Freitags-Futter, Rezepte

Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

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Schnee im April. Wahrscheinlich waren wir die Einzigen auf diesem Planeten, die dieses völlig normale und gesunde Phänomen genossen. Das Wetter kann eben auch vernünftig sein und Sorgen über den Klimawandel rückten in weite Ferne…

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Retro-Fundstücke. Blüten. Haferflocken-Brötchen. My kind of happiness.

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Neue Spiele für die Kinder (Second-Hand-Fundstücke) = ruhige Stunden für Mama.

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Und die ruhigen Stunden habe ich zum Entrümpeln genutzt. Ein ausgemisteter und sauberer Kühlschrank hat eine eigenartig beruhigende Wirkung auf mich…

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Ein Päckchen im Briefkasten von einer lieben Blogleserin. Ich hab mich gar nicht mehr eingekriegt. Post verschicken und selber bekommen ist meine Liebessprache. DANKE!

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Broccoli, Gurken, Wildtomaten! Ich pflanz einfach meinen Garten an – trotz Ungewissheit ob wir hier bleiben oder nicht. Die Freiheit nehm ich mir.

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Vormittägliche Stifte-Stoff-Bücher-Klebstoff-Kaffee-Explosion.

IMG_0651Ein neues Kochbuch. Nein: ich kaufe keine mehr, weil mein Küchenregal überlastet ist. Aber ich hole mir jeden Monat ein neues aus der Bücherei. Das hier hat’s mir angetan. Ich hab schon einige Rezepte nachgekocht. Nicht alle haben uns geschmeckt. Aber die Brennnessel-Burger und Kartoffel-Pancakes waren ein Hit an unserem Esstisch!IMG_0650

Das Kartoffel-Pancake-Rezept habe ich leicht abgewandelt und es war ganz und gar fantastisch. Ich hatte nämlich noch einen halben Topf voll kaltem Kartoffelbrei vom Vortag. Der landet sonst immer bei den Hühnern, denn mal ehrlich: Wer isst gerne aufgewärmten Kartoffelbrei??

Jetzt hab ich aber eine neue Verwertungs-Möglichkeit!

Rezept Kartoffel-Pancakes (ca. 10-12 Stück)

Zutaten:
350g warme, mehligkochende, zerstampfte Kartoffeln
oder die entsprechende Menge an altem, ungeliebten Kartoffelbrei
100 g Mehl
2 Eier
2 Eigelb
100 ml Milch (wenn du Kartoffelbrei verwendest, dann reduziere die Milchmenge)
1 EL saure Sahne
1 Prise Natron
Salz
Olivenöl oder Butter

Die Kartoffeln zusammen mit dem Mehl in einer Schüssel vermischen, dann Eier und Eigelb unterrühren. Milch und saure Sahne zufügen und verschlagen, anschließend Natron und Salz dazugeben. Die Masse sollte etwas dicker als normaler Pfannkuchenteig sein.

Das Fett in einer Pfanne erhitzen. Den Teig esslöffelweise großzügig in die Pfanne geben und die Pancakes auf jeder Seite 3-4 Minuten braten, bis sie goldfarben sind.

Wir haben die Pancakes mit Zimtzucker und Apfelmus gegessen. Und das war extrem lecker!

 

 

 

Body Image, Ernährung, Gedanken

In meinem Körper zu Hause

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In meinem letzten Eintrag schrieb ich davon, dass die Welt mein Zuhause ist. Ich bin viel von Ort zu Ort gereist und ich konnte mich an einem Lagerfeuer, an einem tosenden Wasserfall, in der Wildnis zu Hause fühlen. Unterwegs war ich so lebendig, das Blut pulsierte durch meine Adern, meine Muskeln spürten jedes Gramm meines Rucksacks. Ich war während meiner Reisen nicht nur in der Welt zu Hause, sondern auch in meinem Körper. Er war oft das einzig Vertraute an einem fremden Ort. Der Rhythmus meines Atems, der Fleck neben meinem Nabel, die Härchen auf meinen Armen. Fühlte ich mich einsam, schlang ich nachts die Arme um mich selbst. Ich hatte mich.

