Familie, Freitags-Futter, Rezepte

Freitags-Futter: Tomaten und Salz

Der Tag hat heute soviel besser angefangen als der gestrige. Jedes Familienmitglied war extrem um Frieden und Harmonie bemüht. Ein Kind machte sogar pflichtbesessen sein Bett. Ein anderes putzte sich ohne Widerrede die Zähne. Und ich räumte die Rafaello-Papierchen weg. Das Leben kann manchmal so herrlich sein. Vor allem an einem Freitagmorgen, wenn das Wochenende nicht mehr weit ist und der Garten voller Tomaten und Äpfel hängt.

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Küche und Strickzeug waren diese Woche mein Ankerpunkt, mein Therapeut, meine Oase, wenn mir das Leben um die Ohren flog. Ich hatte nie viel Zeit. Aber wenn Amelie heim kam, dann setzte ich mich mit ihr hin, sie erzählte und aß und ich strickte nebenbei ein paar Runden. Danach verkrümelte ich mich in die Küche und stellte mich der Tomatenflut. Überall kullern die Dinger hier rum. Im Keller. In Vesperdosen. Im Kühlschrank. Auf Tischen. Lange habe ich nach einer Methode gesucht, wie ich Tomaten unkompliziert, lecker und schnell verarbeiten kann. Denn: Der Mensch verträgt nun mal nur eine gewisse Menge an Tomate-Mozzarella.Und dann ist auch mal wieder gut.

Meine Ratz-Fatz-Tomaten-Einfrier-Methode

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Zutaten:

  • Tomaten. Viele!
  • Knoblauchzehen
  • Kräutersalz (Rezept folgt)
  • ein bisschen brauner Zucker
  • Olivenöl. Viel!
  • nach Belieben: Chili, Oregano

Die Tomaten vierteln, den Strunk entfernen. Auf ein Backblech legen. Ungeschälte Knoblauchzehen nach Belieben dazwischen platzieren. Ordentlich Olivenöl darüber verteilen. Mit Kräutersalz und Zucker würzen. Dann in den vorgeheizten Ofen. Da ich immer gleich zwei Bleche reinschiebe, wähle ich 160 Grad bei Umluft. Ich backe die Tomaten, bis sie schrumpelig geworden sind und die Schale beginnt braun zu werden. Dann raus damit, abkühlen lassen (oh, es duftet herrlich!).
Den gebackenen Knoblauch aus der Schale pressen und ab mit dem ganzen Kladderadatsch in Gläser. Ich fülle sie zu zwei Dritteln und friere sie ein (ich nehme neuerdings nur noch Gläser zum Einfrieren statt Gefriertüten – klappt prima, aber nimmt leider viel Platz in der Gefriertruhe weg).

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Brauchst du Tomatensauce? Glas auftauen, Inhalt pürieren, fertig. Aber du kannst sie auch anderweitig verwenden: In Minestrone, zu Fisch, zum Risotto, in Lasagne….

Mein Kräutersalz 
Dieses Rezept ist angelehnt an ein traditionelles italienisches Salz. Wichtig ist, dass die Kräuter frisch sind. Das Salz konserviert und intensiviert den Kräuter- Geschmack.

Zutaten:

  • 100g Salz
  • 10g frischen Rosmarin
  • 5g frischen Salbei
  • 1 große Knoblauchzehe

Die Kräuter sehr fein hacken, den Knoblauch pressen. Ich häcksle Kräuter und Knoblauch  in der Moulinette, bis alles eine schöne Paste ergibt. Dann mit dem Salz mischen und in ein Glas füllen.

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Im Kühlschrank hält sich das Salz ein paar Monate. Aber es ist schon immer nach zwei Wochen leer. Ich muss mir unbedingt einen großen Vorrat anlegen, denn nichts schmeckt so sehr nach Sommer und Italien wie dieses Salz!

 

 

Familie

Lumpenpuppe

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Eigentlich wollte ich heute Abend gar nicht bloggen. Sondern es mir auf dem Sofa mit den Kochprofis und einem Glas Milch gemütlich machen. Später wollte auch noch eine Packung Rafaellos dazu stoßen, aber die ist mit meinem Mann durchgebrannt (bitch!).

