Garten, Gedanken

Mai: Üppigkeiten

Hinter mir liegt eine üppige Woche – und eine weitere liegt vor mir. Nein, ich rede nicht von frittierter Schweinshaxe mit Mayonnaise. Sondern von meinem Kalender, von meinem Garten, von meinen Gefühlen, von den Bedürfnissen meiner Kinder. Ich konnte und wollte nicht im Bett bleiben und lief deshalb als rotzgeplagter Zombie durch die Gegend. Wahrhaftig kein erfrischender Anblick. Aber ich habe neues Make-Up gekauft, das dann leider auch nicht wirklich geholfen hat.

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Es war eine Weile sehr warm. Ich fand’s schon mit 22 Grad viel zu heiß. Meine Güte, war die Luft schon wieder drückend! Dann kam Regen. Und die Pflanzen in meinem Garten fühlten sich pudelwohl. Alle Pflanzen, wohlgemerkt. Der Rucola und der Löwenzahn, die Erdbeeren und der Giersch, der Spinat und der japanische Knöterich (die Ausgeburt der HÖLLE!!!!!). Als ich heute den Garten betrat, stand ich plötzlich im Dschungel. Mich hätte es nicht gewundert, wären nasse Lianen vom Baum gehangen! Ich ignorierte also meinen Husten, jätete Tonne um Tonne an Unkraut, pflanzte Broccoli und Chilis und Koriander. Mal sehen, ob mir die Schnecken (Ausgeburten der HÖLLE!!!!) was übrig lassen….

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Wie können Unkraut und Nutzpflanzen nur so nahe beieinander stehen? Wenn ich nicht regelmäßig jäte und aufpasse, dann erstickt das Unkraut meine zarten Pflanzen. Sie schlingen ihre dicken Wurzeln um die Füße der guten Pflanzen und hindern ihr Wachstum. Es ist mühsam. Beim Jäten dachte ich an mein Herz. Da wächst viel Gutes drin, und direkt nebenan eine Menge Unkraut. Auf den ersten Blick lässt sich manchmal gar kein Unterschied erkennen.

Unkraut kann harmlos, ja hübsch wirken. Ich verpacke eine Lästerei als Gebetsanliegen. Ich tu so, als ob ich meinem Kind zuhöre und bin in Gedanken schon zehn Schritte weiter. Ich behaupte „demütig“, dass mir Erfolg nicht wichtig ist und checke heimlich meine Amazon-Verkaufszahlen. Ich helfe einer Freundin, um mich selbst in ein besseres Licht zu rücken. 

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IMG_1051_edited-1Gestern hörte ich dieses Gebet: „Herr, schütze die anderen vor dem Unkraut in meinem Herzen. Und dem Guten, das in meinem Herzen gedeiht, schenke Wachstum.“ 

Jetzt bin ich ins Haus gegangen. Die schlammigen Stiefel habe ich draußen gelassen und der Dreck krallt sich unter meine Fingernägel. Mein Flanellhemd wandert in die Wäsche und die Kinder ins Bett. Es war ein üppiger Tag. Voll gepackt mit Arbeit, Kindersorgen, Kochen, Aufräumen, Unkrautjäten, Pflanzen, Koffer packen, Fotografieren, Schreiben.

Unser Leben ist wie der Mai – voll mit üppigem Wachstum. Und voller Unkraut, das trotz aller Bemühungen frech an die Oberfläche kommt. Immer wieder müssen wir die Ärmel hochkrempeln und es anpacken. Unser Leben, unser Unkraut. Damit wir aufblühen.

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12 Gedanken zu „Mai: Üppigkeiten“

  1. WOW!! Vielen Dank für diese inspirierenden Gedanken, die wir doch gern mal verdrängen.
    Irgendwann lässt sich das Unkraut nun mal nicht mehr ignorieren. Dann lieber so früh wie möglich an die Arbeit machen.

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  2. Liebe Veronika,
    ärgere dich nicht länger über Giersch und Löwenzahn und entferne sie AUCH NICHT einfach. Mach dir einen grünen Smoothie daraus. Löwenzahn ist blutreinigend und Giersch sehr vitamin C haltig, mehr als Zitrone meine ich mich zu erinnern. Giersch habe ich auch und freu mich dran – manchmal auch unsere Kaninchen. 🙂
    Man/ frau kann das Unkraut auch wegessen. :-)))
    So, jetzt lese ich deinen Eintrag zu Ende und wünsche Gute Besserung.
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Hi Christiane, ich hab schon soviel Löwenzahn und Giersch gegessen bzw in Smoothies verarbeitet, dass ich mir schon fast wie ein Karnickel vorkomme. Aber das Zeug wächst schneller, als wir es aufessen können!!! Am schlimmsten ist aber der japanische Knöterich. So lang er ganz jung ist, kann man ihn auch aufessen – schmeckt wie Rhabarber 🙂
      Liebe Grüße zurück!

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  3. und ich google heimlich wie Giersch aussieht und vor allem der böse Feind aus japan..

    Bin so ein garten-Legasteniker:(
    Wird das noch?
    Egal… dafür kann ich super Gartenbilder und geschichten genießen!

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  4. Ganz profan zu den Schnecken: Wir waren neulich in einem Kurs über Permakultur (http://www.garten-des-lebens.de/) und lernten, dass Hans, unser Gartenguru, kein Schneckenkorn verwendet. Auf die 8. Nachfrage, was er denn dann gegen Schnecken mache (absammeln, in den Wald bringen) meinte er: „Du-weißt-schon-wer soll heute bitte nicht mehr genannt werden.“ 🙂 Da gibt also selbst der Profi irgendwann auf und legt sein Schicksal in göttliche Hände.
    Einen tollen Tipp hatte er aber noch: Ein Schneckenfressplatz irgendwo dort, wo er nicht stört, mit allem, was Schnecken mögen, z.B. etwas Küchenabfällen. Mal sehen, ob wir das ausprobieren…

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    1. Danke für den Tipp! Was bei uns ganz gut funktioniert, sind Bierfallen. Die sind immer voller ekliger toter besoffener Schnecken 🙂 Manchmal schneide ich die Viecher auch einfach mit der Gartenschere kaputt. Ich weiß – grausam….

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      1. Iiiiiih, Schnecken durchschneiden…. Das ist ja noch ekliger als sie ganz zu lassen. Dann hab ich den [würg] an der Schere und aufm Boden.
        Wie wärs mit Artenvielfalt? Schnecken haben viele Fressfeinde … wahrscheinlich gibts deswegen so viele davon, damit die anderen satt werden…
        Blindschleichen zB.

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