausgehalten und ein Baby aus mir rausgepresst habe.

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Auch das vergangene Jahr hat mich genau in diesem Lernprozess bestärkt. In mir ist immer mehr Kraft, als ich denke. Vorhin saßen Armin und ich nach getaner Arbeit vor dem Kaminfeuer und redeten darüber, was wir dieses Jahr alles mit unseren Händen und Köpfen kreiert haben:

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Ein Haus planen und renovieren (nicht alleine – aber es blieb genug Arbeit an uns hängen), den Garten begehbar machen, Möbel und Türen restaurieren, Elektrik einbauen, 100 Kisten packen, einen Umzug organisieren, Möbel aufbauen und transportieren, Lampen und Regale montieren, Kisten auspacken, einrichten, Handwerker bewirten und beherbergen, Bäume beschneiden, unendlich viele Fahrten zur Mülldeponie, Beete anlegen, Büsche ausreißen, einen Ofen einbauen, Kleider und Vorhänge nähen, einen Schreibtisch bauen, eine Feuerstelle errichten. Und nebenbei der ganz normale Alltag mit Kindern und Haushalt und Schreiben und Freundschaften und Eingewöhnen am neuen Ort. 

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Ich müsste ausgelaugt sein, am Ende meiner Kräfte, reif für die Mutter-Kind-Kur, die wohl erst im nächsten Sommer folgen wird. Es gab immer wieder Phasen, in denen ich am liebsten zusammenbrechen wollte. Aber hier und heute? Ich fühle mich stärker als noch vor einem Jahr. Mir meiner eigenen Möglichkeiten und Stärken sehr viel bewusster. Aber auch demütiger, weil wir weit weniger geschafft haben, als geplant. Dankbar und innerlich im Frieden, weil wir am richtigen Ort sind.

Es gibt viel zu tun. 2018 werden wir das Dach ausbauen. Ich möchte den Garten weiter anlegen, so dass wir im Sommer endlich wieder selber ernten können. Das Haus braucht einen Anstrich, genauso wie die Garagentore und die Haustür.

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Aber jetzt feiern wir erstmal. Ruhen. Machen hier und da kleine Spaßprojekte (wie die Katze, die Josefine und ich für Amelies Geburtstag nähten). Werden lesen und Brettspiele spielen und Musik und Nickerchen machen. Ach, ich liebe Weihnachten. Die geistliche wie auch die völlig weltliche Seite.

Habt auch ihr schöne, ruhige Weihnachten.Schöpft Kraft und Hoffnung! Und seid gesegnet im neuen Jahr!

 

Dressember

Posen ist nicht so mein Ding…

Nein.

Ich meine nicht die Stadt Posen.

Sondern das Verb. Posen! Vor der Kamera.

Erstmal hab ich heute früh alle restlichen Umzugskartons durchwühlt (jawoll, 8 Monate später – immer noch nicht alles ausgepackt!) auf der Suche nach meinem Stativ.

Fündig geworden.

Hintergrund? Ganz klischeehaft der Christbaum.

Puh, wie stell ich mich hin? Wie machen das die erfolgreichen Instagram-Tussis? Kinn vor, Schnute ziehen, Bein anwinkeln?

27 Versuche später.

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Ein Bild ist halbwegs was geworden.

Fazit: Ich bin lieber hinter als vor der Kamera. Mich auf Bildern zu sehen hat auf mich den ähnlichen Effekt wie mich selbst auf Tonband zu hören.

Aber warum der Aufwand mit Stativ und Kamera und Kleid und Christbaum?

Ich wollte nur endlich ein Beweisfoto zeigen, dass ich ein Kleid trage. Nein, und nicht nur heute. Sondern tapfer an jedem Tag im Dezember! Für meine Dressember-Aktion. Um mich täglich an die Opfer von Sklaverei zu erinnern. Daran, dass sie genau wie ich und du eine Würde besitzen, die unantastbar ist.

Ich sammle immer noch Spenden für Opfer von Zwangsprostitution und Sklaverei. Es fehlen noch knapp 1.100 Euro!

Wenn du dich mit dranhängen willst, dann kannst du hier ganz bequem per Paypal spenden. 

Hey, und sobald das Spendenziel erreicht ist, hör ich auch auf mit dem Posen. Versprochen.

