Familie

Mit mir ist gut Kirschen essen…

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Danke für eure vielen wunderbaren Kommentare! Ich komm gar nicht mehr dazu, Antwort zu geben. Aber der Sommer ist so voll, so wunderbar, pulsbeschleunigend voll.

Ich verbringe weniger Zeit vor dem Laptop. Und mehr Zeit im Kirschbaum.

Jetzt stehen zwei Eimer voller Kirschen in der Küche und warten auf ihre Weiterverarbeitung. Heute gab es zum Mittagessen Kirsch-Clafoutis mit Vanille-Eis. Hab nach einer spinatlastigen Woche endlich wieder Pluspunkte und gute Laune am Esstisch geerntet. Die nächsten 10 Tage sind vollgepackt mit wunderbaren Sachen und ich bekomm schon wieder Beklemmungen, ob es nicht zuviel wird.

Morgen bin ich Helferin beim Sportfest. Abends Klassenfeier. Am Wochenende findet mein absoluter Lieblingsflohmarkt statt. Und Josefines großer Tanzauftritt im Heilbronner Theater (gleich dreimal). Nächste Woche planen wir an unserem Haus weiter – das wir (haha!!) immer noch nicht gekauft haben. Und dann flieg ich in eine große Stadt. Was ich dort mache, verrate ich nicht. Noch nicht. Aber ich freu mich drauf wie eine Kuh, die nach langer Winterstallzeit endlich wieder ins Freie darf.

Ach ja, und die Kirschen muss ich morgen zwischen Sportfest und Grillfeier noch schnell verarbeiten. In Weckgläsern, als Marmelade und den Rest schmeiß ich in die Gefriertruhe.

Ich lasse mich von meinen Beklemmungen angesichts des vollen Kalenders nicht einschüchtern und schmeiß mich ins Leben. Gute Sachen warten auf mich! Ach, ich freu mich so am Leben. Dass ich leben darf!

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Gedanken, Glaube

Mutterliebe

IMG_7469Schon seit Tagen hat Amelie ein großes Ziel. „Heute springe ich vom Einser!“ Während ich versuche, mich aufs Badesachenpacken zu konzentrieren, sprudelt meine Siebenjährige wie eine Flasche Mineralwasser. „Vielleicht springe ich erstmal vom Startblock, um mehr Mut zu bekommen?“ „Das machst du, mein Schatz“, sage ich und lege soviel Zuversicht und Vertrauen wie nur möglich in meine Stimme.

Eine Stunde später sind wir im überfüllten Freibad, dessen Schwimmerbecken mit Kindern, Jugendlichen und Muttis vollgepackt ist. Ich bekomme einen akuten Anfall von totaler Reizüberflutung und möchte mich am liebsten in der Umkleidekabine in Fötusstellung auf die versiffte Bank legen. Aber da ist meine aufgeregte Tochter mit ihrem großen Plan. Sie zerrt mich Richtung Startblock. „Warum sind alle anderen Muttis schon so braun?“ denke ich neidisch, während ich mit meinen Käsebeinen an ihnen vorbei eile. Amelie winkt bereits vom Startblock und ich lenke meine Gedanken zurück zu meiner Tochter. „Es geht heute im Schwimmbad mal nicht um dich, um deine Käsebeine und Speckhüften und Pickelchen auf den Oberarmen. Reiß dich zusammen und stell dich nicht so an,“ schimpfe ich leise mit mir selbst.

Amelie springt ein paar Mal wie ein junges Hündchen vom Startblock ins Wasser und hat immer mehr Gefallen an ihrem eigenen Mut. Dann blickt sie todesmutig in Richtung Ein-Meter-Brett, vor dem sich eine große Schlange Kinder und Teenies gebildet hat. „Jetzt, Mama! Jetzt spring ich vom Ein-Meter-Brett. Heute mach ich es wirklich! Aber kannst du bitte zuerst springen?“

Danke, mein Kind. Ich komm mir saublöd vor in meinem Retro-Badeanzug mitten unter bikini-bekleideten Teeniemädels, die noch nicht über Körbchen-Größe A hinausgekommen sind. Anlauf, Sprung, Platsch. Gott sei Dank habe ich eine gewisse Neigung zur Selbstdarstellung.

