Dressember

Was ein Kleid mit Sex-Sklaverei zu tun hat

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Ich habe nie Kleider getragen. Als Kind wollte ich frei sein und zog Hosen an. Kleider waren meiner Meinung nach etwas für die Schwachen und Niedlich-sein-Wollenden. War ich beides nicht. Also keines der überbordenden Rüschenkleider, die in den 80ern so hip waren.

Meine Liebe zu Kleidern ist erst nach der Geburt meiner Kinder erwacht. Weil dieses Ereignis mich lehrte, dass Weiblichkeit nichts – aber auch gar nichts – mit Schwachheit und Niedlichkeit zu tun hat. Bang! Das Kleid wurde zu einer Art Markenzeichen. Das bin ich. Frau. Ich ziehe das Kleid an, weil ich Bock drauf hab. Und morgen zieh ich die Jeans an, weil ich Bock drauf hab.

Ich gehöre zu den glücklichen Frauen, die frei entscheiden können.

Ich gehöre zu den glücklichen Frauen, die sich nicht von früh bis spätabends kaputt arbeiten müssen, um ihrer Familie eine Schüssel Reis zu ermöglichen.

Ich gehöre zu den glücklichen Frauen, die über ihren Körper, ihre Arbeit, ihren Lebensstil selbst bestimmen.

Wusstet ihr, dass momentan 40 Millionen Menschen weltweit versklavt sind?

Davon mindestens 5 Millionen Frauen und 2 Millionen Kinder im Sexgeschäft?

Deren Leben ist von unserem in etwa so weit entfernt wie der der Mars von der Erde. Ich spüre nur einen minimalen Bruchteil des Schmerzes, den sie fühlen müssen. Aber dieser Anteil reicht schon, um mich endlich in Bewegung zu setzen.

Deshalb habe ich mich entschlossen, als Advokatin für Dressember (Dress + December) 2000 Euro zu sammeln. Klick hier für mehr Infos.

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Dressember hat es sich zum Ziel gesetzt, mit ihren Aktionen soviel Geld wie möglich zu sammeln und dann an bekannte Anti-Sklaverei-Organisationen (International Justice Mission und A21) weiterzuleiten.

Was hat Spendensammeln und Sex-Sklaverei mit einem Kleid zu tun? 

Nun: Dressember will unser Bewusstsein für unsere versklavte Schwestern fördern, indem wir als Zeichen für unsere verletzliche Würde jeden Tag im Dezember ein Kleid tragen. Ich bin dabei – das ist meine Dezember-Challenge!

Aber ich brauche eure Hilfe, meine lieben Blog-Leser! Ihr könnt direkt über Paypal oder mit Kreditkarte hier spenden. Es wäre absolut MEGA, wenn ich mein Ziel – 2000  Euro- erreiche!

Informiert euch über Sexsklaverei.

Wühlt in euren Schränken und belebt eure Kleider wieder.

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Danke!

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Einfache Adventszeit, Familie, Hobbies, Musik, Nähen, Weihnachten

Ende November

Hier bin ich wieder – wie jedes Jahr Ende November in einem Wirbelwind aus Geburtstagen, Adventsmarktvorbereitungen und ersten Anzeichen von Weihnachts-Extase. Hände, Kopf und Herz sind bis an den Rand gefüllt mit so vielen guten Dingen, so dass anderes hinten runter fällt. Eine Keller-Aufräum-Akton zum Beispiel, die ich seit sechs Monaten vor mir her schiebe. Oder meine Pilates-Stunde heute Abend. Vier Tage lang habe ich ein vor Aufregung blubberndes Kind bändigen müssen und heute einen Vogel-Geburtstag geschmissen (meine Jüngste wählt jedes Jahr ein Tiermotto aus). Mir steht jetzt der Sinn danach, den übrig gebliebenen Oreo-Keks zu futtern und die Füße hochzulegen. Pilates muss heute ohne mich stattfinden. Und der Keller bleibt halt noch mal ein paar weitere Wochen im Zustand der totalen Anarchie.

Aber ist es zu fassen, dass es sieben Jahre her ist, seit mein kleines Kindchen entschlossen auf die Welt geschossen kam? Jawoll. Entschlossen geschossen. Das sagt auch schon alles über ihre Persönlichkeit aus.

Gestern hat sie entschlossen OHNE mich alle Muffins für ihre Klasse dekoriert. Ich zog mich heimlich zurück und habe ihr Geburtstagskleid zu Ende genäht. Als ich es fertig in den Händen hielt, schüttelte ich frustriert den Kopf. Viel zu groß! Das passt ihr vielleicht mit 12! Als sie es heute früh begeistert über den Kopf zog, musste ich erschrocken feststellen, dass es ihr passt. Geht es nur mir so, dass man das jüngste Familienmitglied im Kopf unbewusst klein hält?