Heute habe ich mich immer noch. Aber ich bin anders geworden. Ein paar Kilo schwerer. Speckfalten, wo früher ein flacher Bauch war. Die Mutterschaft hat ihre weichen, warmen Spuren hinterlassen. Wenn mein Körper mein Zuhause ist, dann habe ich fast mein Leben lang einen ziemlich guten Job erledigt, dieses Zuhause einzureißen. Ich wollte nicht darin wohnen, sondern campierte voller Ablehnung in meinen Vorstellungen von einem Traumkörper. Die Beauty-Industrie und das Fitness-Studio haben einen ordentlichen Reibach mit meiner Selbstablehnung gemacht. Der Selbsthass von uns Frauen ist klingende Münze für einen Multimilliardenmarkt, der nicht müde wird, uns solange Lügen einzuimpfen, bis wir uns zur Unkenntlichkeit verbogen haben.

Ich glaube ihnen nicht mehr: den Zeitschriften, den Pillen und Pulvern, den schönen Körpern von 20-jährigen, den Paleo-Lowcarb-Lowfat-Glyx-Blutgruppen-Diäten. Was ich immer mehr glaube und verinnerlichen will: Jemand hat vor 41 Jahren diesen Körper gebaut, damit ich ein Zuhause habe, in dem ich in Frieden leben kann. Aber ich habe Krieg geführt. Und ich bin dieses Krieges so müde geworden. Langsam schließe ich Waffenstillstand mit diesem Zuhause, das alles andere als perfekt ist.

Heute hörte ich diesen Satz meines Lieblingssängers Bono (in den ich seit 27 Jahren schwer verschossen bin): Die göttliche Dreieinigkeit spiegelt sich in uns wider, weil wir Körper, Seele und Geist sind. 

Unseren Körper auszuklammern, bedeutet, dass wir uns von einem gesunden, vollen Leben abschneiden. Von einem Leben, das Segen empfängt und Segen weitergibt. Von einem Leben, das wir in erster Linie eben nicht mit Seele und Geist, sondern zu allererst über unseren Körper erfahren. Solange wir aber Krieg gegen ihn führen, können wir unser Leben nicht richtig leben. Dann werden wir niemals völlig verrückt tanzen, auf einer Bühne stehen, einen Sommertag am Meer genießen (im Bikini!), Ideen nachgehen, Komplimente machen, Shorts tragen, guten Sex haben, Essen genießen und anderen Mut machen. In der Jagd nach kleinen Kleidergrößen halten wir uns selbst klein.

Ich will lernen, in meinem Körper – so wie er heute ist – zu Hause zu sein. Schon allein meinen Töchtern zuliebe. Andernfalls vererbe ich ihnen einen  Kriegsschauplatz, an dem die nächste weibliche Generation ihr Potenzial und ihre Energie verschleudern wird.

Mein Körper ist mein Zuhause. Ich richte mich zögernd darin ein. An manchen Tagen sind wir schon echt gute Kumpels, da kann ich auch die Speckröllchen fröhlich im Spiegel grüßen. Und wenn ich abends im Bett die Arme um mich schlinge, bin ich ganz bei mir. Der Weg zurück zu mir ist weit und steinig. Aber ich gehe ihn, um zu leben.

 

 

 

 

 

Familie, Gedanken, Reisen

In der Welt zu Hause

Gerade lese ich einen Blog von einer Familie, die mit ihren vier Kindern um die Welt reist. Für ein Jahr. Als Armin mich vorhin fragte, was wir heute Abend machen wollen, habe ich nur kurz hinter meinem Laptop gegrunzt: „Muss diesen Blog lesen….“

Blog-Bilder aus Tasmanien und Koh Samui ziehen an mir vorüber. Orte, an denen ich selbst schon war und die sich auf ewig in mein Herz und meine Träume eingebrannt haben. Eine heiße, neidische Sehnsuchtswelle überrollt mich und ich frage mich: Warum können wir das nicht machen? Warum hab ich nicht den Mut – wie damals vor 14 Jahren – und kündige alles, um Freiheit und Abenteuer zu erleben? Diesmal zusammen mit meiner Familie? Sofort brüllt mich die Vernunft an: Schule! Haus! Arbeit! 