Jetzt ist Amelie an der Reihe. Zögernd schiebt sie einen Fuß vor den anderen. Metallische Sonnenstrahlen brechen sich im Wasser. Ich spüre in meiner Magengegend einen Kloß, ein drängendes „Na-komm-mach-schon-es-ist-nicht-schlimm“. Amelie hat das Ende des Sprungbretts erreicht und steht dort wie eingefroren. In ihrem Gesicht spiegeln sich Sonnenreflexe und Zweifel. Sie schaut mich an, sucht in meinem Gesicht nach Bestätigung. Ich nicke und verberge meine aufsteigende Panik hinter einem Lächeln. Die Schlange vor dem Einserbrett wächst. Unmut wird laut. Amelie erstarrt. Kann weder vor noch zurück und ich spüre ihre erstickende Angst, als wäre es meine eigene. Die Zeit bleibt stehen. Amelie bleibt stehen. Die Menge murrt. Ein einzelner Junge ruft: „Es ist nicht schlimm. Trau dich!“ Ich blicke ihn zutiefst dankbar an.

Weitere Minuten verrinnen in Zeitlupe. Amelie setzt sich hin und versucht sich aus dem Sitz heraus ins Wasser gleiten zu lassen. Die Angst bremst sie. Meine Tochter beißt sich auf die Lippen. „Du kannst jetzt entweder springen oder umkehren!“ rufe ich ihr zu. Aber sie bewegt sich immer noch nicht. Bis der Bademeister ihr sehr ruppig zu verstehen gibt, dass sie nun den Einser freimachen müsse. Wie ein begossener Pudel dreht sie sich um, schiebt einen Fuß vor den anderen und verlässt mit hängendem Kopf das Brett. Sie fällt in meine Arme, schluchzend. „Mama, ich wollt es so gerne schaffen und hab mich blamiert!“ 

Im Moment ihres Versagens, ihrer Scham, ihrer Verzweiflung platzt mein Herz vor Liebe für dieses Kind. Ich beuge mich zu ihr hinunter, nehme sie in den Arm. „Ich hab dich so lieb, ganz egal ob du vom Einser springen kannst oder nicht. Aber ich weiß, für dich ist es gerade schlimm.“ Mein Kind weint in meinen Retro-Badeanzug und ich halte sie fest, während hinter uns schlaksige Teenies Arschbomben vom Ein-Meter-Brett machen. Ich wünschte, ich könnte ihren Schmerz wegnehmen. Aber es gibt keinen Schmerz-Weg-Spruch, keine Abkürzung zurück ins Happy-Clappy-Land. Sie muss sich durch ihren dornigen Schmerz hindurchhangeln, mit meiner bedingungslosen Liebe als Hangelhilfe.

Nachts kann ich nicht schlafen und meine Gedanken wandern immer wieder zu dieser Szene am Beckenrand zurück. Ich kann nicht anders als jetzt an Gott zu denken. Wie er am Beckenrand meines Lebens steht und mir zusieht. Nicht als richtender kleinkarierter Bademeister. Oder als kopfschüttelnder Drängler hinter mir. Sondern als Mutter, die mir Mut für den nächsten Schritt macht. Manchmal schaffe ich ihn, diesen Schritt. Und manchmal gehe ich fünf Schritte zurück. Steige hinunter vom Sprungbrett. Ich habe es nicht geschafft. Ich schäme mich so sehr.  Da steht sie dann schon bereit, meine Mutter, die alles wie ihren eigenen Schmerz mitgefühlt hat. „Ich hab dich lieb, ganz egal, ob du es geschafft hast oder nicht.“ 

„Und wenn ich zum Hundertsten Mal versagt habe?“ „Dann hab ich dich zum Hundertsten Mal lieb.“

Das geht schwer rein, in meinen Schädel, der von Leistungsgedanken und Sorgen und Ängsten ganz verformt ist.

„Und du hast mich auch lieb in meinem Retro-Badeanzug, mit meinen Käsebeinen, meinen Speckhüften, meinem mittelmäßigen Versagen als Mutter, Ehefrau und Christus-Nachfolgerin?“ 

 

„In Momenten deines Versagens und wenn ich dich so in deinem Retro-Badeanzug in deiner ganzen Veronika-heit sehe, platzt mein Herz vor Liebe zu dir, mein Kind.“


 

PS: Ich habe Amelie um Erlaubnis gefragt, ob ich diese Geschichte im Blog veröffentlichen darf. „Nur, wenn am Ende etwas Gutes steht,“ so lautete ihre Antwort.

Familie, Reisen

Mit Kindern analog auf Reisen

Hab ich vor kurzem über den Sommer geschimpft? Ich kann mich nur vage an meine Schimpftiraden erinnern. Mein Missmut hat dem Sommer-Frohsinn Platz gemacht. Ein Nachmittag am / im See hat mich kuriert. Ich bin mit meiner Tochter um die Wette geschwommen (sie hat mich überholt *WHAT??*), wir haben Eis gegessen und uns einen Sonnenbrand geholt. Auf der Heimfahrt goss die Sonne ihr warmes Abendlicht über die Weinberge und wir rollten das Autofenster runter um die Grillen zu hören. Das letzte Stück Fahrt geht immer durch den Wald und humusfeuchte Kühle strömte durch die Fenster. Amelie zählte ihre Mückenstiche und ich die schönen Momente dieses absolut herrlichen Sommertages.

