Bilder, Weihnachten

Wochenend-Impressionen

Ich bin gerade mitten in Josefines Geburtstags-Sandwich: Gestern mit der Familie gefeiert – morgen steht Kindergeburtstag an (wünscht mir Glück…). Habe heute Koffer und Kisten vom Wochenende ausgepackt. Und gleichzeitig schon für morgen Vorbereitungen getroffen.

Ach, und dann muss ich auch noch ein bisserl in Adventsmarkt-Erinnerungen schwelgen. Mit Holterdipolter sind wir in die Adventszeit gestolpert…Wie jedes Jahr fühle ich mich so überhaupt nicht vorbereitet und gleichzeitig völlig überfordert. Aber dazu das nächste Mal mehr. Jetzt muss ich nämlich unbedingt die neuen Gilmore-Girls-Folgen auf Netflix glotzen und dieses Event so richtig abfeiern!!

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Dankbarkeit, Familie, Freundschaften, Listen

Friends-Giving

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Hatte ich wirklich in meine stressigste Woche des Jahres ein Friends-Giving gelegt? Hab ich nicht mehr alle Nadeln auf der Tanne? Diese Frage streifte gestern Morgen mein gehetztes Bewusstsein. Aber ich brauchte nur ein paar kleine Anpassungen, um alles mit gesundem Verstand unter einen Hut zu bekommen. Keine große Tafel, kein Mega-Truthahn mit tausend Beilagen, keine stylische Deko. Ich machte mein bewährtes White Chicken Chili, das nur eine Viertelstunde Vorbereitung braucht. Statt Huhn verwendete ich Pute. Eine Freundin steuerte Salat und Dessert bei.

Als ich dann mit Mann und Freunden um den Tisch saß, war ich heilfroh, dass ich meinen Plan durchgezogen hatte. Friends-Giving. Thanks-Giving. Freunde um unseren Esstisch, gute Gespräche, Lachen, Erzählen. Ich habe soviel Grund zur Dankbarkeit. Gerade in meiner allerstressigsten Woche. Wir zählten unsere Dankbarkeiten wie kostbare Geldstücke. Dann schrieben wir sie auf ausgeschnittene Blätter und hängten sie an Kirschzweige. Heute früh, als ich mich müde ins Esszimmer schleppte, begrüßte mich unser „Dankbarkeits-Baum“, als wollte er mir sagen: „Zähl jeden Morgen deine Dankbarkeiten und starte erst dann in den Tag.“

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Hier sitze ich nun mit einem fetten Lächeln und einem dicken Ranzen und zähle weiter:

  • Danke für gute Bücher und Zeitschriften und mein Strickzeug
  • Danke für gesunde Eltern
  • Danke für meine Schwestern und Brüder
  • Danke für die große bunte Familie Gottes, die mich so oft in den Wahnsinn treibt. Aber ohne die ich nicht kann. (Wie die echte Familie halt…)
  • Danke für einen gefüllten Kühlschrank (Chili und Orangencreme gefällig??)
  • Danke für meine Freiheit als Frau und Gläubige und Querdenkerin
  • Danke für die Möglichkeit, mich in Bildern und Worten auszudrücken
  • Danke für diesen Ort im Internet
  • Danke für meinen gesunden Körper
  • Danke für zwei Kinder, die demnächst schon wieder ein Jahr älter werden
  • Danke für Lehrer und Erzieher und Schulen und Kindergärten
  • Danke für meinen Mann, der mich immer unterstützt
  • Danke für unseren perversen Wohlstand
  • Danke für unser politisches System (nein, nicht perfekt), das uns ein Leben in Freiheit und Wohlstand und Sicherheit bietet

PS: Wer am kommenden Samstag, den 26. November in Franken unterwegs ist, sollte einen Abstecher zum Adventsmarkt auf dem Hof meiner Eltern machen. Ich bin dort mit einem Schoko-/Bücherstand vertreten und freu mich über zahlreichen Besuch 🙂

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PPS: Einige fragten nach dem Rezept für mein Knuspermüsli. Das findet ihr hier

Familie

Sorglose Woche

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Eigentlich dürfte ich gar nicht hier sitzen und bloggen. Vor mir liegt nämlich die vollste Woche des Jahres. Ich müsste schon längst in der einen Hand die Klobürste schwingen und in der anderen Hand Kindergeburtstags-Einladungen. Aber hey, ich erteile mir selbst Erlaubnis, diese Woche mit etwas zu beginnen, das ich liebe: Bilder und Worte.

