Familie

Daheim

Angekommen! Ab der ersten Sekunde fühlen wir uns hier wohl. Auch wenn jeder zweite Satz mit „Wo ist mein…..?“ anfängt, gefolgt von wilder Wühlerei in den hundert Umzugskartons, die lustig verteilt im Haus rumlungern. Die Ladestation des Telefons fehlt, ich vermisse mein Tagebuch und die Spülmaschine kippt immer nach vorne, wenn ich sie beladen will. Ist mir alles ehrlich gesagt völlig egal. Es ist halt wie eine Geburt. Lange Wehenperiode (länger als erwartet) und dann – wenn keine Kraft mehr da ist – die Presswehen. Ist das Baby auf der Welt, sind plötzlich alle fürchterlichen Strapazen vergessen. Und dass die Umgebung im Chaos versinkt? Ach, das sieht man gar nicht vor lauter Verknalltheit.

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Familie, Hausrenovierung

10 Dinge, die ich während des Umbaus gelernt habe

Hat mein Blog bereits Spinnweben angesetzt? Zeit, den Staubwedel in die Hand zu nehmen, um hier mal wieder für frischen Wind zu sorgen. Heute ist eigentlich nicht mein Blog-Tag, aber Armin ist mit den Mädels zur Kirmes und ich liege bleischwer – figurativ und wörtlich – auf der Couch. In einem großen Gewaltakt haben meine große Schwester, meine Eltern, mein Mann und ich das neue Haus geputzt (Baustaub ist ne Bitch) und aufgeräumt. Diese Aktion….und die letzten drei Monate stecken mir in den Knochen.

Also ist heute – fünf Tage vor dem Umzug – Couchtag!

Ich liege hier rum wie schlappes Gemüse und lese (heute ist Weltbuchtag!) oder schlummere. Vorhin habe ich die neue Ausgabe der Family in die Hände bekommen, für die ich eine regelmäßige Kolumne schreibe. Als erstes lese ich immer diese, weil ich sofort mit der Kolumnen-Abgabe vergesse, was ich geschrieben habe. Das ist so ne Art Autoren-Alzheimer. Also lese ich meine neueste Kolumne und breche in brüllendes Gelächter aus. Echt jetzt? Ich jammere über Vorweihnachtsstress? Ich wünschte jetzt, ich HÄTTE Vorweihnachtsstress! Der wäre nämlich Wellness im Vergleich zum Baustress.

IMG_7483Als zweites bleibe ich am Artikel „Sprung ins Risiko“ von Christian Rommert hängen. Diesen Beitrag lese ich ganz bis zum Ende, weil er eben so…..lesenswert ist. Der Autor schreibt über die Direktive, die uns so oft in christlichen Büchern und Predigten um die Ohren gehauen wird, dass wir unsere Komfortzone verlassen müssten. Rommert räumt auf mit der Vorstellung, dass damit immer der Sprung ins kalte Wasser gemeint ist….quasi als fromme Bewährungsprobe.

Das Leben ist in drei Bereiche aufgeteilt: Komfortzone, Panikzone und dazwischen die Lernzone. Die Lernzone ist die Zone, in der ich herausgefordert werde, Neues zu lernen, ohne überfordert und panisch zu werden.

Oh, dieser Denkansatz stößt bei mir auf offene Ohren!

Denn ich befinde mich tatsächlich seit drei Monaten meistens außerhalb meiner Komfortzone, selten in der Panikzone (außer nachts um drei Uhr) und meistens in der Lernzone. Wir haben einen riesigen Schritt ins Ungewisse gewagt und damit expandieren plötzlich Erfahrungen, implodiert Altbewährtes und wir lassen Gewohntes zurück. Nicht immer angenehm, aber im Rückblick erkenne ich bereits jetzt, was ich alles gelernt habe:

  1. Der Sonntag / Ruhetag ist absolut überlebensnotwendig! Burnout-Vorbeuger, Beziehungsheiler, Schlafschenker.

  2. Um Hilfe bitten, bevor ich das Gefühl habe zu zerbrechen. Und jede Hilfe annehmen, die mir angeboten wird. Ohne Ausnahme.

  3. Meinem Instinkt und Geschmack zu vertrauen.

  4. Wir können mit dem Unfertigen leben. Shalom / Friede ist nicht erst, wenn alles an seinem Platz ist, sondern in einem ruhigen Herz. IMG_7480

  5. Alles kostet mehr Zeit und Geld als geplant. Immer.

  6. Etwas Schönes mit der Familie unternehmen, auch wenn keine Zeit ist. Vorgestern, mitten im größten Putz-Chaos, schenkte ich Amelie einen kleinen Stadtbummel, den ich ihr seit Wochen versprochen hatte. Ich schob alle schreienden Verpflichtungen zur Seite, wir tranken im Cafe Kakao und kauften kleine Geschenke für Menschen, die uns wichtig sind.

  7. Sich sofort bei den neuen Nachbarn vorstellen.

  8. Kompromisse finden mit Ehemann, Kindern, Vermieter. Was nützt es mir, wenn ich meinen Kopf durchsetze, aber Beziehungen dadurch leiden?

  9. In mir steckt mehr, als ich je gedacht habe. Bisher war ich der festen Überzeugung, ich sei nicht stark belastbar. Das war tatsächlich eine Zeit lang so, aber aus dieser Situation bin ich, von mir selbst unbemerkt, hinausgewachsen.

  10. Meine Leidenschaften nicht vom Stress gänzlich auffressen lassen: Nähen, Lesen, Waldspaziergänge, Schreiben, Filme. IMG_7470

    und…..10 a) Die nächste Komfortzone wird wieder kommen. Ganz sicher.

