Familie

Atem holen und Feiern

Wenn man mittendrin steckt in der Arbeit, eigentlich überhaupt nicht weg kann, vor lauter Stress nicht mehr schlafen kann – dann muss man für ein paar Stunden aussteigen. Wir haben uns ein Wochenende ohne Baustaub, Planungen und Schlaflosigkeit gegönnt. Was sich wie verlorene Zeit anfühlen könnte, war am Ende Gewinn. Ein tiefes Atemholen vor dem Bau-Endspurt.

Wir sind in die fränkische Heimat gefahren, um den 8o. Geburtstag meiner Mutter zu feiern. Das war einfach nur schön. Und ich wusste wieder, warum wir uns den Renovierungsstress geben: ein Zuhause schaffen für die Menschen, die wir lieben.

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Nein, das ist nicht die ganze Familie. Zwei weitere Tische und wir sind komplett. Da hat mein Weitwinkel-Objektiv nicht ausgereicht….

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Meine Tante ist extra aus Kanada angereist als Surprise Guest.

IMG_7205_edited-1                 IMG_7183_edited-1IMG_7223_edited-1IMG_7367_edited-1IMG_7249_edited-2Entspannte Stunden mit meiner „kleinen“ Schwester.

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Fünf Geschwister, die sich bei offiziellen Anlässen gut am Riemen reißen können….

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…bis das uns Komik-Gen übermannt. Jedes Mal. Egal wie alt wir sind. Wir machen das auch noch mit 8o. Nicht im Bild: unser kopfschüttelnden, peinlich berührten Ehepartner.

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Familie, Renovierung

Mein Reich

Die Küche ist endlich drin. Zum ersten Mal habe ich eine Küche, die ich selbst geplant und ausgesucht habe. Ich liebe sie. Ich liebe das viele Licht, das schöne Holz, die friedliche Stimmung, die jungfräulichen Geräte. Ach, ich freu mich so!!!

Und sonst? Wir werden nicht fertig. Es ist, als würden wir versuchen durch Honig zu rennen. Es geht nur langsam voran, langsamer als geplant. Noch sechs Wochen bis zum Umzug und ich bekomm Schnappatmung.

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Kunst

Noch 24 Stunden!

Gestern haben wir uns roten Lippenstift aufgetragen, Sally und ich. Und dann hat sie trotz Hustenanfällen die Bühne gerockt, ich habe aus meinen Büchern gelesen. Nach der Konzertlesung haben wir auf der Heimfahrt noch eine Weile gequatscht. Ich hab sie nach ihrer Crowdfunding-Kampagne für ihr neues Album „See me Human“ gefragt.

„Montagabend geht sie zu Ende und mir fehlen noch 13%“, erzählte sie nervös.

„Weißt du was? Ich mach Werbung auf meinem Blog und nur für dich werde ich mein Facebook-Fasten für einen Abend unterbrechen und auch dort die Massen bequatschen, damit sie dein neues Album kaufen,“ versprach ich Sally. „Die werden soviel gute Mucke auf die Ohren bekommen, dass ihnen Hören und Sehen vergehen wird,“ fügte ich grinsend im Stillen hinzu.

Ihr Lieben! Sallys neues Album wird rockiger, sie hat ihr ganzes Herzblut hineinfließen lassen. Ich habe schon einiges gehört und bin  – völlig unvoreingenommen – begeistert. Da singt eine reifere Sally mit ihrer gewaltigen Stimme an gegen Ungerechtigkeit und erinnert uns daran, dass wir berufen sind zu lieben.

Der Countdown läuft. Noch 24 Stunden. Wenn du ihr Album mit auf den Weg bringen willst, dann unterstütze sie hier:

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Das Album erscheint im Juli und du bekommst es zugeschickt, wenn du dich an der Crowdfunding-Kampagne beteiligst.

Rock on!

 

Familie, Renovierung

Puzzle-Teile

Es tut gut, hier ab und zu vorbei zu kommen. Ein paar Worte schreiben, Bilder hochladen und eure lieben, ermutigenden Kommentare lesen. Zeit und Kraft sind knapp bemessen, und doch hat die klackernde Tastatur, das Aufsammeln und Niederschreiben meiner Gedanken etwas Belebendes. Meine heutigen Gedanken liegen weit verstreut um ich herum, wie ein ausgeschüttetes 1000er Puzzle. Ich kann nur hier und dort ein Stück aufheben, es kurz ins Licht halten und dann zur Seite legen. Keine Energie, um so ein aufwändiges Puzzle ordentlich zusammen zu setzen. Später, später. Oder auch nie.

Ich klaube ein paar Puzzleteile heraus:IMG_5461_edited-1IMG_5466_edited-1IMG_5472_edited-1IMG_5479_edited-1
Meine Eltern waren hier, bewaffnet mit Motorsense und Baumsägen. Sie rückten dem Dschungel in unserem neuen Garten zu Leibe. Der war übrigens früher Teil des Schlossgartens. Es wäre nicht weiter verwunderlich gewesen, hätten wir Dornröschen schlafend hinter den tausend Ranken gefunden. Drei Tage lang haben sie geschuftet und ich versuchte bei ihrem Tempo mitzukommen, ohne schlapp zu machen. Mutti, wirst du echt nächste Woche 80??

