Fasten

940 Stunden

Nur noch 4 Stunden und 8 Minuten, bis die Fastenzeit beginnt. Dann steh ich vor 940 Stunden ohne.

940 Stunden ohne Facebook und andere diverse nutzlose Seiten, auf denen ich mein Hirn regelmäßig mit dem Schrott dieser Welt einweiche (Buzzfeed and Iwastesomuchtime…..I am looking at you!!!).

940 Stunden ohne Ben and Jerry’s und Alpenmilch-Rittersport und Chocolate Chip Cookies und Nachos.

940 Stunden ohne meinen Cabernet Sauvignon (angeblich wird Wein besser, je länger man ihn lagert??)

Ich habe die letzten Jahre nicht gefastet. Aus dem simplen Grund, weil ich das Gefühl hatte eh schon auf viel verzichten zu müssen. Kaum kommen nämlich Babies ins Spiel, gehen Reisen, Wochenendtrips, Figur und persönliche Freiheit völlig baden. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Kinder. Aber man kann nur Kinder haben (und ich wollte sie brennend!), wenn man verzichtet. Man kann nie beides haben. Nur immer eines. Freiheit oder Kinder. Bikini-Figur oder Kinder. Stürmische Paris-Wochenenden oder Kinder. Backpacking-Trip durch Laos oder Kinder.

Ich hab mich mit Mitte 30 für Kinder entschieden. Mittlerweile ist der Verzicht nicht mehr so groß, weil sie, die Mädchen, größer geworden sind. Das ist ganz famos. Und jetzt drängelt sich wieder die Fastenzeit mit ihrem Mahne-Finger in den Vordergrund. Uff.

Aber dieses Jahr faste ich. Nicht so sehr, um dabei abzunehmen und gesünder zu werden und effektiver arbeiten zu können (na gut, schon ein bisschen). Sondern weil sich in den letzten Monaten blöde Gewohnheiten eingeschlichen haben, die mit meiner Identität und Kreativität Ping-Pong spielen. Mein erster Blick am Morgen fällt auf soziale Medien. Neue Kommentare, Likes, Emails? Mein letzter Blick am Abend fällt auf soziale Medien. Noch ein Kommentar, ein Like, eine Email? Ich geh nicht eher ins Bett, bis mich irgendwer geliked hat!

Ich tendiere dazu, meine Identität an soziale Medien zu hängen, an Beliebtheit, an Erfolg. Tut mir leid, ich bin nicht dagegen immun. Und ich glaube, dass ich mein Leben lang mit meiner Gefallsucht kämpfen werde. Aber mittlerweile ist es soweit, dass ich die erste und letzte Minute des Tages damit verbringe, auf launischen Webseiten nach Bestätigung zu suchen. Und dabei habe ich mich ein wenig verloren. Das ist mir in den letzten Tagen klar geworden. Ich werde also sieben Woche Facebook fasten und das Internet für mich die meiste Zeit sperren. Ich werde soviel Zeit haben! Ich werde völlig unabgelenkt mit Menschen sprechen können! Ich werde mit meinen Kindern spielen, ohne nebenbei zu surfen!

Ich weiß schon jetzt, dass mir ein Stein vom Herzen fallen wird. Und gleichzeitig habe ich Angst, wie halt jeder Süchtige, der sein Herzallerliebstes hergeben muss. Aber mein wahres Selbst liegt nicht in den Algorithmen von Facebook verborgen und nicht im Erfolg und nicht in diesem Blog. Sie liegt in einer Zusage Gottes. Henri Nouwen drückt es so aus:

Jesus came to announce to us that an identity based on success, popularity and power is a false identity- an illusion! Loudly and clearly he says: ‚You are not what the world makes you; but you are children of God.

Jesus hat uns offenbart, dass eine Identität, die auf Erfolg, Beliebtheit und Macht gründet, eine falsche Identität ist – eine Täuschung! Er sagt laut und deutlich: „Du bist nicht das, was die Welt in dir sieht. Sondern du bist ein Kind Gottes.“

Ich wünsche mir, dass die Fastenzeit dieses Jahr ein Gewinn wird. Kein Verzicht. Dass sie ein Tor ist, das aufgestoßen wird für die Wahrheit, die mich schon seit Jahren umwirbt: Ich bin ein Kind Gottes. Nicht mehr. Nicht weniger.