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Jetzt also kein Sport, nur Couch. Morgen geht’s hier eh wieder rund. Dann heißt es: Adventsmarkt vorbereiten. Die Nähmaschine surrt und produziert Seilkörbchen. Zwischendrin halte ich mich mit meinem israelischen Lieblings-Instantkaffee wach (Danke Chrissi für das beste Israel-Mitbringsel der Welt- abgesehen von Krembo und Za’tar).

Und in den winzigen Zeitnischen zerre ich Tannenzweige ins Haus, wuchte Dekokartons aus der Garage und übe Weihnachtslieder am Klavier. Über allem liegt der Klang von Nat King Cole und Dean Martin, die mir in Endlosschleife „Merry Christmas“ wünschen.

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Gedanken, Glaube

Das muss mal gesagt werden:

Wie kann es sein, dass unser christlicher Glaube größtenteils zu einem Dogma verkommen ist, das den Anderen ausschließt? Dieser Tage tobt ein Kampf darum, unseren rechtmäßigen Glauben wie ein gefährdetes Bollwerk gegen die Welt verteidigen und abschotten zu müssen. Als wäre es unser Job! Und es ist ein hässlicher Job, wenn ich mir z.B. Facebook-Kommentare unter den idea-Spektrum-Artikeln anschaue. Wenn ich Predigten höre, in denen es immer nur um MICHMICHMICH geht. Wenn ich in der christlichen Welt ständig mit angsterfüllten Aussagen bombardiert werde, wie gefährdet unsere Familien, unser christliches Abendland, unsere Werte sind.

Dieser Tage muss ich mich wieder selbst daran erinnern, dass ich die echte Gute Nachricht immer daran erkenne, wenn sie auch eine Gute Nachricht für den Zerbrochenen, Schwachen, Süchtigen, Armen, Andersgläubigen, Homosexuellen, Flüchtling ist. 

Angesichts dessen macht die Aussage von Jesus für mich ganz neuen Sinn:

„Nicht wer mich dauernd ›Herr‹ nennt, wird in Gottes himmlisches Reich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ (Matthäus 7, 21).

Jesus hat den Willen Gottes getan, in dem er sein Recht aufgab, Recht zu bekommen. Er hätte die Möglichkeit gehabt, seine Macht mit Pomp und Glanz und Getöse zu manifestieren. Stattdessen hat er den schmalen Weg gewählt, der dahin führte, dass man ihn seiner Würde, seines Rechts und seines Lebens beraubte.

Wenn ich heute den schmalen Weg wähle, dann gebe ich mein Recht aufs Rechthaben auf.

Wenn ich heute den schmalen Weg wähle, dann gebe ich freizügig anstatt meine Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Wenn ich heute den schmalen Weg wähle, dann lasse ich mich nicht von Angst leiten, sondern von Liebe.

 

 

Bücher, Dankbarkeit, Familie, Garten, Gedanken

Leere Beete

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Es gibt Zeiten, in denen vernachlässige ich meinen kleinen Blog. So wie die letzten Wochen. Im Hinterkopf zieht und zerrt er an mir. Bei so vielen Gelegenheiten versuche ich Sätze und Bilder und Themen im Kopf abzuspeichern, aber sie zerfließen zwischen Alltagstrott und Müdigkeit. Vielleicht habe ich ja auch momentan nicht viel zu sagen, weil alle Schreibenergie in andere Projekte fließt?

Ein Teil meiner Energie fließt auf jeden Fall in unseren Vorgarten. Dort entsteht unser erstes ernsthaftes Gartenprojekt. Wir wollen hier ein Füllhorn an Schönheit, aber alles, was die Nachbarn momentan zu sehen bekommen, ist ein verschlammter Truppenübungsplatz.

IMG_3848Mit dem Haus erbten wir eine in die Jahre gekommene Ligusterhecke, Efeu, Efeu und noch mehr Efeu, Holunder und eine Tanne. Jetzt ist endlich alles platt gemacht. Als wäre eine ganze Armee darübergerollt. Die Erde liegt nackt da. Ich kann mir nicht im geringsten vorstellen, dass hier irgendwann Flieder und Lavendel und Rittersporn und Lupinen blühen werden. Aber das werden sie. Die Samen liegen still in ihren Päckchen. Die Ideen brüten im Kopf. Es wird erst wieder vorwärts gehen, wenn Zeit und Kraft und Wetter in einem günstigen Verhältnis zueinander stehen. Das kann nächste Woche oder nächsten April sein. Was ich weiß: Hier wird etwas wachsen. Und es wird schön werden.

Aber alles, was wächst – egal ob Ideen, Blumen, Kinder, Glaube – kann ich niemals zur Eile antreiben. Ich kann nur ein paar Wachstumsbedingungen steuern. Das, was in unseren Herzen und Kindern und Gärten wächst, ist ein Geheimnis Gottes. Von seinem Geist angeregt. Von ihm gehegt und gepflegt. Mitten im Unkraut der Welt steht er, der große Gärtner. Er ist kein Vernichter, sondern ein Wiederhersteller, ein Bewahrer, ein Schöpfer. Ich stehe außerhalb, denn als Mensch ist es mir unmöglich, Wachstum aus eigener Kraft hervorzubringen. Den Samen lege ich in die Erde. Die Liebe zeige ich meinen Kindern. Worte und Ruhe füttere ich meinem Geist. Gebet spreche ich in leeren Raum. Unscheinbare Anfänge, immer und immer wieder von vorne. Etwas Neues wächst, bringt Frucht, stirbt. Ich dünge und jäte und ernte und beseitige am Ende das Abgestorbene. Damit wieder ein neuer Anfang stattfindet.