Aber ich sehne mich seit Monaten wie schon lange nicht mehr nach fernen Ländern, Abenteuern, Salzwasser. Nach heißem Asphalt in lauten amerikanischen Städten und stillen Quellen in den Urwäldern Ozeaniens. Nach dem Gefühl übersprudelnder Freiheit und Schönheit. Damit verbunden nagt an mir die Frage, ob das jetzt schon alles war. Ob erwachsen sein bedeutet, sich ganz und gar der deutschen Vernunfts-Dreifaltigkeit zu beugen: Häusle, Sparen, Arbeit.

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Es ist ja irgendwie ganz nett, zu wissen, wo ich hingehöre und welche Routine mich morgen erwartet. Auf Reisen wusste ich das nicht. Ich trieb mal hierhin, mal dorthin. Ich wusste nie, welchen Bus oder Berg ich am nächsten Tag besteigen würde. Wo ich schlafen würde. Oder welchen Menschen ich begegnen würde. Das war Reiz und Last zugleich. Nichts war verlässlich. Es konnten sich keine tieferen Freundschaften bilden. Alles blieb irgendwie an der Oberfläche und selbst die atemberaubendsten Szenarien verblassten irgendwann zur Normalität.

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Aber nun leide ich schon zu lange an einer Überdosis deutscher Vernunfts-Normalität und würde am liebsten alles abbrechen um aufzubrechen. Aber wir wollen ein Haus kaufen und ich frage mich gerade: Will ich das wirklich? Oder sind meine Fluchtgedanken normale Wehen auf dem Weg zur Sesshaftigkeit? Mir geht es wie einer panischen Braut kurz vor der Hochzeit: „Ich heirate jetzt diesen Mann und das war’s dann!“

Ich habe die sanften Hügellandschaften Tasmaniens vor meinem inneren Auge und vor meinem Fenster die Weiden und Hügel und Weinberge Hohenlohes. Ich habe  noch immer den Geschmack einer Schokotorte dieses tasmanischen Cafés auf der Zunge. Und ich habe alle Zutaten im Keller, um ganz neue Rezepte auszuprobieren. Ich höre noch immer das türkisfarbene Rauschen am Great Barrier Reef. Und hier daheim höre ich Kinderlachen, die  Kreissäge meines Mannes, das Singen der Abend-Amsel. Ich spüre noch immer tiefe Dankbarkeit über unverhoffte Gastfreundschaft in L.A. und Chiang Mai. Hier daheim freue ich mich über jeden Gast, dem ich die Tür öffnen und eine Tasse Kaffee machen darf.

Ich möchte noch eine Weile meinen Träumen und Sehnsüchten und Erinnerungen nachspüren. Ich werde meinen alten Rucksack aus dem Keller holen, den Kindern Geschichten am Lagerfeuer erzählen, unter den Sternen schlafen, billigen australischen Rotwein trinken, Fremde einladen, Currys kochen, Unerwartetes tun, intensiv leben.

Ich kann vielleicht nicht spontan mit meiner Familie in die Welt aufbrechen. Aber ich kann die Welt zu mir nach Hause holen. Sie wartet nur darauf, dass ich ihr die Tür öffne…

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Bilder, Fotografie, Gedanken

Leergeschrieben

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Ich könnte darüber schreiben, dass ich gerade die erste Grille des Jahres höre (hab die Kochprofis auf lautlos gestellt…). Oder darüber, dass gestern die Schwalben aus Afrika heimgekehrt sind. Vielleicht auch darüber, wie sehr mich meine Jüngste herausfordert. Wie sehr sie manchmal in ihrer Wut, ihren Launen gefangen ist. Ich bin mir so unsicher, wann ich ihr Grenzen setzen, wann ich ihr helfen, wann ich sie in Ruhe lassen soll. Trial and error. Jeden Tag neu.