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Ich sage meinem inneren Antreiber, er soll die Klappe halten. Diese Woche will ich mit offenen Augen und offenem Herzen durch jeden Tag gehen. Besonders WEIL soviel zu tun ist. Und ich möchte „sorglos“ leben. Ich erwarte, dass alles von Gott kommt. Und wenig von mir. Diese Woche mache ich mir keine Gedanken über meine Falten, über meine Oberschenkel, über meine Cellulite. Stattdessen will ich Freude an diesem Leben haben. Diese  Woche will ich nicht mit zusammen gebissenen Zähnen meiner To-Do-Liste hinterher hetzen. Sondern sorglos Dinge weglassen, wenn ich abends nicht alles geschafft habe.

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img_6481img_6480Diese Woche steht ganz im Zeichen von Kreativität und Gastfreundschaft. Wir bereiten uns auf den alljährlichen Adventsmarkt auf dem Gutshof meiner Eltern vor. Ich habe schon hier und hier und hier davon berichtet. Am Mittwoch gibts in unserem kleinen Esszimmer ein „Friendsgiving“ (Thanksgiving mit Freunden statt mit Familie). Dann stehen noch Bücherei, Vorlesestunde mit meinem syrischen Jungen, Backen und Kindergeburtstags-Vorbereitungen an. Ach ja, und eine Mütze für Amelie will ich zwischendurch auch noch fertig stricken.

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Ich wünsche dir ebenfalls eine „sorglose“ Woche, was auch immer bei dir ansteht.

„Look at the ravens, free and unfettered, not tied down to a job description, carefree in the care of God. And you count far more.“ 

Lukas 12, 24 (The Message)

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Gedanken

Labyrinth

Draußen weht warmer Novemberwind. Ich bin gerade mit nassen Haaren Fahrrad gefahren. Und ich hab keinen Plan, was ich heute zu Mittag kochen soll. Living on the Hausfrauen-Edge! Ich mach mir erstmal eine Tasse Kaffee. So, hier bin ich.

Ich überlege seit fünf Minuten, was ich schreiben soll. Meine Gedanken irren orientierungslos durch dunkle Labyrinthe, tasten mal hierhin und dorthin. Und kommen nirgendwo an. Ich weiß nur, dass ich schreiben will. Muss.

Ich spüre, dass vieles in mir im Umbruch ist. Und das ist vielleicht tatsächlich wie ein Gang durch ein Labyrinth. Ich muss erstmal in einigen Sackgassen an Grenzen kommen, bevor ich den Ausgang finde. Meine Kinder lieben Labyrinthe. Völlig furchtlos nehmen sie neugierig jeden Weg und lachen, wenn sie an Wände stoßen. Sie lieben den Prozess, das Ergebnis ist letzten Endes zweitrangig.

Und ich? Ich will sofort die Lösung. Sofort ans Licht. Ohne schmerzhaft lange Umwege. Aber Schmerz und Angst sind Teil des Lebengesamtpakets. Da müssen wir immer wieder durch auf dem Weg zu Heilung und Veränderung.

Ich weiß, was ich hinter mir lassen will, wenn ich mein eigenes Labyrinth betrete:

Frommen Dogmatismus. Das hohle Nachplappern von Phrasen, hinter denen ich nicht mehr stehen kann. Schubladendenken. Ein starres Gottes- und Menschenbild. Meine Mauern.

Wenn ich das Alte ablege, weiß ich nicht, was an seine Stelle tritt. Ich taste und spüre und gehe sehr wacklige Schritte. Ich habe mich lange Zeit von der Meinung anderer leiten lassen. Von ihrer Reaktion auf mich. Von der Angst vor meiner eigenen Wahrheit. Das Labyrinth zu betreten, bedeutet, dass ich anfangen muss, meinen Gefühlen zu trauen.

Die hatte ich nämlich lange in einen gepanzerten Giftschrank gesperrt.

Ich fühle mich unwohl unter diesen Menschen? Tja, das liegt ja dann wohl an dir. Streng dich mehr an. Du musst sie doch LIEBEN! 