Jetzt hab ich doch mehr geschrieben, als ich wollte. Aber so ist das mit dem Schreiben – wenn ich den ersten Buchstaben tippe, weiß ich nicht, wohin mich mein Geist, meine Finger führen. Das Schreiben entzieht sich meiner Kontrolle und doch sitze ich jeden Tag am Schreibtisch und schmeiße Buchstaben wie kleine Samen in die Welt. Ob sie aufgehen und wachsen? Ich weiß es nicht und es ist gut, dass das Schreiben und Säen und Wachstum ein Geheimnis sind, das sich mir entzieht.

Es könnte sein, dass ich mich in nächster Zeit öfters mal rar mache, denn Kopf und Kalender sind voll mit guten Sachen, die Zeit brauchen. Es ist November: Geburtstage, Thanksgiving, Vorbereitungen für den Adventsmarkt, Abgabetermine, ein paar gestohlene Strick- und Leseminuten am Kamin. Was wir in diesem Monat lieben: Puzzles, Truthahn, klassische Kinderbücher (Matilda und Narnia), Sauerteig-Tortillas, Nebel, Kräutertee, Musik machen, New-York-Pläne schmieden, Elfer-Raus-Spielen, Fackelwanderungen, Nähen, Gemeinschaft mit unserem Hauskreis, Flanellhemden.

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Ich

Ich…

…beobachte unsere Eichhörnchen im Garten. Die Bäume werden kahler und die kleinen buschigen Gesellen werden sichtbarer. Wir legen ein paar Extranüsse auf die Terrasse, um sie zu „zähmen“.

 
…lese „Das Wesen der Dinge und der Liebe“ von Elizabeth Gilbert, Shotgun Lovesongs von Nickolas Butler und Prinzip Permakultur von Karin Schlieber. Und das Geburtstagsgeschenk meines Gattens: ein Abo des Magazins Taproot.
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…esse wieder zuviel Müll. Und zwischenrein trotzdem viel Rohkost und Vollkorn und Protein. Morgen gibt es Rehgulasch. Eine liebe Freundin hat mich angerufen und gefragt: Braucht ihr Reh? Der Jäger hat uns soviel gegeben – wir können das nicht alleine essen. Das sind die besten Anrufe der Welt, oder?

…plane unseren Garten. Seit Jahresbeginn zerbreche ich mir den Kopf, wie ich den Garten kräfte- und finanzmäßig auf Vordermann bringen kann. Jetzt bin ich auf Permakultur gestoßen und glaube, das ist das perfekte Konzept. Kein mühseliges Umgraben, keine Perfektion, keine hohen Kosten, Wildnis ist erwünscht, völlig naturnahes und biologisches Gärtnern.

…schaue „The IT-Crowd“ zusammen mit meinem Mann. Endlich eine Serie, die wir gemeinsam sehen können und bei der wir wiehernd lachen. Britischer Humor at its best und jede Menge IT-Gags. Mein Mann ist sehr SEHR glücklich.

…höre „Kind of Blue“ von Miles Davis.

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…backe Apfelzimtschnecken und Dinkelbrot.

…nähe ein Kleid für Josefine aus diesem Buch. Leider war der Zuschnitt viel zu groß und  bei der ersten Anprobe hing das Kleid wie ein Sack an dem Mädchen herunter. Also abstecken, auftrennen, nochmal nähen. Jetzt ist es immer noch ein bisschen zu groß, aber tragbar. Und Josefine zieht es nicht mehr aus. Auch nachts nicht.

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…schreibe diese Woche gar nicht. Ferienzeit ist Familienzeit.

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….freue mich über unseren Ausflug in den Bad Mergentheimer Wildpark. Die Kinder waren begeistert und nun betteln sie uns jeden Tag an, dass wir uns eine Ziege anschaffen. Ich hätte kein Problem damit (Hurra, Ziegenmilch!), aber der liebste Gatte schiebt unseren Tierwünschen endgültig den Riegel vor.

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…schneide im Garten alles kurz und klein.

…plane heute Abend ein Lagerfeuer mit Stockbrot.

…bete eine Menge Dankgebete und sonst nix.

…höre Armin am Parkett rumsäbeln. Jenes hat sich nämlich fast gewagt, im Wohnzimmer zu erheben. Hmmm, Pfusch am Bau und mein Mann badet es tapfer aus.

…liebe den November. Sandra hat ihre Novembergefühle in ihrem Blog kundgetan und damit auch haargenau meine.

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