Bücher, Familie, Reisen, Wochenende

Ein Ticket nach Teheran oder doch lieber Familie?

Grauer Februarfrost kratzt am Fenster. Es ist noch dunkel draußen. Ich träume von einem Umzug in ein Haus im Iran. Sonntagmorgen. Ausschlummer-Tag. Seit meine Mädchen nicht mehr um 6 Uhr früh nach ihrer Milch krähen und  fröhlich auf mir rumhopsen, ist der Sonntag auch für mich wieder (begrenzt) zum Ausruh-Tag geworden.

IMG_0179Heute, um 6 Uhr früh hopst Josefine auf mich drauf. „Mama, ich kann nicht mehr schlafen“, kräht sie fröhlich. „Hmpfpfl…“, antworte ich, noch halb in unserem schönen Haus mit blau gekacheltem Innenhof im Iran. Ich will den Traum nicht loslassen, aber er entflieht wie ein Dampfwolke. Auf Nimmerwiedersehen. Stattdessen deutsche Sonntagmorgenfebruartristesse. Amelie hopst als Nächste auf mich drauf und holt ihre Schwester zum Playmobilspielen. Prima, denke ich. Jetzt schlaf ich noch ne Runde. Genau zwei Minuten später, ich bin fast schon wieder im Iran, geht die Schreierei los. Irgendjemand hat irgendjemanden geärgert, ich höre „Du Doofiiiii!!!!“ und Playmobil durchs Kinderzimmer fliegen. Hmpfpfl…..

Ein suboptimaler Start in den Tag, wie ich finde. Jeder ist genervt. Jeder hat dies oder das Bedürfnis. Keiner mag drauf eingehen. Ich hab keine Lust Streit zu schlichten und Frühstück zu machen. Die Kinder haben keine Lust, sich zu vertragen. Mein Mann will schlafen. Amelie, die Vernünftigste von uns, geht laut aufstampfend in die Küche und rührt Pfannkuchenteig. Sie weiß, was uns alle wieder repariert: Ein Berg dampfender Pfannkuchen mit Blaubeeren und Ahornsirup. Den macht sie ganz alleine.

Nach dem Frühstück ziehen die Kinder ihre wärmsten Sachen und Winterstiefel an, schnappen sich ihre Steckenpferde und reiten ein paar Runden durch den Garten. Die zwei Katzen hinterher. Ich parke mich im Sessel mit Strickzeug und meinem aktuellen Buch „Couchsurfing im Iran“. Letzteres ist verantwortlich für meine neueste Obsession: Iran, der olle friedlose Schurkenstaat. Die Worte im Buch bewirken, dass ich das Land hören und riechen und schmecken kann. Gestern Abend habe ich dann noch den Film „Wüstentänzer“ gesehen und seitdem ist es um mich geschehen. Schaut euch den Film unbedingt an!! Er ist eine Perle. Danach kann man gar nicht mehr anders, als dieses Land und seine Geschichte und seine Menschen zu lieben.

Aber zurück zu unserem Sonntag, dem heiligen, erwartungsgeladenen. Wir haben als Familie unser Bestes gegeben. Waren im Gottesdienst, haben gemeinsam gegessen, sind durch den Wald mäandert, haben gespielt. Aber unser Bestes war nur lauwarm. Streit flammte hoch, gereizte Worte stapelten sich wie kalte Ziegelsteine aufeinander. Nur mit größter Willensmühe bewahrten wir Waffenstillstand. Wie schwer fällt es uns oft innerhalb der Familie – wo wir uns wirklich lieben! – Frieden zu halten. Es ist ein Konstrukt, das zum Scheitern verurteilt ist, wenn wir nicht immer wieder vergeben und neu anfangen. Und über uns selbst lachen. Oh ja, das Lachen! Das war heute auch da. Im Wald. Und am Tisch.

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Jetzt am Ende des Tages bin ich müde. Ich mag noch nicht, dass eine neue Woche anfängt. Viel lieber würde ich jetzt meinen verstaubten, mottenzerfressenen Rucksack mit den vielen Aufnähern aus der Garage holen und ein Ticket nach Teheran lösen. In mir kribbelt Abenteuerlust. Aber die muss ich noch ein paar Jahre aufschieben. Mein Abenteuer heißt momentan Familie und das ist schon auch spannend, weil ich früh nie weiß, wie der Tag beginnen wird…..