Nun hocke ich aber hier wie eine Lumpenpuppe, die man ständig gegen die Wand geworfen hat und nun leicht lädiert daher kommt. Ach ja, und just in diesem Moment steht ein völlig hysterisches Kind neben mir, weil es sich einbildet, eine tödliche Nuss-Allergie zu haben. Ach, was soll’s: ich blogge einfach weiter und ignoriere die Hysterie. Mein Leben ist heute eine Freakshow von vorne bis hinten. Und ich bin der Ober-Freak, der sein Kind angesichts seiner Ängste mal überhaupt nicht ernst nimmt. Ich habe nämlich heute morgen Punkt 6:59 Uhr beschlossen, meine Bemühungen darum, eine gute Mutter zu sein, aufzugeben. Da half auch keine dritte Tasse Kaffee, kein süßlicher Motivationsspruch, kein Gebet.

Mir ist heute sogar mal dieser Satz über die Lippen gesprungen: „Wartet nur, wenn ihr mal selbst Kinder habt!!“ Vielleicht habe danach bitter aufgeschluchzt.

Ach ja, selbst solche Tage haben irgendwann ein Ende. Und DAS ist heute der einzige Trost. Es sei denn mein Mann taucht gleich mit den durchgebrannten Rafaellos auf. Das wäre auch ganz ok.

 

 

Familie

Bunt und Dunkel

In meinem neuen Buch, gleich im ersten Kapitel, erzähle ich von einem Besuch in einem thailändischen Bergdorf. Dort beobachtete ich, wie eine junge Frau an einem mechanischen Webstuhl einen bunten Teppich webte:

„Mir geht dieser Teppich nicht aus dem Sinn. Einerseits, weil ich mich nach diesen vielen Jahren immer noch furchtbar ärgere, dass ich ihn nicht gekauft habe. Andererseits, weil ich in ihm eine Metapher für mein Leben sehe. Mein Leben. Alles ist miteinander verwoben, alles ist durchdrungen und zusammen gehalten von starken Kettfäden.

Da gibt es keine Lebensbereiche, die außerhalb der Kettfäden liegen. Alles, was ich erlebe und sehe, fühle und höre, schmecke und durchtrauere fügt meinem Lebensteppich ein weiteres Muster, eine weitere Farbe hinzu. Nichts ist unwichtig. Die 95% Alltag sind genauso heilig wie die restlichen 5% großer Momente.

Gottes Kettfäden durchdringen meinen Morgen, meinen Mittag, meinen Abend, meinen Schlaf. Sie durchdringen meine Arbeit, mein Reden und mein Schweigen. Sie durchdringen mein Pflanzen, Pflegen, Putzen. Sie durchdringen die letzten Minuten am Abend, wenn ich meine Kinder zudecke und die ersten Minuten am Morgen, wenn ich schlaftrunken Frühstück zubereite und die Katzen füttere. Nichts ist unwichtig, alles ist von seiner Heiligkeit erfüllt.“

Ich muss an das zurückliegende Wochenende denken. Ich habe es ausgefüllt mit meiner Stärke und meinem Versagen. Die ganze Bandbreite. Ich war die nörgelnde Mama und Ehefrau („….das Chaos, DAS CHAOS!“), ich war Freundin und Gastgeberin, Fotografin und ein unsicheres kleines Kind. Ich war einfach nur ich mit dem, was ich geben kann und was ich nicht geben kann. Alles, alles, ist Teil meines Lebensteppichs. Soviel Buntes: Ein Abend mit Freunden und voller Tafel. Ein Shooting auf einem Bauernhof. Malen mit den Kindern. Soviel Dunkles: Zweifel in der Nacht. Enge im Hals und im Herz. Streben nach Perfektion. Sorge um mich selbst.

Sonntag Abend, nach einem aufreibend holprigen Tag, trudelte die Email einer lieben Freundin ein:

„Ich wollte dir nur kurz schreiben, denn ich sitze hier heulend, nachdem ich das erste Kapitel gelesen habe. Denn Gott hat noch eine extra Message für mich oben drauf gepackt. Ich liebe den Vergleich mit dem gewebten Teppich. Und was ich sehe? Dass Gott diesen Teppich hochhebt, ihn hält, LIEBT, verrückt nach ihm ist! Den GANZEN Teppich. Unseren ganzen Alltag, das Gute, das Schlechte und alles. Mit seiner vorbehaltlosen, alles umfassenden Liebe.“

Es fällt mir immer noch schwer, mich mit allem wie ich bin, lieben zu lassen. Aber ich lerne. Ich lerne, dass alles zu meinem Leben gehört. Das Bunte und das Dunkle. Was ich von der Fotografie her weiß: Das Bunte braucht das Dunkle als Kontrast, vor dem es sich abheben kann. Ohne das Grau, das Schwarz kann unser Leben nicht leuchten. 