Wir haben noch fünf Wochen Schule vor uns. Das Schicksal der südlichen Bundesländer. Die Motivation geht gegen Null. Soll ich meinem Kind verraten, dass andere Bundesländer bereits Ferien haben? Ich versuche uns schon jetzt kleine Urlaubsmomente zu verschaffen.

In den Sommerferien planen wir eine lange Fahrt nach Italien. Oh, was plagt mich schon seit langer Zeit Italien-Sehnsucht!!

Habt ihr auch eine lange Autofahrt an einen Traumort in den Sommerferien geplant?

Solange ich meine Kinder von Smartphones fern halten will, muss ich kreativ bleiben was das analoge Bespaßungsprogramm auf langen Autofahrten betrifft.
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Das sind unsere Klassiker: 

  1. Hörspiele, Hörspiele, Hörspiele!
    Ich habe immer eine ganze Mediathek dabei: Märchen, Conni, Klassik für Kinder, Astrid Lindgren, Mama Mu und eine Menge Downloads meiner Lieblingsseite für Kinderhörspiele. 


  2. Snacks, Snacks, Snacks!
    Fast jede kritische Situation während einer Autofahrt kann mit einem Snack gelöst werden: Prügeleien auf der Rückbank – „Möchtet ihr einen Snack???“ Langeweile – „Möchtet ihr einen Snack??“ Die tausendste Warum-Frage – „Möchtet ihr einen Snack?“
    Meine Favoriten: Obst nach Jahreszeit, Knabberbrezeln, Tunfisch- und Käsesandwiches, Wraps, Gemüse-Sticks mit Quarkdip, hart gekochte Eier, Gummibärchen, Haferkekse, Energy Bites.


  3. Foto-Apparat
    Unsere Kinder haben schon recht früh ihre eigene Kamera bekommen. (Leider gibt es in der Kinderausführung nur Schrott-Kameras mit zig überflüssigen Zusatz-Funktionen wie Videospielen). Amelie hat meine alte Panasonic Lumix bekommen, mit der sie leidenschaftlich unsere Reisen dokumentiert. Oft sind beide Mädchen ganz vertieft ins Filmemachen (Amelie filmt, Josefine schauspielert) und haben dann einen Riesenspaß das Ergebnis anzusehen.


  4. Spiele
    Hier und hier gibt es Anregungen für Spiele, die man prima im Auto spielen kann.


  5. Reise-Mappe
    Für unsere letzte Reise hatte ich für jedes Kind eine Reisemappe angelegt. Darin waren enthalten:

    Unser beliebtes Auto-Bingo (hält die Kinder laaaaaange beschäftigt!). Wer seinen
    Bingo-Zettel als Erstes ausgefüllt hat, hat gewonnen.
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    – Einen Ausdruck der Fahrt-Strecke. So können die Kinder immer genau sehen (und
    markieren) wieviel Fahrtstrecke bereits hinter ihnen und noch vor ihnen liegt.
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    – Ein Reisetagebuch
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    – Ausmalbilder des Zielortes (nicht immer möglich – aber für unsere Breslau-Fahrt wurde ich im Internet fündig).
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    Wie vertreiben sich eure Kinder die Zeit auf langen Autofahrten? Habt ihr weitere Ideen für die Reise-Mappe?

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Ich

Ich….

bereite uns auf den Sommer vor. Der kommt diese Woche. Und ich habe ausnahmsweise nichts dagegen.

fülle die Gefriertruhe mit selbst gemachtem Flutsch-Eis. Die funky Ice-Pop-Maker hab ich hier gefunden.

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lese fast nichts. Ich habe momentan keine Lust zum Lesen und das macht mir ein bissl Angst. Vielleicht brauch ich einfach nur das richtige Buch, das meine Leseliebe wieder entfacht? Irgendwelche Tipps?

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höre das Vogelgezwitscher im Wald auf meiner morgendlichen Joggingrunde.

esse Wassermelone mit Schafskäse. In rauen Mengen.

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freue mich über das viele freie Spiel meiner Kinder, die Freiheit auf dem Land und über zwei Einladungen, denen wir am Wochenende sehr willig und dankbar gefolgt sind.

