Bilder, Wochenende

Wochenende

 

Die Fahrten in meine alte fränkische Heimat sind und bleiben etwas Besonderes. Vor allem, wenn ich an einem Samstag-Vormittag im Schloss Craheim einen Vortrag zum Thema „Heiliger Alltag“ halten darf. Vor Frauen, die mich nur als Vroni („na, die von die Baers vom Gutshof!“) kennen.

Und ansonsten war halt die Oktober. Ich weiß, ich nerve mit dem Herbst-Thema. Aber Herbst ist mein Happy Place. Und ich bin nach so vielen Jahren immer noch verknallt in das Licht, den Geruch, die Stimmung, die Farben.

Sonntag Abend dann Voice of Germany. Ich sah mich selbst im Fernsehen. Das war das visuelle Pendant dazu, wie es sich anfühlt, die eigene Stimme im Radio zu hören. Komisch. Lustig. Ein wenig peinlich.

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Dankbarkeit, Reisen

Wir sind bei Voice of Germany!!!!

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Vielleicht erinnert ihr euch? Im Juli war ich auf einem ominösen Trip nach Berlin, von dem ich euch nicht viel erzählt habe. Haha! Ich durfte nämlich kein Sterbenswörtchen verraten!

Denn ich war bei Voice of Germany!!!

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Meine Freundin Sally, die mich immer so wunderbar auf meinen Lesungen musikalisch unterstützt, war zu den Blind Auditions eingeladen. Sie plante, die Coaches mit einer Nummer von „The Cure“ von ihren Sesseln zu fegen. Ob es ihr gelungen ist?

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Das verrat ich natürlich nicht. Deshalb müsst ihr selbst am kommenden Sonntag, den 30. Oktober um 20:15 Uhr die Glotze einschalten.

Hier schon mal ein Trailer als kleiner Teaser. Klick!

Es war schon eine surreale Sache, einen Tag  lang im Studio rumzuhängen und die Talente zu begaffen. Aber vor allem mussten wir viel VIEL warten. Auf das nächste Interview, auf Sallys Auftritt, auf das magere Buffett. Zwischendurch hab ich mir die Nägel lackiert, mit dem Melitta-Mann geflirtet und literweise Kaffee getrunken (natürlich nicht vom Melitta-Mann – das war alles nur Attrappe….).

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Hab ich schon gesagt, dass ich MEGASTOLZ auf Sally bin?

Diese Woche haben wir in unserem Book-Club die Korken knallen lassen. Voice of Germany! Ein neuer Buchvertrag für Christina! Die Erscheinung meines Buches! Ein neues Baby! Das ist alles fast ein bisschen zuviel des Guten, nicht wahr?

„You gotta ride the wave!“ meinte Michelle, die Mutter des neuen Babies. „You gotta ride the wave…’cause someday it’s gonna be over.“

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Bilder, Familie, Freundschaften, Rezepte

Dies und das und eine Galette

Genug mit den Jammer-Posts! Ja, mein Alltag ist gerade herausfordernd. Und darüber vergesse ich gerne schnell all die guten, friedlichen, erhebenden Momente. Die gibt es nämlich auch. Ein fettes, glückliches Hurra an dieser Stelle!

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Am Wochenende hatten wir Besuch von unserer Lieblings-Rita. Ach, es geht doch nichts über Freundschaften, die schon ewig bestehen! Und weil Rita noch niemals Kürbisse geschnitzt hat, haben wir sie gleich in diese Tradition eingeweiht.

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Die letzten Tomaten, schluchz! Aus ihnen habe ich ein Tomaten-Tarte-Tatin gemacht. Meine Geschmacksnerven haben vor Freude Samba getanzt. Selten so etwas Leckeres gegessen! (Wenn ihr die Tarte machen wollt, verwendet einfach Blätterteig).

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Herbstzeit ist Strickzeit. Ich habe mein erstes Paar Socken gestrickt! Und Amelie hat endlich keine kalten Füße mehr…

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Zwischen Drama, Hausaufgaben und Chaos gibt es immer wieder Momente, in denen wir ganz versunken sind in Bücher, Basteln, Backen.