Ich könnte darüber berichten, wie sehr ich auf Brettspiele und Stricken und Brotbacken und den Duft von frischgewaschener Wäsche und Mittagsschläfchen stehe. Und darüber, wie alte Freundschaften neue Facetten gewinnen.

Aber die Worte wollen nicht kommen.

Mir ist, als hätte ich mich in den letzten Monaten leergeschrieben. Da ist nur noch ein bisschen Bodensatz, den ich mühsam zusammenkratze. Ich kann euch also nicht viel präsentieren. Nur Bilder. Von denen mache ich viele. Ich glaube, sie können im Moment besser berichten als meine Worte….

 

 

Familie

Montag-Morgen

Guten Morgen, lieber Montag! Oh, du schöne Routine. Kinder und Mann sind aus dem Haus, niemand stört mich gerade. Herrlich. Eigentlich müsste ich mich dringend an die Hausarbeit machen und später noch zur Bank fahren und eine Moderation für unser morgiges Frauenfrühstück∗ ausarbeiten.

Aber jetzt genieß ich die fünf Minuten Ruhe und schau zurück . Das Wochenende war kinderlastig (haha, die Rechtschreib-Korrektur schlug zutreffend „kinderlästig“ vor). Unsere Vorstellungen von Ruhe und Erholung kollidierten mit unseren Kindern, ihren Plänen, Wünschen, Nähebedürfnis. Am Samstag-Abend, lange nach der offiziellen Bett-Geh-Zeit, kroch Amelie zu mir aufs Sofa. Anstatt sie gleich wieder ins Bett zu schicken, schloss ich meine Arme um sie. Eigentlich schwebte mein Finger für eine weitere Folge Downton Abbey über der Fernbedienung. Ich legte sie zur Seite (die Fernbedienung, nicht mein Kind). Amelie legte ihren Kopf auf meinen Schoß. Und dann unterhielten wir uns. Über den Besuch ihrer neuen Freundin, über einen Jungen in ihrer Klasse, der sie ärgert, über die nächsten Ferien. „Mama, ich will mal wieder nur was mit dir alleine machen.“ Wir schmiedeten Pläne, kicherten, schmusten. Dann ging meine Siebenjährige satt ins Bett. Mir wurde wieder stark bewusst, dass diese Abende mit intimen Gesprächen, mit Rückenkraulen und Schmusen gezählt sind. Dass sie wichtige Bausteine für unsere Beziehung sind, die später tragen, wenn wir uns anschreien und miteinander zornen……

Gestern wäre ich zwar am liebsten den ganzen Tag auf der Couch kleben geblieben. Aber ich löste mein Versprechen gleich ein. Amelie und ich bastelten den ganzen Nachmittag und schufen ein Schloss aus Pappe, Klopapierrollen, Stoffresten, Schaschlik-Spießen. Währenddessen verschwand Josefine mit Papa in der Werkstatt. Dort ist ihr gemeinsamer Ort, an dem sie hämmern, sägen, schmirgeln. Das sind ihre „Bausteine-Stunden“.

Und zwischendrin wurde Amelies Hose fertig. Die ihr dann doch nicht passte und sofort von ihrer kleinen Schwester in Beschlag genommen wurde. Josefine hat dann gleich noch eine Schürze dazu kreiert. Sie hat Hose und Schürze jetzt Tag und Nacht an.

Jetzt muss ich aber echt an die Hausarbeit, anstatt hier auf dem Blog meine Zeit zu vertrödeln. Aber ich bin so gerne hier, in meiner kleinen Zufluchtsecke!

