Familie, Renovierung

Ein besonderes Geschenk

img_4982_edited-1„Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkünde euch große Freude“, rief meine kleine nervöse Josefine an Heilig Abend in der Kirche. Als Engel verkleidet sprach sie die Worte aus, die ein Gegengewicht zur Angstmache in dieser Zeit sind. Fast schon eine Rebellion, sich nicht zu fürchten. Ich nahm tatsächlich ein wenig Trotz in Josefines Stimme wahr. Nicht umsonst ist sie scharfsinnige Opportunistin. Heiliger Trotz tritt den Zeitgeist in den Allerwertesten. img_4985_edited-1

Dem Krippenspiel und den Geschenkebergen  folgten ruhige Tage: Lesen, Spielen, Essen, Schlafen, Eislaufen und noch eine Runde Kartenspielen. Unsere Kinder sind jetzt alt genug, um mit ihnen vernünftige Spiele zu zocken. Unzählige Runden Malefiz, Elfer raus und Monopoly. img_6977img_6982_edited-1img_5004img_6985_edited-1img_5010

Nun stehe ich mal wieder vor der Entscheidung, welche altgedienten Spielsachen ich aussortiere, um den neuen Dingen Platz zu schaffen. Mich befällt ein schlechte Gewissen, dass unsere Kinder als privilegierte Wesen heranwachsen, die oft den Wert einer Sache nicht erkennen. Der Fluch unserer westlichen Welt ist unser Reichtum. Hm, schnell diesen unbequemen Gedanken zur Seite schieben und lieber noch eine Runde Monopoly zocken.

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Apropos Monopoly. Heute ging die größte finanzielle Transaktion unseres Lebens zu Ende. Wir haben ein Haus gekauft!! Es handelt sich genau um das Haus, welches wir im Februar besichtigt hatten, dann kaufen wollten und doch nicht bekommen hatten. Viele Verhandlungen, Verzögerungen und Verkomplizierungen später halten wir nun die Schlüssel in der Hand. Mit dünneren Nerven und graueren Haaren starten wir nächste Woche in die Renovierungsphase. Ich kann mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen, dass aus diesem brombeerumrankten 50er-Jahre-Häuschen jemals ein Zuhause für uns werden soll. Aber wir sind wild entschlossen, dieses traurige Haus mit Leben und Licht und Schönheit zu füllen. img_5028img_5030_edited-1

img_5018img_5020img_5017img_5015img_5014img_5027img_5023img_5022Wann der Umzug folgen wird? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass große Veränderungen bevorstehen. Und ich bin kein Fan von Veränderungen. Oder vielleicht doch? Sicherlich steckt mehr in mir, als ich zu diesem Zeitpunkt ahne….

So, jetzt stoßen Armin und ich auf unsere neue Immobilie an. Ich fass es nicht: wir sind Häusles-Besitzer. WIR! Haha!HAHAHA!!! (Panisches Lachen).

Und immer wenn die Panik aufsteigt, dann will ich mich an die Zuversicht des Engels erinnern: Fürchtet euch nicht….

Familie, Listen, Weihnachten

Warten aufs Christkind

Heute haben wir gefeiert, was das Zeug hielt. Vor acht Jahren sind wir am frühen Morgen, als die Sterne noch am Himmel standen, Eltern geworden.

Und heute früh, als der Nebel noch über Waldbach stand, hüpfte ein Geburtstagskind erwartungsfroh in unser Bett. Ihr lang ersehnter Tag war endlich angebrochen. Den Abend davor hatte ich noch ein paar Tränen vergossen und die musste ich erst noch abschütteln. Tränen der Sentimentalität und Unsicherheit darüber, in welche Welt meine Tochter hineinwächst.

Wir haben den Tag alleine als Familie verbracht. Es war einer dieser Tage, an den wir uns noch in Jahrzehnten erinnern werden. Es war einer dieser Tage, an dessen Ende man vor Müdigkeit glückselig grinsend aus den Latschen kippt.img_6941_edited-1img_6967_edited-1

