Kein Löschwasser mehr

Die Sommerferien sind 7 Stunden alt, an der Wand hängt Amelies Liste gegen Ferien-Langeweile (Nähen mit Mama!), die Kinder sind immer noch nicht im Bett und ich hab nach diesem konfliktreichen Tag so wenig Kraft wie selten.

Ich weiß gerade nicht, wie mein Verstand die nächsten sechs Minuten – geschweige denn die nächsten sechs Wochen gesund überstehen soll. Und das macht mich traurig. Denn ich hab bisher immer die Ferien mit den Kids genossen. Den ganzen Tag für uns, ohne Termine!

Aber nun liegen sich meine beiden Liebsten im Minutentakt in den Haaren und ich komme gar nicht mehr hinterher, die vielen großen und kleinen Konflikte zu lösen. Kaum habe ich den einen Brand einigermaßen gelöscht, hat sich an anderer Stelle ein brüllender Flächenbrand entwickelt. Ich habe kein Löschwasser mehr. Mit Mühe und Not kann ich noch ein paar Tropfen rausquetschen, aber sie verzischen wirkungslos im Getöse. Und manchmal gieße ich noch ein bisschen Öl hinterher.

Ich habe keine Ruhe, keine Kraft, mir Strategien auszudenken. Außerdem habe ich auch gar keine Idee, was hinter all den Streitereien steckt. Ich bin nur noch am Reagieren, nicht mehr am Agieren.

Jetzt habe ich meine Jüngste ins Bett gebracht. Und zum ersten Mal haben wir beide an diesem Tag einen friedlichen Moment erlebt. Beim gemeinsamen Singen von „Der Mond ist aufgegangen.“ Da haben wir uns angelächelt und uns hinterher ohne böse Gefühle in den Arm genommen. Wir haben die Flammen mit ein bisschen Musik gelöscht. Aber hier liegt noch eine Menge Asche rum. All die Gefühle der Unzulänglichkeit, Hilflosigkeit, des Versagens. Die werde ich jetzt Stück für Stück aufsammeln und weitermachen.

Denn als Mutter habe ich manchmal nicht viel mehr Aussichten und Hoffnung als den nächsten Morgen. Manchmal ist es als Mutter meine größte Leistung am Morgen aufzustehen und einfach da zu sein. Und manchmal ist das letzte bisschen Löschwasser, das ich habe, meine Worte.

 

 

 

 

 

 

 

17 Kommentare zu „Kein Löschwasser mehr

  1. Liebe Veronica, das kenne ich nur zu gut. Streitereien zwischen zwei Mädels, die sich doch eigentlich gut verstehen oder lange so gut verstanden haben. Ich hoffe dann immer, dass es nur eine Phase ist, weil bei meinen 2 Großen gerade wieder friedlichere Stimmung ist. Und ich bete: denn ich wünsche und hoffe so sehr, dass meine 3 später einmal nicht nur Schwestern, sondern auch Freundinnen sind. Schöne Ferien euch, Gruß Lissy

    1. Hallo Lissy, meine Mädels verstehen sich eigentlich auch gut und lieben sich heiß und innig. Ich glaube, das ist der beste Grundstein für eine spätere Freundschaft – auch wenn’s zwischendrin Disharmonien gibt. Euch auch schöne Ferien!

  2. Es ist doch immerhin ein Erfolg überhaupt zum Tagesabschluss die Kinder friedlich ins Bett zu bringen. Das hast du doch schon super gemeistert. Mütter sind ja auch nur Menschen !!!! Wenn Ihr die „spannende Zeit“ der Pupertät überstanden habt , wirst Du feststellen Du hast vieles gut gemacht, also fast alles. 100% geht eh nicht. Das Wichtigste ist sowieso wie Du geschrieben hast, als Mutter da zu sein. Wünsche Euch noch tolle Ferien voller Zuversicht !!!!

      1. Leider keine Ferien mehr, meine Söhne sind inzwischen Erwachsen. Jetzt kommt die Zeit wo man Wehmütig, Verklärt an die Vergangenheit denkt. Ferienzeit, Kinder ins Bett bringen…. Vieles würde man im Nachhinein gelassener nehmen. Aber obwohl Sie mich als Mutter ertragen mussten, oder gerade deswegen sind Sie gut geraten.

  3. Hallo Veronika,
    …diese Situationen und Gefühle kenne ich auch sehr gut… Meine Mädels (9 und 6 Jahre) halten mich auch immer wieder so auf Trab, daß ich an manchen Tagen nicht richtig zum durchatmen komme… Und es kommt mir manchmal so vor als wenn gerade die Tage, an denen ich es mir besonders schön, harmonisch und entspannt vorgestellt habe die schwierigsten sind… Vielleicht sind es auch die eigene Vorstellungen die einem dann zu schaffen machen!?