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Wunderbarer Überraschungsbesuch am Freitag von Heike Malisic! Ich hab unser Wiedersehen gefeiert. Mit einer Veggie Galette. Und da Heike mich bekniet hat, das Rezept zu teilen, tue ich das hiermit:

Galette mit geröstetem Gemüse (für 4-6 Personen)

Teig:

  • 250g Vollkornmehl
  • 1/2 TL Salz
  • 115g kalte Butter, gewürfelt
  • 60 g Creme Fraiche
  • 2 TL Zitronensaft
  • 40 ml eiskaltes Wasser
  • 1 TL Thymian

Füllung:

  • 3 mittelgroße Möhren, in Scheiben geschnitten
  • 2 Pastinaken, geschält und gewürfelt
  • 350g Kürbis (Hokkaido oder Butternuss), gewürfelt
  • 2 rote Zwiebeln, geviertelt
  • nach Belieben Rosmarin und Thymian
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 Knolle Knoblauch
  • Salz und Pfeffer
  • nach Belieben 1 Packung Feta oder Ziegenkäse

Zubereitung:

Mehl und Salz in einer Schüssel mischen. Die Butter und den Thymian hinzufügen und mit den Händen grob verkneten, bis die Masse bröselig wird. In einer kleinen Schüssel Creme Fraiche, Zitronensaft und das Wasser vermengen und zur Mehlmischung hinzufügen. Das Ganze mit einer Gabel so weit wie möglich kneten. Den Teig wirklich nur ganz kurz kneten, dann in eine Folie gewickelt im Kühlschrank eine Stunde lang ruhen lassen.

 

Den Ofen auf 200 Grad vorheizen. Das vorbereitete Gemüse auf ein Backblech geben. 2 EL Olivenöl, Kräuter, Salz und Pfeffer darüber verteilen. Mit den Händen alles gut vermengen.  Die Knoblauchknolle oben abschneiden, so dass die einzelnen Zehen offen sind. Mit dem restlichen Olivenöl beträufeln, in Alufolie wickeln und auf das Gemüse legen. Ca. 30 Minuten backen, zwischendurch das Gemüse ein paar Mal wenden. Aus dem Ofen nehmen und den Knoblauch in eine Schüssel drücken. Mit einer Gabel zermatschen, mit dem Gemüse und der Hälfte des Käses vermengen.
Den Ofen nicht ausschalten! Nun den Teig zu einem Kreis von ca. 30 cm Durchmesser auswellen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech platzieren. Die Gemüsemischung auf dem Teig verteilen, so dass ein fünf Zentimeter großer Rand frei bleibt. Den restlichen Käse auf dem Gemüse verteilen. Den Teigrand nur so weit über das Gemüse falten, so dass in der Mitte eine Öffnung bleibt.
Ca. 35-40 Minuten im Ofen backen.
Ich liebe diese Galette, weil sie so unfassbar vielfältig ist. Je nach Jahreszeit kann man Gemüse wählen, das gerade Saison hat. Tobt euch ruhig aus mit Gemüsesorten, Kräutern und Käse! Aber ganz ehrlich? Am liebsten mag ich die Galette mit Kürbis und Feta….

 

 

 

Familie

Wir brauchen mehr Dörfer!

img_3822_kleinIch bin abgekämpft. Präpubertäre Schübe in diesem Hause fordern alle meine Energie. Nach einer Menge hochemotionaler Schleudergänge dieses Wochenende liege ich nun völlig zerzaust und schwindlig auf der Couch. Von dort werde ich mich die nächsten Stunden nicht mehr wegbewegen.

Ich denke in letzter Zeit viel darüber nach, warum wir Eltern von Babies, Klein-, Schulkindern und Teenies so enorm viel Druck, Müdigkeit, Erschöpfung ausgesetzt sind. Vor kurzem hätte ich die Schuld noch auf unsere sich immer schneller drehende Leistungsgesellschaft geschoben. Und obwohl ich sie mit verantwortlich mache, so bin ich doch auf eine verblüffende Erkenntnis gestoßen.