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Freitags-Futter

Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Vor zwei Jahren hab ich mal einen Blogeintrag mit dem Titel „Zuckerguss“ geschrieben. Den habe ich gerade rausgekramt, gelesen und mich dabei innerlich gewunden, weil ich heute einiges anders formulieren würde. Aber ich habe diesen Ausschnitt rauskopiert, weil er meine vergangene Woche erzählt:

Es ist nämlich überhaupt nicht einfach, die letzte Woche mit den angemessenen Worten zu beschreiben. Am liebsten würde ich eine Reihe von rosamundepilchrigen Adjektiven benutzen. So wunderbar, aufregend, nervenaufreibend, herzerfrischend waren die letzten 7 Tage. Jeder  von diesen Tagen hat neu und süß geschmeckt. Als hätte jemand eine Riesenportion Zuckerguss über mir ausgegossen.

Tja, ich hatte mal wieder so eine Woche. Kommt nicht oft vor, aber wenn, dann ist das wie eine Segens-Dusche von oben. Aus der kommt Zuckerguss raus. Wirklich! Der Zuckerguss hat mich übersatt gemacht und jetzt liege ich platt und müde und vollgefressen auf der Couch (Nachher werde ich noch eine Runde Staubsaugen und Bügeln, versprochen).

Zuckerguss:

  • Stricknachmittag mit anderen Mamas.
  • Eine Familien-Kaffeerunde bei lieben Freunden.
  • Book-Club.
  • Jeden Morgen fünf Minuten Stille im ersten Licht des Tages.
  • Positives Gespräch mit Amelies Lehrerin.
  • Ganz vielleicht Aussicht auf ein Haus???? (Vor meinem inneren Auge habe ich es bereits renoviert und eingerichtet)
  • Viele, produktive Schreibstunden.
  • Backlust.
  • Und gestern ein rundum schlagsahniger Zuckertag mit einer Lesung als Krönung. 100 Frauen, Wiedersehen mit Freunden, Sally an der Gitarre, ich hab ein bissl aus meinem Buch gelesen. Meine Bühnenangst von früher ist Schnee von gestern. Sally meinte: „Ich glaube, du bist aus deiner Angst rausgewachsen.“ Dann sind wir nachts heimgefahren, haben ganz ganz viel Persönliches geredet und dabei Pringles gefuttert. Das war schön.

Jetzt krieg ich mein Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht. Das bleibt noch ein paar Tage. Der Zuckerguss war halt auch extrem nahrhaft…

 

 

 

 

 

Bücher

Vom Stolpern und Tanzen

Ich könnte platzen.

Vor Stolz und Freude über meine Freundin Christina und ihr erstes Buch. Vor gar nicht allzu langer Zeit ist sie in mein Leben gestolpert. Ich bin ein bisschen zur Seite gerückt und hab ihr Platz gemacht. Und was bin ich froh darüber! Nicht immer entwickelt sich aus erster Sympathie mehr. Oft bleibt es bei einem unverbindlichen Wir sehen uns! Lass uns telefonieren! Aber Christina, die ist zu einem richtig fetten Segen in meinem Leben geworden!

Jetzt haben wir schon eine kurze gemeinsame Wegstrecke hinter uns. Zuerst hatte ich an meinem Buch gearbeitet, dann Christina an ihrem. Am Samstagabend, bei ihrer Buchparty, durfte ich das Ergebnis ihrer monatelangen Arbeit in den Händen halten:

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Zwei Tage habe ich gebraucht zum Durchlesen. An so vielen Stellen habe ich mich selbst wiedergefunden: Segen und Schaden einer frommen Kindheit, Alltagskämpfe als Mutter, Höhen und Tiefen eines Lebens mit Jesus. Christina schreibt einfach über ihr Leben. Nicht wie es sein sollte, sondern wie es ist. Und wie sie damit Frieden schließt. Sie ist in diesem Buch ganz sie selbst und das befreit, sich selbst ehrlich anzusehen. Ihre Liebe zu Menschen und Jesus und ihre Warmherzigkeit scheinen in jedem Kapitel durch. Das ist nicht aufgesetzt – Christina ist wirklich so!

Klare Lese- und Kaufempfehlung! Hier gehts zum Buch *KLICK*

Ich höre jetzt gleich wieder mit dem Schwärmen auf. Aber vorher noch ein kurzer Auszug:

Ich schreibe es für euch, und ich schreibe es auch für mich. Damit wir gemeinsam den Mut finden, aufzustehen und uns zu zeigen, wie wir sind: 

Nicht perfekt. Aber geliebt.
Vieles zerbrochen. Aber dabei heil zu werden. 
Oft gescheitert. Aber ein Segen.