Nach einem kurzen Schultag und Spagetti Bolognese gings zur Kletterhalle, wo unsere Kinder zwei Stunden lang die Wände hochgejagt wurden. Und dann ins Kaffee zu Tee und Torte. Wieder daheim wälzten wir Fotoalben, spielten mit den Geschenken und schauten Madita. Nun endlich ist Ruhe eingekehrt und ich hänge dem Tag in Gedanken nach. Acht Jahre bin ich nun Mutter. Heute früh sagte ich zu Armin: „Damals im Krankenhaus hab ich mir nicht vorstellen können was Mutterschaft eigentlich bedeutet.“ Soviel mehr als trendige Kinderwägen, Krabbelgruppe und Langzeitstillen. Soviel mehr! Mutterschaft hat mich komplett auseinander genommen und neu zusammen gesetzt. img_6973_edited-1img_6946img_4971_edited-1img_4959_grosimg_4946_edited-1      img_4932_edited-1

Jetzt richten wir uns innerlich aus auf die Tage, die vor uns liegen. Meine Kinder sind mittlerweile alt genug, um am 24. Dezember tagsüber zu maulen, zu jammern und sich zu Tode zu langweilen. Deshalb hab ich im Hinterkopf schon ein kleines Notprogramm aufgestellt, damit wir alle gechillt durch den Tag kommen.

Indoor:

  • TV glotzen: 3 Haselnüsse für Aschenbrödel, Der kleine Lord, Muppets Weihnachtsgeschichte..
    …..und unser Geheimtipp für alle großen und kleinen Playmobilfans: Familie Hauser (bitte unbedingt die Episode „Papa geht aufs Töpfchen“ ansehen!!)

Outdoor:

  • Ab in den Wald! Wir sammeln am 24. immer Moos, um damit unsere Krippe aufzupimpen. Im Wald fliegt bei uns das Christkind vorbei und lässt „aus Versehen“ einige Süßigkeiten fallen …..Überraschung 🙂
  • Wenn das Wetter passt: Austoben auf dem Spielplatzimg_6933_edited-1
Familie

Dornen

img_6783Heute bin ich mit einem Kater aufgewacht. Passiert mir immer nach Verzehr von zu vielen schlechten Nachrichten und doofen Facebook-Kommentaren am Vorabend. Beim Aufwachen tastet mein Bewusstsein tapsig nach seinem Erinnerungsvermögen, bis es in die Dornen der Realität greift. Autsch. Ich greife in eine ganze Welt aus Dornen. Und dann mach ich mir erstmal einen Kaffee. Ich höre die Stimme der Alten, der Weltschmerzromantiker: Früher war alles besser. 

Wirklich?

War die Welt früher dornenfreier? Gott sei Dank für Geschichtsbücher: Die Welt war schon immer ein Rattenloch (siehe 30jähriger Krieg). Die Welt war schon immer zerbrochen (siehe Dschingis Khan). Und zugleich war die Welt schon immer ein blühendes Wunder (schau aus dem Fenster).

Wenn ich aus dem Fenster unseres neuen Hauses sehe (dazu ein anderes Mal mehr!), dann sehe ich einen verträumten Park und einen Garten voller Brombeerranken.  Zu lange schon hält er seinen Dornröschenschlaf und wartet auf eine Prinzessin, die ihn wachküsst. Im Klartext: Ich muss Brombeerranken entfernen, um den Garten betretbar zu machen. Ich dachte lange Zeit, es würde genügen, die Ranken einfach abzuschneiden und zu verbrennen. Allein das ist schon mühevoll und schmerzhaft. Die Dornen beißen durch Handschuhe, klammern sich an Hosenbeine und sind ganz furchtbar störrisch. Auch Gift, das ich hin und wieder heimlich versprühe (pst, nicht verraten!), hilft kein bisschen. Die Dornen lachen mich aus. Nun habe ich gelesen, dass man die Ranken nur dauerhaft durch Ausgraben der Wurzeln besiegen kann. Das sei eine mühevolle Aufgabe. Der Spaten steht bereit, damit auf traurigem Brachland wieder Gemüse und Gras wachsen kann.

Dieses kleine Stück Land kann ich durch das Herausreißen der Dornenranken verändern. Aber was ist mit den Dornen, die Wunden in Herzen und Köpfe bohren? Die wuchernde Mauern zwischen den Menschen errichten? Die Körper zerfetzen?

Irgendwann und irgendwo im Garten Eden wucherten die ersten Dornenranken. Und seitdem wachsen sie weiter. Wir werden sie nicht entfernen können, weil ihre Wurzeln so alt wie die Menschheit, so alt wie unsere Rebellion sind.

Vor 2000 Jahren ist ein Junge geboren worden, der in einem der größten Konfliktherde der Welt groß wurde und mit knapp 33 Jahren eine Dornenkrone auf den Kopf gedrückt bekam. Damit ging er ans Kreuz, um für uns die Wurzeln des Bösen auszureißen. Weil wir selbst es nicht können.