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frage mich, wie ich diese zwei Schönheiten restaurieren soll. Ich hab sie mit Hilfe einer Freundin aus dem Sonnwend-Feuer-Haufen gerettet. Natürlich vor der Inbrandsetzung. Wir haben für die Möbelstücke keinen Platz, aber sie sind wie kleine arme Waisenkinder. Ich kann sie nicht einfach vor die Tür setzen….

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bedrucke ein altes Herrenhemd. Ob ich daraus eine Tunika für mich nähe? Ich hab irgendwo noch ein altes, schwarzes Tanktop rumfliegen. Davon könnte ich das obere Teil verwenden und das Hemd einfach dran nähen. Ob das gut aussieht? No risk, no fashion!

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bete um Wegweisung. Da schwebt mir eine neue Buchidee im Kopf rum. Ob ich sie rauslassen und zu Papier bringen soll? Oder soll ich lieber noch ein bissl pausieren?

muss meinen Dschungel aka meinen Garten zähmen. Morgen!

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plane diese Woche noch ein Lagerfeuer mit unserem Hauskreis und einen Ausflug an den Badesee.

backe meine Erdbeer-Pavlova. Rezept in meinem Buch 🙂

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schaue zum 100. Mal alle Staffeln Friends. Wird nicht langweilig und mit jedem Mal lustiger. Außerdem krieg ich jedes Mal einen 90er-Jahre-Mode-Flashback. Ich vermisse die 90er….

muss jetzt in die Küche. Sonst motzen gleich meine Kinder, wenn nichts auf dem Tisch steht, außer Textilfarbe und alten Herrenhemden….

 

DIY, Ernährung, Familie, Gedanken, Glaube, Rezepte

Von Wut und Waffeln

IMG_3345_edited-1IMG_3348IMG_3356_edited-1IMG_3367IMG_3362_edited-1Mein Herz wiegt tausend Kilo. Ich bin wütend. Auf Psychopathen, auf das amerikanische Waffengesetz, auf Donald Trump (auf den bin ich eh dauerwütend), auf AFD-Wähler, auf muslimische Extremisten, auf den IS, auf unsere Gleichgültigkeit gegenüber ertrinkender Afrikaner, auf den Rechthaber-Reflex von uns Christen, auf Homophobie und Islamophobie, auf deutschen Dauerregen.

Ich habe das Gefühl, ich ecke immer mehr an. Weil ich den Liberalen zu konservativ bin. Und den Konservativen zu liberal. Weil ich manchmal mein Maul nicht halten kann. Weil ich oft zu viel sage….und dann wieder viel zu wenig. Weil ich an manchen Tagen so müde bin und meine Familie anmaule. Und weil ich mich mit einfachen Antworten von Christen gerade nicht mehr zufrieden geben kann, die meinen zu wissen, wie Gott ist und wie er handelt und was er von uns will.

Aber dann sitze ich Mittwochabend im Arbeitskreis Flüchtlingshilfe und sehe dort ganz normale Bürger (die ich vielleicht auf den ersten Blick als Afd-Wähler abstempeln würde). Eine Handvoll süßer Teenie-Mädchen, Hausfrauen und Mütter, Opas und Fußball-Trainer. Die Teenies haben einen Spielkreis für syrische Kinder auf die Beine gestellt, eine Oma fährt jeden Tag am Flüchtlingsheim vorbei und schaut nach dem Rechten, ein Rentner geht mit den syrischen Familien spazieren, eine ältere Dame hilft den Kindern bei den Hausaufgaben. Eine Mutter kümmert sich um die syrischen Frauen. Ein großer Brocken Wut fällt von mir ab.

Am nächsten Tag erreicht mich diese Meldung. Pakistanische Moslems, die eine Kirche für ihre christlichen Nachbarn bauen. Ich muss weinen. Und ein weiterer Brocken Wut bröckelt von mir ab.

Wir brauchen mehr solcher Nachrichten. Überall gibt es Zeichen der Hoffnung und Nächstenliebe, aber um sie sehen zu können, muss ich meinen Blick von nutzlosen Facebook-Debatten und Negativ-Schlagzeilen lösen.

Manchmal muss ich nur auf das sehen, was direkt vor mir ist.

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Ich kann den Dauerregen sehen. Oder das Wachstum, das er hervorbringt.

Ich kann mich über Christen ärgern, die sich wie Anwälte Gottes benehmen. Oder die Christen sehen, die demütig und still unter Obdachlosen, Flüchtlingen und Sterbenden dienen (ich gehöre eher zur Rechthaber-Fraktion).