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∗ Müttercafe-Frühstück in der ETG Scheppach am 19. April um 9 Uhr (mit Kinderbetreuung)

Thema: Es eilt die Zeit im Sauseschritt – wie gehe ich mit meiner Zeit um?
Referentin: Christa Horst

 

Familie

Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Sorry, wenn ich mit der Sperrung meines letzten Beitrags für Verwirrung sorgte. Armin bremste meine Impulsivität mit seiner Rationalität, weil wir mit dem geplanten geplatzten Hauskauf in eine komplizierte Situation geraten sind. Wir sollten nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, bevor wir nicht eine Lösung erreicht haben. Also halte ich still (was mir wirklich sehr schwer fällt!)

So sieht’s also momentan aus. Das Haus ist wieder in weite Ferne gerückt. Wir müssen neu verhandeln. In einem Monat wissen wir mehr.

Ich atme tief durch. Lasse den Frust hinter mir und bin dankbar für unser jetziges Haus. Es ist zu klein, alt, renovierungsbedürftig. Aber es hält uns trocken, warm, geborgen. Darauf will ich sehen und nicht auf das was uns hier fehlt.

Was mir diese Woche wirklich gut getan hat, sind zwei Dinge.

  1. Das Buch Warum Ruhe unsere Rettung ist von Tomas Sjödin
    „Das ist ja der Burner!“ dachte ich beim Lesen. Seine Themen sind genau auch meine Themen, die mich seit Monaten bewegen und formen. Und über die ich schreibe. Der Sabbat. Das gemeinsame Feiern und Essen. Ich glaube, diese Sehnsucht nach den einfachen Dingen ist kein Zufall. Denn nach Jahren der Hetze, des Multitaskings, der Selbst-Optimierungen sehnen wir uns nur noch nach Ruhe.
    Vor kurzem war ich auf einem Seminar. Morgens trat mir eine Mitarbeiterin gegenüber, deutlich gezeichnet von Übermüdung und Anstrengung. „Unser Team steht gerade echt in Anfechtung. Wir sind so kaputt,“ sagte sie. Meine vorsichtige Antwort: „Ich glaube nicht, dass das Anfechtung ist. Das geistlichste, was ihr jetzt tun könnt, ist euch ausruhen und schlafen.“ Ich erntete einen ungläubigen Blick. Die Lösung kann doch nicht soooooo simpel sein…..

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  2. Die Vorträge von Professor Dr. Siegfried Zimmer von Worthaus
    Seit geraumer Zeit gerät mein evangelikales Welt- und Gottesbild immer mehr ins Wanken. Da gibt es eine Menge Dinge, die ich kritisch hinterfrage und auch nicht mehr so hinnehmen möchte. Aber das Thema verlangt irgendwann mal nach einem eigenen Blog-Post, nicht wahr? Auf der Family-Team-Sitzung am letzten Wochenende empfahl mir Bianka Bleier die Vorträge des Professors. Ich hab mich daheim also gleich mit meinem Strickzeug hingesetzt und mir diesen Vortrag angehört. Das war, als ob jemand ein riesiges Fenster zu meiner Seele öffnete und frischen Wind herein ließ. Mehr davon, bitte!
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Ich…

…sehe: Morgengold, Pastellgrün, ZartfliederIMG_0506_edited-1IMG_0492_edited-1

…höre: Geschwisterstreitigkeiten. Und die wunderbaren, kostenlosen Kinderhörbücher auf dieser Seite.
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…lese: „Warum Ruhe unsere Rettung ist“ von Tomas Sjödin. Mehr dazu am Freitag….
IMG_0480…trinke: Brennessel-Zitronenmelisse-Tee und Rioja. Und wie immer literweise Kaffee…

…gehe: in den Wald. Der tut unserer Seele so gut, dass mir dafür die Worte fehlen.
IMG_0481_edited-1IMG_0503…rieche: Landluft (die duftet unromantisch nach Schweinegülle). Und Katzen-Aa (die Katz
hatte Durchfall unter unserem Bett)

…freue mich: über das vergangene Wochenende. Family-Teamsitzung in Kassel mit Leuten, die ich richtig mag. Die Zeit war wie immer viel zu kurz…
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…fühle mich: wie im Basislager des Mount Everest. Noch ist alles ruhig. Aber demnächst geht die Bergbesteigung los. Handwerker akquirieren. Bad/Küche aussuchen. Papierkram bewältigen. Nerven bewahren. Hürden nehmen. Pausen einplanen. Pannen gelassen sehen.