 

Familie, Weihnachten

Sturmtief

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Es gibt Tage, an denen ist das Schließen der Kinderzimmertüren und die anschließende Ruhe die allergrößte Erlösung. Ihr hättet gerade den Freudensprung sehen müssen, den ich vollführt habe. Kein Dora-the-Explorer-Geplärre, keine epischen Handtuchschlachten und Badezimmerüberflutungen, keine geschwisterlichen Zusammenstöße, kein Türenschlagen, keine Tonleiterübungen, kein Bitteln und Betteln um eine weitere Geschichte. Nur süße, watteweiche Ruhe. Bis auf den Sturm, der seit Tagen im Kamin heult.

Den Bilderbuch-Advent haben wir heute nicht erlebt. Aber den gibt es ja sowieso nicht – das ist ein Idealbild, welches uns die grenzdebile Milkawerbung untergejubelt hat. Stattdessen jede Menge Anfälle. Meinerseits. Und kinderseits. Chaos, das sich in alle Winkel dieses Hauses ausdehnte, wenn ich nicht höllisch aufpasste. Alle paar Stunden habe ich zum Wegräumen von Schulsachen, Verkleidungskram und Bananenschalen trompetet. Hat wenig genützt. Meine Kinder sind wie Ameisen. Völlig taub. Aber leider nicht so uneigennützig fleißig. Ab wann verliert ein Mensch eigentlich seinen kindlichen Egozentrismus? Wächst man da überhaupt je wirklich raus? Ich frage mich an solchen Tagen, wie ich meinen Kindern beibringen kann, dass sie nicht das Zentrum des Geschehens sind. Aber erstmal sollte ich mir für diese Erziehungsmaßnahme ein besseres Timing als die Weihnachtszeit suchen. Herrje, die Überhäufung an Geschenken und Events. Fördert ja mal gar nicht die Anspruchshaltung.

On top gab’s dann noch ein paar vorpubertäre Rotzigkeiten, die mir echt den Tag vermiest haben. Wenn mir die Worte an den Kopf knallen und dort explodieren, dann kann ich das überhaupt nicht cool abtun oder ignorieren. Ein Kind muss lernen, was es darf und was nicht. Familie ist die kleinste Zelle der Gemeinschaft, Kinder müssen hier fit werden für den Umgang mit Menschen in ihrem Umfeld. Sie dürfen hier ausprobieren. Aber bei Grenzüberschreitungen gibt’s halt Konsequenzen. Ja Mann, wir sind echt altmodisch, verhängen Strafen und so. Ist ja heutzutage total verpönt und total anti-attaching. IMG_9990_edited-1

Nachmittags hab ich mich aus dem Haus geschlichen, weil ich dringend frische Luft brauchte. „Lass sie doch die Bude abbrennen“, dachte ich mir und ließ mich vom Sturm durchpusten. Manchmal braucht man räumlichen Abstand, eine Fuhre kalter Luft und etwas Vitamin D, um wieder auf den Anderen zugehen zu können. Also wanderte ich eine Weile durch den Garten, entdeckte einen entwurzelten Baum, bewunderte mein erstes Permakultur-Beet und Armins meisterliche Erweiterung des Kaninchenstalls.

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Nein, dachte ich, als ich so gegen den Wind anstapfte. Advent ist echt kein süßliche Idyll, sondern die Zuversicht, dass es mitten im Sturm Hoffnung gibt. Die Umstände sind selten  ideal und so oft mehr Mühseligkeit als Lebkuchen-Jingle-Bells-Welt. Unsere Versuche das Leben, Weihnachten, die Erziehung unserer Kinder zu meistern, sind eher unbeholfen als meisterlich. Aber ich hoffe auf den, der Meister alles Lebens ist und an Weihnachten ebenfalls als unbeholfenes Kind in die Welt gekommen ist. Mitten hinein in den Sturm.

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Dressember, Einfache Adventszeit, Familie, Rezepte

Anfang Dezember

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Leute, ich fass mich heute kurz. Es stehlen einem schon genug Leute die kostbare Zeit im Advent. Werbefritzen zum Beispiel. Und Vereinsmeier. Jeder schreit hier und kauft mich und lest das und back jenes. Ich möchte nur kurz ein bisschen auf die letzten Tage zurückblicken.