In der Krippe liegt die Lösung. Am Kreuz hängt die Heilung. Und die Dornenkrone sagt uns: „Ich spüre den Schmerz jeden einzelnen Dorns.“

Die Sonne geht gerade über den Baumwipfeln auf. Die Katerstimmung bleibt noch eine Weile. Nachher stelle ich Gartengeräte bereit, mit denen ich mich an die Wurzeln der Brombeeren wage. Und dann suche ich noch ein bisschen Medizin zusammen, mit der ich Dornenwunden ein bisschen lindern kann.

 

Aufatmen im Advent, DIY, Einfache Adventszeit, Familie, Weihnachten

Dinge, die wir im Dezember lieben

…Geheimnisse. Zimmertüren, die sonst sperrangelweit offen stehen, bleiben verschlossen. „Komm bloß nicht rein“, ruft eine panische Amelie, wenn ich mich ihrem Zimmer nähere.

…Tee. Jeden Morgen mache ich Amelie eine große Thermoskanne voll Tee, den sie dann später in ihrer Klasse verdealt. Sie liebt Spekulatius-Tee, Schoko-Chai und Bergkräuter-Tee. Jeden Nachmittag, wenn um vier Uhr die Dämmerung einsetzt, machen wir eine weitere Tee-Stunde.

img_4889…Karten schreiben. Jedes Jahr am 1. Dezember behaupte ich laut: „Dieses Jahr geb ich mir keinen Weihnachtskarten-Stress!“ Spätestens zu Nikolaus habe ich einen Stapel Karten besorgt oder selbst bedruckt. Ich sitze am Esstisch, ganz altmodisch mit Adressbuch und Füllfederhalter, und verweile mit jeder Karte bei einer Person, die ich gern habe.

…Backen. Diese Woche hab ich einen großen Brotbacktag eingeschoben und ein paar Laibe Sauerteigbrot für die Feiertage eingefroren. Eine letzte Fuhre schlesische Pfefferkuchen haben heute die Kinder alleine gebacken. Ich staune….sind sie wirklich schon so groß, dass ich kaffeetrinkend und zeitungslesend daneben sitzen kann und keinen Finger rühren muss (bis aufs Aufräumen natürlich)??

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…Kürbis, Kohl, Bohnen, Wurzelgemüse – am liebsten alles zusammen in Eintöpfen. Das wärmt von innen heraus und „erdet“ mich.

…Das Buch „Hannah Coulter“ von Wendell Berry, das wir für unseren Book-Club lesen. Ich habe es im Sommer für mich entdeckt und lese es jetzt begeistert und heulend zum zweiten Mal.

…Pläne machen fürs neue Jahr. Gute Pläne. Große Pläne.

…Geburtstagspläne schmieden und Einladungen schreiben und von Geschenken träumen. img_4886

…Heimliche Näh-Sessions am Abend. Amelie wünscht sich neue Leggins. Mit diesem Schnittmuster geht das ratz-fatz und die Leggins sitzen wie angegossen.

…Gemeinsam in alten Fotoalben blättern.

…bei Frost durch den Wald joggen.

…Geschenkpapier bestempeln. Das hält meine gelangweilte Josefine auf Trab. img_4904

…Vorfreude auf gemeinsame Zeit mit Schwiegereltern, Eltern und Geschwistern.

…Üben fürs Krippenspiel – und dabei die Aufregung der Kinder beobachten.

…Die Lichterketten IM Haus. Wir haben uns dieses Jahr gefragt, warum wir eigentlich Lichterketten außen anbringen, wo wir sie gar nicht sehen. Ja, warum eigentlich?? Also haben wir sie innen aufgehängt. Mein Favorit: Lichterkette im Schlafzimmer.

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Und was liebt ihr im Dezember?

 

Body Image

Ungöttlich

img_6802_edited-1Ich habe mich verirrt. Ich habe vergessen mich selbst zu lieben. Das Alter und mein Spiegelbild sind über mich hinweg geschwappt. Und nun steh ich wieder da in meinen Leggins, weil mir keine andere Hose mehr passt. Ich habe vergessen, wie es funktioniert, mich selbst zu lieben.

Ich stehe vor dem Spiegel und befehle mir: Los, du musst dich jetzt selbst mögen! Kleine Psycho-Tricks, kleine Streicheleien für die Seele. Sie können aber nicht die falschen Botschaften wegstreicheln, die mich ein Leben lang verformt haben.