 

 

 

 

Gedanken, Hausrenovierung

Diese Woche

Mitten im Trubel brauch ich jetzt mal kurz einen Wochenrückblick. Es war soviel Gutes dabei:

  1. Am selben Tag zwei Überraschungspäckchen. Eines für mich von einer lieben Blogleserin und eines für Amelie von ihrer Tante. Samentütchen, Topflappen, Geschirrtücher und das Spiel „Logicus Puzzler“, auf das wir alle sehr abfahren. Es gibt kaum etwas Netteres als Überraschungspäckchen, nicht wahr? Wenn ich endlich wieder Zeit habe, möchte ich auch ein paar Leute beglücken.

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2. „Wir basteln uns einen Wetterfrosch – ganz ohne Mama!“

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3. Kinder-Nachttischchen voller Bücher, einer Mundharmonika, einer Postkarte von Opa und natürlich dem Wetterfrosch.

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3. Buschwindröschen. Ich liebe sie einfach.

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4. Schlafzimmer mit Blick auf den blühenden Garten. In jedem Schlafzimmer haben wir im Kniestock eine Bretterwand in Nut- und Federoptik angebracht. Ich bin fleißig am Pinseln!

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5. Die Dusche ist drin!

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6. Die letzten Meter Eichendielen werden verlegt.

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7. Ich lerne unseren Garten kennen. Es ist so spannend, wo welche Kräuter und Blumen im Boden geschlummert haben.

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8. Mein Vortrag bei einem Frauenfrühstück Anfang der Woche. Ich kann es immer noch nicht so recht glauben, dass mir das tatsächlich Freude macht! Früher wäre ich schier durchgedreht vor Angst. Und jetzt ist es reines Vergnügen.

9. Eure lieben Kommentare zum letzten Blogeintrag. Ich schaff es leider nicht, sie einzeln zu beantworten, aber ich habe jeden einzelnen gelesen und mir ein Loch in den Bauch gefreut.

10. Menschen, die helfen. Danke euch!

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Gedanken, Glaube, Hausrenovierung

Lebens-Engpässe und deren Folgen

Wie so oft in letzter Zeit bin ich schon zu sehr früher Stunde wach und schreibe im Kopf Listen. Aber anstatt mich gegen die Schlaflosigkeit zu wehren, gebe ich ihr nach, koche mir Kaffee, setze mich auf die Couch und lasse den noch nicht begonnenen Tag langsam angehen. Die frühen Stunden haben ihre ganz eigene Magie, wenn noch alle schlafen, der Tau fällt und die ersten Vögel zögerlich ihr Konzert beginnen.

Später muss ich meine tägliche Fahrt zum Baumarkt absolvieren, wo ich mit Sicherheit Schnittlauch und Wäscheleine in den Einkaufswagen packe, aber die Profilleisten vergesse. Dann werde ich Türzargen streichen, gegen Müllberge kämpfen (Tipps zum Müllmanagement auf der Baustelle??) und daheim dann meinen kranken Mann pflegen. Ihn hat es leider zerbröselt. Aber es macht keinen Unterschied, da ich eh seit Beginn des Umbaus quasi „alleinerziehend“ bin. Nachmittags steht die wilde Wiese hinter unserem neuen Haus auf dem Programm, die ich mähen muss. Abends will ich mich noch an die Nähmaschine setzen und Josefine ein Osterkleid nähen.

Ich blicke zurück auf die letzten Monate und staune. Wenn ich mich durch einen Lebens-Engpass quetschen muss, komme ich am Ende immer verändert heraus. So auch dieses Mal. Obwohl ich keine Zeit für Hauskreis, Gemeinde und Bibellesen habe (oder wahlweise keine Kraft), findet Gott ganz andere Wege, mir Impulse zu schenken: „Möchtest du nicht endlich einige Lasten ablegen? Dinge loslassen, an denen du mit aller Macht festhältst?“ Ich glaube so sehr, dass im Zentrum vieler Krisen und Lebens-Engpässen genau diese Frage steht. Schritte ins Ungewisse sind immer eine Schritt hinaus aus der Komfortzone – vielleicht auch aus der Opferhaltung? – gekoppelt an die Angst, ich könnte etwas verlieren. Aber wenn diese Frage immer und immer wieder in meinen Gedanken auftaucht, dann glaube ich, dass dies der Heilige Geist ist, der seinen Finger auf einen Punkt in meinem Leben legt, der mich blockiert. Es geht nie um Einschränkungen und Verzicht, sondern immer darum, diejenige zu werden, die ich eigentlich bin.

Der Einzug in unser neues Haus ist gekoppelt an den Wunsch nach eigener Erneuerung. Ich werde mehr dazu schreiben. Aber im Moment ist nicht die Zeit. Jetzt ist die Zeit der Hände, die zupacken, Tee kochen, streichen, packen, pflanzen und putzen.

Oh, und unser Haus? Das wird ganz wunderschön. Innen hauptsächlich weiß und viel Holz. Im wilden Garten blühen Apfel- und Kirschbäume. Im Wäldchen, das an den Garten angrenzt wiegen sich Buschwindröschen im Frühlingswind. Und überall sprießen Primeln und Tulpen und Hyazinthen aus dem alten Boden.

Die Dämmerung kriecht heran und ich muss die Müdigkeit aus meinen Knochen schütteln. Ich wünsche euch, genau da wo ihr gerade seid, einen Tag, an dessen Ende ihr zurückblickt und das Gute sehen könnt. Auch wenn nicht alles perfekt lief. Auch wenn im Garten nun der Schnittlauch wächst und in den Kinderzimmern immer noch die Profilleisten fehlen.