Wir brauchen ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. Aber es gibt keine Dorfbewohner mehr. 

Unsere Gesellschaft hat im letzten Jahrhundert einen grundlegenden Individualisierungsprozess durchgemacht. Die alten sozialen Strukturen sind aufgelöst. Wir haben Freiheit gewonnen, aber die Bedeutung von Zugehörigkeit, Sicherheit, Sinn, Anerkennung verloren. Am Ende dieses Prozesses stehen wir Mütter und Väter, die ohne gewachsene Gemeinschaft ihre Kinder großziehen müssen.

Ich bin in meinem Leben zigmal umgezogen. Immer für einen Job. Mein Mann ebenfalls. Unsere Freunde und Familien sind überall verstreut. Und irgendwann landeten wir genau hier, in einem Dorf. Niemand kannte uns, niemand kennt unsere Eltern. Niemand wusste, wer wir genau waren, was wir taten, wie wir tickten. Wir waren Strandgut, das neugierig und abwartend beäugt wurde. Und dann kamen unsere Kinder. Ich war allein. Die Erziehung unserer Kinder lastete alleine auf den Schultern meines Mannes und mir. Mich quälte das Gefühl, nicht genug zu geben, obwohl ich mich doch bis zur Erschöpfung abstrampelte. Mich quälten Einsamkeiten und mitten in der anstrengendsten Zeit meines Lebens war ich gezwungen, mir ein soziales Netz aufzubauen. Ich war Teil eines Dorfes, dessen Bewohner ich nicht kannte und sehnte mich danach, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die mich wirklich kennt und mit der ich mein Leben, die Arbeit, meine Fragen, meine Schmerzen teilen konnte.

Vorhin, nach einem letzten Drama (eines von sehr vielen dieses Wochenende!), sagte mir eine gehässige innere Stimme: „Du hast nicht genug getan!“

Ich glaube dieser Stimme nicht mehr.
Denn ich habe gewaltig viel getan. Ich habe meine Kinder die meiste Zeit ohne ein Dorf großgezogen. 

Ihr lieben Mütter und Väter dort draußen, die ohne gesunde soziale Strukturen euren Alltag und die Erziehung eurer Kinder bewältigt: Ihr leistet enorm viel! Ihr seid Helden, keine Versager! Und lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr kein Dorf habt. In eurer Umgebung gibt es hundertprozentig Menschen, die sich ebenfalls nach Zugehörigkeit sehnen. Vielleicht nicht mal 100 Meter entfernt. Legt euer Smartphone zur Seite und fasst Mut.

In den letzten Jahren hat sich mein „Dorf“ langsam gefüllt. Andere Mamas, Nachbarn, neue Freunde. Dankbar, das bin ich!

Aber ich vermisse einen starken, über Generationen gewachsenen Familien- und Dorfverbund, der sich gegenseitig stützt und trägt. Ich leide unter der Unverbindlichkeit unserer Moderne. Ich hinterfrage einen Zeitgeist, der Karriere und Geld vor den Menschen stellt. Ich bewundere jede Mutter, jeden Vater, jeden Single, der sein Leben ohne ein Dorf meistert.

Es ist kein natürlicher Zustand, in dem wir leben und unsere Kinder großziehen. Wie und ob wir jemals wieder zurückfinden, das bezweifle ich. Aber wir können neue Strukturen aufbauen. Damit unsere Kinder später nicht die gleichen Kämpfe kämpfen müssen wie wir.

So, jetzt gute Nacht! Ich muss dringend noch Voice glotzen!

 

Gedanken, Glaube

Sanft, sanft!