Heute ist ein grauer, regnerischer Morgen und ich fühle immer noch mein Versagen vom Wochenende. Und die Scham. Und die Freude. Ein weiteres Muster in meinem Lebensteppich.

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Familie, Gedanken

Der Ruf der Gänse

Mein Geburtstag ist das Tor zum Herbst. Es ist ein Naturgesetz, dass genau an diesem Tag der Herbst fühl-, seh- und riechbar angekommen ist. Als morgens nach der ersten großen Bescherung, Mann und Kinder aus dem Haus waren, wollte ich gleich mit dem Kuchenbacken für die Kaffeerunde beginnen. Aber ein Gedanke hielt mich zurück: „Was würdest du jetzt am liebsten machen? Komm schon, das ist DEIN Tag!“ Und meine Antwort lautete: „Eine Fahrradtour. Mich in die Natur setzen. Fotografieren. Lesen. Tee trinken. Stricken.“ Und genau das tat ich. Ich verwöhnte mich selbst mit der Erfüllung all dieser Wünsche. Denn das Geburtstagskind darf bestimmen, nicht wahr?

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Dort auf der Bank hab ich mich Gott und der Welt und mir selbst so nah gefühlt, wie schon lange nicht mehr. Außerdem hatte ich das neue Buch von Shauna Niequist dabei – ein Geschenk von meinem Mann, der weiß, dass diese Autorin mein großes Schreibvorbild ist. Ich schlug das Buch auf und auf der ersten Seite prangte eines meiner Lieblingsgedichte. Da musste ich glatt ein bissl heulen.

You do not have to be good.
You do not have to walk on your knees
For a hundred miles through the desert, repenting.
You only have to let the soft animal of your body
love what it loves.
Tell me about your despair, yours, and I will tell you mine.
Meanwhile the world goes on.
Meanwhile the sun and the clear pebbles of the rain
are moving across the landscapes,
over the prairies and the deep trees,
the mountains and the rivers.
Meanwhile the wild geese, high in the clean blue air,
are heading home again.
Whoever you are, no matter how lonely,
the world offers itself to your imagination,
calls to you like the wild geese, harsh and exciting —
over and over announcing your place
in the family of things. – Mary Oliver-

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Warum erteile ich mir so selten die Erlaubnis, meiner Seele wirklich Gutes zu tun – dem Ruf der Gänse zu folgen? Und fülle mich stattdessen ab mit billigen Ersatzbefriedigungen?

Von diesem Vormittag, dick eingepackt in meine Herbststrickjacke, werde ich noch lange zehren. Ich werde das öfters tun. Dem Ruf der Gänse folgen.

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Nachmittags schmiss ich meine übliche Kaffeerunde. Natürlich im Garten, weil an meinem Geburtstag immer IMMER schönes Wetter herrscht. Anders kenne ich es nicht. img_0403_edited-1img_0401_edited-1

Für die Kids hatte ich Banana Blondies gebacken. Die sind sowas von göttlich!!….Nur den Zuckeranteil sollte man unbedingt reduzieren….

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Abends führte mich Armin auf meinen eigenen Wunsch in einen Thai-Imbiss aus. Auf die verschmitzte Frage der thailändischen Köchin, wieviel Chilis sie mir in den Papaya-Salat schnippeln soll, antwortete ich todesmutig: Drei! Sie lachte. Und beobachtete anschließend interessiert, wie ich innerlich verglühte. Zwei Singha-Biere löschten den Brand und Armin brachte seine beduselte, glückselige Frau wieder nach Hause.

 

Ein perfekter Abschluss für einen perfekten Tag!

Familie

Altes Eisen

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„Da schleichen zwei Männer durch den Garten!“ ruft Armin. Es ist gerade halb acht früh, ich versuch im Bad einen ordentlichen Kajalstrich hinzukriegen. Im nächsten Moment klingelt es Sturm an der Haustür und ich stech mir vor Schreck mit dem Kajal fast das Auge aus.