Ich fühle mich in eine Ecke gedrängt und nicht ernst genommen? Du bist aber auch mal wieder viel zu empfindlich. 

Ich fühle, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt? Sprich es bloß nicht an, sonst wird’s kompliziert.  

Ich fühle, dass mein Leben zu schwer geworden ist? Mach einfach eine Liste und dann gehts schon wieder. 

Ich fühle einen unausgesprochenen Konflikt? Ignoriere ihn einfach, dann geht er schon von selbst wieder weg. 

Sperre ich meine Gefühle in den Giftschrank, erleiden meine Beziehungen Schaden, erleidet mein Glaube Schaden, erleide ich selber Schaden.

Die kluge Anne Frank schreibt dazu:

„Aber Gefühle können nicht ignoriert werden, so ungerecht und unangenehm sie auch scheinen mögen.“

Ich muss meine Gefühle nicht überbewerten und als unumstößliche Wahrheit sehen. Das wäre unreif. Vielmehr sind sie Wegweiser und Warner. Gefühle sind Teil meiner Sinne, um nicht völlig blind durchs Lebenslabyrinth zu stolpern. Sie geben immer eine Richtung an.

Und meine Richtung heißt gerade: Mündigkeit. Erwachsenwerden. Liebe zulassen.

Nun sitze ich immer noch hier. Der Kaffee ist kalt geworden und ich nicke bestätigend. Das hört sich alles gut an. Aber ich stehe immer noch am Eingang meines Labyrinths und traue mich nur sehr zögernd hinein. Was lasse ich hinter mir? Was kommt als nächstes?

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Familie, Schreiben

„Ein Abenteuer“ für ein Stück Regenwald

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Als ich acht Jahre alt war, wollte ich den Regenwald retten. Und die Yanomami-Indianer. Ich zwang meine Familie zum Wassersparen und später zum Vegetarismus. Ich sammelte mit meinen Jungscharkindern Müll (die Armen…) und freute mich stillheimlich über den Einzug der Grünen in den Bundestag. Offen durfte ich das nicht zugeben im tiefschwarzen Bayern.

Ich glaube, ich war von Geburt an Idealist, genährt von der Vollkorn- und Selbstversorgermentalität meiner Eltern. Und nun beobachte ich ähnliche Tendenzen bei meinen Kindern. Sie sind soviel pragmatischer als ich. Erkennen sie eine Not, dann handeln sie. Punkt.
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Das ganze Wochenende lang brütete Amelie eine Geschichte aus. Sonntagnachmittag kam die Story zu Papier und die Mädchen illustrierten wie wild. Das Ergebnis ist eine Buch, das von einem bösen Bauern, einer Bärenhöhle und natürlich dem Regenwald handelt. Das Ende vermittelt eine leicht fragwürdige Botschaft – aber hey!  – ich liebe Geschichten, die schräg ausgehen.

Dann baten mich meine Töchter, ob ich ihr Werk auf meinem Blog verkaufen könnte. „Und von dem Geld kaufen wir ein Stück Regenwald. Das gehört dann uns und niemand darf es abholzen!“

Wenn ihr mithelft – das würde uns bombastisch freuen!

Wir bieten euch das pippilangstrumpfeske, 4-seitige Buch „Ein Abenteuer“ gegen eine kleine Spende an.

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Wer Interesse hat, darf mich über info@lebensnah-fotografie.de kontaktieren. Dann können wir Adresse und Bankverbindung austauschen.

Manchmal braucht es nicht viel, um etwas zu bewegen. Eine Idee, ein Stift, Worte und Bilder….Ich verkopfte Erwachsene kann soviel von meinen Kindern lernen.

 

 

 

Bücher, DIY, Ernährung, Familie, Freundschaften, Gedanken, Listen, Nähen, Schreiben, USA

10 Dinge

Eine aufwühlende Woche liegt hinter mir. Das unerwartete Wahlergebnis in den USA. Die damit verknüpfte Sinnkrise („Wenn so viele Evangelikale Trump gewählt haben, bin ich ab jetzt nicht mehr evangelikal!“). Dann hat sich auch noch mein liebster Leonard Cohen verabschiedet. Meine Stimmung war trüb und ich fühlte mich zutiefst verwirrt. Wem fühle ich mich zugehörig, wenn ich die christliche Welt nicht mehr verstehe? Und wer macht heute noch gute Musik?

