Schmutzige Teller

Manchmal fahre ich immer noch mitten in der Nacht hoch und erschrecke vor dem Arbeitsumfang, in dem wir gerade drin stecken. Manchmal hab ich dann richtig Glück und schlafe wieder ein, träume wildes Zeug und wache halbwegs ausgeruht mit dem Weckerklingeln auf. Es gibt aber auch Nächte, in denen schlafe ich nicht mehr ein.

Jeder Tag beginnt mit einer vollen Geschirrspülmaschine, die ausgeräumt werden muss. Mit Brotkrümeln auf dem Boden, hungrigen Katzen, mürrischen Kindern, Hausgästen, die versorgt werden wollen, kochendem Teewasser, tausenden Handgriffen. Nach dem Frühstück schaut die Küche aus wie ein Bombenkrater. Und ich auch mit meiner halbexplodierten Bettfrise. Es folgen Fahrten zum Supermarkt (warum saufen meine Kinder soviel Milch??), zum Baumarkt („Brauchen Sie etwa noch mehr Gipsplatten?“), zur Baustelle und zurück an den Herd. Nachmittags will ich für die Kinder da sein. Ich kontrolliere Hausaufgaben, spiele ein bisschen mit ihnen, fahre sie zu ihren Aktivitäten und Freunden.

Abends wartet dann wieder der Geschirrspüler und ein Berg schmutziger Töpfe auf mich. Ich habe keine Lust mehr, die Müdigkeit kriecht mir den Nacken hoch. Ich denke an die Baustelle, meine Listen und an alles, was heute wieder liegen geblieben ist. Mein Nacken beginnt zu schmerzen. Ein Kind verlangt nach Wasser. Ich verlange nach der Couch.

Ich fühle mich derzeit, als wäre ich in einer Spirale des Dienens gefangen. Nur einmal nicht kochen oder spülen oder einkaufen gehen müssen! Ich bin dienstmüde geworden.

Heute stolperte ich über ein Zitat, das Mutter Teresa zugeschrieben wird:

Wash the plate not because it is dirty nor because you are told to wash it, but because you love the person who will use it next.

Spüle den Teller, weder weil er schmutzig ist noch weil du ihn spülen solltest, sondern weil du die Person liebst, die ihn als nächstes benutzt. 

Das ist das Herz des Dienens: meine Liebe zum Nächsten. Diese Liebe kommt oft nicht schmetterlingshaft daher und fühlt sich nicht an wie ein Adele-Song. Es ist keine Liebe, die mir zufliegt und mich auf Flügeln trägt. Es ist die schwere Liebe, nahe am Boden, nahe am Herzschlag des Lebens. Manchmal ist es das Glas Wasser, das ich mit großer Unlust am Abend meinem Kind hinstelle. Es ist das Waschen dreckiger Baustellen-Wäsche. Es sind meine Nackenschmerzen am Morgen und meine Müdigkeit am Abend. Es ist das Bücken nach verstreuten Playmobil-Männchen und eine weiter Fahrt zum Baumarkt. Es ist die Frage am Abend: „Wie geht es dir?“

Es wird noch einige Monate so weitergehen. Die große Unlust und Müdigkeit, das pausenlose Dienen und der Baustellen-Dreck. Aber das Zitat häng ich mir in die Küche. Über meine Spüle. Um mich daran zu erinnern, dass Liebe auch immer etwas sehr Greifbares ist. Ein gespülter Teller, eine Suppe, ein vorgelesenes Buch.

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Die Osterbücher haben jetzt ihren großen Auftritt. Ganz vorne dran: Die Häschenschule.

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Hausaufgaben, Playmobil und offene Schranktüren. Tagaus. Tagein.

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Endlich blühen die Weidenkätzchen wieder! Ich habe sie vermisst, diese flauschigen, sexy Dinger.

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Ich habe den Kids heute das „Lustige-Figuren-Spiel“ beigebracht. Es tat gut, Unsinn zu malen und dann zu lachen, als wir die Figuren auffalteten.

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Ruhe in Frieden, mein lieber Garten. Ich werde dich nicht mehr bewirtschaften und du wirst wohl in deinen Urzustand zurückkehren….

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Die allererste Blüte ist da! Ein schüchterner Winterling.

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Und die elend-riesige Tanne vor dem Haus ist endlich weg. Freie Sicht (Huch, was haben wir da gekauft??).