Vor der Tür stehen ein Riese mit gigantischer Narbe auf der Stirn und ein Bub, der noch nass hinter den Ohren ist. „Wo ist Ihr Sperrmüll?“ Ich schaue panisch zu Armin. Er zuckt nur mit den Schultern. Ich hatte vor einigen Wochen in meinem Entrümpelungs-Wahn die Sperrmüll-Abfuhr bestellt. „Ich hab dir doch die Benachrichtigungs-Karte mit dem Datum in die Küche gelegt“, raunt mir mein Mann vorwurfsvoll ins Ohr. Hm. Muss ich in meinem Entrümpelungs-Wahn wohl entsorgt haben. 

Ich schaue den Riesen und den Bub hilfeflehend an. „Haben Sie fünf Minuten Zeit? Dann stellen wir Ihnen alles raus an die Straße.“ Gesagt, getan. Armin und ich starten einen Blitzkrieg gegen das Garagengerümpel. Schwitzend und ächzend schleppen wir den ganzen Mist an die Straße. Unter anderem auch ein 10-Mann-Zelt, dass uns unsere Schwiegereltern vor Jahren heimlich unterjubelten (In der Hoffnung auf eine große Enkelschar? Wer weiß…). Der Riese baut sich vor mir auf und erklärt mir in gebrochenem Deutsch und dramatischer Gestik, dass die Zeltstangen Altmetall seien. „Die nehm wir net mit. Musst du zu altes Eisen bringen!“

Altes Eisen….hmmm…ALTES EISEN! Ich hab ja diese Woche Geburtstag!! 42 Jahre werd ich! So schießt es mir heißkalt durchs Hirn. Da steh ich – noch 41jährig in unserer Garage – und schüttele den Kopf angesichts dieser unfassbaren Tatsache.

Später dachte ich darüber nach, ob ich wirklich schon zum alten Eisen gehöre. Und ich wusste die Antwort: Nein. Äußerlich bin ich zwar definitiv keine 30 mehr. (Früher hätte mich das tierisch gestresst.) Aber Leute, das ist der Lauf der Zeit! Seitdem ich alle Frauenzeitschriften und Werbung für mich persönlich boykottiere, fallen verdammt viele Vergleichsmöglichkeiten weg und ich fühle mich immer wohler in meiner Haut. Auch wenn diese nicht mehr ganz so straff ist wie vor 10 Jahren. Zum alten Eisen gehöre ich erst, wenn meine gedankliche Flexibilität, meine Lebensfreude, mein innerer Friede in einen großen Kübel aus Altersstarrsinn und Bitterkeit fallen. Aber das findet hoffentlich niemals statt.

Ich feiere diese Woche mein Leben. Dankbar schaue ich zurück auf 42 gelebte Jahre, voll mit Höhen und Tiefen, die ich durchschritten habe. Und da stehe ich jetzt, hier und heute, immer noch mitten im schönsten Leben. Warum sollte ich über diese Zahl klagen? Warum soll ich mich wieder einklinken in die Reihe der Frauen, die über ihr Alter, ihr Gewicht, ihr Aussehen, ihre Sorgen jammern – so angsterfüllt, irgendwann als altes Eisen aussortiert zu werden? Mädels, mit dieser Jammerei sortieren wir uns selbst aus, trinken aus dem Kübel der Bitterkeit und Angst. Und das sieht man uns am Ende an.

Lieber will ich feiern! Meine Mädels sind schon seit Tagen am Flüstern und Planen. Vorhin schlüpfte Josefine noch schnell im Schlafanzug in den Garten, um ein paar Herbstblumen für den Tisch zu pflücken. „Mama, du bist jetzt mittel-alt,“ erklärte sie mir und schaute mich mit strahlenden Augen an. Richtig, aber zum alten Eisen gehöre ich noch lange nicht…..

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Bücher

Gewinner!

Ich wünsche euch einen wunderbaren Montagmorgen! Ist er nicht herrlich? Nass, grau, trüb – so wie ich ihn liebe (ganz ohne Ironie).

Was ich aber noch mehr liebe, das sind eure Kommentare. Ich hab mich jeden Tag bewusst mit einer Tasse Kaffee hingesetzt und jeden einzelnen langsam durchgelesen und mir versucht die Person und ihren Alltag dahinter vorzustellen. Die letzten Tage habe ich mich nicht allein gefühlt, sondern so sehr verbunden mit euch lieben Lesern! Mein Herz will aus dem Körper springen und eine extra Runde tanzen. Danke für jede Rückmeldung, für eure Offenheit und Ermutigungen!!

