Von Korsetts und Wahlfreiheit

Meinen heutigen Beitrag durfte ich für den Blog „Unvereinbarkeitsdebatte“ schreiben: 

Letztens erhielt ich eine Email von einer Freundin aus dem tiefen Süden Deutschlands. Sie wohnt mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern in einer Stadt, die für ihre Innovationsfreude und „Hippiekultur“ bekannt ist. Ich freu mich immer, wenn sie mir schreibt, einfach weil sie ein toller Mensch ist. Sie hat sich entschieden, bei ihren Kindern zu bleiben, bis sie in den Kindergarten kommen.

Ihre Email schrie „Ich komme mir vor wie ein Alien!!! HILFE!!!“

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19 Kommentare zu „Von Korsetts und Wahlfreiheit

  1. Leider können sich manche Frauen das nicht aussuchen, und gehen mit schlechtem Gewissen zur Arbeit.
    Bei vielen Familien ist das mitarbeiten( und vor allem das Gehalt) der Frau wichtig,und es stellt sich nicht die Frage beim Kind zu bleiben.

    1. Seh ich ganz genauso. Wenn wir aber die Wahlfreiheit haben, dann dürfen wir überprüfen, ob wir uns freiwillig in ein Korsett begeben, das uns nicht passt…..

  2. Danke Veronika! Homemaker – das gefällt mir auch:-). Und zu dem Kommentar oben: Das stimmt, ja- ABER- vielleicht sollten wir uns auch ein bisschen hinterfragen lassen ob wir wirklich arbeiten gehen MÜSSEN, ob wir unseren Lebensstandard so halten wollen – oder ob es auch ein wenig einfacher gehen könnte. Damit will ich niemand dumm anmachen. Es gibt sicher schwierige Lebenssituationen. Aber ich höre dieses MÜSSEN so oft in unserem Land, dass es mich auch stutzig macht. Ich habe gemerkt wie gut es mir getan hat vor Jahren einfach meinen Krankenschwesternjob zu reduzieren -noch ohne Kind – und ich habe eben ein wenig einfacher gelebt. Um Zeit zu haben für manche wichtigen DInge, die sonst immer zu kurz kamen. Und die ich am Ende meines Lebens bereuen würde, hätte ich sie nicht getan….

  3. Liebe Veronika, den Link habe ich heute an eine Freundin weitergeleitet, die sich sehr ermutigt gefühlt hat. Danke, dass du in Worte fasst, was oft so schwierig ist. Wir hatten uns gerade vor kurzem über das Thema unterhalten und konnten uns beide so stehen lassen in unseren Lebensmodellen und -entscheidungen. Leben und leben lassen.

  4. Hallo Vroni,
    wenn es immer so einfach wäre. Woher nehme ich die Bestätigung für mein Ego wenn ich zu Hause bei meinen Kindern bin ? Irgendwie habe ich manchmal das Gefühl das bleibt auf der Strecke. Die Gesellschaft und die Politik will Kinder die „anpassungsfähig“ sind und am besten mit einem Jahr in die Kita gehen. Manchmal fühle ich mich hin und hergerissen. Im Berufsleben ist man nie wieder so aktzeptiert mit zwei Kindern. Zu Hause bleiben wird auch „beliebäugelt“, Kommentare wie „Du bist doch sowieso zu Hause“ oder ihr müsst ja im Geld schwimmen.
    Jeder muss seinen eigen Weg finden, aber es gibt Tage die es nicht immer leicht machen und erfordert manchmal echt ein dickes Fell.
    Sei lieb gegrüßt, Andrea

    1. Hallo Andrea,
      ja, es gibt Tage, an denen es nicht leicht ist. Nicht daheim mit den Kindern, nicht im Beruf. Als ich die ersten Monate mit meiner ersten Tochter daheim war, sehnte ich mich oft nach Bestätigung, die nicht kam. Ich weiß, dass viele Mütter daran leiden. Aber damals habe ich langsam lernen müssen, dass ich Bestätigung nicht einfordern kann, sondern dass sie ein Geschenk ist. Ich darf mich dran freuen, wenn sie kommt und darf (muss!) sie an andere Mamas weitergeben. Und ansonsten habe ich gelernt, aus mir selbst Bestätigung zu schöpfen. Mir am Abend auf die Schulter klopfen, dass ich einen vielleicht chaotischen, anstrengenden Tag „überlebt“ habe. Wenn ich auf Bestätigung von außen warte, dann wird das irgendwann zu Bitterkeit führen. Im Beruf habe ich übrigens auch nicht oft Anerkennung bekommen – ganz nach dem schwäbischen Motto „Net geschimpft ist gelobt genug“ 🙂
      Liebe Grüße
      Veronika

  5. Ich habe keine Kinder, für mich stellt sich die Frage nicht. Jedoch, ich kann mich auch heute noch gut erinnern an das flaue Gefühl im Magen, wenn ich als Teenie müde aus der Schule heimkam, und Mutter war nicht da… sie musste arbeiten gehen. Es war nicht schön und wenn ich die Wahl hätte und auch Kinder, ich würde bei meinen Kindern bleiben wollen. im Berufsleben ist auch nicht alles Gold was glänzt und man kriegt auch nicht immer die Bestätigung, die man sich wünscht. Also, Mütter, hoch den Kopf, ihr seid spitze, lebt diese eure Berufung stolz!

  6. Ja, wirklich guter Artikel. Ich bin auch bei meinen Kindern daheim geblieben und war froh, dass ich endlich meinen (obwohl interessanten) Bürojob aufgeben konnte und Familie bauen und daheim bleiben und alle 4 Kinder ausgiebig stillen durfte. Wir hatten oft nicht viel Geld, aber mir wäre nie in den Sinn gekommen, arbeiten zu gehen (außer ein paar Stunden ab und zu in unserem Geschäft, als die Großeltern auf die Kinder aufgepasst haben).
    Aber ich muss sagen, ich muss noch an mir arbeiten (wirklich?), die heutige Situation anzunehmen,dass Mütter ihre KLEINSTkinder in die Kita abgeben (mit Ausnahme von Alleinerziehenden).