940 Tage ohne soziale Medien. Das wird ein Vertrauensschritt. Was wird mich tragen, wenn ich meine Krücken wegwerfe? 

Ach ja, und das mit den Süßis und dem Wein? Ich fang zufällig wieder morgen früh mit Lebe Leichter an. Wenn mein Geist abspeckt, dann darf es mein Körper auch. Die beiden hängen ja schließlich zusammen. Und wenn es dem einen gut geht, geht es dem anderen auch ganz passabel.

Jetzt sind es nur noch 3 Stunden und 6 Minuten….

Verzichtet ihr auf eine Sache? Wenn ja auf was und warum? Ich bin doch so neugierig! 

× Aufs Bloggen werde ich nicht verzichten, aber ich werde nur sporadisch hier sein, da ich mit Hochdruck an meinem Buch arbeite. 

 

 

31 Gedanken zu „940 Stunden“

    1. So trifft man sich. Ich faste so in etwa dasselbe. Zum ersten Mal seit 3 Jahren wegen den kleinen Kindern und weil man dadurch eh so viel Verzicht übt.
      Lebe/Bleibe leichter begleitet mich auch …. Mit Uli….
      Auf eine gute Zeit 🙂

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  1. Beim Lesen deines Beitrags bin ich durch alle möglichen Stadien einer Suchtkranken gegangen. Von Ausreden (ich nutze Facebook und Twitter beruflich und kann das gar nicht reduzieren) über Panik (sieben Wochen, ich würde in der Bedeutungslosigkeit verschwinden) bis hin zur Wut (warum zieht sie mich da mit rein und kommt dann auch noch mit Jesus daher) und am Ende die Erleichterung, wenigstens bloggt sie noch.
    Ich sollte auch fasten, Süßkram weglassen und soziale Netzwerke. Aber anderseits bin ich gerade noch in der totalem Verzichtsphase: drei Kinder, das Jüngste ist gerade 15 Monate und wird noch gestillt. Eigentlich mag ich auch nicht auf noch mehr verzichten. Dazu kommt, dass ich mir gerade eine ziemlich ordentliche saisonale depressive Verstimmung rangezüchtet habe und mich deshalb noch schlechter aufraffen kann. Also eigentlich spricht alles dagegen. Aber diese Idee soziale Netzwerke zu meiden macht mich gerade echt ehrfürchtig und der leicht kneifende Rock im Schrank hätte nichts gegen Süßigkeitenentzug.
    Ich glaube, ich entscheide morgen früh spontan 😅

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    1. Wie auch immer du dich entscheidest, höre darauf, was dir gut tut. Mit kleinen Kindern kann das etwas ganz anderes sein als mit größeren. Ich wünsch dir einen Energieschub zum Aufraffen. Der erste Schritt, vor allem aus einer depressiven Verstimmung heraus, ist immer der Schwerste und Beste. Alles Gute Dir!

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  2. Tja, das ist so eine Sache mit dem Fasten…..! Verzichten ist schwer. – Ich werde auf Alkohol verzichten, so, jetzt ist es raus, schwarz auf weiß! Fällt mir echt schwer, so die Entspannungsphase am Abend,.. Ich wünsch mir dazu Willenskraft. Meine Willensmuskeln möchte ich trainieren!
    Auf diese Entscheidung trinke ich jetzt ein Glas Sekt. Es ist jetzt 21.13, ein bißchen Zeit hab‘ ich ja noch:-)!
    Liebe Grüße von
    Petra

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  3. Hach, liebe Veronika! Heute früh habe ich noch in meinem Tagebuch herumgeeiert, ob ich dieses Jahr Facebook & Co fasten werde… und jetzt lese ich deinen Text. Krawumm, jawohl, ich mache mit! Denn du hast so recht. Und wenn sich in mir so vieles dagegen sträubt und ich mich frage, ob ich darauf überhaupt noch verzichten kann, dann ist das wohl ein sicheres Zeichen dafür, dass Verzicht sinnvoll wäre! In diesem Sinne wünsche ich dir und uns (children of God!) eine gesegnete Fastenzeit.
    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Rebekka,
      ich freu mich, wenn wir zusammen in der Fastenzeit mit einem gemeinsamen Ziel unterwegs sind. Heute der erste Tag ohne. Es war absolut herrlich. Mehr dazu am Freitag….
      Dir auch eine gesegnete Fastenzeit!

