Holpriger Start

img_6992_edited-1Ein Kind schläft bereits. Das andere liest sich gerade selbst die Weihnachtsgeschichte neben dem Christbaum vor. Die Zweige hängen traurig in die Tiefe und die abgebrannten Kerzen zeugen von gemütlichen Abenden „zwischen den Jahren“. Morgen bekommt der Baum zum ersten und letzten Mal in seinem Leben einen Freiflug. Ganz ikeamäßig aus dem Fenster.

Nur zögernd lasse ich die Weihnachtszeit los. Sie war eine Zäsur, ein tiefes Luftholen, eine Stille vor dem Sturm. Nach der Jahreswende begrüßte mich meine alljährliche Januar-Depression. Nun tja, keine wirkliche Depression, aber eine seltsame Verstimmung. Ich bin nicht besonders gut darin, negative Gefühle zuzulassen. Ich stemme mich dagegen und deshalb war die letzte Woche emotional anstrengend. Außerdem bleiben die Handwerker aus (echt jetzt? Ist die Unzuverlässigkeit der Handwerker doch kein Klischee??). Mein Mann war krank. Ich wuppte den ganzen Haushalt und noch ein bisschen mehr. Trotzdem blieb soviel liegen, dass ich jetzt schon innerlich die Ärmel hochkremple, mit den Hufen scharre und morgen eine neue Entrümpelungs-Challenge starte. Oh, wie ich mich nach weniger Ballast und mehr Luft sehne!

img_6988

Anfang der Woche war das Radlager unseres Autos defekt. Dann dachte sich unser Kaffee-Vollautomat: Ach, ich hab eigentlich auch keinen Bock mehr. Das war für meinen Liebsten eine furchtbare Katastrophe. Nun suchen wir verzweifelt nach einer vernünftigen Alternative (keine Pads, keine Kapseln, kein Filterkaffee, kein Vollautomat – Tipps?).Vorgestern nacht ging in unserem neuen Haus das Heizöl zur Neige und wir bekamen auf die Schnelle am Feiertag keinen Öl-Lieferanten. Da standen wir bei -14 Grad und sahen schon vor unserem geistigen Auge die Wasserrohre platzen. Wir beteten, flehten, rechneten und am Ende – mit einigen Heizlüftern – ging dann doch noch alles gut aus. Als wir gestern mittag Amelies Kindergeburtstag feierten, klingelte das Telefon: Der Heizöl-Mann ist da! Hurra! Armin musste mich verlassen und ich wusste: Ich muss diesen Kindergeburtstag alleine stemmen. Wenn ich überlebe, dann verleihe ich mir selbst einen fetten Orden!

img_6990_edited-1

Ich überlebte. Und hatte sogar richtig Spaß an diesem Kindergeburtstag inklusive Lebkuchenhäuschen-Verzieren, Tortilla-Essen, Topfschlagen und Schlittenfahren. Achtjährige sind einfach toll! Es gab lediglich einige blaue Flecken (merke: beim Topfschlagen niemals das Zimmer verlassen!) und eine verkratzte Nase. Das Highlight war ein Freund, der mit seinem Quad auftauchte, alle Schlitten hinten befestigte und die Kinder wie eine lustige Parade über die vereisten Wege zog. (Leider hatte ich die Kamera nicht dabei…).

img_5150

img_5126

Morgen beginnen wieder Schule und Kindergarten. Und dann kommen hoffentlich die Handwerker. Und mein Schwiegervater aka Bauleiter. Ich hoffe so sehr, diese Zeit trotz Depri-Blues mit Würde und Anstand bestreiten zu können…und nicht wie das keifende verheulte Elendsbündel, das ich letzte Woche oft manchmal war.

img_5130_edited-1

Vielleicht ist es ganz gut so, dass das neue Jahr holprig beginnt. Es zeigt mir, dass ich trotz all der tollen Vorsätze nicht viel kontrollieren kann (einen Kindergeburtstag: YES! Einen Handwerker: Hahaha!). Ich habe mir soviele Strategien zurecht gelegt, damit unser Leben gut funktioniert. Aber ich fürchte, nun bricht die Zeit an, in der das Chaos herrschen wird. Und ich mittendrin. Ein blutiger Clash der Gegensätze? Oder eine Chance, heitere Gelassenheit im Auge des Sturms zu kultivieren?

