Feuer und Nebel

Soviele Gedankenfetzen wabern durch meinen Kopf. Es fällt mir schwer, sie alle einzusammeln und in geordneter Form hier wiederzugeben. Seit Tagen blinkt der Cursor in diesem Feld, lockt mich, aber ich versteck mich lieber mit einem Becher „Goldener Milch“ (unser neues Lieblingsgetränk) vor dem brennenden Kamin.

So sehr ich das Schreiben liebe, manchmal scheint es mich auch zu verspotten. Vor allem, wenn in meinem Kopf Nebel herrscht. Diesen Zustand habe ich seit einigen Monaten. Es fällt mir unfassbar schwer, mich zu konzentrieren. Ich hab es einige Zeit auf die kräftezehrende Umbauphase geschoben – aber es könnte auch hormonell bedingt sein. Jetzt pump ich mich also voll mit Magnesium, Zink, Vitamin B6, Mönchspfeffer…und Goldener Milch. Ich achte auf genug Schlaf. Und ich esse weniger Kohlehydrate sowie Zucker.

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Der Herbst ist die beste Zeit, um in sich zu gehen und zu entscheiden, was wegfallen kann. Sowie die Bäume ihre Blätter loslassen, kann auch ich meinen Griff lockern. Ich lasse die Vorstellungen los, dass unser Haus endlich fertig werden müsse. Ich lasse Aufgaben los, die im Moment einfach nicht meine Aufgaben sind. Ich lasse ungesunde Verhaltensmuster los. Ich lasse die Angst los, zu kurz zu kommen.

Ich setze mich jeden Morgen an den Schreibtisch und zwinge meine Gedanken zur Ordnung. Das Internet schalte ich ab. Manchmal kommt richtig viel und manchmal quetsche ich mühsam zwei, drei Sätze raus. Das neue Buch nimmt Gestalt an. Ein Mini-Schritt nach dem anderen. Ich lerne immer wieder: Schreiben erfordert mehr Disziplin als Inspiration. Mittenrein klingelt das Telefon. Mein Verlag ist dran. Heiliger Alltag ist ausverkauft und eine neue Auflage gibt es erst im nächsten Jahr. Voraussichtlich Mai. Ich juble und heule. Ja super! Was soll ich denn jetzt auf meinen Lesungen verkaufen? Einen warmen Händedruck und mein schönstes Lächeln?

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Apropos Lesung. Am Samstag redete ich erst bei einem Frauenfrühstück in Würzburg und anschließend war ich mit meiner lieben Freundin Rita in der Stadt unterwegs. Eigentlich wollte ich ja ganz viel Fotos machen, aber vor lauter Lachen, Reden und Essen kam ich kaum dazu. Aber lieber eine leere Speicherkarte als ein leeres Leben.

IMG_9659IMG_9656IMG_9657_edited-1Der einsetzende Regen auf der Heimfahrt machte mich noch ein bisschen glücklicher. Perfektes Wetter um endlich unseren Kamin einzuweihen. Und wie wir ihn einweihen! Wenn die Kinder mittags aus der Schule kommen, ächzen sie vor lauter Hitze und reißen sich Strumpfhosen und Shirts vom Leib. Aber mir egal. Ich liebe liebe liebe Feuer. (Jemand von euch hat mich nach dem Fabrikat gefragt. Wir haben den Globe Fire Isodora. Nettes, heißes Ding!).

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Letzte Woche kam die Holzlieferung und ich dachte zuerst: „Hurra“! Und dann dachte ich „Mist“! Das ganze Holz muss ja irgendwie in den Schuppen. Josefine und ich schufteten drei Nachmittage lang, bis wir alles verstaut hatten. Sie war eine unermüdliche Helferin. Nichts liebt sie mehr, als mit einem von uns Erwachsenen zusammen zu arbeiten und dabei ohne Punkt und Komma zu reden. Ich liebe diese Stunden mit ihr alleine im Holzschuppen oder in der Küche oder im Garten. Wenn der Fokus auf der Arbeit liegt, lösen sich die Worte oft sehr viel leichter.