IMG_5485_edited-1Ich bin froh, dass ich zu Anfang der Umbauphase klar entschieden habe, dass meine zwei Prioritäten Haus und Kinder sind. Unsere Große braucht mich im Moment mehr als sonst. Manchmal habe ich Angst, ihre Emotionen brechen sie in Stücke. Heute flossen viele Tränen, da eine ihr wichtige Beziehung in die Brüche gegangen ist. Ich selbst hätte am liebsten mitgeweint angesichts soviel tiefen Kinderkummers. Seit Wochen bekomme ich immer wieder Sorgenpäckchen meiner Kinder zugereicht und ich reiche sie weiter an Gott. Ich habe das Gefühl, die Päckchen fallen ins Leere. „Warum hilft Jesus nicht, Mama?“ Soll ich meiner Achtjährigen die Theodizee erklären? Ach, es muss nicht noch ein Weltbild zerbrechen, nachdem ich ihr gestern die weibliche Menstruation erklären musste…..

IMG_5459IMG_5464Armin und mir geht langsam die Puste aus. Die Zeit rennt, nichts ist wirklich fertig. Wir sind müde und sehnen uns nach Strandstuhl, eiskaltem Bier und wochenlangem Müßiggang.

Ich schlittere wieder in alte Denk- und Gefühlsmuster: blablabla, ich bin Einzelkämpferin, ich brauch niemanden, blablabla, ich fühl mich so einsam, niemand sieht mich, blablabla. Das ist ein ganz besonders verzwicktes Puzzleteil, das leider auch zum Bild meines Lebens gehört. Ich hab es schon so oft weggeschmissen, aber es schleicht sich immer wieder zurück. Nun isses da und grinst mich an. Nicht mal in eiskaltem Bier kann ich dich ersäufen, du Miststück!

IMG_5483IMG_5487Josefine scharrt mit den Füßen und liest und schreibt mit aller Gewalt. „Wann hast du das denn gelernt?“ frage ich erstaunt unsere Vorschülerin. Sie zuckt auf ihre gleichgültige Art die Achseln und unterdrückt zugleich ihren strahlenden Stolz. „Weiß nicht, Mama.“ Und einfach so gleitet sie von einer Lebensphase in die nächste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Familie, Hausrenovierung, Renovierung

Sinniges und Unsinniges

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Ist die Woche schon rum? Vor zwei Minuten war doch erst Montag. Meine eigene Zeitrechnung trägt Siebenmeilenstiefel, mit denen sie unseren Aufgaben davon rennt. Wir klammern uns wohl oder übel an die Stiefel und lassen uns mitschleifen. Hier und da holen wir uns blaue Flecken, aber dann schütteln wir Staub und Schmerz ab und krempeln die Ärmel erneut hoch. Für Armin gibt es momentan nur Baustelle und Job. Ich frage mich ernsthaft, wie manche Männer das über längere Zeiträume hinweg überstehen. Gibt es danach ein Zurück ins Leben?

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Diese Frage tauchte die Woche über immer wieder in mir auf. Gibt es ein Leben nach dem Bau? Und vor allem: Wie wird dieses Leben aussehen? Wer werde ich in diesem neuen Leben sein? Mit einer neuen Umgebung treten ein neuer Rhythmus, neue Menschen, neue Möglichkeiten ins Leben. Ich werde ein eigenes Arbeitszimmer besitzen. Mein ganz alleiniger Raum, in den ich mich zurückziehen kann! Hier kann ich schreiben, träumen, aus dem Fenster starren und Nähsachen liegen lassen (bisher hatten wir nur unseren Esstisch für Kunst- und Handarbeitsprojekte). Vielleicht komme ich sogar mal wieder zum Malen oder zur Foto-Bearbeitung?

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Bis Mitte der Woche war ich mit meinen hoch-emotionalen Kindern schwer beschäftigt. Mittwochmorgen wanderten meine Nerven nach Mexiko aus und ich verprügelte ein paar Sofakissen, während mein Mann kopfschüttelnd neben mir stand. Dann nahm er mich stumm in die Arme. Die malträtierten Kissen sahen mich vorwurfsvoll an. „Ich kauf eh neue!“ schnauzte ich sie an. Donnerstag beruhigte sich der Sturm und heute herrschte stille Flaute. Ich hatte sogar nachmittags Zeit, mich mit einer Tasse Tee unter unsere Weide zu stellen und den Bienen zuzuhören, die den Baum umschwirrten. Während eine Amsel flötete, verpasste ich Josefines Bett den letzten Schliff. Jetzt muss ich endlich nur noch mit dem Türenstreichen fertig werden und dann werde ich mit dem Umzugskistenpacken beginnen.