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…bete: dass wir den Berg in guter Verfassung bezwingen und auf dem Gipfel dann die Korken knallen lassen können!

…koche: nix. Diese Woche leere ich die Gefriertruhe. Hurra!

…backe: Toastbrot nach diesem Rezept. 

…fühle mich: wie immer ein bisschen müde. Aber innerlich geordnet und stark.

…möchte: heute den Ablageberg abtragen (wünscht mir viel Glück!!). Und eine Hose für Amelie nähen, wenn ich heute Abend noch fit sein sollte…

…ach ja, das Katzen-Maleur muss ich auch noch beseitigen. Puh. Ich fühl mich auf einmal so schrecklich unmotiviert. 

 

 

Freitags-Futter, Rezepte

Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Nach Monaten harter Kopfarbeit und Mama-Arbeit und Beziehungsarbeit, fühle ich mich jetzt nach der Manuskript-Abgabe seltsam leer und schlaff. Ich weiß momentan gar nicht, wie es mir geht oder was ich brauche. Dieser Frage spüre ich seit einigen Tagen nach. Jeden Morgen lasse ich mir einige Minuten Zeit und schreibe auf, wie es mir geht. Da sitze ich vor einer leeren Seite und weiß gar nicht, was ich schreiben soll….und irgendwann ist die Seite dann doch voll.

Was ich diese Woche noch getan habe – mit ganz viel Gusto – war praktische Arbeit. Nichts großartig Kreatives, sondern Kinderzimmer ausmisten (Ja, das macht mir echt perverse Freude. Bügelperlen aufsaugen und Stifte spitzen und alten Kram heimlich wegwerfen).

Und Cookies backen! Falls eines der Kinder doch entdecken sollte, dass ich seine 358 wertvollen Kunstwerke weggeschmissen habe, kann ich ihm als Ablenkung die Cookies hinhalten. „Weine nicht, mein Schatz, iss lieber einen Keks.“ Und schwupps sind die Ess-Störungen vorprogrammiert….

Ich hatte Lust auf unsere Soulfood-Haferflocken-Rosinen-Cookies. Die habe ich seit Jahren nicht mehr gebacken und völlig vergessen wie schmackofatzilecker die sind!IMG_0454

Haferflocken-Rosinen-Cookies (ca. 20 Stück)

Zutaten
225 g brauner Zucker
1 Pck. Vanillinzucker
1 Prise Salz
175 g Butter
2 Eier
250 g Mehl
150 g Haferflocken
1/2 Pck. Backpulver
200 g Rosinen oder Cranberries oder Schokotropfen

Backofen auf 180 Grad (Umluft 160) vorheizen. Butter, Zucker, Vanillezucker und Salz in einer Schüssel cremig rühren. Eier hinzufügen. Mehl, Haferflocken, Backpulver und Rosinen hinzufügen und gut verrühren. Kleine Bällchen formen, leicht plattdrücken, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und für 10 bis 12 Minuten backen.

 

Bilder, Familie, Gedanken, Hausrenovierung

Was wenn?

„Wenn Sie bitte hier unterschreiben würden, Herr und Frau Smoor.“ 

Schluck!  Kritzelkratzel…..

„Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch! Sie haben nun ihr Leben, ihre Seele, ihre Zukunft und ihre Kinder an unsere Bank verkauft.“ 

Wir hatten heute Morgen unseren Termin bei der Bank. Hauskredit unterschreiben. Auf der Hinfahrt war uns beiden etwas übel und in meinem Magen tobte eine Horde Kakerlaken. Gleichzeitig war ich auch blubberig glücklich. Wir sind unserem Ziel ganz nahe: ein Heim schaffen! Ursprünglich hatte ich ja vor, dass wir beide verkleidet als Panzerknacker mit Dollar-Zeichen-Sack in der Bank auftauchen. Mein Mann fand die Idee nicht ganz so prickelnd wie ich. Hätte vielleicht unserer Kreditanfrage negativ entgegenwirken können…..

In völlig biederem Aufzug saßen wir dann im Büro des Kundenberaters. Im Gespräch mit ihm spielten wir so ziemlich jedes Worst-Case-Szenario durch: Tod des Ehepartners, Erwerbsunfähigkeit des Hauptverdieners, Eltern werden Pflegefall und das Sozialamt pfändet jedes Haar auf unserem Kopf, Arbeitsplatzverlust usw. Da wurde es mir ganz eng in der Kehle. Aber dann erklärte ich den Schreckensszenarien trotzig „Na und?“, nahm den blauen Kuli und unterschrieb schwungvoll. Wir können uns nicht gegen jede Eventualität absichern. Und Sorgen will ich mir darum auch nicht machen.Die kann ich mir dann machen, wenn ein Schreckensfall tatsächlich eintritt. Aber vorher lass ich mir davon doch nicht den Wind aus den Segeln nehmen!

Auf der Heimfahrt traf mich die Erkenntnis, dass ich in der Lebensmitte angekommen bin. Kleine Kinder, alternde Eltern, Haus renovieren und abbezahlen, sparen für die Rente, Urlaub in Italien, Stützstrümpfe benötigen, den ganzen Laden am Laufen halten, eine Brille kaufen. Wann ist das denn bitte passiert??

Die Lebensmitte. Das ist die Zeit der vielen, schweren „Was wenns?“:

Was, wenn wir den Kredit nicht abbezahlen können?

Was, wenn meine Kindern nicht aufs Gymnasium kommen?

Was, wenn meine Eltern sterben?

Was, wenn das jetzt schon alles war?

Was, wenn meinen Kindern etwas passiert?

Was, wenn ich älter werde?

Was, wenn ich nicht genug zum Verdienst beitragen kann?

Was, wenn meine Kids in die Pubertät kommen?

Was, wenn meine Traum-Küche bei Ikea ausverkauft ist?

So. Da wär ich also. In der Lebensmitte. Wo Leichtigkeit und Freude mal ganz schnell von den „Was wenns?“ zerbröselt werden können.

Um die Mittagszeit legte ich mich kurz auf die Couch. Die Aufregung und die „Was-wenn-Stimmen“ ebbten langsam ab. Ich hörte die Kinder im Nebenzimmer. Sie spielten Schule. Draußen schimpften Spatzen. Ein Skateboard ratterte die Gasse entlang. Ein Nachbar mähte Rasen. Nichts hatte sich verändert. Alles hatte sich verändert.

Ich hab mich dann mal wieder für die Freude entschieden. Denn die ist leider nicht automatisch da. Ich muss sie mir jeden Tag neu erkämpfen. Indem ich zwischen all den Aufgaben, Anforderungen, Sorgen, Erledigungen hinsehe, hinhöre, mein Herz stille werden lasse. Solange ich meine Freude noch habe, solange ich sie mir immer wieder zurückerobere, verstummen die „Was-wenn-Stimmen“ zu niedlichen Piepsstimmchen.

Auch in der Lebensmitte gibt es soviele wunderbare Nischen, in denen Freude lauert. Sie ist vielleicht nicht so offensichtlich und schrill wie in Jugendjahren. Ja, sie ist eher wie ein scheues, zartes Reh. Man muss warten, locken, innerlich still werden. Und dann ist sie auf einmal da. Und überstrahlt so manches „Was wenn?“.