Gestern fragte mich eine Freundin, wie man unabhängiger von der Anerkennung anderer werden könne. Ich überlegte einen Moment und dann sagte ich mit dem Brustton der Überzeugung: „Älter werden.“

Ich weiß nicht, ob das bei anderen auch so ist. Aber für mich ist das Älterwerden extrem heilsam. Ich kenne zwar nicht mehr die Bands, auf die 14-jährige stehen, aber ich ruhe in mir selbst, wie ich es mit 14, 24 und 34 nicht konnte.

In letzter Zeit überhäufen mich Erkenntnisse wie Blätterhaufen meinen Garten. Nachdem das Buchschreiben, der Sommer, einige Lesungen und Fototermine rum sind, ist plötzlich eine Menge Raum da. Raum zum Denken und Reflektieren und Ruhig werden. Morgens setze mich auf den Boden und gehe meinem Atem nach. Horche in mich hinein, an welchen Stellen ich angespannt bin, was mein Körper, meine Seele brauchen. So etwas mache ich normalerweise nicht. Pff, ist doch alles Kram für Pussies!

Normalerweise springe ich aus dem Bett und beginne zu powern. Küche aufräumen! Betten machen! Kinder fertig machen! Blog schreiben! Emails beantworten! Müde? Schnell einen Kaffee! Weiter! Weiter! Putzen! Garten! Noch einen Kaffee!! Wäsche! Fenster!

So geht es ein paar Wochen und dann werde ich krank. Lege ich mich hin? Nein. Ich powere weiter, zwinge meinen Körper, mir zu gehorchen. Nur spricht er eine andere Sprache als mein innerer Antreiber. Er stellt mir ein Bein, wenn ich versuche weiter zu rennen und zwingt mich in die Knie. Meine Schwester lacht immer, wenn wir telefonieren und ich vor lauter Heiserkeit nicht sprechen kann: „Bist du SCHON WIEDER krank???“

Jetzt erst – mit 42 – gebe ich mir Raum für eine Neujustierung. Meine Empfindsamkeit, mein Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug, meine Sehnsucht nach Gemeinschaft, meine Schultern und meine Haut. Ich fange an mit den Anteilen meines Wesens sanft umzugehen, die empfindlich wie Seide sind. Ich hab sie immer mit Vollwaschmittel geschrubbt, weil ich glaubte, sie würden dadurch widerstandsfähiger. Aber wer schon mal Seide mit Vollwaschmittel gewaschen hat, weiß, wie sehr das Gewebe geschädigt wird. Es ist nun mal Seide. Keine Baumwolle.

Seitdem ich langsamer durch den Tag gehe und mir Raum gebe, vollzieht sich ein Wandel. Ich beginne anderen ebenfalls Raum zu geben, gehe sanfter mit ihnen um. img_0487

Heute morgen habe ich einfach mal so eine Viertelstunde mit Josefine gekuschelt (und die Küche war noch ein Dreckloch- Huuuuch!). Meinen Garten vernachlässige ich kläglich. Und dafür habe ich Raum, nachmittags mit meinen Kindern zu spielen. Nach 20 Uhr arbeite ich nicht mehr. Auch wenn viel liegen geblieben ist. Ich schreie nicht mehr sofort HIER, wenn ich Anfragen bekomme. Ich mache am Morgen ein paar Yoga-Übungen, die meinem Rücken und meiner ganzen Körperhaltung so extrem gut tun. Ich rattere meine Gebete nicht mehr roboterhaft runter, sondern werde still. Vielleicht werde ich sogar etwas so Verrücktes tun und mir Massagen verschreiben lassen!

Je älter ich werde, desto lauter sprechen Körper und Seele. Sie wehren sich gegen meine grobe Behandlung und endlich, endlich lenke ich ein und suche Heilung. Ich will nicht mehr wie ein Eisbrecher durch die Tage und Monate und Jahre pflügen und mich selbst dabei verlieren.

 

Meine liebe Freundin Christina hat passend zu meinem inneren Prozess gestern einen wahrhaft wunderbaren Blogeintrag geschrieben. Lesenswert!

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Familie

Oh, ich bin so wütend!