Aber jetzt will ich euch nicht länger auf die Folter spannen. Es war mega-MEGA-schwer, die drei Gewinner auszuwählen, denn am liebsten würde ich jedem von euch mein Buch mit Widmung schenken. Ich habe mich aber nun für diese Kommentare entschieden:

Nina:
„Für mich heißt heiliger Alltag, sich einfach um zwei kleine Geschöpfe Gottes mit all ihren Bedürfnissen zu kümmern. Ist gerade sehr herausfordernd mit einem 5 Tage altem Neugeborenen und einer 2 jährigem. Mit rasenden Kopfschmerzen wegen Schlafmangel , Milcheinschuss, eifersüchtiger und stolzer großen Schwester und mittendrin ein unterstützender Ehemann. Es scheint grad kein Platz für heilige Momente zu sein- halt! Das Stillen ist heilig, der Versuch-der-kleinen-Schwester-den-Schnuller-in-den-Mund-zu-stecken ist heilig, der Kaffee am Morgen, die Anteilnahme ist heilig. Gerade das unheilige erstrahlt in einem heiligen Glanz, da es mich dankbar macht und Gott in dem ganzen Chaos sich wohl fühlt und zu Hause ist. „

Julie:
„Mein heiligster Moment heute:
Einen tränenüberströmten, ganz frischgebackenen Erstklässler zu trösten, der tapfer den gesamten Vormittag seine Tränen zurückgehalten hat und ganz toll gelernt und gearbeitet hat. Beim 11.20-Gong war es dann allerdings vorbei mit seinen Nerven. Und die Mama war noch nicht da. Alles zu viel!
Ich wollte eigentlich wild, verschwitzt und effektiv mein Klassenzimmer für den Elternabend schick machen…und dann hatte ich ja noch Fragen an die Rektorin und musste noch Kisten auspacken und, und, und….
Aber dieses arme Würstchen stand da so verzweifelt in der großen neuen Schulwelt, dass ich meine Pläne doch über den Haufen werfen musste, um ihm Ersatzmama zu sein und ihn zu den anderen „Wartern“ auf den Pausenhof zu bugsieren, wo er dann doch irgendwann wieder lachen konnte.“

Tanja:
„Dein Buch steht auf meiner Wunschliste, aber ich musste an meine Cousine denken, die krank ist. Ihr Alltag ist gerade nicht so heilig zwischen Chemo, OP, Bestrahlung.
Ihr würde ich gerne das Buch schenken für ein paar tolle Momente..

Meine heiligen Momente mit zwei Mädels, 9 u 6,
Sind ein „ich hab dich lieb Mama“, Familienmomente auf der Terasse, Zeit für mich alleine….“

Ihr Lieben, bitte meldet euch bei mir und gebt mir eure Anschrift. Entweder über PN auf meiner Facebook-Seite oder an info@lebensnah-fotografie.de.


PS: Ich freu mich auch riesig über Buchbesprechungen und vor allem über Rezensionen auf Amazon! 

Bücher

Heiliger Alltag – Verlosung

img_0363Ich bin um 5.45 Uhr aufgewacht. Draußen war es noch dunkel, nur am Horizont leuchtete ein heller Streifen, der einen neuen, heißen Septembertag ankündigte.

Dann deckte ich den Tisch, weckte Amelie und legte mich fünf Minuten zu ihr. Alles im Haus war ruhig. Ich lockte, bettelte, drohte – bis sich meine schlaftrunkene Zweitklässlern an den Tisch setzte und ihr Birnenmarmeladen-Käse-Brot mümmelte. Auf dem Herd brodelte der Kaffee in der Espresso-Kanne (neuerdings verwaist unser Voll-Automat – vielleicht schaffen wir ihn ganz ab).

Josefine kam verwuschelt in die Küche und ich schnitt neues Brot auf. Mitten auf dem Esstisch entdeckte sie mein neues Buch. Heiliger Alltag. Zwischen Avocadoresten und Erdnussbutter. „Mama, dein Buch!“ Ich griff schnell danach, um es vor klebrigen Flecken zu schützen. Und dann musste ich grinsen. Mein heiliger Alltag – ich kann meinen Glauben, meine Gottesbeziehung nie trennen von Frühstückschaos, Marmeladenflecken, dem täglichen Mühen und Schaffen und Kümmern.