Ich kann ängstlich die Straßenseite wechseln, wenn mir eine verschleierte Frau entgegenkommt. Oder ich kann anfangen, meinen muslimischen Nachbarn Fragen zu stellen.

Ich kann mich über komasaufende Jugendliche aufregen, oder engagierte Punk-Mädels sehen, die syrischen Kindern das deutsche ABC beibringen.

Ich kann einen rechthaberischen, zornigen, urteilenden Gott sehen….oder einen Gott, dessen Herz bricht. Und dessen Ruf an uns Menschen in der Not Anderer, in unserem Versagen, in unserer Schuld, in der Schönheit dieser Welt widerhallt.

Hm. Eigentlich wollte ich jetzt sehr geschickt überleiten zu unserem häuslichen Leben. Gelingt mir aber nicht. Deshalb abrupter Szenenwechsel.

Ich habe diese Woche genäht wie eine Blöde.

IMG_3330Das Kleid links hatte ich für meine Nichte zum Geburtstag gestrickt. Allerdings ist es viel zu klein geworden. Also habe ich noch ganz schnell ein Kleid in ihrer Größe an der Nähmaschine gezaubert.

Da ich einen Näh-Flash hatte und die Maschine eh gerade auf dem Tisch stand, habe ich noch neue Stuhlkissen für den Balkon genäht. Aus alter Retro-Bettwäsche.

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Und Abdeckhauben, um unseren Plastikmüll zu reduzieren.

Wir versinken in Nässe und Sommerkälte. Bei uns sind warmer Tee und heiße Waffeln statt Eis und Smoothies angesagt. Ich bin auf DAS perfekte Waffelrezept gestoßen. Seitdem ist unser Waffeleisen im Dauereinsatz. Vor allem im nassen, kalten Morgengrauen. Und der Morgen ist gerettet!

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Vollkorn-Buttermilch-Waffeln (ergibt 16 Waffeln)

120g Vollkornmehl
225g weißes Mehl
50g Haferflocken
110g Maisstärke
1 gute Prise Salz
2 TL Backpulver
1 TL Natron
1l Buttermilch
115 g geschmolzene Butter
4 Eier, getrennt

Die trockenen Zutaten miteinander vermischen. Das Eigelb mit der Buttermilch und der Butter vermengen. Dann zu der Mehlmischung geben und unterrühren. Das Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unterheben. Den Teig im Waffeleisen ausbacken, bis die Waffeln goldbraun und knusprig sind.

TIP: Ich habe die doppelte Menge an trockenen Zutaten gemischt und in einen Vorratsbehälter gegeben. So kann ich mir jeden Morgen einfach schnell 125g der Mehlmischung abwiegen, dazu kommen 1 Ei, 250 ml Buttermilch und 30 g Butter. Geht ganz fix und ergibt sechs Waffeln. 

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Bücher

Heiliger Alltag

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„Wir sehnen uns nach den Wochenenden, träumen von großen Momenten und geistlichem Wachstum und schieben den unglamourösen Alltag in die hinterste Reihe. Aber unser Leben findet meistens nicht im Scheinwerferlicht eines hippen Gottesdienstes statt, sondern im mittelmäßigen Licht unseres Alltag…..“

Das waren die ersten Gedanken, denen ich während der Arbeit an meinem neuen Buch „Heiliger Alltag“ nachjagte….

Jahrelang habe ich mit meinem Alltag gehadert. Bis ich schleichend feststellte, dass er mein LEBEN ist. Dort, wo Gott mir begegnet. Wirklich, mein Alltag fühlt sich nicht immer besonders wunderbar an. Und die Lektionen, die er mir erteilt hat, fühlen sich noch weniger wunderbar an. Aber hier – genau zwischen meinen dreckigen Kaffeetassen und all den anstrengenden Menschen – wartet Gott schon auf mich. Weil er mich nicht erst an der Kirchentür erwartet, sondern lieber mit mir im Chaos meines mittelmäßigen Lebens unterwegs ist.

In „Heiliger Alltag“ begebe ich mich auf Spurensuche. Kommt ihr mit?

Das Buch ist jetzt hier und hier  vorbestellbar und ich freu mich schon wie ein Schnitzel, wenn ich das Baby endlich in den Händen halte!!!

 

 

Familie, Gedanken

Mein Blog und ich

Da haben sich vorgestern Sommer und Gorillas in mein Herz geschlichen. Wir waren im Zoo und das Wetter war dermaßen perfekt, dass ich glatt meinen komplizierten Beziehungsstatus mit der heißen Jahreszeit über Bord warf. Vielleicht habe ich ein bisschen zu arg dramatisiert. Dazu neige ich gelegentlich.