Momentan gehöre ich mal wieder zu den Lerchen, die es sehr früh aus dem Nest treibt. Während das ganze Haus noch schläft und nur die Katze um ihr Frühstück bettelt, hole ich Schreibzeug und mein wunderbares, katholisches (!) Andachtsheft heraus, um eine Weile über einem Bibeltext zu meditieren. Bevor der Tag und Weihnachtsirrsinn an mir zerrt, mache ich Raum für denjenigen, um den es in dieser Zeit geht. Ganz nebenbei lerne ich auch noch so einiges über Maria und Papst Benedikt. Wenn ich über meinen beschränkten Tellerrand schaue, lerne ich von dem Anderen, den ich normalerweise fest in einer Schublade verschlossen habe. 

Weniger belehren. Mehr lernen. Zuhören. Raum machen.

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Danke euch Lieben, die bisher für meine Dressember-Aktion gespendet haben. Bisher habe ich ein Viertel der angepeilten Spendensumme zusammen. Ich werde euch also noch ein bissl in den Ohren liegen mit meinem Anliegen! Wer möchte, darf die Summe hier gerne noch ein bisschen in die Höhe treiben. Danke, Danke und DANKE!

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In meinem Heimatort war wieder Adventsmarkt. Wie immer ganz wunderweihnachtlich schön. Der Hof erstrahlte im Lichter-Glanz mit einer dicken Schicht Wehmut. Meine Eltern wohnen hier nicht mehr. Es bleibt nur Erinnerung.  Um so dankbarer bin ich, wenn ich jedes Mal bei einem Besuch bei meinen Eltern ein kleines vertrautes Stück unseres Zuhauses erbe. Dieses Mal ein Eierschränkchen, das schon meine Großeltern benutzten. Nun hängt es in unserer Küche und erinnert mich an unsere alte elterliche Küche.

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Gestern trudelte ein Adventskoffer in unser Haus. Das ist hier am Ort eine kleine Tradition, in die wir mit aufgenommen wurden. Was haben wir uns gefreut, als wir ihn öffneten und all die liebevollen Gaben begutachteten, von der wir eine aussuchen durften. Wir legten ein kleines Geschenk hinein und reichten den kleinen roten Koffer weiter. Er ist ein Symbol dafür geworden, dass wir irgendwie ein bisschen angekommen sind.

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Seit Jahren will ich unbedingt Rugelach backen, aber erst heute habe ich mir tatsächlich dafür die Zeit genommen. Weil Christina, bei der ich vorhin zu Besuch war, unbedingt das Rezept haben möchte, hinterlasse ich es unten zum allgemeinen Nachbacken. Echt Leute, die Rugelach sind ziemlich das Beste, was jemals meinen Backofen verlassen hat!

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Ich stelle fest, dass ich jetzt doch eure Zeit gestohlen habe. Lies das, back jenes, spende hier! Sorry, dass ich heute trotz bester Vorhaben so eine elende Labertasche war. Dafür werde ich mich für den Rest der Adventszeit kurz halten. Versprochen. Damit wir alle ein bisschen Ruhe finden in dieser lauten Zeit.

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Rezept Rugelach (aus dem Buch Christmas Cooking in New York)

Für den Teig: 

280 g weiche Butter
240 g Frischkäse
1 Prise Salz
320 g Mehl

Butter und Frischkäse cremig rühren. Salz und Mehl beigeben und das Ganze zu einem glatten Teig verkneten. 12 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen.

Für die Füllung: 

220 g fein gehackte Zartbitterschokolade
180 g brauner Zucker
1 EL Zimt
80 g flüssige Butter
nach Belieben eine Handvoll Rosinen

Schokolade mit dem Zucker und Zimt vermischen. Den Teig 2mm dünn auswellen und die flüssige Butter darauf verteilen. Dann in Dreiecke mit 8 bis 10 cm Seitenlänge schneiden (geht super mit dem Pizzaschneider). Die Schoko-Zimt-Zucker-Mischung darauf verteilen und mit Rosinen bestreuen.

Den Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Teigdreiecke zu kleinen Croissants aufrollen und leicht krümmen. Die Rugelach auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Für die Glasur: 

1 Eiweiß
1 TL Wasser
50 g Puderzucker
1 TL Zimt

Das Wasser mit dem Eiweiß vermengen und die Rugelach damit einpinseln. Puderzucker und Zimt darüber streuen. Die Rugelach im Ofen ca. 15 Minuten goldbraun backen.

Und bitte vor Verzehr unbedingt ganz abkühlen lassen (und nicht wie Frau Smoor sich mit drei heißen Rugelach den Gaumen versengen).