 

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Ich verfolge seit Monaten das Geschehen rund um die Präsidentschaftswahlen in den USA mit angehaltenem Atem. Seit Donald auf der Bildfläche erschienen ist, befinde ich mich in einer Schockstarre. Ich frage mich, warum jetzt erst so viele über sein Verhalten entsetzt sind. Er war doch schon vorher dafür bekannt, dass er im Vollbesitz eines gierigen, dummen, frauenverachtenden, rassistischen, rüpelhaften Geistes ist. Was mich einfach noch viel viel mehr entsetzt ist die Tatsache, dass er und seine verdrehten Ideologien tatsächlich Anhänger finden, die ihm auch noch zujubeln. 1933 lässt mal ganz fett grüßen!

Und dann tauchte dieses geleakteVideo aus dem Jahr 2005 auf. Haben sicher einige von euch gesehen. Kurze Zusammenfassung: Trump war in einem Tourbus zusammen mit einem TV-Moderator unterwegs . Das Mikrofon war an und man hört Donald über seine Annäherungsversuche dem weiblichen Geschlecht gegenüber prahlen:

„I did try fuck her, she was married. (…) I moved on her like a bitch.  I couldn’t get there, she was married. And all of a sudden I can see her and she now has the big phony tits (…)And when you are a star they let you do it. You can do everything. Grab them by the pussy. (..). “

Bam! Ich hätte kotzen können.

Nach und nach fingen dann Frauen an, online ihre Geschichten zu erzählen, die sie noch nie erzählt haben. Frauen wie du und ich. Die gegen ihren Willen angebaggert, angefasst, belästigt, missbraucht wurden. Deren Würde mit genau solchen Worten und Gesten immer und immer wieder torpediert werden. Seit Tagen wühlt es in meinen Eingeweiden, in meinen Gefühlen, in meinem Gedanken. Und ich höre ein Knurren in mir aufsteigen:

Genug. GENUG!

Wie oft halten wir Frauen still? Lassen uns Grabschereien, Belästigungen, Obszönitäten gefallen? Wie oft habe ich mir das gefallen lassen? Und warum?

Wehren wir uns, werden wir als verklemmt bezeichnet. Also sind wir lieber cooooool. „Alles cool, Schwamm drüber.“ Auch wenn wir bis in unser Innerstes erschüttert sind, zeigen wir nach außen keine Regung. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Wir wollen keine Riesenwelle verursachen, vielleicht sogar unser Gegenüber nicht in Verlegenheit bringen? Und wir schämen uns. Schämen uns für unsere Körper, unsere Körperteile, die anscheinend diese Belästigungen ausgelöst haben müssen. Unsere Weiblichkeit wird zu einem Minenfeld.“Selbst schuld!“, müssen wir uns anhören. Oder „Stell dich nicht so an!“

Doch! Ich will mich anstellen. Und ich bin nicht selbst schuld. Ich will nicht mehr verharmlosen und so tun, als sei das alles nur dummes Männergeschwätz. Es ist Gift, das eine Gesellschaft von innen heraus tötet. Eine Gesellschaft, die ihre Frauen, ihre Schwachen, ihre Alten nicht achtet, stirbt.

Worte haben Macht, weil sie Erlaubnis erteilen. Erlaubnis, uns sexuell zu belästigen.

Was läuft in der amerikanischen und damit auch in unserer Gesellschaft schief, dass wir Frauen dermaßen sexualisiert werden? Dass so über uns geredet werden darf? Dass wir aufs sexuelle Abstellgleis gestellt werden, wenn sich unsere Körper verändern, wenn wir älter werden? Dass ein bisschen Anfummeln ok ist? Und wenn wir uns wehren, hämisch ausgelacht werden?

Oh, ich könnte noch stundenlang schreiben. Aber ich mach hier erstmal einen Punkt. Und lenke meinen Blick auf unsere Kinder. Auf meine Töchter. Ich wünsche, dass sie in einer Welt aufwachsen, in der sie stolz sein können auf ihre Weiblichkeit. In der sie dafür nicht verachtet, attackiert, ausgelacht werden. Und dass sie niemals an Christen geraten, die ihnen eintrichtern wollen, dass wir Frauen still, gehorsam, unterwürfig zu sein haben.