IMG_9469_edited-1IMG_2736IMG_9467_edited-1IMG_9480_edited-1IMG_9484_edited-1Ich hab mich so sehr über eure Kommentare vom letzten Eintrag gefreut! Nicht immer schaffe ich es, auf jeden Kommentar zu reagieren. Aber ich lese wirklich jeden einzelnen und bekomm immer einen freudigen Herz-Aussetzer, wenn ein Kommentar eintrudelt!

Die letzten Tage habe ich über meinen Blog nachgedacht. Ich bin in diese Bloggerei reingestolpert, ohne Ziel und Zweck. Nur um des Schreibens und meiner Neugier Willen. Da gab es anfangs soviel übers Reisen zu schreiben. Dann über mein Leben mit Baby und Kleinkind. Ich bin mir sicher:  In dieser anstrengenden Zeit hab ich nur dank des Schreibens meinen Verstand nicht verloren. Aber jetzt sind die Kinder größer und ich zögere immer öfter, was und wie ich über sie berichten soll. IMG_3311Ich hab das Gefühl, ich bin aus der Mami-Blogger-Sache ein Stück rausgewachsen, weil meine Kids mehr Privatsphäre verdienen. Jedes Mal überlege ich sehr genau, was ich schreiben kann. Und was nicht. Sie können noch nicht mitbestimmen,aber das gibt mir nicht automatisch das Recht, ALLES über sie zu schreiben. Ganz im Gegenteil: ich muss mir sehr genau überlegen, wo ich ihre Grenzen überschreite. Und ob ich sie zur Selbstdarstellung instrumentalisiere. Auch wenn ich mich hier zur Ehrlichkeit verpflichtet habe – den Schutz meiner Familie stell ich eine Menge Stufen über grenzenloses Mitteilungsbedürfnis. IMG_3292Ich will weiterhin über mein Leben schreiben. Ganz getreu meinem Motto: Wie (über-)lebe ich Familie? Und ich werde weiterhin unbekümmert über alles schreiben, was Kopf und Herz und Magen beschäftigt. Ich hab absolut keine Ahnung, in welche Blog-Kategorie ich passe. Das spiegelt ja auch irgendwie meinen Dauerzustand wider. Ich kann mich nicht fein-säuberlich in irgendeine Hochglanz-Schublade packen. Dazu bewegen mich zu viele Interessen und Gedanken. Was mich gestern noch begeistert hat, darüber gähne ich heute schon wieder. Und morgen werde ich euch vielleicht mit meiner Begeisterung für Triathlon oder Vogelkunde oder Quanten-Physik quälen.

Aber in der Zwischenzeit langweile ich euch mit meinem Alltag. Der ist immer gleich. Und er ist immer wieder neu. Ich bin so dankbar, dass ich ihn mit euch teilen darf.

IMG_3282IMG_3283Mein Blog ist aus seinen Kinderschuhen heraus gewachsen. Er ist mir manchmal über den Kopf gewachsen. Aber aus ihm sind Dinge und Beziehungen und Aufgaben erblüht, über die ich nicht aufhören kann zu staunen.

Und ihr seid ein Teil davon. Danke.

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Fun, Gedanken, Listen

Heute mach ich mir keine Freunde!

Gestern Nacht habe ich einen Blogeintrag im Kopf verfasst. Das mache ich gerne, wenn ich nicht schlafen kann. Draußen tobte sich (mal wieder) ein Gewitter aus. Neben mir zitterte ein vom Donner geängstigtes Kind. Und die schwüle Luft im Schlafzimmer war zum Schneiden dick.

Ich werde mir heute keine Freunde machen. Das tut mir Leid. Aber wenn ich noch länger schweige, dann platze ich.

Ich hasse den Sommer.

So, jetzt ist es raus.

Ihr dürft meinen Blog aus eurem Blogroll streichen, mich bei Facebook unfrienden, mich nie mehr anrufen.

Aber ich steh dazu.

Ich hasse HASSE HASSE den Sommer. Ach, ich mag ihn ja auch irgendwie. Ist ein netter Kerl, der Sommer. Aber er hat seine Macken, mit denen ich sehr schlecht leben kann.