Deshalb musste ich dieses Buch schreiben. Es war wie ein Drang. Und nun ist es da – angefüllt mit meinem Geschreibsel und eigenen Fotos! Ich freu mich sooooo!!!! Das Buch ist meine eigene Theologie des Alltags, die ich so viel mehr brauche als die aufgeblasene „Alles-ist-möglich-wenn-nur-genug-glaubst-und-betest-Theologie“.


Ich möchte euch gerne an meiner Freude Teil haben lassen und verlose daher drei Exemplare von „Heiliger Alltag“ mit persönlicher Widmung. 


Was hat heute euren Alltag „heilig“ gemacht? Hinterlasst einen Kommentar dazu. Die Verlosung endet am Montag, den 19. September um 9 Uhr. Dann gebe ich die Gewinner bekannt.

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Familie

Gute Vorsätze…

img_9823Oh Leute, es ist der zweite Schultag und wir halten NOCH an unseren guten Vorsätzen fest.  Ein neues Schuljahr ist ja immer auch ein bisschen Silvester. Die Brust stolz geschwellt vor neuer Vorhaben und mit einer ordentlichen Portion Motivation. Ab heute wird alles anders….besser! Aber die Gewohnheiten strecken sich nach uns aus, kitzeln und locken uns. Und schon bald erliegen wir wieder ihrem Sirenengesang.

Amelie bemüht sich um saubere Schrift und Ordnung, ich strenge mich an in punkto Geduld und leckeren Schulbroten, Josefine erfüllt ihre Vorschulkindpflichten mit Bravour und Armin entfernt jeden Krümel aus unserem Prius. Aber schon am zweiten Schultag bröckelt die Fassade. Wir verlieren alle abwechselnd die Contenance.

Könnte aber auch am Wetter liegen. Ich habe noch nie so einen heißen September erlebt. Heute habe ich mich den ganzen Tag drinnen eingesperrt, habe Apfelgelee und Apfelmus eingekocht. Ich weiß, ich weiß: Bomben-Tätigkeit bei 34 Grad im Schatten. Aber meine innere Uhr zeigt Herbst an. Also widme ich mich meinen üblichen Herbst-Tätigkeiten, jawoll! Zwischendurch habe ich Foto- und Lesetermine koordiniert, meine Kolumne geschrieben, Anfragen beantwortet.

Selbständigkeit klingt schön und herrlich unabhängig,aber wenn ich nicht aufpasse, frisst sie sich in jeden Winkel meines Lebens. Ich muss lernen, dass ich nicht ständig verfügbar sein muss. Wenn ich zwischendrin immer mal wieder schnellschnell einen Kunden zurückrufe, eine Email halb fertig schreibe, dann sammle ich zuviele lose Enden und ich verliere den Überblick.

Meine Neuanfangs-Euphorie hat Platz für einen weiteren guten  Vorsatz:Ich blocke jeden Tag einen bestimmten Zeitraum, in dem ich zügig die wichtigsten Dinge abarbeite. Den Rest des Tages rühre ich nichts mehr an, sondern rühre nur noch im Apfelmus und kümmere mich um die tausendfaltigen Anliegen meiner Kinder (Mal ehrlich: Braucht ein Schulkind heutzutage nicht eher eine Sekretärin als eine Mutter? Gerade jetzt zum Schulanfang ersticke ich in einer Zettel- und Terminflut. Hilfe!).

Was war heute Abend noch? Eigentlich noch zwei Telefonate und Bildbearbeitung. Ach, was soll’s. Ich pfeif drauf und schau lieber noch einer Weile dem Mond zu. Ich wünsch euch allen eine geruhsame Nacht!

 

 

Familie, Reisen

Es ist eine Lust zu leben, auch wenn die Weltlage beschissen ist

 

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Der Sommer 2016 will sich in unsere Erinnerung brennen. Er weigert sich hartnäckig, die Bühne zu verlassen,nicht wahr?