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  4. Hey ich mach mit bei LL – es wird wieder Zeit, ungesund angesammeltes loszuwerden – Ballast abzuwerfen :-))
    Mir fehlte bisher die Motivation – und et voilà – hier ist mein Zeichen – DANKE!!!

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  5. Ups! Ich hab die Fastenzeit völlig vergessen, werde aber kurzfristig noch darüber nachdenken.
    Die Entscheidung soziale Medien zu fasten, finde ich klasse! Ich kann deine Beweggründe nachempfinden. Mir ging es ähnlich, nur habe ich mich komplett verabschiedet. Es gibt inzwischen lediglich einen Twitteraccount für meinen Blog, ich agiere sonst nicht mehr dort. Nach knapp einem Monat kann ich sagen: der größte Entzug ist geschafft, in meinem Kopf ist es ruhiger, ich bereue es nicht. Schreibe vielleicht noch mal einen Blog dazu. 😉
    Ich bin sicher, es wird ein Gewinn für dich und wünsche dir ganz viel Segen in deiner Fastenzeit!
    PS: falls du lesen magst, warum ich aufgehört habe…
    https://jesmel2634.wordpress.com/2016/01/14/1711/

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  6. Ich hab heute mutig verkündet, dass ich auf Kaffee verzichten werde.
    Kommentar meiner Tochter: Mama, das schaffst du nie……das wollen wir doch mal sehen……:)
    Und dann würde ich gerne mehr Bewegung in meinen Alltag bringen und mir damit Gutes tun:
    Tanzen, turnen mit den Mädels, Übungen, die meinen Rücken erfreuen und endlich wieder mehr Fahrrad statt Auto
    Mal schauen….
    ach und Henri Nouwen könnte ich auch mal wieder lesen, tut auch gut:)

    Sei lieb gegrüßt von
    Kathrin

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  7. Ich hab mir für dieses Jahr nichts Konkretes vorgenommen x) Habe letztes Jahr aber Facebook gefastet und es so genossen!! Eine Freundin hat mitgemacht und wir konnten uns immer wieder darüber austauschen und die Zeit im Real Life genießen. Es ist wirklich ein ganz anderes Gefühl gewesen, auf Menschen zu treffen und so viel Zeit und Konzentration zu haben. Deshalb werde ich wsl. meinen Konsum auf ein gewisses Maß zurückfahren. 🙂 Ich wünsche dir auch so gute Erfahrungen damit! Wird sicher super. Lg, Anne

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  8. Hallo liebe Veronika. Ich habe in unserem Skiurlaub ein Buch, dass ich seit 2 Jahren zuhause hatte, endlich gelesen. „Die Macht der Disziplin“. Denn kaum lag es da solange, fand ich die Disziplin dazu, mich damit zu befassen. Nahezu alle Bereiche meines Lebens inclusive Kinder wurden sehr angesprochen. Gerade in der heute beginnenden Fastenzeit, sehr empfehlenswert. Wir, meine Jungs 8 und 10, wollen „Schreienfasten“ und meine Jungs 1x täglich ihren Nachtisch fasten. Ich will mein Jahresmotto, BEWUSSTHEIT insbesondere mir gegenüber aber auch meinen Kindern, Partner….Gott gegenüber, bewusst leben. Die kommende Fastenzeit ist begrenzt und macht mir Hoffnung, wenigstens 40 Tage mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und vll sogar zu erreichen….PS unsere LL Mädels auch wenn ich nicht das Programm mache, unterstützen uns täglich mit Tipps und klugen Empfehlungen 💙. Viel Erfolg und danke, dass du nicht Blogfasten machst😜

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  9. Liebe Veronika, ich faste Fernsehen. In den sozialen Medien bin ich schon seit Jahren nicht mehr vertreten. Und du hast mich motiviert: bei Lebe Leichter bin ich jetzt auch wieder dabei! Ich habe mir für die nächsten 40 Tage jeden Tag fett FASTENZEIT in meinen Kalender geschrieben. Und heute gehts los. Eine gute Zeit euch allen. LG Anett

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    1. Hallo Anett,

      hast recht mit den sozialen Medien. Habe ich heute, am ersten Fastentag, auch überhaupt nicht vermisst. Ein Hoch auf unsere Motivation, LL durchzuziehen. Möge sie 7 Wochen erhalten bleiben 🙂 Liebe Grüße!

