Der Ruf der Gänse

Mein Geburtstag ist das Tor zum Herbst. Es ist ein Naturgesetz, dass genau an diesem Tag der Herbst fühl-, seh- und riechbar angekommen ist. Als morgens nach der ersten großen Bescherung, Mann und Kinder aus dem Haus waren, wollte ich gleich mit dem Kuchenbacken für die Kaffeerunde beginnen. Aber ein Gedanke hielt mich zurück: „Was würdest du jetzt am liebsten machen? Komm schon, das ist DEIN Tag!“ Und meine Antwort lautete: „Eine Fahrradtour. Mich in die Natur setzen. Fotografieren. Lesen. Tee trinken. Stricken.“ Und genau das tat ich. Ich verwöhnte mich selbst mit der Erfüllung all dieser Wünsche. Denn das Geburtstagskind darf bestimmen, nicht wahr?

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Dort auf der Bank hab ich mich Gott und der Welt und mir selbst so nah gefühlt, wie schon lange nicht mehr. Außerdem hatte ich das neue Buch von Shauna Niequist dabei – ein Geschenk von meinem Mann, der weiß, dass diese Autorin mein großes Schreibvorbild ist. Ich schlug das Buch auf und auf der ersten Seite prangte eines meiner Lieblingsgedichte. Da musste ich glatt ein bissl heulen.

You do not have to be good.
You do not have to walk on your knees
For a hundred miles through the desert, repenting.
You only have to let the soft animal of your body
love what it loves.
Tell me about your despair, yours, and I will tell you mine.
Meanwhile the world goes on.
Meanwhile the sun and the clear pebbles of the rain
are moving across the landscapes,
over the prairies and the deep trees,
the mountains and the rivers.
Meanwhile the wild geese, high in the clean blue air,
are heading home again.
Whoever you are, no matter how lonely,
the world offers itself to your imagination,
calls to you like the wild geese, harsh and exciting —
over and over announcing your place
in the family of things. – Mary Oliver-

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Warum erteile ich mir so selten die Erlaubnis, meiner Seele wirklich Gutes zu tun – dem Ruf der Gänse zu folgen? Und fülle mich stattdessen ab mit billigen Ersatzbefriedigungen?

Von diesem Vormittag, dick eingepackt in meine Herbststrickjacke, werde ich noch lange zehren. Ich werde das öfters tun. Dem Ruf der Gänse folgen.

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Nachmittags schmiss ich meine übliche Kaffeerunde. Natürlich im Garten, weil an meinem Geburtstag immer IMMER schönes Wetter herrscht. Anders kenne ich es nicht. img_0403_edited-1img_0401_edited-1

Für die Kids hatte ich Banana Blondies gebacken. Die sind sowas von göttlich!!….Nur den Zuckeranteil sollte man unbedingt reduzieren….

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Abends führte mich Armin auf meinen eigenen Wunsch in einen Thai-Imbiss aus. Auf die verschmitzte Frage der thailändischen Köchin, wieviel Chilis sie mir in den Papaya-Salat schnippeln soll, antwortete ich todesmutig: Drei! Sie lachte. Und beobachtete anschließend interessiert, wie ich innerlich verglühte. Zwei Singha-Biere löschten den Brand und Armin brachte seine beduselte, glückselige Frau wieder nach Hause.

 

Ein perfekter Abschluss für einen perfekten Tag!

12 Kommentare zu „Der Ruf der Gänse

  1. Liebe Veronika, Du bist mit Deiner soooo wunderbar wohltuenden Art einmalig! Danke für all das Schöne, was Du schaffst und verbreitest. Sei gesegnet für Dein neues Jahr mit all den Dingen nach denen Du Dich so sehnst. Ich wünsche Dir ganz viele schöne Momente, die Dich glücklich machen und erfüllen.

  2. Danke für Deinen Blog. So wohltuend miterleben mitleben zu dürfen, Aha-Erlebnisse – zu haben, daß andere auch so empfinden. Und nach der Sommerpause nicht erst am Freitag! Du sprudelst ja so über! Alles Gute und Gottes Segen nachträglich! Und ganz liebe Grüße an Deine Kinder, zwei meiner 3 Kinder sind auch so alt. Schön, daß Du noch über sie schreiben kannst!

    Liebe Grüße

    Birgit

    P.S. Du arbeitest für Family – gib Doch die Grüße wenn möglich an den Kolumnisten mit den 3 Töchtern weiter – den Dank an die Töchter, daß über sie geschrieben werden darf – daß kommt auch meinen Kindern zugute!!!!!!!

  3. Happy Birthday, du Liebe, wenn auch mit Verspätung. Du hast ja so recht, dass du dir deinen Tag genau so gestaltest, wie dus dir wünschst! Das muss ich auch mal machen…
    Herzlich,
    Christa

  4. Liebe Veronika, ich bin zwar spät dran aber ich wünsche dir auch alles alles Liebe zu deinem Geburtstag. Die Bilder von deinem Tag sind wunderschön und ich freu mich, dass du auch Zeit für dich gefunden hast. Nur du, ein gutes Buch, die Kamera und Gottes Schöpfung. Eine wundervolle Kombination.
    Ganz liebe Grüße
    Lena

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