Gestern nacht, während ich mich schwitzend von einer Seite zur anderen rollte, habe ich eine Liste von Dingen erstellt, die ich am Sommer nicht mag:

  • Die Hitze, diese unerträgliche, fürchterliche, ekelerregende Hitze!  Ich wurde vor dem Klimawandel geboren und bin nur für gemäßigte Sommer gerüstet. Genauso wie unser Haus. Ich kenne seit Jahren nur noch zwei Wetter-Zustände: schwüle Floridahitze oder englischer Sommerregen. Ach ja, und dazwischen Gewitter. Natürlich IMMER Punkt 20 Uhr, wenn meine Kinder schlafen sollen….
  • Stechmücken. Sssssssssssss!!!!!
  • Ich habe zu wenig Sommerklamotten. Überhaupt mag ich keine Sommerklamotten. Sie kaschieren nicht, sondern decken brutal alle „Mängel“ auf. Ich vermisse meine Schals, Strumpfhosen, Stiefel!!
  • Hitze-Ausschläge. Die bekomm ich gerne an unaussprechlichen Stellen. Mehr sag ich dazu nicht.
  • Der Nach-Draußen-Geh-Zwang, gepaart mit Unternehmungs-Sucht. Kaum zeigt sich die Sonne, MUSS ich nach draußen. Weil die Sommerzeit gezählt ist……. und jede Sonnenminute zählt!!! Das stresst mich vor allem, wenn ich es gerade auf der Couch eigentlich viel gemütlicher finde….
  • Mit überhitzten Kindern in ein überhitztes Auto einsteigen.
  • Volle, laute Schwimmbäder.
  • Jeden Abend meine Kinder duschen müssen.
  • Malessen am laufenden Band. Aufgeschlagene Knie, Wespenstiche, Zeckenbisse, Sonnenbrand,….
  • Meine Haare, die sich im Sommer in eine aufgeplatzte Matratzenfüllung verwandeln.

So, jetzt hab ich Dampf abgelassen. Und falls sich der Sommer dieses Jahr einigermaßen vernünftig anstellt, werde ich eine Liste mit seinen positiven Eigenschaften erstellen. Versprochen!

 

 

Familie, Gedanken

Fremd

Eines Tages, ich war acht, kletterte ich auf einen Stuhl und öffnete die schweren Türen des Schreibtisches meiner Mutter. Ich fühlte mich magisch angezogen von all den dunklen Fächern. Im Schreibtisch lagerten vor allem alte Fotos und eine Menge Krims-Krams, den ich nicht zuordnen konnte, aber spannend fand. Ganz oben erspähte ich eine Zigarrenkiste und hangelte danach. Ich wusste nicht, ob ich sie aufmachen durfte, aber die Neugier siegte. Mit klopfendem Herzen öffnete ich das Kistchen. Und dann hielt ich geschockt inne.

Das Kistchen war voller Geldscheine. Aber das waren keine gewöhnlichen Geldscheine. Nein! Meine Eltern hatten mich angelogen! Sie waren Millionäre….oder gar Milliardäre? Tatsächlich, ganz unten lagen sogar Milliarden-Scheine!! Mein Gehirn schlug Saltos. Warum verstecken meine Eltern diesen Schatz im Schrank? Warum haben sie uns nie was davon erzählt? Und warum kaufen sie mir dann nicht das Barbie-Traum-Haus, wenn sie soviel Kohle besitzen??

Auf einmal waren mir meine Eltern fremd. Voller Geheimnisse. Sie waren in echt MEGAREICH! Vielleicht war ich ja auch gar nicht ihr echtes Kind….sondern…adoptiert?? Mein Kopfkino machte Überstunden und meine innere Sicherheit erhielt einen Riss. Und das nur wegen ein paar wertloser Geldscheine aus der traurigen Inflationszeit der 20er Jahre.

Ein Restgefühl der Fremdheit blieb. Später in der Clique, bei der besten Freundin, in der Klasse, in der Ehe, unter Geschwistern. Man kann morgens gemeinsam aufstehen, den Tag miteinander verbringen und abends ins Bett gehen….und sich trotzdem so fremd sein. Eines Tages schaut man den anderen an und fragt sich heimlich: Wer bist du eigentlich? Und welche Geheimnisse hast du?

Nun habe ich Kinder, die größer werden und den halben Tag außer Haus verbringen. Wenn ich Amelie mit ihrer besten Freundin kichern sehe, dann möchte ich mich am liebsten dazwischen drängen und aufgeregt fragen, worüber sie lachen. Ich tue das natürlich nicht. Weil ich eine coole Mum bin. Aber innerlich bin ich eine flattrige nervöse Über-Mum, weil ich spüre, dass sich nun dieses Gefühl der Fremdheit auch in meiner Beziehung zu meinen Kids breit macht. Sie werden mehr und mehr sie selbst. Abgetrennt von mir.

Vielleicht ist ein gewissen Maß an Fremdheit normal, weil ich ja gar nicht alles vom anderen wissen kann und er nicht von mir? Weil ich mir ja manchmal selber fremd bin, vom Weg abkomme, mich völlig verirre und überhaupt nicht mehr weiß, wo und wer ich bin. Und andere verirren sich ebenfalls, unterdrücken ihr wahres Selbst, zeigen nur eine polierte Seite.