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  10. Hallo zusammen,
    Soziale Netze fasten wäre eine Idee. Ich merke, dass das Löschen der fb App auf meinem Handy schon hilft. Es ist umständlicher und zeitaufwändiger sind einzuloggen und somit schaue ich nicht noch schnell, ob etwas Neues passiert ist…
    Wir als Familie machen ein Jahr eine Shoppingpause
    ( http://www.shoppingpause.com) und merken, dass uns das sehr gut tut. Keinen ‚ stuff‘ anzuhäufen, sondern mit dem zu Leben, was wir haben und das ist schon mehr als genug. Also kein Kleidershoppen, keine Dekosachen, keine technischen Sachen, etc. und mit dem zufrieden zu sein was wir besitzen befreit unheimlich. Verzicht regt zum Nachdenken an, was wirklich wichtig ist und auf was es ankommt.
    Kann ich nur empfehlen, schaut mal auf der Homepage vorbei, dort haben wir das Prinzip erklärt!
    Liebe Grüsse Nina

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  11. Meine Fastenzeit-Idee für mich: Jammer- und Meckerfasten. Damit ich mir kein Pflaster auf den Mund kleben muss, will ich mich bewusster im Dankbarsein üben. Nichts ist selbstverständlich.
    Auch nicht, dass ich eine so tolle Schwester wie Dich habe, liebe Vroni.
    Stichwort „Lebe leichter“: Vroni hat mir vor drei Jahren den Tipp gegeben, ob denn eine Tätigkeit als Lebe leichter-Coach nichts für mich wäre. Seitdem bin ich mit Überzeugung und Leidenschaft dabei, gebe auch Online-Coaching. Wenn Abnehmen mit Lebe leichter in oder außerhalb der Fastenzeit eine Option für Dich ist, kannst Du gern Kontakt mit mir aufnehmen: lebeleichterbamberg@gmail.com

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  12. So viele gute Kommentare. Die letzten Tage habe ich noch mit mir gerungen, ob ich mir einen Fastenkalender kaufe, konnte mich jedoch nicht entscheiden, weil ich einige interessant finde. Wie geht’s euch evtl mit so einer Begleitung. ?
    Auf süßes verzichten, Kaffee reduzieren, LL ist auch eine Option.
    Zufriedenheit üben.
    Danke für den Blog

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  13. Hallo, ich bin gerade froh diesen Blog gefunden zu haben. Normalerweise lese ich nicht so gerne lange Texte in den Blogs und schaue mir lieber die schönen Bilder an. Auf diesem Blog MUSSTE ich jedoch die Texte lesen. So gut geschrieben und ich erkenne mich selber immer wieder darin. Toll!! Werde also weiterhin den Blog verfolgen und wünsche alles Gute fürs Fasten! Finde ich übrigens eine gute Idee. Auch ich bin viel zu oft auf facebook, Pinterest und co… Zeitfresser…
    Ich habe übrigens auch einen Blog: http://www.silvermoon78.blogspot.com
    Ganz liebe Grüsse
    Claudine

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  14. Während der letzten paar Wochen zwang mich ein Gallenleiden zu grossem Verzicht: Kaffee, Süsskram, Alkohol, Fett, frisches Brot und so weiter und so fort. Und was mach ich, kaum geht’s mir wieder gut? Ich hol den Schokoladenverzicht grad mal wieder auf und futtere, was das Zeug hält (man weiss ja nie, wie lange man kann 😉 ) und ersetze auch gleich den Getreidekaffee wieder durch normalen. Da wärs doch wirklich besser, die Fastenzeit auch zu nützen und grad mal wieder vernünftig zu werden. Also: Adios Koffein und „Kakaoin“ – wir sehen uns in ein paar Wochen wieder, dann aber in vernünftigem Mass.

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