    Ich wünsche dir für die Ferien viel Kraft in schwierigen Momenten und ganz viele schöne Tage mit deiner Familie 🙂

    Wir haben den Ferienstart diesen Freitag noch vor uns….
    Ich freue mich auch schon auf wenig Terminstress und endlich eine zeitlang keine Hausaufgaben, juhu!
    (ich hoffe das meine Mädels am Freitag nach der Zeugnisausgabe nicht schon in der Eisdiele anfangen zu streiten…)

    Danke für deine offenen, ehrlichen, inspirierenden und nahe gehenden Einblicke!
    Ganz liebe, sonnige Grüße aus dem Allgäu

    1. Danke dir für deine Worte! Wir waren auch nach der Zeugnisausgabe Eis essen – und es verlief besser als gedacht 🙂 Und du hast recht: ein Teil des Problems sind unsere Erwartungen und Vorstellungen, die so oft von der Realität abweichen. Liebe Grüße zurück!

  4. Soo vertraut!! – Ich wünsche dir übernatürlichfriedliche Momente wie den mit dem Lied. Und eine Riesenportion Kraft – bei mir ist’s oft so, wenn ich tief drin müde bin. Alles Liebe!

  5. Liebe Veronika, nur kurz zwei Gedanken.
    _Danke fürs Schreiben.
    _ Aus dem Elternkurs: We don’t strive for perfect parenting. We strive for good enough parenting. Und das gelingt uns auch! High five!
    _Hast du den Mädchen mal gesagt, wie anstrengend es für dich ist, wenn sie streiten? Dass du grade nicht weisst, wie ihr da sechs Wochen Ferien überstehen sollt. Ob sie eine Idee haben, wie es gelingen könnte. Vielleicht staunst du dann über ihre Vorschläge! Meine Mädels sind jünger als deine, und ich finds auch ganz schlimm, wenn sie sich zoffen. Aber ich staune auch, wie junge Kinder bereits Verantwortung fürs Zusammenleben übernehmen können, wenn wir etwas davon abgeben. Sag ihnen, dass du nicht die Feuerwehr sein magst. Oder? Bin gespannt auf die Fortsetzung eurer Ferien!

    1. Hi Daniela, ich habe gestern meinen Kindern erläutert, wie sehr mich ihre Streitereien anstrengen. Aber ich fühl mich zwiespältig dabei – ich will nicht noch mehr Schuldgefühle verursachen. Danke für deine Tipps….Good enough parenting…wunderbar!

  6. Nach dem Artztermin heute wollte ich mit meinen Jungs Eis essen gehen, aber schon bei der Wahl zwischen „Eis in der Hand essen“ oder in die Eisdiele rein sitzen kam es zu Differenzen. Alle waren mit den Nerven am Ende. Einen guten Tagesabschluss haben wir doch noch geschafft. Morgen ist ein neuer Tag und wir wollen es mit einer Radtour probieren. Ein bisschen graut es mir vor erneuten Nervenzusammenbrüchen, aber es könnte ja auch gut gehen …

    1. Oh, ich kenne solche Streitereien zu gut. Manchmal möchte ich mich dann heulend auf den Boden werfen…. Ich wünsche dir gute Ferien mit harmonischen Momenten!

  7. Liebe Vroni,
    glaub mir, nach ein paar Tagen wird es besser. Meine Mama sagt schon immer:“ Der Anfang von den Ferien war immer am schlimmsten und das Ende! Am Anfang, weil ihr soviel gestritten habt und am Ende, weil ich traurig war, dass die Ferien wieder vorbei waren!“ Und ich kann nur bestätigen, genauso ist es, jedesmal aufs neue. Also, es wird besser, wenn die ersten Tage vorbei sind! Halte durch…

  8. Lb. Veronika,
    wenn ich das so lese, so bin ich ehrlich gesagt, froh, daß es nicht nur bei uns oft so disharmonisch ist. Heute, am ersten Ferientag graut es mir schon vor den nächsten 6 langen Wochen, die nur durch einen kurzen Urlaub unterbrochen werden. Hier gibt es gleich 2 kleinere (Zwillinge) und ein größerer Tiger, die alle gebändigt werden wollen… Aber es hilft, zu sagen, daß immer nur der eine Tag gemeistert werden muß. Und einer meiner Lieblingsverse lautet: „ER hat zu mir gesagt: Laß Dir an meiner Gnade genügen, denn MEINE Kraft ist in dem/der Schwachen mächtig!“. In diesem Sinne: viel Kraft und liebe Grüße von Christina

  9. Oh ja, dieses Gefühl kenne ich sehr gut. Meine zwei Mädchen (bald 4 und 2 Jahre) können manchmal auch ganz schön streiten und oft geht es ja auch noch ums Thema „Ablösung von der Mama“, was auch nicht immer so einfach ist….
    Ich wünsche Dir viel Weisheit, Kraft und Gottes Segen! Ich lese Deine Posts immer wieder gerne, sie sind so ehrlich und man denkt „ja, genau, so geht es mir auch!“ Freu mich schon auf Dein neues Buch.

    Alles Liebe

    Claudine

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