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Der Durchbruch zwischen Esszimmer und Küche. Wird das echt mal ein wohnliches Zimmer? Ich kann es mir gerade nicht vorstellen…

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Fundstücke aus unserem neuen Haus. Die fand ich beim Ausräumen der alten Kleiderschränke zwischen Feinripp-Unterhosen. Mich hat’s gleich doppelt geekelt. Was soll ich mit den Büchern machen? Verbrennen?

12 Kommentare zu „Schmutzige Teller

  1. Bei euch blühen schon Weidenkätzchen??? Wir sind hier noch total im Wintermodus. Beziehungsweise schon im halben Umzugsmodus. Unser Haus wird hoffentlich bald fertig sein. Bis dahin versuchen wir Geld, Nerven und Zeit halbwegs zusammen zu halten. Ihr schafft das!

  2. Den Spruch häng ich mir auch in die Küche. Motzen über Geschirrwaschen kann ich nämlich super toll. Generell motzen über diese Sisyphusarbeit. Ich sammle meinen Stress im Nacken- zwar kein Hausrenovierstress, aber diese Sehnsucht nach Abschalten kenne ich gut. Ich denk an dich und schick dir ne Umarmung!

  3. Oh wie gut kenne ich das mit der Spülmaschiene, wünsche euch ganz viel Kraft für euere wunderbares Häuschen ganz in meiner Nähe 🙂 Tolle Gegend tolle Menschen !
    So ein Haus hat halt eine Geschichte zu erzählen, sehr spannend finde ich. Liebe Grüße Magda

  4. Oh wie toll, Ihr habt die Hausnummer 7.
    SChau mal hier nach der Bedeutung: http://www.zeitundzahl.de

    Diie Zahl 7 steht u.a. für Vollkommenheit.

    Die erscheint an vielen Stellen der Heiligen Schrift:
    Am . Tag der Schöpfung (später Sabbat genannt) ruht Gott.
    Die . Generation nach Adam (Henoch) musste nicht sterben.

    Das kann nur gut werden! Gottes Sehen, Kraft und Ruhe für alles, was zu tun ist, wünsche ich Euch!
    Herzliche Grüße
    Susanne

  5. Hallo Veronika,
    in Gedanken koche ich einen Riesentopf lecker Essen für euch, backe einen Kuchen, unternehme was Schönes mit deinen Kindern, lasse mich von dir „einteilen“ um Dinge zu erledigen….um dich zu unterstützen, leider nur in meiner Phantasie, aber vielleicht hilft es auch ein wenig… ich wünsche euch viele, liebe Helfer oder auch immer mal einen, der auch mal gerne mit anpackt.
    Ein „Dorf“ eben.Das wäre schön!
    Viel Kraft und gutes Gelingen, E. L.

  6. Meine Gedanken beim Lesen, der Reihe nach:

    — das klingt nach echt heiligem Alltag. Eines Tages wirst du wohl ein Buch darüber schreiben.
    Oder deinen Enkeln davon erzählen. (Oder beides.)

    — Die Häschenschule! Das Buch hab ich als Kind auch geliebt, meine Omma hatte ein total zerlesenes Exemplar. Neulich, auf nem Büchertrödel … sofort gekooft!

    — Garten verlassen: das geht, ganz ehrlich, wirklich nur im Winter. Sozusagen bei Stunde Null des Gartenjahres. Sei froh, dass du ihn nicht im Hochsommer verlässt. Du hättest ja vor lauter Tomaten, Gurken, etc gar keine Zeit zum Weggehen. Und dein Herz bliebe womöglich da. Mindestens ein Stück. Bald wickelst du es sorgsam in Seidenpapier und verpackst es in einen Karton und pflanzt es dann im neuen Garten ein.

  7. Das klingt nach hartem, echtem Leben in Fülle. Dieses Leben hat uns Jesus versprochen-von einfach war nicht die Rede ;-). Aber alles hat seine Zeit und ihr werdet in eurem neuen Heim (und Garten!) diese Fülle genießen können. Auch dort wird der heilige Alltag kommen-und dann denkt man am Besten an die Baustellen zurück, wenn er fade daher kommt……Alles Gute!

  8. „Ach, Veronika!“ seufze ich gerade innerlich mit dir und schließe die Tür zu unserem morgendlichen Küchenchaos. Gestern im Gottesdienst, während einer berührenden Predigt dachte ich so: „Die Energie, die ich hier tanke reicht momentan immer grade für eine Woche, keine Stunde mehr. Gut, dass ich dann wieder kommen darf.“

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