Vor 20 Jahren stand ich genauso wie heute vor dem Spiegel und befahl mir: Los, du musst dich jetzt selbst mögen! Hat genauso wenig funktioniert wie heute. Damals hatte ich eine Bombenfigur und die Bauarbeiter haben mir noch nachgepfiffen.

Es ist keine Frage des Gewichts, keine Fragen der „richtigen“ Maße. 

Es ist die Frage, warum ich den Lügen glaube.

Warum glauben wir, dass wir nicht altern, nicht zunehmen, nicht faltenfrei bleiben dürfen? Warum glauben wir, dass wir alles meistern können, immer erreichbar sein müssen? Warum glaube ich, dass ich meine eigene One-Woman-Show sein muss? Und wenn mein Körper mir anzeigt, dass ich das alles nicht bin, dann schäme ich mich seinetwegen.

Ich lehne meinen Körper nicht ab für das was er ist, sondern für das, was er nicht ist. Nicht perfekt. Nicht gott (Göttinnen?)-gleich. Er ist begrenzt. 

Hier kommt mein Stolz ins Spiel, der mich glauben lässt, ich könne gottgleich sein. Alter böser Trick seit Garten Eden, für ewig eingeimpft in die menschliche Seele.

Und anstatt meinen Stolz abzulegen, will ich meinen Körper ablegen.

Solange ich im Panzer des Stolzes stecke, kann kein Psycho-Trick, keine neue Ernährungsweise, kein neues Outfit mir helfen.

Das Gegenteil von Stolz ist Demut. Dieses altertümliche Wort hat mir immer kalte Schauer über den Rücken gejagt. Dieses Wort fällt mir unfassbar schwer. Aber ich lerne in letzter Zeit, dass Demut lediglich das Verstehen meint, wer Gott ist und wer ich bin. Ich war nie dazu geschaffen, Gott zu spielen und damit perfekt zu sein. Ich war nie dazu geschaffen, mich von falschen Botschaften verzerren und verformen zu lassen.

Es ist Gottes Job, perfekt zu sein. Nicht meiner.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto befreiender ist dieser Gedanke. Es ist nicht mein Job perfekt zu sein. Es ist mein Job zu akzeptieren, dass ich nicht dazu geschaffen wurde, göttlich zu sein. Sondern durch und durch Mensch an einem Platz, wo ich mit meinen Gaben, mit meiner Körperlichkeit richtig bin.

Es ist immer wieder ein innerer Kampf gegen meine alten Dämonen. Ich weiß nicht, ob ich ihn je gewinnen werde. Aber mein einziger Job, den ich heute erledigen will, ist loszulassen. Um wenigstens heute in ungenierter Freiheit ganz ich selbst, in meiner ganzen Menschlichkeit zu sein.

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Familie, Weihnachten

Zurück

Ich habe diese Woche gegen mich gekämpft. Und auch ein bisschen viel gejammert. Wie voll doch diese Adventswochen sind und wie sehr ich nächstes Jahr alles anders machen werde!

So wie gestern – ja, so wie gestern sollte unsere Adventszeit sein. Ein häusliches Idyll. Keine Termine, keine Playdates.  Wir drei haben den ganzen Nachmittag vor uns hingepuzzelt. Amelie machte Marzipankartoffeln, Josefine schnippelte Fenstersterne, ich nähte ein paar Geschenke. Zwischendrin Wutanfälle, Geschwisterstreitigkeiten, Schoko-Fressattacken. In der Luft lagen Geheimnisse, Vorfreude und das Glück darüber, andere beschenken zu dürfen. Wir hangeln uns durch diese Zeit, von kleinem Idyll zu kleinem Idyll – und dazwischen passiert halt das andere Leben, das auch zu uns gehört: Termine, Besuche, Hausaufgaben, Putzen, Taxifahrten, Erziehungsarbeit.

Wenn ich nicht aktiv Platz schaffe für solche Nachmittage ohne Konsum, ohne Hetze, ohne Playdates, dann werden wir überrannt. Ich stemme mich mit aller Kraft gegen den Weihnachtswahnsinn und lasse daheim Ruhe einkehren. Denn nur in dieser Ruhe finden wir zurück nach Hause. Zurück zu uns. Zurück zur echten Weihnacht.