Ich ließ mich einige Tage brodeln und wüten und trauern und eine Menge schwieriger Fragen stellen. Antworten habe ich keine. Aber 10 Dinge, die mir und uns in den letzten Tagen geholfen haben, den Fokus auf das zu lenken, was wir tatsächlich in der Hand haben. img_4841_edited-11. Gemeinschaft mit Menschen, die mir gut tun. Auch wenn ich dafür eine Autofahrt bei Sturzfluten auf mich nehme. Ich frühstückte mit Christina bei IKEA (unsere Tradition), sprach mit ihr übers Bücherschreiben, über Trump, unsere Kinder. Und dann kauften wir tatsächlich nur die Dinge ein, die auf unserem Einkaufszettel standen. Erfolg auf ganzer Linie.

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Ist er nicht herzallerliebst, unser neuer IKEA-Lampenschirm? Ein bisschen wie Urgroßmutter Schlüpfer, nicht wahr?

 

2. Knusper-Müsli backen. Meine Kinder und ich fressen das Zeug schneller weg, als ich Chia-Samen sagen kann. Es tut gut, die Kontrolle darüber zu haben, was und wie wir essen. img_4859

3. Mit meinen Händen arbeiten. Ich – die weltschlechteste Strickerin – stricke, was das Zeug hält. Meine Nadeln klappern wie ein frierender Yeti im Himalaya. Jetzt sind Stulpen für Amelie an der Reihe. Ihr wird immer so schnell an den Beinen kalt .
Wir stehen kurz vor dem alljährlichen Geburtstags-Adventsmarkt-Weihnachts-Marathon. Da hab ich natürlich nichts Besseres zu tun, als Igel-Täschchen für kleine Geburtstagsgäste zu nähen. Die Idee ist meinem Plastikvermeidungs-Wahn entsprungen (ein Blog-Beitrag zu dem Thema hau ich euch demnächst um die Ohren). Ich bin ja völlig bekloppt. Aber ganz ehrlich? Ich liebe solche kleinen Sinnlos-Projekte.

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4. Bewusst Atmen. Meinem Körper Raum geben. Nickerchen machen. Eine Runde Yoga mit  Adriene (meiner neuen „besten Freundin“ aus Austin, USA).

IMG_4846.jpg5. Amelies Freundin braucht bei jedem Besuch eine Ladung Waffeln mit Apfelgelee. Dann sitzen die Mädchen um den Tisch, kichern, essen und machen Pläne für den Rest des Nachmittags. Und ich steh in der Küche, lausche neugierig und freue mich so sehr über ihre Freundschaft und das Leben rund um unseren Tisch.

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6. Ich lese mit wachsender Neugier „Hochsensible Mütter“ von Brigitte Schorr. Früher hätte ich mich über diese Mode-Diagnose ein wenig lustig gemacht. Aber seitdem mir eine Therapeutin den Hinweis gab, dass ich seelisch in genau diesem Bereich angesiedelt bin, lerne ich mich zum ersten Mal richtig kennen. Und durch das Buch nochmal viel mehr. Ich fühle mich, als würde jemand einen 100-Liter-Eimer Heilung über mir auskippen.

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7. Jeden Tag ins Freie. Bei jedem Wetter, dick eingepackt in Wollschals und Gummistiefel. Und wenn es nur fünf Minuten sind. Dabei die Augen offen halten für subtile November-Schönheiten.
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8. Gemeinsam Gemüsesuppe kochen. Erinnert mich an lang vergangene Jugendfreizeiten, wenn gemeinsam gekocht wurde. Das birgt ein sehr heimeliges, verbindendes Element in sich. Und eine Suppe auf dem Herd ist wie ein kleiner Tröster, bei dem man sich jederzeit an einem kalten Tag Nachschlag holen kann. img_4861

