Wochenende wie Honig

Eigentlich hat das Jahr doch erst angefangen. Und jetzt ist schon Ende Mai. Das geht mal gar nicht, dieses Lebenstempo. Die Tage und Woche rasen an mir vorbei und ich habe das Gefühl, überhaupt gar nichts auf die Reihe zu bekommen: Unbeantwortete Emails, ein zu entrümpelnder Keller (der immer voller wird), Schreib- und Fotoprojekte, Pflege von wichtigen Freundschaften. Ich streife nur hier und dort meine Aufgaben und Leidenschaften, ohne wirklich darin eintauchen zu können. Und das nervt!

Aber dann gibt es solche Wochenenden wie dieses. Das Leben macht eine Vollbremsung. Ich sitze im Garten mit meinem Strickzeug und Kaffee. „Mama, machst du uns den Rasensprenger an?“ Dann wetzen die Mädchen durch die eiskalten Wasserstrahlen. Anschließend gibt es ein Erdbeereis. Während sie vor Vergnügen schmatzen, versuche ich eine Liste für den Sommer zu erstellen, um Ordnung in mein Gedanken- und Planungschaos zu bekommen. „Zwei Nachthemden nähen, Steuererklärung abgeben, Lightroom lernen, Entrümpeln, neue Rezepte testen, Campen gehen, eine Gartenparty schmeißen.“ 

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Dann lege ich den Stift weg. Ich will nicht schon wieder in die Zukunft vorauseilen, an Unerledigtes denken, Sorgen Einlass gewähren. Die Liste schiebe ich zur Seite und schaue unseren verrückt gewordenen Staren zu. Sie pflücken meine Geranien und machen Krach wie eine Horde Hooligans. (Wirklich, kennt sich jemand von euch mit Staren aus? Warum pflücken sie meine Blumen? Warum kreischen sie stundenlang?)

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Währenddessen haben die Kinder die Malkreiden entdeckt und bedecken jeden Quadratmeter Asphalt mit Farbe. Schon lange hat sich Amelie gefragt, wie Gott denn die ganze Welt in seinen Händen halten kann. Heute hat sie es bildlich festgehalten. Das kann ER mit Seinen Riesenarmen! HA!!

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Dann packen wir die Badesachen und gehen an den See. Wir sind die Supereltern des Jahres, lassen die Kinder aus einer Quelle trinken und im See trotz Badeverbots baden. (Mal sehen, ob wir an Legionellen erkranken – ähäm.) Währenddessen sitze ich am Ufer und denke an gar nichts. Manchmal ist das richtig schön, das Gehirn auf Standby zu stellen.

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Das Wochenende vergeht wie zäher Honig. Süß und langsam. Eigentlich will ich keine tausend Dinge auf meiner Liste für den Sommer haben. Ich will einen Honig-Sommer: am Seeufer mit meinen Lieben sitzen. Ein Buch lesen. Leute einladen. Gedanken und Ideen und Aufgaben viel Raum und Zeit geben. Ich hab keine Ahnung, was diesen Sommer auf mich, auf uns zukommt. Aber eines weiß ich sicher: Da sind die Riesenarme Gottes, die uns mit unseren Sorgen und Ecken und Kanten und Nöten umfangen.

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Jetzt geht der Vollmond auf. Die Nachtigall singt. Meine Kinder wollen nicht ins Bett. Was mach ich nur mit Kindern und ihrer Zubettgehzeit in den Ferien? Sie spüren wohl dasselbe wie ich: Sie wollen das Honig-Wochenende noch ein bisschen in die Länge ziehen…..

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10 Kommentare zu „Wochenende wie Honig

  1. Klingt nach einem guten Wochenende. Ich habe dieses WE auch versucht den Augenblick zu genießen und nicht in die Zukunft zu sehen – vor allem auch wegen der Bundespräsidentenwahl. Mein Mantra war: „Herr, ich vertraue dir – du bist so viel größer als ich und weißt es viel besser. Egal was ist – ich gehör zu dir!“

    1. Oh Mann, bei euch gehts richtig ab. Mir graut es schon vor unserer nächsten Wahl! Aber gerade in solchen Zeiten brauchen wir unseren Mini-Kosmos aus Geborgenheit und Freuden, um Kraft für die Reise im Gegenwind zu tanken. Liebe Grüße!

  2. Das ist wirklich ein toller Vergleich mit dem Honig!! Das Leben als Geschenk zu sehen und das Heute anzunehmen und zu genießen, dieses Thema ist mir auch total wichtig. Deshalb hab ich deinen Artikel auf meiner Fb-Seite verlinkt. Ich hoffe, du hast nichts dagegen 🙂
    Liebe Grüße, Regina

  3. Waah, die Kreidebilder sind ja ultrasüß!! Und so treffend… ich bin gerade hin und weg. :))
    Ein Honigsommer klingt super. Ich hoffe, den kannst du so erleben! Wenn ich mit meiner Abschlussarbeit im Juni/Juli durch bin, lasse ich den Honig auch mal die Tage zäher machen… hoffentlich! Liebe Grüße ☺

  4. An diese Honigwochenenden kann ich mich noch genau erinnern… irgendwie sind wir in einer Zeit/Gesellschaft angekommen, wo man den Kindern möglichst viel Programm bieten muss, da ein Ausflug, dort eine Aktivität, hier ein Programm, dass man dabei ganz das Wesemtliche vergisst… oh wie hab ich diese Honigferien geliebt- in Schweden oder am Bauernhof- wir haben im Garten ewig rumgepritschelt, sind am See geradelt,… und die Mama hat gelesen und gestrickt… herrlich!
    Ich habe übrigens (wiedermal) dein Kartoffelbrot nachgebacken- so langsam wird es!

    1. Das ist der Vorteil vom Landleben – hier ticken die Uhren noch nicht ganz so schnell wie im städtischen Bereich. Und trotzdem müssen wir aufpassen, dass wir nicht vom Aktivität-Wahnsinn aufgefressen werden. Danke für deine Gedanken!

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