Moment mal.

Hier sitze ich nun am Ende der Woche, würde am liebsten sofort rüberschalten zu Netflix und stundenlang „Anne with an E“ oder „Unbreakable Kimmy Schmidt“ glotzen. Ich spüre Müdigkeit mit jeder Faser meines Daseins, denn es war eine volle Woche. Eine dieser Wochen, in der ich fast immer nur in der Zukunft lebte: Was ist als nächstes dran? Wann beginnt der Schwimmkurs? Schaffe ich es, vorher noch Auberginen und Klopapier einzukaufen? Kann ich mir einen Abend freischaufeln um Foto-Aufträge abzuarbeiten?
Und dann zerrten die vielen kleinen und großen Baustellen hier daheim. Wann sollen wir das je schaffen? ….Panik kroch mir die Kehle rauf und ich krempelte alle meine mentalen Hemdsärmel hoch, um diese Gedanken zur Seite zu schieben.

Ich könnte diese Woche jetzt einfach unter „war halt stressig“ abhaken. Aber es gab doch so viele gute Momente, die ich herausfischen und ins Licht halten will, bevor diese Woche in meiner Erinnerung gelöscht wird. Festhalten muss ich diese Augenblicke, die kleinen und scheinbar banalen. Manchmal schreib ich sie am Abend auf. Stichwortartig ins Tagebuch. Sonst rieseln sie mir auf Nimmerwiedersehen wie Sand durch die Finger.

  • Anfang der Woche war Armin auf Geschäftsreise in London. Als er Mittwochmorgen dann endlich wieder in der Tür stand, freute sich der männerverwaiste Haushalt ohne Ende. Natürlich in erster Linie über seine Rückkehr. Aber dann auch ein bisschen über die Mitbringsel. Wenn Armin nämlich eine Sache richtig, RICHTIG gut kann, dann ist es das Schenken. Leider muss ich die Marmite-Gläser jetzt teilen, denn Amelie hat daran Geschmack gefunden (Ich so: HÄÄ?) Sie hat eindeutig die Geschmacksnerven ihrer Mutter geerbt.

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  • Amelie kümmerte sich an so manchen Tagen rührend um ihre kleine Schwester, wenn ich bis über beide Ohren in der Arbeit steckte. Manchmal flogen auch die Fetzen. Aber ganz oft saßen sie auch so da. Mit einem Buch oder ihrem Spielzeug du jour. Oder sie rockten das Planschbecken.

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  • An so manchem Abend kehrte erst spät Ruhe ein. Ferien und Hitze sei Dank. Aber ich schaffte es trotzdem, noch einige Minuten die Augen offen zu halten und in meinem Bücherstapel zu lesen.

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  • Ein Tagwerk Leben war richtig gute Lektüre. Erinnerte mich an HerbstmilchRabenfrauen verschlinge ich gerade, obwohl mich einiges daran echt verstört. Ich sag nur „Colonia Dignidad“. Der Rest? Den mache ich nächste Woche platt.

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  • Amelies Liebessprache ist „Zeit zu zweit“ und ich ließ schweren Herzens alle Listen und Aufgaben liegen, um mit ihr einen Stadtbummel zu machen. Sie durfte alle Wünsche äußern und anstatt daheim den Boden zu putzen, bummelte ich mit ihr durch Öhringens Hofgarten, aßen wir Eis im Nussknacker-Cafe, stöberten in der Bücherei, kauften Bastel-Utensilien und holten Mittagessen beim Thai. Daheim setzte sie sich sofort hin, um eine Wolke zu basteln. Ich half nur hier und da und nun klingeln die Glöckchen jedes Mal, wenn jemand Amelies Zimmer betritt. Mir wurde mal wieder klar, dass ich vor lauter Eile und Aufgaben die Kindheit meiner Mädchen nichtsnullingernichts verpassen will! Leute, zerfetzt mal für einen Tag eure Listen und habt Spaß mit euren Kindern. Solche Tage löscht unser Hirn nicht, sondern speichert sie in seiner Schatzkiste ab.

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Weitere schöne Momente diese Woche:

  • Unser Book-Club-Abend auf unserer neuen Veranda bei Kerzenschein und Weißwein.
  • Gäste an einem heißen Tag mit Erdbeertorte und fröhlichem Kindergeschrei.
  • Josefine lernt schwimmen.
  • Kurze Nickerchen am Nachmittag.
  • Brotbacken mit Sauerteig.
  • Reggae-Musik am Nachmittag.

 

4 Kommentare zu „Moment mal.

  1. Ach Mensch. Jetzt lese ich deinen Beitrag am Ende eines echt harten Tages und denke mir, wow – das mit dem „Das gute Sehen “ hat die echt drauf. Ich glaube, meine Liste bleibt heute leer. Die Kinder sind immer noch wach, die Nerven seit Stunden aufgebraucht, der aktuelle Roman gestern Abend ausgelesen und Kopf und Herz noch nicht bereit für was Neues. Netflix lohnt nicht mehr und ins Bett will ich auch nicht.
    Was hat das mit deinem Beitrag zutun? Nichts, aber ich muss es irgendwo loswerden 😉

  2. Das hört sich nach soooo viel an. Und es liest sich gut und tut uns bestimmt auch gut zu lesen, dass es noch sooooo viel zwischen dem Alltag gibt. Und die Wolke ist soooo schön. Mein Sohn ist leider schon 17 Jahre, sonst hätte ich mit ihm eine gebastelt. ;-). Er hat basteln geliebt! Genieß es. Sie werden so schnell groß!!! Und die Bücher werde ich mir auf jeden Fall aufschreiben. Habt ein gesegnetes Wochenende.
    Lieben Gruß Susanne

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