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Morgen möchte ich ein unsinniges Kräuterbeet vor dem Haus anpflanzen. Unsinnig in den Augen meines Mannes. Ich sollte doch lieber Tapeten ablösen. Oder im Keller eine weitere Tür streichen. Aber ach, wenn ich nur immer das täte, was gerade vernünftig ist, dann flösse das Leben gerade so aus mir heraus.

Habt ihr Projekte, die euch begeistern? Bücher, die euch fesseln? Menschen, die euch gut tun? Fühlt ihr euch dort daheim, wo ihr lebt? Wer seid ihr in eurem jetzigen Leben? Liebt ihr den Ort, an dem ihr lebt? Und was macht ihr am Sonntag?

Fasten

Ungezähmt

Der Regen trommelt aufs Dach und die Katze schläft zu meinen Füßen. Armin ist noch mal zu unserem Haus gefahren, um nach dem Rechten zu sehen. Bis gerade eben war hier noch pralles Leben: den Schulranzen frisch packen, Vorlesestunde, Strumpfhosen-Weitwurf, eine schnelle Auflaufform mit Bananen-Erdnussbutter-Riegeln in den Ofen schieben, Kochplan schreiben, Playmobil-Welten zur Seite räumen, Kinder ins Bett bugsieren.

Nun ist Ruhe. Und mit der Ruhe betritt meine Unruhe die Bühne. Seit Aschermittwoch geht das jeden Abend so. Keine Snacks. Kein Weinchen. Kein Facebook. Was bleibt mir noch? Innere Unruhe. Letztes Jahr empfand ich das Fasten als große Befreiung, als Gewinn. Dieses Jahr fühle ich mich wie ein Baby, dem man gewaltsam den Schnuller aus dem Mund gezogen habe. Ich plärre lautlos in mich hinein. Und dann suche ich mir Alternativen, die keinen schnellen Rückzug aus der Welt bieten. Ich nähe ein wenig an meinem Teppich weiter, den ich vor wenigen Tagen begonnen habe. Aber so richtig Lust habe ich nicht. Neben mir liegt ein packender New-Gothic-Roman (Die amerikanische Nacht von Marisha Pessl), aber den kann ich nur lesen, wenn Armin daheim ist. Ich könnte unser Haus weiterplanen, aber meine Ideenquelle Pinterest ist ein Kaninchenbau, in dem ich stundenlang verschwinde und dann nicht mehr herausfinde.

Vielleicht ist meine Fastenübung in diesem Jahr, die Unruhe nicht gleich zum Schweigen zu bringen, sondern genauer hinzuhören. Woher kommt sie und was macht sie mit mir? Drängt sie mich in eine neue Richtung? Heute hat sie mich nachmittags aus dem Haus getrieben. Atemlos bin ich mit dem Rad und zwei Kindern zwischen kahlen Feldern und einem dramatischen Himmel dahingejagt. An einem Bach stiegen die Mädchen von ihren Rädern und warfen Steine ins Wasser. Ich war versunken in die Betrachtung der grauen Wolkenberge und der kahlen Waldsilhouette. Ab und zu brach ein Sonnenstrahl durch und es roch nach nasser nackter Erde. Wann hatte ich sowas zum letzten Mal getan? Ich sagte laut – so dass es meine Mädchen hörten: Danke für den Wind und den Wald. Danke für den Bach und die Steine. Danke für meine Kindern und meinen Mann. Die beiden starrten mich für ein paar Sekunden an und fuhren dann unbeeindruckt fort mit dem Steinewerfen.

Vorhin hat mich eine Freundin angerufen und gefragt, wie ich den Ausdruck „life is messy“ am treffendsten übersetzen würde. Nach einigem Überlegen antwortete ich: „Das Leben ist ungezähmt“. Und genau das fange ich jetzt wieder an zu spüren: Ungezähmtes Leben, das sich in grauen Wolkenbergen, nasser Frühlingserde und innerer Unruhe widerspiegelt. Ich kann mich in den Wind stellen, tausend neue Fragen stellen, mein Leben anschauen, neue Wegen gehen oder das Leben mit Facebook, Schokolade und einem Feierabend-Wein gezähmt glauben.

Aber mein liebes Leben wird immer messy sein. Sagt ja Jesus nicht umsonst: „In der Welt habt ihr Angst….“ Angst macht mir alles, was ich nicht zähmen kann. Jesus erkennt das als unumstößliche Tatsache an. Er ist jedoch noch nicht fertig mit seinem Satz: „….aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Es geht wohl letztendlich nicht darum, sein Leben zu zähmen, es in ordentliche Schubladen mit den Aufschriften: „Job / Haus / gelungen Kindererziehung“ zu packen. Es ist nicht meine Aufgabe, Gott in meinem eigenen Leben zu spielen, sondern es ihm jeden Tag hinzuhalten als mein kleines messy Geschenk.

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