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Dieser Tage findet man mich meistens auf dem gelben Sessel am Feuer. Dort stricke ich ein paar Hausschuhe für Amelie oder lese in meinem gigantomanischen Bücherstapel oder schaue Netflix. Orange is the New Black hab ich nun auch endlich durch. Selten hat mich eine Serie so stark bewegt und zum Heulen und Wüten und Nachdenken gebracht. Letztendlich ist mir wieder bewusst geworden: Hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte. IMG_9674

Deshalb schreibe ich, auch wenn der Kopf voller Nebel und die Finger voller Blei sind. Es stecken noch einige Geschichten in mir, die raus wollen.

Das Feuer ist mittlerweile zu einem kleinen Haufen Glut geschrumpft, Bett und Buch rufen.

Ich wünsche euch allen eine erholsame Nacht und  bunte Herbsttage!

  • Was ist dein Lieblingsgetränk im Herbst?
  • Was musst du in deiner jetzigen Lebensphase loslassen?
  • Schreibst du deine Geschichte auf?
  • Welche Serie hat dich bisher am stärksten bewegt?

 

 

 

9 Kommentare zu „Feuer und Nebel

  1. Mein liebstes Getränk im Herbst ist Chai-Tee (mit Schwarztee).

    Ich muss die Babyzeit von meiner jüngsten Tochter loslassen. Sie ist jetzt 16 Monate alt. Ich räume Babyspielzeug in den Keller und werde ganz wehmütig dabei.

    Ja, ich möchte meine Lebensgeschichte irgendwann aufschreiben. Ich schreibe täglich Tagebuch. Manchmal klebe ich auch nur eine Kinderzeichnung ein, die ich mit dem Kopierer verkleinere, so dass sie rein passt. Wenn die Mädchen ein besonders schönes Herbstblatt nach Hause bringen kopiere ich es auch und klebe das ein. Dazu schreibe ich „Danke für die Farben“.

    Die Serie „Parenthood“ hat mich sehr bewegt und „This is us“ noch mehr.

    Da bin ich aber froh dass ich noch ein Exemplar „Heiliger Alltag“ erwischt habe. Ich kann sehr gut verstehen dass es ausverkauft ist.

    Herzlich, Judith

  2. Kurkumatee (gibts jetzt von Alnatura) mit Milch und Honig ist mein neues Lieblingsgetränk – ganz ähnlich wie die Golden Milk.
    Loslassen muss ich in meiner Familie die Kleinkindphase meiner Kinder (hallo Vorpubertät!) und so ganz allgemein die Vorstellung , dass ich zu jedem nett sein muss und jedem gefallen muss. Da hat das Älterwerden doch was Gutes (hallo 40!), denn ich merke, dass man da ganz andere Prioritäten setzt. Das ist befreiend aber manchmal eben auch noch ungewohnt und verlangt ganz schön viel Mut und Durchhaltevermögen .
    Tagbuchschreiben habe ich mal probiert , aber das mag ich wirklich gar nicht ! Nun muss ein bisschen Instagram reichen und als die Kinder klein waren, habe ich sehr lange einen BLog geschrieben, das ist eine tolle Erinnerung.
    Call the Midwife fand ich toll, Landgirls von der BBC (auch auf Netflix) und Gilmore Girls brauche ich immer wieder mal, damit ich sehe, dass wenigstens Lorelai auch so „bekloppt“ ist wie ich. Parenthood war auch super, die habe ich mir extra in den USA bestellt.

  3. Liebe Veronika,
    Meine Freundin und ich haben gerade dein Rezept ausprobiert – wir sind hin und weg von der Goldenen Milch! Danke für diesen super Tipp. Ich bin begeistert!!! Liebe Grüsse aus der Schweiz, Salome

  4. Hallo Veronika, könnte Eisenmangel der Grund für den Nebel sein? So wars bei mir letzten Sommer. Danke für die schönen Bilder, die du mit Worten und Fotos transportierst. Ich lese deine Texte sehr gerne! – Ich schreibe fast täglich Tagebuch und liebe zur Zeit heisse Schokolade. Liebe Grüsse!

  5. Oh ja, den Nebel im Kopf kenne ich. So geht es mir gerade auch. Das Schreiben fällt mir schwer. Vielleicht liegt es an den vielen neuen Eindrücken. Ich will sie festhalten. Doch schriftlich gelingt es mir gerade nicht. Euer Zuhause sieht übrigens wundervoll gemütlich aus, liebe Veronika! Und wie gerne ich einmal eine Lesung von dir besuchen würde.

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