Was ich die nächsten Wochen mehr denn je brauche ist persönlicher Minimalismus, einmal täglich raus in die Natur und definitiv mehr Schlaf (ich leide mal wieder unter seniler Bettflucht – ab 6 Uhr früh finde ich keinen Schlaf mehr).

img_5138

Das ist jetzt ein langer verworrener Beitrag geworden – Spiegelbild meines Ist-Zustands. Sorry! Das nächste Mal bin ich wieder sortierter. Dann gibt’s mal wieder eine Liste. Oder Tipps zum plastikfreieren Leben (hab ich schon so lange vor)….oder…

…habt ihr Wünsche, worüber ich bloggen soll?

img_5136_edited-1img_5148img_5128img_6997

23 Kommentare zu „Holpriger Start

  1. Hallo Veronika, zum Kaffee: wir haben eine Siebträgermaschine und seit Kurzem auch eine Mühle. Sie ist teuer und es ist etwas aufwändig sie zu reinigen… aaaaaaber der Kaffee ist extrem lecker. Vielleicht wäre das was für Euch. Kaffee ist doch so wichtig.

    Ich grüße dich.
    Claudia

  2. liebe vroni,
    bei amazon nennen sich die Glaskannen „kaffee und tee zubereiter“… für gemahlenen kaffee, aber ohne den müll der kapseln usw.
    nicht so teuer
    lg, carina
    ps mein mann versucht sich recht erfolgreich an der reparatur der vollautomaten, wär nur von euch zu uns etwas umständlich und natürlich hat mein lieber auch sonst nichts (?) zu tun… ähem

  3. Wir lieben unsere French Press in allen Größen 🙂 Die Thermo-Version hält natürlich nicht so warm, wie eine echte Thermoskanne, aber da es sie auch in klein gibt, ist das nicht so das Problem. Schnell zubereitet und schnell saubergemacht. Viel Erfolg bei der Suche!

  4. Also, erstmal vielen Dank fürs bloggen. Wir verpassen keinen post! 🙂

    Zum Kaffee: Wir haben wie Claudia eine Siebträgermaschine, nur finde ich sie extrem einfach zu reinigen. Blindsieb täglich und alle 4 Wochen mal mit Zitronensäure (nicht zu oft, da sonst Dichtungen angegriffen werden). Die Auffangschale reinigen wir wöchentlich. Kann man auch öfter! Das ist der Tipp vom kleinen Espressoladen in Stuggi. Die Mühle sollte auch was taugen, das macht echt was aus. Ob der Kaffee schmeckt musst du Christina fragen. Heute hatte sie ihn zumindest wieder gelobt! 😉

    Ansonsten French Press, wirklich auch nicht zu verachten. Anders halt, etwas milder als Filterkaffee (Kaffee muss halt passen – google mal roastmarket.de).
    Wir haben uns übrigens mal bei der Lesung von Christina getroffen..

    Liebe Grüße und Segen Euch! Wird ein spannendes Jahr!

    Franz

  5. Liebe Veronika,

    Ich liebe es, wie du schreibst, manchmal unsortiert, ehrlich. Ich danke dir dafür. Besonders toll finde ich dein neues Buch- ich bin Gott so dankbar dafür, dass du die Gabe hast durch deine Worte Herzen zu berühren. Beim Lesen heilen meine Wunden.
    Daher- keine Anregungen für die Zukunft meinerseits. Schreib einfach so weiter- unfiltriert.
    Liebe Grüße
    Anna

  6. Also mit Kaffee kenne ich mich nicht aus- aber den Rest fühle ich nach. Beim Entrümpeln mache ich mit, denn es ist dringend notwendig und auch ich sehne mich nach Mehr „Luft“. Heute fürchtete ich mich ganz still und heimlich vor morgen und all dem Theater, dass nun wieder beginnt. Heute Abend fürchtete sich mein Sohn. Und wir haben beschlossen, nur den morgigen Tag anzuschauen. Nur morgen. Schritt für Schritt, Tag für Tag. Danach ging es uns beiden besser. Schlaf gut und wenn ich morgen früh um kurz vor sechs hell wach im Bett liege, dann schicke ich dir einen netten Morgengedanken…