Meinen Töchtern sage ich oft: „Du bist der Boss von dir selbst. Du bist der Boss über deinen Körper. Wenn du etwas nicht willst, dann sag NEIN!“ Wenn ein Kind bei uns nicht schmusen, nicht geküsst werden will, dann MUSS das von jedem absolut und sofort respektiert werden. Es gibt kaum etwas Ekligeres, als gegen seinen Willen angefasst zu werden, nicht wahr?

Ich bete, dass meine Kinder zu Frauen heranwachsen, die in ihrer Weiblichkeit ganz zu Hause sind. Dass sie laut Nein sagen. Und dann mit erhobenem Kopf weitergehen, weil sie keine Scham, keine Verlegenheit kennen. Weil sie ihre weibliche Identität und Würde kennen und niemals torpedieren lassen.

Wir müssen heute mehr denn je unseren Söhnen und Töchtern beibringen und vorleben, in unserer gottgegebenen Identität ganz zu Hause zu sein. Den anderen zu achten. Und niemals verachtend über den Körper des anderen Geschlechtes zu reden. Worte haben Macht. Besonders die Worte von uns Eltern.

 

 

 

Familie, Gedanken

Diese Woche

Unser Familienplaner ist diese Woche übervoll. Kein Platz mehr vor lauter hingekritzelten Kindergeburtstagen, Elternabend, Apfelernte, Lesungen, Elterntaxi, Flötenstunde, Ballett, Sondertraining. Was habe ich mich vor dieser Woche gefürchtet! Waaaaah!!!!!

Und nun, dass sie fast um ist, stelle ich fest: So schlimm war’s nicht. Sogar das Gegenteil meiner Befürchtung ist eingetreten: Ich habe diese Woche genossen. Zwischen den Terminen habe ich einfach so wenig wie möglich gehetzt, geschafft, geackert. Und ich bin fast jeden Abend pünktlich (!!) ins Bett. Anstatt meine Zeitnischen mit Arbeit zu stopfen, habe ich sie zum Kakaotrinken mit den Kids, zum Stricken, zum Yoga verwendet. Ich war gnädig mit mir selbst und deshalb konnte ich auch gnädig mit anderen sein.

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Der Herbst hat mich wieder. Wickelt mich mit seinem Licht-Charme um den Finger. Schärft alle meine Sinne. Und er überhäuft uns mit Äpfeln. Gnade, die auf Bäumen wächst.

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Ich gehe in jeder freien Minute raus. Licht tanken. Und auf die Farben des Herbsts warten (dieses Jahr haben sich die Bäume hier noch kaum verfärbt – aber alles riecht schon nach altem Laub).

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Fast habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich bei allem „Stress“ so entspannt bin. Aber das ist ein Zeichen dafür, dass ich mir neue Wege ebne. Mehr Gnade mit mir selbst. Mehr Gnade für andere.

Und am Ende noch was ganz anderes: 

Heute Abend findet eine Konzertlesung mit Sally und mir in Herrenberg-Oberjesingen statt. Wir freuen uns schon – vielleicht möchte von euch noch jemand spontan dazustoßen?

 

Familie, Schreiben

Mein heutiges Gefasel:

p1050970Heute fiel mir ein, dass mein Blog bereits seinen 7. Geburtstag hinter sich hat. Er kommt in die Jahre, nicht wahr? Was ich anfangs als Tagebuch für Familie und Freunde führte, ist mit den Jahren gewachsen, hat sich verändert, immer wieder neu „erfunden“. So wie ich.

Nach einigen Monaten kam ein fremder Leser dazu. Huch!
Dann noch einer. Doppel-Huch!!

Bei einer Lesung am vergangenen Wochenende fragte mich jemand, ob mir mein Blog nicht manchmal Bauchweh mache. Die Leute kennen dich, aber du nicht die Leute. Und die wissen SOVIEL von dir. 

