Ein Klavier, Bücher und Sonstiges

IMG_3569_edited-1Eigentlich müsste ich jetzt schnell zum Supermarkt (kein Klopapier mehr!) und danach die Fenster putzen (Fruchtfliegeninvasion!). Aber es ist gerade so schön ruhig, ich kann das Wochenende nahen fühlen und in mir klingt diese Woche nach, die aufgeschrieben werden will. Also lasse ich mich auf meinen Lieblingsplatz am Fenster nieder, sehe den Bäumen zu, wie sie ihr Laubkleid ändern, trinke eine Tasse Tee und blicke zurück.

Es war eine richtig gute Woche, vollgestopft mit Menschen und Lärm und Musik und Büchern und Erkenntnissen und Arbeit. Ich habe natürlich wie immer nicht alles geschafft, was ich zu Wochenanfang geplant hatte. Die Terrasse wartet seit Wochen (ha, eigentlich Monaten) darauf, fertig gestrichen zu werden. Ich hoffe, dass sie nicht unter unseren Füßen wegfault. Vielleicht mache ich mich morgen an die Arbeit. Oft ist nur der erste Schritt – die Überwindung! – das Schwerste. Danach läuft’s wie am Schnürchen, weil man seinen Rhythmus gefunden hat. Das gleiche Prinzip gilt fürs Schreiben. Jeden Vormittag sitze ich nun wieder am Schreibtisch, brüte über Ideen und warte auf die Muse, die selten vorbei kommt. Manchmal schaffe ich drei Seiten. An anderen Tagen drei Sätze. Und die sind manchmal noch nicht mal gut. Schreiben ist 90% Disziplin und 10% Inspiration. Soviel habe ich mittlerweile gelernt. Es ist kein glamouröses Leben.

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Aber wenn mich die Muse im Stich lässt, setze ich mich neuerdings ans Klavier und spiele eine Runde Beethoven oder Bach. JAAAA!!!!! Wir haben endlich ein Klavier!!!! Armin und ich haben seit Jahren darüber geredet, wie es denn wäre, so ein superschickimicki Instrument im Wohnzimmer stehen zu haben. Am Dienstag klingelten die Spedition-Männer an der Haustür und hievten das Klavier meiner Eltern in unser Wohnzimmer. Wir waren ein bisschen in der Versuchung eines  Loriot-Reenactments (Ein Klavier, ein Klavier!), aber ich war zu dem Zeitpunkt gar nicht daheim – nur Armin.

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Unsere Freude über das Klavier ist aber ganz und gar nicht so unter-enthusiastisch wie in dem Loriot-Sketch. Im Gegenteil. Die meisten Kämpfe dieser Tage? Wer wann ans Klavier darf. Da fliegen schon mal die Fetzen und danach wird rachmaninoff-esk in die Tasten gehauen.

Neben dem Klavier wartet ein Stapel Bücher. Neue Bibliothek bedeutet eine ganze Menge neuer Bücher. Jetzt kämpfen sie mit Netflix um die Vormachtstellung. Nun gut: mit „Orange Is The New Black“ bin ich fast durch (dieses Drama hat mich schon nächtelang wachgehalten!!). Also steht langen Leseabenden nix mehr im Wege. Außer ich verfalle einer neuen Netflix-Serie (Empfehlungen??).

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Seit Monaten wollte ich den Kindern Hausschuhe stricken und filzen und hatte mich nie daran gewagt, weil ich dachte: Ui, das ist bestimmt viel zu schwer für mich. Pustekuchen! Es gibt kaum etwas Leichteres und die Dinger sind ruckzuck fertiggestrickt. Ganz nach meinem Geschmack.

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Mit Amelie war ich im Stoffladen und sie hat sich einen rot-weiß-gepunkteten Jersey ausgesucht. „Nähst du mir daraus ein Oberteil, Mama?“ Ach ja, mein liebes Kind. Sicher, sicher. In vier Monaten zwischen 3 und 4 Uhr früh – da wär noch was frei in meinem Kalender. Oder vielleicht morgen? Statt Terrasse streichen??