  7. Hier wird der Kaffee von Hand gemahlen und in der French Press – klein oder groß – 4 Min ziehen gelassen. Sehr lecker! Dazu wunderbaren Milchschaum. Für beides haben wir Kannen von bodum.
    Hier startet morgen auch eine Entrümpelungs-Challange. Fühlt sich gut an bei meinem Kopf-Chaos.
    Liebe Grüße von der Ostsee
    Kerstin

  8. Dem Vollautomaten nahe, aber eben nicht vollautomatisch kommen einfache Kolbenmaschinen daher. Man befüllt von Hand (idealerweise frisch gemahlen), das gibt ein bisschen Aufwand und „mess“, hilft aber, nicht allzu viel Kaffee zu trinken, nur wenn man WIRKLICH Lust hat 😉 Im Gegensatz zu Frenchpress machen die auch ein wirklich schönes Espressoschäumchen. In vielen italiensichen Cafés werden Kolbenmaschinen gebraucht (zB Spettacolo, gibts die Kette in DE?)
    Sie kosten einen Bruchteil der Vollautomaten, funktionieren immer und müssen nur hin und wieder entkalkt werden. Oder natürlich die italienischen Espressokocher, die machen Kaffee mit Power (wir nennen sie in der CH Kafihäx=Kaffeehexe)
    Einen guten Rest Januar euch allen! Wir haben ja noch zwei Drittel vor uns, um einen holprigen Start wettzumachen (oder auch nicht, darf ja auch mal holprig sein).

  9. Alles gut! Das kenne ich alles bis ins Detail (Oel alle, bei minus 17 Grad, altes Häuschen gekauft, Handwerker und alleine Gebbis von 8 jährigen bestreiten…auch das wird vorbeigehen! Es ist schön,
    das du ehrlich und authentisch bleibst und bist.

  10. melde mich nicht als Kaffeezubereitungsexpertin, doch mit einem großen Dank für Deine autenthischen Beiträge mitten aus dem Leben mit allen Ecken und Kanten. Das ist nicht verwirrend, sondern eben Alltag life und dennoch wird in allem spürbar, wohin Du Deine Seelenanker auswirfst. Ich freue mich immer sehr, von Dir zu lesen!

  11. Ich lese dich auch seeehr gerne, wenn du unsortiert schreibst. Mir geht es häufig wie dir… Nur manchmal zeitversetzt.
    Und ja, ich habe einen Wunsch worüber du bloggen könntest: das liebe Geld! Und zwar das Geld „im Alltag“. Haushaltbudget, Spartipps und sonstige Tricks, damit noch etwas übrig bleibt Ende Monat.
    Ich wünsche dir viel Gelassenheit für die nächste Zeit.
    Und jetzt ruft meine Tochter… Und der Haushalt.

  12. Liebe Veronika,

    deine Worte haben mal wieder mein Herz berührt! Und ich konnte einfach nur zustimmend nicken, immer wieder beim Weiterlesen….(kenne das mit dem „in ein Loch Fallen ab Januar“)
    Am meisten spricht es mich an, wenn du einfach drauf los schreibst… was dir gerade auf dem Herzen liegt!!!
    Ich hab mir vorgenommen jeden Tag wirklich einzeln zu betrachten und anzugehen… nicht immer an morgen, übermorgen, nächste Woche, usw. zu denken und zu planen… Ich weiß, gerade beim Umbau und anderen Terminen (neues Haus) muss man ja planen… aber im Kleinen will ich das versuchen zu praktizieren… „Lege deine Sorgen nieder“ von Sefora Nelson finde ich immer wieder passend!
    Wir trinken Filterkaffee (schon immer)…hatte auch mal an eine Kaffeemaschine gedacht…aber nach langer Recherche im Internet usw. uns dann doch dafür entschieden dabei zu bleiben!
    Ich wünsche mir, dass du weiter einfach so ungefiltert schreibst! Das ist ja genau das was ich so an deinem Blog liebe!