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Familie, Gedanken, Glaube

Medizin

img_6799_edited-1Die Katzen miauen. Ich hatte es gestern nacht nicht übers Herz gebracht, sie auszusperren und in der Kälte schlafen zu lassen. Kurz öffne ich die Terrassentür, um Vogelfutter aufzufüllen. Der Frost schenkt mir eine eisige Umarmung.

img_6770_edited-1 Ich muss Amelie ein paar mal wecken, sie hat sich bis zur Nasenspitze in ihre Decke vergraben. Sie hustet, schnieft und dreht sich zur Wand. Ich mache ihr eine Tasse Tee mit Honig. War sie gestern schon krank? Ich überlege, welche Medizin ich noch im Haus habe und schaue in unserem Heile-Segen- Korb nach, den ich neben dem Drucker geparkt habe. Der Korb beinhaltet alles, was man auf die Schnelle braucht, um ein Wehwehchen zu lindern: Salbei-Bonbons, Pflaster, Dinkelkissen, Engelwurzbalsam, Thymian-Myrte-Balsam, Wärmflaschen, Ringelblumensalbe, ein Segensgebet.

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Alles da. Gut.

Wie schön wäre es, wenn ich gegen die großen schwärenden Wunden der Welt auch die passende Medizin aus einem Heile-Segen-Korb zaubern könnte. Eine Medizin für verwundete Seelen, ausgepowerte Kämpfer, sterbende Kinder, ausgebeutete Frauen, ausweglose Situationen. Ich denke an Aleppo, Standing Rock und Jemen. Ich denke an kranke Freunde, depressive Bekannte, Scheidungsopfer in meinem Umfeld

Ich habe nicht viel in meinem Korb. Aber das, was ich darin finde, will ich heute mit vollen Händen austeilen: Meine Worte. Eine Karte für eine Freundin. Ein Gebet für Aleppo. Einen kleinen Nikolausstiefel für mein syrisches Kind. Heiße Suppe für meine Familie. Frischgestrickte Stulpen für mein frierendes Kind. Zeit für meine Kinder und Freunde.

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Wir werden die großen Wunden der Welt nie vollständig heilen können. Denn die Arznei dafür hat ein Anderer. Aber wir alle haben ein bisschen Medizin, die wir heute im Kleinen weitergeben können. Welche ist deine? Und welche brauchst du vielleicht gerade selber?

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Familie, Listen, Weihnachten

10 Wege, wie du dir den Advent versaust

img_6704Ich hab hier schon oft über unsere Adventszeit geschrieben. So oft, dass ich befürchte, ich nerve euch ganz gehörig mit dem Thema. Aber da ich hier in erster Linie für mich selbst schreibe, muss ich jedes Jahr mit mir schimpfen, da ich immer in die gleichen Advents-Fallen trete. Ich leide unter adventlicher Lernresistenz. Heute – ganz alleine für mich (und dich??) – meine 10 Wege, wie ich mir am besten den Advent versauen kann.

  1. Verplane den Advent
    Mann!!! Jedes Jahr tappe ich in diese Falle. Immer vergesse ich, dass es zu wenig Adventszeit für zuviele Weihnachtsfeiern und -märkte und -events gibt. Und ich sag auch noch zu allem Ja! Wenn ich unseren Kalender anschaue, wird mir schlecht. Kaum Platz für das, was mir wirklich wichtig ist: Zeit mit Familie und Freunden. Eine Bitte an alle Vereine dort draußen: Schafft eure Weihnachtsfeiern ab. Ich weiß, ihr meint es gut – aber damit stehlt ihr Familien das bisschen Zeit, die so unendlich wertvoll ist.


  2. Schau, was die Nachbarin macht
    Die Nachbarin hat schon die Beleuchtung angebracht? Und die Deko? Plätzchen gebacken? Für jedes Familienmitglied einen Adventskalender gebastelt? Das ist die beste Art, um mir noch mehr Druck zu machen. Wir sind immer die letzten, die ihre Beleuchtung aufhängen. Mitte Dezember sozusagen. Manchmal hab ich ein schlechtes Gewissen. Bescheuert, oder?img_6754
  3. Achte darauf, dass jede Minute adventlich verbracht wird
    Die Kerzen müssen brennen, der Plätzchenteller muss auf dem Tisch stehen, wir musizieren gemeinsam und lesen uns Geschichten vor. Unser aller Bullerbü-Ideal-Vorstellung. Aber wir leben in einer realen Welt mit ihrem ganz normalen Alltag. Den dürfen wir annehmen, ohne Angst zu haben, wir könnten die adventlichen Momente verpassen. Die sind auch mal da, aber nicht ständig. Machen wir uns mal locker….


