Lebens-Engpässe und deren Folgen

Wie so oft in letzter Zeit bin ich schon zu sehr früher Stunde wach und schreibe im Kopf Listen. Aber anstatt mich gegen die Schlaflosigkeit zu wehren, gebe ich ihr nach, koche mir Kaffee, setze mich auf die Couch und lasse den noch nicht begonnenen Tag langsam angehen. Die frühen Stunden haben ihre ganz eigene Magie, wenn noch alle schlafen, der Tau fällt und die ersten Vögel zögerlich ihr Konzert beginnen.

Später muss ich meine tägliche Fahrt zum Baumarkt absolvieren, wo ich mit Sicherheit Schnittlauch und Wäscheleine in den Einkaufswagen packe, aber die Profilleisten vergesse. Dann werde ich Türzargen streichen, gegen Müllberge kämpfen (Tipps zum Müllmanagement auf der Baustelle??) und daheim dann meinen kranken Mann pflegen. Ihn hat es leider zerbröselt. Aber es macht keinen Unterschied, da ich eh seit Beginn des Umbaus quasi „alleinerziehend“ bin. Nachmittags steht die wilde Wiese hinter unserem neuen Haus auf dem Programm, die ich mähen muss. Abends will ich mich noch an die Nähmaschine setzen und Josefine ein Osterkleid nähen.

Ich blicke zurück auf die letzten Monate und staune. Wenn ich mich durch einen Lebens-Engpass quetschen muss, komme ich am Ende immer verändert heraus. So auch dieses Mal. Obwohl ich keine Zeit für Hauskreis, Gemeinde und Bibellesen habe (oder wahlweise keine Kraft), findet Gott ganz andere Wege, mir Impulse zu schenken: „Möchtest du nicht endlich einige Lasten ablegen? Dinge loslassen, an denen du mit aller Macht festhältst?“ Ich glaube so sehr, dass im Zentrum vieler Krisen und Lebens-Engpässen genau diese Frage steht. Schritte ins Ungewisse sind immer eine Schritt hinaus aus der Komfortzone – vielleicht auch aus der Opferhaltung? – gekoppelt an die Angst, ich könnte etwas verlieren. Aber wenn diese Frage immer und immer wieder in meinen Gedanken auftaucht, dann glaube ich, dass dies der Heilige Geist ist, der seinen Finger auf einen Punkt in meinem Leben legt, der mich blockiert. Es geht nie um Einschränkungen und Verzicht, sondern immer darum, diejenige zu werden, die ich eigentlich bin.

Der Einzug in unser neues Haus ist gekoppelt an den Wunsch nach eigener Erneuerung. Ich werde mehr dazu schreiben. Aber im Moment ist nicht die Zeit. Jetzt ist die Zeit der Hände, die zupacken, Tee kochen, streichen, packen, pflanzen und putzen.

Oh, und unser Haus? Das wird ganz wunderschön. Innen hauptsächlich weiß und viel Holz. Im wilden Garten blühen Apfel- und Kirschbäume. Im Wäldchen, das an den Garten angrenzt wiegen sich Buschwindröschen im Frühlingswind. Und überall sprießen Primeln und Tulpen und Hyazinthen aus dem alten Boden.

Die Dämmerung kriecht heran und ich muss die Müdigkeit aus meinen Knochen schütteln. Ich wünsche euch, genau da wo ihr gerade seid, einen Tag, an dessen Ende ihr zurückblickt und das Gute sehen könnt. Auch wenn nicht alles perfekt lief. Auch wenn im Garten nun der Schnittlauch wächst und in den Kinderzimmern immer noch die Profilleisten fehlen.

7 Kommentare zu „Lebens-Engpässe und deren Folgen

  1. Ach wie wunderbar, deinen Beitrag gleich morgens als erstes zu lesen. Das nehme ich nun mit in meinen Tag und freue mich darüber.
    Dir weiterhin ganz viel zupackende Kraft. Das Haus wird sicher wundervoll.
    Liebe Grüße, Susanne

  2. Ein wenig irre ist es schon- da kennt man jemanden ja gar nicht und trotzdem habe ich dieser Tage häufiger gedacht: ob es ihr wohl gut geht? Länger schon nichts mehr gelesen, hoffentlich ist alles klar mit Haus und Sippe?! Das muss doch sehr tröstlich sein, dass dich das Gebet sovieler Unbekannter trägt, denen du mit deinen Texten oft Inspiration bist. Liebe Grüße und, nebenbei bemerkt, auch ganz ohne Hausumbau kann ich deine Gedanken gerade sehr gut nachvollziehen und gebrauchen- also danke!

  3. Danke schön für deine Gedanken. Sie sind mir immer wieder Anstoß und ich kopiere oder schreibe sie auf – und schicke sie an Menschen, die genau diese Gedanken brauchen. Ich bin durch meine Schwiegertochter auf deinen Blog gekommen und sie hat mir auch deine Bücher geschenkt. Es ist toll, wenn wir uns gegenseitig ermutigen und hinweisen können auf Dinge (oder Menschen und ihre Gedanken) , die uns gut tun. DANKE!

  4. Liebe Veronika

    Lebensengpässe – gute Umschreibung !

    Die Freude am HERRN ist meine Stärke.

    Mit diesem Vers war ich schon öfter unter unterwegs, auch in Lebensengpässen.

    Wünsche dir Seine Kraft !

    Freue mich immer von euren Fortschritten zu hören !

    Grüße aus Frankfurt

    Margot Banholzer

    > Gesendet: Donnerstag, 06. April 2017 um 06:04 Uhr

  5. Hallo Veronika,
    ich lese schon still seit längerer Zeit deine Blog mit und möchte dir heute auch mal einen Kommentar dalassen.
    Vielen Dank für deine Worte! Ich bin gerade in der gleichen Situation wie du, Haus gekauft, Spagat zwischen hier und dort, zupacken und loslassen, abreißen und aufbauen…
    Mir kommen so oft die „alles hat seine Zeit“ Verse in den Kopf – ich finde sie so wahr und tröstlich und mutmachend.
    Ich wünsche euch alles Gute für den Endspurt, auf dass ihr den Sommer in vollen Zügen im neuen, hellen Haus mit dem schönen Garten genießen könnt!
    Liebe Grüße
    Jule

  6. Liebe Veronika,
    Wow, ich bin immer wieder total überrascht wie viele Gemeinsamkeiten wir haben und lese deinen Blog mit viel Gewinn. Ich finde deine Umschreibung mit den Lebensegpässen so treffend, sie verändern uns und auch wenn es oft schwer fällt Schritte ins Ungewisse zu machen, bringen uns gerade diese ein Stück weiter. Ich fühle mit dir und wünsche dir viel Kraft und Durchhalte Vermögen. Gottes Segen begleite dich!

    Herzlichen Gruß Enny

  7. „Es geht nie um Einschränkungen/Verzicht… Sondern darum, diejenige zu werden, die ich eigentlich bin.“ Dieser Gedanke hat mich sehr angesprochen. Insgesamt ein sehr ermutigender Beitrag! 🙂

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