Danke, dass ihr mich auf meiner Reise begleitet und dass ich euch ein wenig mit meinen Worten begleiten darf. Hier ist mein Leben. So wie es ist. Besser geht es nicht. Aber es ist das Beste, was mir gegeben wurde. 

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Bücher, Bilder, Familie

Diese Woche…

….habe ich jede freie Minute geschrieben bis Finger und Kopf glühten.

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Für den Blog ist nicht mehr viel übrig an Worten. Außer das: Es war eine gute Woche.
Hab eine ganze Menge neuer Kapitel rausgekloppt. Und dann hab ich den Laptop zugeklappt. Der Nachmittag gehörte den Kindern.

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Am Abend wieder viele Worte.

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Zwei, drei Minuten waren dann auch mal ganz ruhig. Wortlos.

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Familie, Fasten, Freitags-Futter

Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Mittwochmorgen war ungewohnt. Aufstehen und kein Facebook. Keine Blog-Statistik. Stattdessen habe ich vor dem Aufstehen der Kinder einfach mal ne Stunde gearbeitet und gelesen und gebetet. War auch nicht schlecht. Ein paar Mal hab ich reflexartig Facebook aufgerufen, aber dann erschien die Warnung auf dem Bildschirm: Shouldn’t you be working? (Solltest du nicht arbeiten?). 

Ich lese jetzt früh wieder als erstes die Losung und da stand Mittwochmorgen, zu meinem Fastenbeginn:

„Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.“ Psalm 5,4

Beim Frühstück erzählte ich Armin von meinem Fasten-Vorhaben. Amelie hörte aufmerksam zu und fragte mich, was Fasten sei. Ich erklärte ihr die Tradition von Fasching, dem Aschermittwoch und dem Fasten. Dass es etwas mit Freiwilligkeit und Verzicht zu tun habe. Ich war sicher, Amelie würde gleich aufstehen und gelangweilt das Zimmer verlassen. Aber sie saß dann noch ein paar Minuten still auf ihrem Stuhl und dachte nach. „Ich will auch fasten“, sagte sie mit entschlossener Stimme. Ich: „Hä?“

Immer wieder unterschätze ich dieses Kind und seine spirituelle Tiefgründigkeit. Mit ihren sieben Jahren versteht sie mehr, als ich es mit 22 Jahren getan habe.

„Ja, Mama. Ich will mich noch entscheiden. Entweder verzichte ich aufs Fernsehen oder aufs I-Pad.“ Einen halben Tag später verkündete sie ihren I-Pad-Verzicht. Die letzten zwei Tage hat sie das voll durchgezogen. Ihre kleine Schwester macht mit. Respekt. Ohne dass wir Eltern nur im Entferntesten irgendwelche Forderungen gestellt hätten.

Ich hab meine Fastenvorhaben (keine sozialen Medien, keine Süßis, keinen Wein) ebenfalls zwei volle Tage durchgezogen. Respekt.

Und: Es tut so gut.

Kennt ihr noch das Fernseh-Testbild von früher mit seinem eintönigen Rauschen? Wenn man um zwei Uhr nachts von der Dorf-Disco heimkam und noch etwas Fernsehen schauen wollte? Es gab nur ein Programm: Testbild. Das war echt nur spannend, wenn man high war.

Das Internet ist das neue Rauschen. Permanent, im Hintergrund. Im Kopf. In meiner Gefühlswelt. Und jetzt ist es weg. Es herrscht Ruhe. Ich kann mich endlich wieder denken hören.

Und ich bin wieder fest in der Gegenwart und meinen Beziehungen verankert, ohne schnelle Fluchtmöglichkeit vor Alltags-Eintönigkeit ins Internet.

Meine Kreativität macht Luftsprünge und ich kann mich gar nicht retten vor neuen Ideen.

Wir haben gebastelt.

Ich lese mehr mit den Kindern.

Ich lese überhaupt wieder mehr.

Ich rede mehr mit meinem Mann.

Ich gehe früher ins Bett.

Ich träume verrücktes Zeug.

Ich träume.

Ich fotografiere.

Fasten ist derzeit mein Seelenfutter. Wusste ich es doch: Gewinn kommt manchmal im Gewand von Verzicht daher….