    Vor ein paar Wochen habe ich eine Szene mitbekommen, die mich sehr nachdenklich gemacht hat. Wir schauten ein Fußballspiel an und da waren 2 junge Mütter mit jeweils 2 kleinen Kindern. Da sagte die eine Mutter: „Oh der Kleine ist es gar nicht mehr gewöhnt mit uns am Wochenende, dass wir da länger schlafen und mit dem Fahrrad fahren. Unter der Woche ist er immer ab halb 8 (!) bis nachmittags in der Kita“. (Ich hatte Mühe, unsere Kinder um 8:30 oder 9:00 Uhr ab 4 Jahren im Kindergarten zu haben). Das tat mir echt im Herzen weh! Und ich sah in unserem Dorfkindergarten einen „Zwergenausflug“ von 7 etwa 2jährigen mit nur 2 Erzieherinnen. Die meisten Mütter haben keine Drillinge oder Vierlinge – wie soll man da jedem Kind gerecht werden?
    Außerdem sagte mir ein Bekannter: „Wir haben früher in der DDR doch den Fehler der Krippen vorgemacht, und jetzt macht Ihr das wider besseres Wissen nach!“
    Ich habe einfach Sorge um die seelische Entwicklung und die Bindungsfähigkeit der Kinder!
    Und ich habe immer dafür plädiert, dass Mütter zu Hause ein Müttergeld bekommen, da sie einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leisten, und damit Mütter es sich aussuchen könnten, ob sie wirklich arbeiten gehen müssen und von der Arbeit gestresst schnell noch ihre müden Kinder aus der Kita abholen und auch, weil kinderreiche Familien schon finanziell benachteiligt sind.

    Ich weiß nicht, ob mich jemand von den „neuen Müttern“ verstehen kann, aber vielleicht die im „Mittelalter“. Vielleicht zerfleischen mich jetzt auch andere Frauen, aber ich könnte nicht gegen mein Bauchgefühl handeln.
    Natürlich fällt einem als „Nur-Mutter“ und „Nur-Hausfrau“ öfter mal die Decke auf den Kopf! Deshalb finde ich es gut, dass man nebenbei noch so freiberufliche oder ehrenamtliche Dinge tut oder Hobbys nachgeht wie Du, Veronika!

    1. Zitat: Außerdem sagte mir ein Bekannter: „Wir haben früher in der DDR doch den Fehler der Krippen vorgemacht, und jetzt macht Ihr das wider besseres Wissen nach!“

      Mit der oben zitierten Aussage deines Bekannten wird wieder mal eine allgemeine „Weisheit“ für alle hinausposaunt und DAS finde ich falsch. Was für den einen ein Fehler ist, kann für den anderen doch auch immer ein Geschenk sein.

      Ich bin auch in der DDR aufgewachsen. Ich sehe die Krippenbetreuung dort nicht als Fehler. Trotzdem konnte ich für meine Kinder eine eigene, andere Entscheidung treffen und war die ersten Jahre gerne zu Hause.

      Leben und leben lassen – es gibt kein richtig für alle.

  7. Hallo ihr alle,
    Ich finde es auch wichtig und richtig dass wir Frauen wählen können, ob wir arbeiten gehen oder nicht. Ich selbst habe mich dafür entschieden, nach einem Jahr wieder mit Teilzeit einzusteigen, was um unsere Ausgaben zu decken auch tatsächlich nötig ist. Was mir bei dieser Diskussion meist auffällt und mich ärgert, ist, dass immer über die MÜTTER nie über die ELTERN gesprochen wird. Meine Vision einer familienfreundlichen Gesellschaft ist, dass sich Mutter und Vater Erwerbs-und Familienarbeit so teilen, dass beide die Kinder erziehen UND zum Familieneinkommen beitragen dürfen.

  8. Veronika, darf ich deinen Gastbeitrag auf meinem Blog verlinken? Ich finde den Text Hammer – sagt ohne zu moralisieren so viel Wichtiges. Liebe Grüsse Sonja

  9. Ja, auch ich finde es bedenklich wie früh und für wie lange Zeit jetzt Kleinkinder in die Kita oder Kindergarten gehen. Meine Tochter ist jetzt 13 und ich arbeite Teilzeit seid sie 3 Jahre ist.
    Mein Arbeitsplatz war und ist oft eine zusätzliche Belastung aber auch eine Sicherheit und Bereicherung. Ich bin dankbar dass ich BEIDE Lebenswelten leben darf.
    Mein Muttersein bereichert meinen Arbeitsplatz und mein Arbeitsplatz bereichert mein Muttersein.
    ich bin auch dankbar dass ich in einer Zeit lebe wo ich als Frau so viel mehr Möglichkeiten habe- ich bin mir noch sehr bewusst wie um alles gekämpft werden musste.
    Ich denke, jede Frau und jede Familie ist anders und habt einfach Mut für euch jeder einzeln zu schauen wie er sein Leben gestalten kann und will.
    Wir haben Dinge wo wir eingepfercht sind- aber wir haben auch Spielräume – und die sind manchmal variantenreicher wie gedacht.
    Als Mama hat man eh so oft ein schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle- daher brauchen wir mehr Ermutigung!
    Mehr Ermutigung unser EIGENES Lebensmodell zu finden – ein JA zu den Umständen zu finden und ein JA zu uns als fehlerhafte unvollkommene Mütter zu finden.
    Bitte ERMUTIGT einander!

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