  4. Habe hohe Erwartungen an deine Familie
    Muss ich nicht viel zu schreiben, oder? Eine meiner Lieblingsfallen, mit der ich meine Kinder und meinen Mann ordentlich stressen kann. Bekomm ich genau die Geschenke, die ich mir gewünscht habe? Sind auch alle ordentlich angezogen und popeln in der Kirche nicht in der Nase? Haben die Kinder den Text fürs Krippenspiel gut gelernt? Steht der Christbaum rechtzeitig? Sind alle gut gelaunt und frisch gewaschen? Wird auch niemand am Heilig Abend krank (so wie jedes Jahr)?

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  5. Sei die dauergestresste Back-Bastel-Mama
    Pinterest und Vorzeigeblogs können schöne Inspirationsquellen sein. Aber ich muss realistisch bleiben. Ich mach mir nicht den Stress, ihnen nachzueifern. Steh ich wirklich sooooo auf Basteln und Backen? Manchmal ja. Manchmal überhaupt nicht. Dieses Jahr hab ich zum Beispiel noch keine Plätzchen und Lebkuchen gebacken. Wir sind eh so überfüttert, dass wir im Moment noch gar nichts brauchen. Gebastelt haben wir auch noch nichts. Machen wir vielleicht noch, vielleicht auch nicht.


  6. Halte Traditionen auf Biegen und Brechen aufrecht
    „Das machen wir jedes Jahr so!“ Manche Traditionen waren eine Zeit lang schön, aber können auf Dauer zur Last werden. Weil sie nicht mehr zu uns passen. Deshalb sollten wir sie von Zeit zu Zeit überprüfen. Wir sind zum Beispiel jahrelang supergern auf Weihnachtsmärkte gegangen. Aber wir können heute dem Gedränge und Konsum wenig abgewinnen. Lieber gehen wir in den Wald oder bleiben daheim. img_7301klein
  7. Gehe in große Kaufhäuser und shoppe bis die Kreditkarte glüht
    Kaufhäuser machen mich krank mit ihrer Reizüberflutung. Mir gehts nach einem Rundgang durch die Konsumtempel körperlich ganz elend. Ich mag auch immer weniger die großen Konzerne mit meinem hart verdienten Geld unterstützen. Lieber gehe ich in kleine Läden vor Ort. Oder ins Internet – ganz bequem auf meiner Couch.


  8. Verschenke irgendwas
    Hauptsache, ich habe ein Geschenk für xy! Egal was. Eigentlich suche ich total gerne Geschenke aus – aber es kann zur Belastung werden, wenn es nur noch darum geht, „dass man sich halt was schenkt“. Mich stresst es, wenn ich massig Geschenke bekomme – zuviel Kram belastet mich enorm.Da muss man offene Worte finden und neu evaluieren: Müssen wir uns Kram schenken, den keiner braucht? Wollen wir aufs Schenken ganz verzichten? Kleinere Geschenke machen? Zeit statt Zeug schenken (mein persönlicher Favorit)?

    Armin und ich habe beschlossen, uns dieses Jahr gegenseitig nichts zu schenken und dafür lieber nächstes Jahr ein Wochenende in Lissabon zu verbringen.


  9. Mache es jedem unbedingt recht
    Sag ja zu allen Terminen. Sag ja zu allen Besuchsanfragen. Sag ja zu allen Mithelf-Aktionen. Sag ja zu allen Wünschen deiner Familie. Das ist der Sargnagel zu deiner Adventszeit.


  10. Verliere den Sinn von Advent aus den Augen
    Wir Menschen machen einen Heidenlärm, ein Konsumtheater, eine Mords-Show um den Advent. Weil wir nie etwas so schlicht und still belassen können, wie es eigentlich ursprünglich war. Unsere Falle ist Höherweiterbesser. Daran scheitert die Menschheit immer und immer wieder.Wir wäre es mit einer Revolution der Stille, indem wir den Fallen ausweichen und nicht jeden Zirkus mitmachen? Ich werde sicher immer wieder rückfällig. Aber dann will ich mich aufrappeln, Termine absagen, meine Familie um mich versammeln und den feiern, der in diese kaputte Welt gekommen ist, um uns aus dem ganzen Theater zu befreien.

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