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Freitags-Futter

Freitags-Futter (Obacht, das Futter liegt heut schwer im Magen!)

Eigentlich wollte ich heute etwas Leichtes posten. Ein neues Müsli-Rezept. Oder heitere Anekdötchen der vergangenen Woche. Aber meine Gedanken sind auf Wanderschaft im Land der politischen Irrungen und Wirrungen und der zunehmend schlechten Stimmung in der Gesellschaft.

Liebe Christen, ich muss ein ernstes Wörtchen mit uns reden. Immer stärker nehme ich lähmende Angst und eine damit einhergehende Islamophobie zur Kenntnis. Keine neue Entwicklung. Die hat schon in den 90ern stattgefunden und ich hab damals mit ins „Alle-Moslems-sind-böse-Horn“ geblasen. Ich bin erwachsener geworden. Auf meinen Reisen habe ich viele, viele Menschen kennengelernt. Und ich habe einen Jesus kennengelernt, der Außenseitern mit Liebe begegnet und die dadurch Heilung und Veränderung erleben.

Nach all den Ereignissen der letzten Monate tendieren wir immer mehr dazu, eine gesamte Gruppe für ein paar Übeltäter in Sippenhaft zu nehmen. Aus Angst. Wir könnten zu kurz kommen. Wir könnten islamisiert werden. Wir könnten unser Leben verlieren. Wir könnten unsere Machtposition einbüßen. Ach herrje, unser armes christliches Abendland.

Jesus erkennt ja unsere Ängste an: „In der Welt habt ihr Angst.“ Und ja, er hat verdammt recht, weil diese Welt oft zum Fürchten ist. Angefangen bei Giftspinnen und Erdbeben bis hin zu Boko Haram und dem Ku Klux Klan. Aber Jesus sagt noch viel öfter:“Fürchte dich nicht.“ Nehmen wir diese Aussage genauso ernst wie Aussagen zu Ehebruch und Steuerhinterziehung und sexueller Unmoral?

Lassen wir uns von Furcht steuern, dann glauben wir ihrer Stimme, die uns einredet, dass wir verlieren werden. Angst verzerrt unser Gottesbild und lässt uns vergessen, dass alles  von ihm kommt. Dass alles sowieso ihm und nicht uns gehört. Wir können nur verlieren, wenn wir uns mit Angst an unser Leben, unseren Komfort, unser vermeintliches Recht klammern.

Ich kann nicht anders, als die gegenwärtige Situation durch die Brille des Evangeliums zu betrachten. Ist es für uns Christen wichtig zu gewinnen, eine Machtposition zu erhalten? Geht es Jesus darum?? Haben wir jemals etwas gewonnen, indem wir Menschen ausgegrenzt haben? Haben Menschen jemals Jesus und seine heilende Liebe (die allen gilt) kennengelernt, indem wir ihnen mit Misstrauen und Ablehnung begegnen? Und ich stelle diese Frage nicht nur in Bezug auf den Islam. Sondern auch in Bezug auf Rechtsradikale, Afd-Wähler, ultrarechtskonservative Evangelikale, Trump-Wähler, Biertisch-Redner (alles Gruppen, denen ich mit leichter bis schwerer Ablehnung gegenüber stehe. Ich bin so ein Stümper in Sachen Nächstenliebe…..)

Liebe gewinnt immer. Auch wenn sie nicht auf Gegenliebe stößt. Auch wenn wir dabei verlieren.

Unser Job als Christen ist es nicht Recht zu behalten, eine Machtposition zu verteidigen. Unser Job ist es zu lieben. Und unseren Mund aufzumachen. Letzteres kann ich ganz gut. Ersteres übe ich noch……

Wir werden den Nägeln des Lebens nicht ewig ausweichen können. Sie werden uns treffen. Und dann hoffe ich, dass wir Christen sie mutig entgegen nehmen. Und trotzdem weiterlieben.

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