Das ist in der Tat seltsam und ich kann es nicht leugnen. Mein Gegenüber kennt mich….und kennt mich auch nicht. Denn mit meinen Worten öffne ich nur ein Fenster, nicht das komplette Haus.

Das Schreiben ist zu meiner Leidenschaft, meiner Berufung geworden. Ich könnte vielleicht auch Kindergeschichten oder Werbetexte oder Romane schreiben. Aber mein Herz pocht für das raue ungeschminkte Leben. Ich will Momente festhalten, damit sie nicht ins Meer des Vergessens fließen. Ich will die Stunden und Tage und Monate und Jahre mit meiner Familie auf Papier tackern. Ich will schreiben, bis mir Finger und Herz glühen. Meinen Blick immer wieder mithilfe von Buchstaben aufs Wesentliche lenken. Und dass ihr das alles lest? Ich konnte es damals bei meinem ersten unbekannten Leser nicht glauben…und heute immer noch nicht.

Und dann sitz ich am Montagabend bei den Zelttagen in Metzingen vor 300 (!!) Frauen und lese das vor, was in monatelanger einsamer Arbeit auf Papier geflossen ist. Hätte mir das jemand vor 7 Jahren prophezeit, wäre ich in hysterisches Gelächter ausgebrochen und meine Handflächen wären vor Panik binnen weniger Sekunden tropfnass gewesen.Wie gut, dass wir nie wissen, was noch auf uns zukommt.

Meine Dankbarkeit schießt dieser Tage wie eine Rakete durchs Dach in den Himmel, dreht dort eine Ehrenrunde und explodiert irgendwo im fernen All. Danke Euch lieben bekannten und unbekannten Lesern!

Wo ich vor 7 Jahren war? In P-Town. Aber lest selbst…..

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Ich

Ich…

…fühle mich so sehr ermutigt und getröstet von euren Kommentaren zu meinem letzten Beitrag. Danke für eure Offenheit, eure Perspektiven und Ratschläge. Sie wirken nach!

bereite mich auf meine nächsten Lesungen mit Sally Grayson vor. Morgen in Korntal und am kommenden Montag in Metzingen. Ihr seid herzlich eingeladen!

denke noch gerne an unsere erste Herbstwanderung. Natur bringt uns alle vier immer wieder zusammen und besänftigt so manche Streitlust. Den Begrenzungen unserer vier Wände und Persönlichkeiten entfliehen, durchatmen, gemeinsam unterwegs sein. img_5820_edited-1
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vermeide immer mehr Plastik, unnötige Einkäufe, Fertigware. Unser Budget und die Mülltonne danken.

backe Toastbrot nach diesem Rezept und möchte nie mehr anderen Toast essen.

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schmecke die üblichen Verdächtigen im Herbst. Wie immer gut: Kürbissuppe, Apfelmus, Chai, Zwiebelkuchen, Minestrone.

höre mir die ersten Kandidaten von Voice of Germany an. Kann kaum den Start der neuen Staffel erwarten!

finde immer wieder kleine Alltags-Nischen, in denen ich meinen Leidenschaften folge, damit ich in unserem Chaos die Nerven und den Humor behalte.

stricke Socken. Im Ernst! Ich! Mit meinen zwei linken Strickhänden, die früher nie ein Projekt (aka Schal) zu Ende gebracht haben. Aber selbst ein Handarbeits-Legastheniker wie ich kann sich durchbeißen und was dazu lernen. img_5859

nähe noch spät am Abend ein Sweatshirt zu Ende. Die kalten Tage sind da. Und Josefine wird sich am Morgen über die rosa galoppierenden Pferde freuen!