Wir leben uns hier langsam gut ein. Diese Woche bin ich zweimal eingeladen worden und es waren jedes Mal so schöne Stunden am Esstisch von supernetten, interessanten Frauen. Ich fühl mich so sehr beschenkt – ich kann’s euch gar nicht sagen! Der Wegzug aus unserem alten Ort war nicht das Ende der Welt, sondern hat Platz für neue Menschen geschaffen. Ich bin nicht so gut darin neue Freundschaften zu schließen (ich alte Sozial-Phobikerin!), umso dankbarer bin ich für Frauen, die einen Schritt weitergehen und ihre Tür für mich öffnen.

Und alles geschieht immer mittendrin im Alltags-Wahnsinn, der natürlich auch weitergeht mit seinen Hausaufgaben, verlorenen Jacken, Fruchtfliegeninvasionen, Apfelgelee-Kochen, Elternabenden, Mahnungen, Baumarkt-Fahrten, Kinderzimmerchaos.

Weil das alles noch nicht reicht, sagt mein Körper so: Haha! Ätsch. Bock auf einen neuen Hormon-Cocktail?
Ich so: Nein danke, der letzte nach der Geburt hat mir echt gereicht. Ich hatte danach sooooo einen Kater!
Mein Körper: Mir doch egal. Hier, bitteschön. Willkommen in der Prämenopause. Das wird toll! 

Fazit: Es wird niemals langweilig. Und wenn doch, lauert hinter der nächsten Kurve schon irgendwas.

Falls euch doch langweilig sein sollte, dann kommt morgen Abend nach Meckesheim/Heidelberg zu einem Lese- und Musikabend mit Sally und mir! Nähere Infos hier. Wir freuen uns darauf, dich kennenzulernen! 

Habt ein schönes Wochenende!

7 Kommentare zu „Ein Klavier, Bücher und Sonstiges

  1. Danke für diese schöne Einstimmung aufs Wochenende. Und herzliche Gratulation zum Klavier – bei mir ist es grad die Geige, die mich zieht und mich innerlich irgendwie erheben lässt. Ach ja, und „Outlander“ – aber auch nichts für schwache Nerven. Eine Folge mussten wir auslassen, aber sonst…! Liebe Grüsse!

  2. Hallo Veronika,
    wegen der Fruchtfliegen: Ich habe von einer Kollegin die Info für ein 100%-ig funktionierendes Gegenmittel bekommen und auch ausprobiert: Funktioniert 100%ig!!!!!
    Essig, Zucker, ein bisschen Wasser, ein paar Tropfen Spülmittel in ein niedriges Glas; das Glas neben das Obst (oder wo die ganzen Fruchtfliegen sind) stellen und abwarten. Schon nach kurzer Zeit finden sich die ersten ertrunkenen Fruchtfliegen und es werden mit der Zeit immer mehr …. Also perfekt!!
    Irgendwann ausleeren und wieder neu anmischen und hinstellen ….
    Sehr zufriedenstellende Jagdform!
    Liebe Grüße,
    Martin

  3. Viel Spaß mit eurem neuen (alten ;-)) Klavier. Auch ich habe immer von so einem Instrument geträumt…und dann habe ich eines beim Möbel Second-Hand-Shop erstanden, nachdem meine Tochter (damals zweites Klavierjahr und so wie ich überhaupt keine Ahnung von einem solchen Instrument) darauf fleißig herumgeklimpert hat. Erst der Klavierstimmer hat mir gesagt, was eigentlich Sache ist. Aber wir hatten Glück: Das Instrument ist zwar 100 Jahre, polnischen Ursprungs und wertlos, aber es stand offensichtlich immer trocken und konnte gestimmt werden (Instrument: 120€, stimmen: 500€…, Vom Transport will ich gar nicht reden, mein armer Mann…). Aber, man kann darauf spielen und auch meine Jüngste nimmt jetzt Unterricht. Ich freue mich so darüber! Werden deine Mädels auch Unterricht nehmen? Liebe Grüße und alles Gute- Karoline

    1. Hallo Karoline, im Moment nutze nur ich das Klavier. Ich habe neun Jahre lang als Kind gelernt….Was damals Qual war, ist heute für mich ein echtes Geschenk. Die Kinder wollen jetzt auch gerne lernen. Es wird also nie mehr ruhig bei uns sein 🙂 LG Veronika

  4. H is for Hawk habe ich verschlungen und rotz und Wasser geheult. Und wegen fruchtfliegen: glas mit Apfelessig mit Plastikfolie bedecken, kleine Löcher rein pieksen und die Viecher ertrinken dir!
    Hab eine schöne Woche!

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