    Liebe Grüße Judith

  13. Hallo Veronika,
    also was die Kaffeemaschine betrifft: Eine Siebdruckmaschine und eine extra Kaffeemühle dazu ist das Beste, was du machen kannst: Perfekter Espresso und Cappuccino. Wir haben es absolut nicht bereut und genießen den Kaffee jeden Tag …..
    Liebe Grüße,
    Martin

  14. Hallo Veronika,

    zum Thema Blogthemen: Ich LIEBE es, wenn Du über Bücher schreibst und dazu passend die Bücher auch photographierst. Weil ich selber sone Leseratte bin. Das machst Du ja nicht allzu oft, aber wenn Du es machst, daaann…. bin ich echt häppi.
    Ansonsten ganz weit oben: geistige Beiträge (weil sie mich im Alltag abholen) und Erziehung (weil 3 Kinder nur kleiner).
    Aber natürlich geht es mir wie vermutlich allen anderen: Ich freue mich über jeden Beitrag.

    Liebe Grüße!
    Claudia

  15. Hej du Liebe !

    Gegen deinen Winterblues hilft vllt eine Tageslichtlampe (Beurer z.B.) mit 10000 Lux. Gibt es aktuell bei Tchibo.

    Wir trinken ausschliesslich Original Espresso aus einer Bialetti (Vgl. Bild Marianne). Mehr Kaffee brauchen wir dann nicht und umweltfreundlich ist es zudem auch.

    Herzliche Grüße,
    Rosetta

  16. Ich mag deinen Blog, und ich mag das Leben – und das ist oft unsortiert. Danke für den ehrlichen, mutmachenden Text und die wie immer schönen Fotos!

  17. Salü!
    heitere Gelassenheit im Auge des Sturms, das würde mich blogmäßig sehr interessieren.

    Mein Brüderle hat so nen barista-kurs besucht und nutzt seither wieder Ommas alte Kaffeemühle mit Kurbel und Schublade drunter. Und dann so und so-viel grad heißes Wasser drauf und so ne kanne, wo man nach festgesetzter Zeit den Stab mit dem Sieb runterdrückt (ich weiß nicht, wie die heißt, trinke Tee).
    Wenig Müll, viel Leidenschaft.
    Er sagt, nicht die Maschine macht den Kaffee gut, sondern die Bohne.
    Klar, eigentlich.

  18. Hallo meine Lieblingsbloggerin
    Da vor den Weihnachten unser Auto einen Totalschaden erlitten hat (Auffahrtsunfall nur Blechschaden), seit dem 1. Advent abwechselnd immer eines von Fünf Familienmitglieder krank ist und unsere Geschirrspülmaschine 1 Woche auf den Servicemonteur wartete und nun noch mals eine Woche auf das Ersatzteil wartet,(die Hände sind schon ganz ausgetrocknet) habe ich es gerade erst jetzt geschafft meinen Lieblingsblog zu lesen.
    Was mich so fasziniert, wie oft ich in ähnlichen Situationen stecke wie du deinen Alltag gerade beschreibst. Das tröstet mich immer wieder.
    Danke so viel mal für deine Beiträge.

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz
    Gabriela

  19. Liebe Veronika,
    Wir sind auch sooo sehr zufrieden mit unserer Siebträgermaschine (ascaso). Milchschaum dazu und das Kaffeevergnügen ist perfekt, feiner als im Cafe und kein Müll. Man kann das Keffeetrinken sehr schön zelebrieren und doch hält sich der Aufwand in Grenzen.
    Danke fürs Bloggen zum Entrümpeln und zum Thema plastikfrei. Sehr gut!!! Thema Geld würde mich auch interessieren. Und Umgang mit Wut bei Kindern. Wie beruhigst Du Dich? Ich bin immer so nah dran an meinen Kindern (2 und 4) und sie fordern oft so unerbittlich. Wie kann man sich gut abgrenzen und das fair vermitteln?
    Dein Durcheinander der Gedanken tut mir grade gut. Das Leben ist doch so selten sortiert und gradeaus.

    Dankbare Grüße für Dein Schreiben
    Constanze

Kommentar verfassen