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Fasten

940 Stunden

Nur noch 4 Stunden und 8 Minuten, bis die Fastenzeit beginnt. Dann steh ich vor 940 Stunden ohne.

940 Stunden ohne Facebook und andere diverse nutzlose Seiten, auf denen ich mein Hirn regelmäßig mit dem Schrott dieser Welt einweiche (Buzzfeed and Iwastesomuchtime…..I am looking at you!!!).

940 Stunden ohne Ben and Jerry’s und Alpenmilch-Rittersport und Chocolate Chip Cookies und Nachos.

940 Stunden ohne meinen Cabernet Sauvignon (angeblich wird Wein besser, je länger man ihn lagert??)

Ich habe die letzten Jahre nicht gefastet. Aus dem simplen Grund, weil ich das Gefühl hatte eh schon auf viel verzichten zu müssen. Kaum kommen nämlich Babies ins Spiel, gehen Reisen, Wochenendtrips, Figur und persönliche Freiheit völlig baden. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Kinder. Aber man kann nur Kinder haben (und ich wollte sie brennend!), wenn man verzichtet. Man kann nie beides haben. Nur immer eines. Freiheit oder Kinder. Bikini-Figur oder Kinder. Stürmische Paris-Wochenenden oder Kinder. Backpacking-Trip durch Laos oder Kinder.

Ich hab mich mit Mitte 30 für Kinder entschieden. Mittlerweile ist der Verzicht nicht mehr so groß, weil sie, die Mädchen, größer geworden sind. Das ist ganz famos. Und jetzt drängelt sich wieder die Fastenzeit mit ihrem Mahne-Finger in den Vordergrund. Uff.

Aber dieses Jahr faste ich. Nicht so sehr, um dabei abzunehmen und gesünder zu werden und effektiver arbeiten zu können (na gut, schon ein bisschen). Sondern weil sich in den letzten Monaten blöde Gewohnheiten eingeschlichen haben, die mit meiner Identität und Kreativität Ping-Pong spielen. Mein erster Blick am Morgen fällt auf soziale Medien. Neue Kommentare, Likes, Emails? Mein letzter Blick am Abend fällt auf soziale Medien. Noch ein Kommentar, ein Like, eine Email? Ich geh nicht eher ins Bett, bis mich irgendwer geliked hat!

Ich tendiere dazu, meine Identität an soziale Medien zu hängen, an Beliebtheit, an Erfolg. Tut mir leid, ich bin nicht dagegen immun. Und ich glaube, dass ich mein Leben lang mit meiner Gefallsucht kämpfen werde. Aber mittlerweile ist es soweit, dass ich die erste und letzte Minute des Tages damit verbringe, auf launischen Webseiten nach Bestätigung zu suchen. Und dabei habe ich mich ein wenig verloren. Das ist mir in den letzten Tagen klar geworden. Ich werde also sieben Woche Facebook fasten und das Internet für mich die meiste Zeit sperren. Ich werde soviel Zeit haben! Ich werde völlig unabgelenkt mit Menschen sprechen können! Ich werde mit meinen Kindern spielen, ohne nebenbei zu surfen!

Ich weiß schon jetzt, dass mir ein Stein vom Herzen fallen wird. Und gleichzeitig habe ich Angst, wie halt jeder Süchtige, der sein Herzallerliebstes hergeben muss. Aber mein wahres Selbst liegt nicht in den Algorithmen von Facebook verborgen und nicht im Erfolg und nicht in diesem Blog. Sie liegt in einer Zusage Gottes. Henri Nouwen drückt es so aus:

Jesus came to announce to us that an identity based on success, popularity and power is a false identity- an illusion! Loudly and clearly he says: ‚You are not what the world makes you; but you are children of God.

Jesus hat uns offenbart, dass eine Identität, die auf Erfolg, Beliebtheit und Macht gründet, eine falsche Identität ist – eine Täuschung! Er sagt laut und deutlich: „Du bist nicht das, was die Welt in dir sieht. Sondern du bist ein Kind Gottes.“

Ich wünsche mir, dass die Fastenzeit dieses Jahr ein Gewinn wird. Kein Verzicht. Dass sie ein Tor ist, das aufgestoßen wird für die Wahrheit, die mich schon seit Jahren umwirbt: Ich bin ein Kind Gottes. Nicht mehr. Nicht weniger.