Vertrautheit und Nähe kann ich nicht erzwingen, nur Bedingungen dafür schaffen. Ich muss mich selbst verschenken: Meine Zeit, meine Fragen, meine Geschichten, meine Verwundbarkeit. Am besten funktioniert das bei uns daheim immer noch am Tisch. Wenn mittags die Mädchen aus der Schule und dem Kindergarten kommen, voll mit ihren Geschichten und Fragen und Nöten. Manchmal fließt alles aus ihnen heraus. Manchmal muss ich sie in Ruhe lassen und später meine Fragen stellen.

Vertrautheit passiert nicht automatisch, nur weil wir alle zufällig unter einem Dach leben. 

Ich glaube ja sowieso, dass wir hier auf der Erde völlig blind umherstolpern und uns nach Zugehörigkeit sehnen, die wir nie in dem Maß erhalten, wie wir sie brauchen. Meine Kinder nicht, mein Mann nicht, ich nicht.

Richtig zu Hause werden wir erst an der großen Fest-Tafel sein, die Gott verspricht.  Das glaube ich echt. Fast immer. Trotzdem will ich hier auf der Erde noch viel öfter Momente von echter Nähe erleben und verschenken. Weil das meine glücklichsten Momente sind. 

Manchmal fängt so ein Moment mit einer Entschuldigung an. Manchmal mit einer Umarmung. Manchmal mit einer Einladung zum Kaffee. Manchmal mit einer Frage. Manchmal mit brutaler Ehrlichkeit.

Das ist Arbeit. Manchmal verdammt harte Arbeit. Manchmal Arbeit ohne Ergebnis.

Aber ich will mich jeden Tag neu bemühen, die Fremdheit in meinen Beziehungen ein bisschen zu killen. Weil wir Menschen mitten in der Fremde für Beziehung geschaffen wurden. 

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Bilder, Familie

Diese Woche…

 

Ist die Woche schon vorbei?? Gefühlt bin ich noch bei Dienstag. Aber die Woche ist vorbei gerauscht wie ein ICE auf gerader Strecke.  Ich hatte viele (Foto-)Termine, viel Arbeit, die Hände voller Kinder und Erdbeeren und Hausaufgaben und Flöte-Üben und Kundengesprächen und Emails.

Normalerweise hasse ich solche Wochen mit ihrer ganzen wirbeligen Hektik. Dann bekomm ich Nackenschmerzen und schlechte Laune und esse zuviel Schokolade. Aber diese Woche war trotzdem irgendwie gut. Vielleicht, weil ich zwischendrin immer mal wieder aus dem ICE ausgestiegen bin und mich umgeschaut habe.

Das habe ich bei meinen Zwischenstationen – mitten in all meiner Arbeit – gesehen:

  • Meine Kinder in der Badewanne. Wie sie sich gegenseitig behutsam die Haare wuschen und den Rücken einseiften. Mein Herz ist bei diesem Anblick ein bisschen geschmolzen.

  • Meine kleine, eifrige Helferin Josefine beim Erdbeer-Marmelade-Kochen. Die Marmelade haben wir dann prompt weiterverschenkt.
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  • Unsere entzückende Brownie, die fest entschlossen ist, nicht weiter zu wachsen. Sie wird auf ewig ein kleines Kätzchen bleiben. Und das ist gut so, finde ich. Wenigstens eine, die hier nicht größer wird!IMG_2413

 

  • Meinen Garten voller Kräuter bis in den letzten Winkel. Dank des Regens leb ich jetzt im Urwald.

  • Die letzte Folge von Downton Abbey. Ich habe ein bisschen geweint und fühle mich jetzt sehr orientierungslos.

  • Ein bisschen Wolle, ein bisschen Geduldsarbeit, ein neues Hobby der Kinder.
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  • Ein wunderbares Publikum am Mittwoch-Abend in Appenweier bei unserer Konzertlesung. Was für ein Abend! Und Sally hat am Ende fast die Bühne mit ihrem Akkordeon zertrümmert. Rock ’n Roll hat selten so gut ausgesehen.Sally Grayson und Veronika Smoor im CZ Agape
  • Neue Schuhe! Jawoll, heute bin ich fest entschlossen losgezogen, um mir neue Schuhe zu kaufen. Einfach so. Weil ich mich in neuen Schuhen umwerfend fühle. Und wenn ich neue Schuhe habe, gelüstet es mich nicht nach Schokolade.