9. Freundlichkeit wie Konfetti in die Luft schmeißen. Beide Mädchen habe ein Paket für Weihnachten im Schuhkarton gepackt. Und dann gefühlte 89 Mal umgepackt. Die Begeisterung hielt mehrere Tage lang an. „Mama, ich stell mir gerade den Jungen vor, wenn er mein Päckchen aufmacht!“. 
Seit letzter Woche stehe ich jeden Dienstag etwas früher auf, um mich in der Schule mit einem syrischen Jungen zu treffen. Gemeinsam lesen wir Bücher und spielen Spiele. Ich radebreche ein paar arabische Wörter und er lacht sich halbtot über meinen fürchterlichen Akzent. Nach 45 Minuten geht er dann in seinen regulären Unterricht und ich wieder nach Hause. Es ist nichts Sensationelles passiert, außer dass wir kleine Brücken bauen. Von einer Sprache zur anderen. img_4856

10. Im Rahmen unserer Möglichkeiten (kre-)aktiv werden. Zuerst mochte Amelie nur eine Geschichte schreiben. Dann wollte Josefine die Bilder dazu beisteuern. Und dann ein Buch daraus binden. Heute Morgen meinte Amelie, sie wolle das Buch übers Internet verkaufen. Dann kam uns die Idee, dass sie vom Erlös ein Stück Regenwald kaufen könnte. Denn das Stück spielt am Amazonas. Obwohl ich müde war, half ich den begeisterten Mädchen bei ihrem Projekt. Und kurz vor dem Abendessen war der Prototyp des Kinderbuchs „Ein Abenteuer“ fertig. Mehr zu der Aktion (mit Kaufmöglichkeit) in Kürze!

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Gedanken

Ich geb meinen Senf dazu

Meine Kinder toben durch den Flur und ich versuche mein kleines Mittagsschläfchen zu halten. Normalerweise gelingt mir das – auch mit Kinderlärm als Soundtrack. Ohropax rein, Decke über den Kopf und für eine Viertelstunde ab ins Reich der Träume.

Aber heute habe ich keine Chance. In meinem Kopf verfasse ich zehn verschiedene Fassungen eines wütenden Blogeintrags. Ich habe einen steifen Nacken, weil ich seit dem Morgen mit fassungslosem Kopfschütteln beschäftigt bin. Ein orangefarbener Clown ist Präsident der USA. Seufzend popele ich das Ohropax aus meinem Gehörgang und schlichte einen Geschwisterstreit. „Jaja, Friede fängt in den eigenen vier Wänden an…“ denke ich frustriert. Dann beschließe ich, keinen Blogeintrag zu schreiben. Ich habe Worte satt. Zuviele davon sind mir heute schon um die Ohren geflogen. In Facebook-Diskussionen (ganz schlimm: idea). Im Fernsehen. In regen Selbstgesprächen.

Und dann…ach jetzt hacke ich doch auf der Tastatur rum, weil ich natürlich meinen Mund nicht halten kann. Nun geb ich meinen Senf einfach noch obendrauf.

Trump ist demokratisch gewählter Präsident. Der Wille des Volkes. Das müssen wir akzeptieren und wenn uns die Zähne vor lauter Zähneknirschen zerspringen. Fluch und Segen der Demokratie. Es ändert nichts, sich darüber zu mokieren. Oder sich über die Tatsache aufzuregen, dass 80% der evangelikalen amerikanischen Christen für ihn gestimmt haben.
An der Spitze der USA steht nun ein populistischer, sexistischer, machtgeiler, rassistischer, islamophober Mann, der das Land zutiefst gespalten hat. Ich wünsche ihm aber aus tiefstem Herzen, dass er gute Berater an die Seite bekommt. Ich bete, dass er zur Vernunft kommt und mit einem Mindestmaß an Weisheit regiert. Ich wünsche ihm nichts Schlechtes. Würde ich ihm Versagen wünschen, dann nur aus dem Grund, damit ich mich bestätigt fühle. Und das wäre kindisch.

Überall blühen neuerdings Nährböden für große Demagogen. Das macht mir Angst. Aber ich will mich nicht von Angst, sondern von Hoffnung leiten lassen.

Aus Abgrenzung und Hass – egal von welcher Seite – sind noch niemals Segen und Heilung gewachsen. Im Gegenteil: sie sind Nährböden für die großen zerstörerischen Demagogen unserer Zeit. Petry. Putin. Erdogan. Marine Le Pen. Trump.