Nun sind wir gestern Nacht aus Italien heimgekehrt. Wie ich dieses Land vermisst habe! Ehrlich gesagt, wusste ich gar nicht, dass ich es vermisse. Italien ist wie ein alter Freund aus der Schulzeit. Immer irgendwie da im Hintergrund. Auch wenn ich mir neue Freunde anlache und eine Weile fremdgehe. Aber wenn man sich dann wiedertrifft, kann man sofort an die guten alten Zeiten anknüpfen. Yep, so ist Italien für mich. Ein alter, guter Freund, bei dem ich mich sofort rundum wohlfühle. Er füttert mich mit Gelato (täglich), kocht Ziegenkäse-Risotto, schenkt mir dunkelroten Primitivo ein, verwöhnt meine Augen mit den Farben des Mittelmeers. Und er liebt sogar meine zwei kleinen Bambini wie verrückt! Wie konnte ich dir jemals den Rücken kehren, mein Liebster, mi amore!

Wir bewohnten ein ligurisches Steinhäuschen mitten in einem Olivenhain mit Blick aufs Meer und gelegentlichem Waldbrand. Unsere Nachbarn waren eine Montessori-Lehrerin mit Familienanhang aus Karlsruhe und die ersten Tage war ich bemüht, pädagogisch korrekt mit meinen Kindern umzugehen. Natürlich nur, wenn unsere Nachbarin in Hörweite war. Bis wir uns abends bei einer Flasche Primitivo gegenseitig erzieherische Fehlschläge gestanden. Dann war der Bann gebrochen und ich konnte wieder nach Herzenslust mit meinen Kindern lautstark genervt sein.

Aber eigentlich waren wir doch die meiste Zeit alle sehr gechillt. Das musste an der Stille liegen. Es war fast immer ohrenbetäubend still. Manchmal wehte ein I-A aus dem Eselstall durchs Tal. Ab und zu hörten wir Autohupen, die aber nur aus dem Grund betätigt wurden, weil die Kurven so eng und scharf waren, dass man entgegenkommenden Verkehr warnen musste. Einmal hörte ich sogar meine Montessorinachbarin genervt mit ihren Kindern schimpfen. Ach ja.

Ich machte es mir zur Gewohnheit jeden Tag mindestens 10 Minuten still im Freien zu sitzen und nur zu sein. Manchmal war es sogar eine Stunde. Und ich habe mich wie eine Durchgeknallte durch mehrere Bücher gefressen. Die Biografie von Hannah Arendt habe ich innerhalb von 12 Stunden durchgepflügt. Ich hatte kein Internet. Zwei Wochen lang nur Familie, Bücher, Pool, Schreiben, Gelato-Fressen und mit unseren deutschen Nachbarn abhängen. Manchmal überfiel mich mein schlechtes Gewissen angesichts der Nachrichten (Hallo Nordkorea, habt ihr noch alle Reisschüsseln im Schrank???) Wie kann ich denn in aller Ruhe hier sitzen und das Leben so sehr genießen? Die große Denkerin des 20. Jahrhunderts, Hannah Arendt, sagte nach ihrer Flucht aus einem französischen Internierungslager:

„Es ist eine Lust zu leben, auch wenn die Weltlage beschissen ist.“ 

Genau so haben wir unsere Ferien gelebt. Mit einer überdimensionalen Lebenslust. Und diese Haltung will ich in meinen Alltag hinüberretten. Denn – verdammt ja!: Es ist eine Lust zu leben, auch wenn wir in persönlichen und gesellschaftlichen Schieflagen manchmal unsere Balance verlieren, hinfallen, uns die Knie und das Maul aufschlagen, unseren Kindern und Ehepartnern nicht gerecht werden und sowieso wie immer 10 Kilo zuviel wiegen.

Der erste Tag daheim lässt sich nicht schlecht an. Es ist wohltuend, daheim zu sein und in unser nachbarschaftliches Beziehungsgeflecht zurückzuschlüpfen. Es ist schön, wieder einen Geschirrspüler, eine Waschmaschine, das gewohnte Bett zu haben.

Nun haben wir noch einen letzten Ferientag vor uns. Und den will ich (abgesehen von einem irren Wäscheberg) mit soviel Lebenslust vollstopfen wie möglich: Das letzte Buch durchackern, Pippi Langstrumpf glotzen, Lagerfeuer machen, 10 Minuten still sein und dann am Abend hektisch verstreute, vergessene Schulsachen zusammensuchen.

Und es ist schön, wieder hier zu sein. In meinem Blog. Ich habe ihn vermisst!

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