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lese langsam, aber beständig. Ohne Bücher wäre ich ein Höhlenmensch. Oder tot.
img_5901freue mich über einen FRIEDLICHEN Nachmittag, an dem wir einfach miteinander gebastelt und gespielt und uns völlig verrückt geschminkt haben. Zeit ist wirklich so ein wichtiger Schlüssel…
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verplempere wie immer viel zu viel Zeit vor der Glotze und dem Internet.

vernachlässige meinen Mann. Heute Abend setzen wir uns mit Decken und heißem Tee auf den Balkon und quatschen mal wieder über Gott und die Welt.

bete um Frieden in unserem Haus. Ich brauche erst gar nicht nach Frieden in der Welt plärren, wenn ich nicht im Kleinen damit beginne. Und das ist schon manchmal schwer genug.

 

Familie

Neue Zeiten

img_5880_edited-1Manchmal merkt man erst, dass eine neue Phase im Leben begonnen hat, wenn erprobte Strategien nicht mehr funzen und Beziehungen ins Wanken geraten. 

Gerade wische ich die letzten Frühstücksbrösel weg und überlege, ob ich heute lieber die dreckigen Fenster putzen oder die letzten Tomaten einkochen soll. Die Betten müssen auch neu bezogen werden. Ich stehe in den Zimmern meiner Töchter und hebe verstreute Kuscheltiere auf. Brauchen sie sie noch?  Auf der einen Seite wollen sie groß sein, unabhängig, alles selbst können. Sich nichts mehr sagen lassen wollen. Und abends brauchen sie mich, die Kuscheltiere, ein Lied, einen Kuss. Wie lange noch?

Dennoch: Tagsüber wackeln die Wände, knallen die Türen, wird eine enge Mutter-Tochter-Beziehung wie ein Gummiband so weit gedehnt, dass es fast droht zu reißen. Ist es schon gerissen? Ist das ein kleiner Ausblick auf die Teenie-Zeit? Wenn ja, dann lass ich mich für die nächsten 14 Jahre krank schreiben.

Ich weiß gerade überhaupt nicht mehr, wie ich auf Gefühlsausbrüche, Rebellion und unangemessenes Verhalten reagieren soll. Wenn wir strafen, dann guckt mir Jesper Juul missbilligend über die Schulter und ich befürchte, mein Kind nur noch weiter in die Rebellion zu stoßen. Bin ich gnädig, dann guckt mir Michael Winterhoff missbilligend über die Schulter und ich befürchte, mein Kind könnte ein Tyrann werden.

Wir finden keine Balance mehr zwischen Gnade und Konsequenz. Die alten Methoden funktionieren nicht mehr. Und ich fühle mich so ausgelaugt. Dabei habe ich eine leise Ahnung, was meine Kinder brauchen. Sie brauchen jemanden, der zuhört, die Gefühlsschichten behutsam abpellt, um zu sehen, was darunter liegt. Was ist das ursprüngliche Bedürfnis, die wahre Not?

Und genau das muss ich neu lernen.

Gute Zeitpunkte abpassen. Mir Zeit für mein Kind nehmen. Reden. Zuhören.

Das passiert nicht schnellschnell am Morgen vor Schule und Kindergarten. Das passiert nicht, wenn ich durch den Tag renne. Mein Kind zu tausend Aktivitäten und Playdates fahre.

Das passiert nur, wenn wir aufhören zu strampeln, machen, hetzen, kontrollieren, befehlen. Am Abend, wenn wir alle durchlässiger werden. Am Nachmittag, wenn ich uns allen einen Chai mache und wir uns an den Tisch setzen. Nach dem Mittagessen, wenn ich meinen Kindern Raum zum Ankommen, Ausruhen, Spielen gebe.

Meine Kinder wachsen nicht nur aus ihrer Sommerkleidung und den Schuhen heraus. Sie wachsen aus dem kleinen Alter heraus, hinein in ein anderes. Und das wirft uns alle total über den Haufen.

Die süßen, brandneuen Babyjahre sind vorbei. Wir müssen uns neue Pfade ebnen. Einen Vorrat für langen Atem anlegen. Aber die Kuscheltiere, die werden noch eine lange Zeit bleiben. img_5882_edited-1