Ich will mich mehr denn je trotzig am heiligen Dreiergestirn festhalten: Glaube, Liebe, Hoffnung. Ich will mehr denn je lernen zuzuhören. Ich will mehr denn je das Verbindende zwischen den Völkern, zwischen den Religionen, zwischen mir und dir suchen. Ich will mehr denn je beten. Ich will mehr denn je meine Tür weit öffnen. Ich will mehr denn je dieses eine kostbare Leben feiern. Ich will mehr denn je meinen Mund aufmachen.

Wenn der Wind uns hart entgegenbläst, dann lasst uns geschützte Feuerstellen bauen, an denen wir uns gemeinsam wärmen. Auch wenn ich als hoffnungsloser, lächerlicher Idealist dastehe (und das tu ich gerne!): Ich möchte alles tun, damit diese Welt ein besserer Ort wird….

Familie

Erziehen mit Zuschauern

img_6458_edited-1Waren Herbstferien? Hab ich gar nicht gemerkt. Sie sind an mir vorbei gerast wie ein Bulle auf Speed.

Die letzten Tage waren ruhig. Ja, richtig friedlich. Wie schönstes Sommer-Hochdruck-Wetter. Aber ich kenne natürlich auch die Herbststürme, wenn Emotionen hochfliegen und Türen knallen. Und die ratlosen Nebelwände, wenn ich Erziehung per try and error steuere, ohne zu wissen, wo wir damit landen werden. Oder Minus-Temperaturen, wenn jeder mit jedem sauer ist. Ein Wetterbericht wäre hilfreich, aber ich weiß nie, was mich jeden Morgen erwartet. „Surprise! Das Wetter ist heute perfekt für einen Ausflug in die Vorpubertät!“

Ich versuche mir Taktiken zu erarbeiten, um als Mutter nicht immer wieder auf dem Glatteis meiner Emotionen auszurutschen. Denn wenn ich ausrutsche, fallen alle anderen mit hin. Meine neueste Taktik?

Ich erziehe, als würde mir jemand dabei zuschauen. Jemand, den ich respektiere und der mir Vorbild ist. Wenn die Wut in mir hochsteigt und ich am liebsten einen saftigen lauten Fluch brüllen will, stelle ich mir vor, dass diese Person mit im Raum ist.

Ich habe nämlich festgestellt, dass ich in der Öffentlichkeit tatsächlich anders mit meinen Kindern umgehe als daheim. Dann lasse ich mich weniger von meinen Emotionen steuern, sondern von der Vernunft. Außerdem will ich auch nicht als die größte Assi-Mutter dastehen. Ist ja klar.

Wir haben immer ein öffentliches ICH und ein privates ICH.

Mein öffentliches ICH muss in der Erziehung eine größere Rolle spielen.Dagegen darf mein privates ICH nur in Erscheinung treten, wenn es sich benehmen kann. Ausgenommen sind Rülps-Wettbewerbe. Aber nur, wenn Armin nicht da ist (haha, er war dieses Wochenende in Berlin und wir haben das weidlich ausgenutzt!).

Jemand ist mit mir im Raum…

….wenn ich mein Kind anschreien will.

…wenn ich es grob anfassen möchte.

…wenn ich unüberlegte Strafen ausspreche (und dann überhaupt nicht durchziehen kann!).

…wenn ich meine Ungeduld und Gereiztheit auf meinem Kind abladen möchte.

Und schon schlucke ich meine negativen Ambitionen hinunter.

Ich muss authentisch mit meinen Kindern umgehen. Dazu gehört auch, dass ich meine Gefühle angemessen ausdrücken darf. Und nicht in einem Gewitter entlade. Vielleicht eher als Wind mit sanftem Nieselregen.

Es ist ein langer Weg, auf dem ich entlang stolpere. Und ich brauche Taktiken, die mir helfen, einen kühlen Kopf und ein liebendes Herz zu bewahren.

Jemand ist da und schaut mir zu. Nicht anklagend, sondern helfend. Vergebend.

Und wenn alle Stricke reißen, dann holen mich die Sprüche, dieses kluge, absurde Buch in der Bibel, auf den Boden der Tatsachen zurück:

„Wenn der Dummkopf gekränkt wird, zeigt er seinen Ärger sofort. Der Kluge beherrscht seine Gefühle.“ Sprüche 12, 16