940 Tage ohne soziale Medien. Das wird ein Vertrauensschritt. Was wird mich tragen, wenn ich meine Krücken wegwerfe? 

Ach ja, und das mit den Süßis und dem Wein? Ich fang zufällig wieder morgen früh mit Lebe Leichter an. Wenn mein Geist abspeckt, dann darf es mein Körper auch. Die beiden hängen ja schließlich zusammen. Und wenn es dem einen gut geht, geht es dem anderen auch ganz passabel.

Jetzt sind es nur noch 3 Stunden und 6 Minuten….

Verzichtet ihr auf eine Sache? Wenn ja auf was und warum? Ich bin doch so neugierig! 

× Aufs Bloggen werde ich nicht verzichten, aber ich werde nur sporadisch hier sein, da ich mit Hochdruck an meinem Buch arbeite. 

 

 

Bilder, Familie, Garten

Es war ein guter Tag

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Die Nacht war kurz und der Morgen frostig. Amelie stand um 8 Uhr in der Schlafzimmertür. „Ich hab Hunger, Mama.“ Ich grunzte ins Kissen. Übersetzung: „Jaja, ich komm gleich. Ich bleib nur noch zwei Stunden liegen, dann mach ich Frühstück.“

Zwei Minuten später stand ich auf und schlappte in die Küche. Heute ist ja Samstag! Und gestern war Freitag! (Meine Geistesblitze am frühen Morgen sind legendär). Und gestern Abend hatten Sally und ich Premiere mit unserer Wohnzimmer-Show. Wir kamen mal gleich eine halbe Stunde zu spät, was uns fürchterlich peinlich war. Aber die Autobahn war komplett dicht. Stau. Nichts ging mehr. Eine Viertelstunde überlegten Sally und ich hin und her, ob ich einfach mit einer Riesenportion Chutzpah auf dem Standstreifen weiterfahren sollten. „Mach das nicht“, warnte mich Sally. Und ich, die es nicht ERTRAGEN kann, zu spät zu kommen, meinte: „Wenn das nächste Lied im Radio gut ist, dann ist das unser Zeichen. Dann SOLLEN wir auf dem Standstreifen fahren.“ Die ersten Töne von Funky Cold Medina erklangen im Auto und ich zog todesmutig nach rechts rüber. Ein paar Kilometer fraßen wir uns auf der Standspur entlang, bis uns ein LKW mit voller Absicht blockierte. Ich seufzte nur: „Ach, wieder mal ein selbsternannter Verkehrs-Erzieher.“

Der Abend war trotz Verspätung fantastisch und wir wurden mit einem Paket voller schöner Dinge (selbstgebackenes Walnussbrot, gebrannte Mandeln, Brombeer-Schoko-Marmelade, Johannisbeer-Likör, Müsli, Cantuccini usw.) in die Nacht entlassen. „Hoffentlich stehen wir auf dem Rückweg wieder im Stau, dann können wir uns damit die Zeit vertreiben!“

Ich wusste also, was es heute zum Frühstück geben würde. Alles, außer Johannisbeer-Likör.

Die Vögel sangen vor dem Fenster und ich spürte, es würde ein richtig guter Tag werden. Müde, aber gut. Der Frühling war da. Es kam mir so seltsam vor, weil ich erst vor zwei Monaten alles im Garten winterfest gemacht hatte. Der Winter war dann auch mal da. Eine Woche lang. Frühling Anfang Februar ist surreal.

Ich habe nach Wochen düsteren Januar-Wetters endlich wieder meine Kamera rausgeholt. Das Licht war heute sensationell weich und hatte nichts von gleißender Wintersonne. Und dann zerrten wir Fahrräder, alte Matratzen, Rollerblades, Steckenpferde, Federball-Sets und mein Strickzeug ins Freie. Es wurde auf der Gasse getobt, Katzen gejagt, Kompost umgeschichtet, gestrickt und Gänseblümchen-Suppe gekocht. Ich hätte dort ewig sitzen können und dem Leben zuschauen können. Die Nachbarn saßen auf ihrer Bank im Freien und grüßten fröhlich. Ganz Waldbach war auf den Beinen.

Ich hab mein Gesicht einfach in die Sonne gehalten. Es war ein guter Tag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Familie, Freitags-Futter

Freitagsfutter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

  • Gedankenverloren Gitarre spielen.
  • Meine weltbesten Schoko-Cookies für Familie und Freunde backen.
  • Anne Lamotts „Traveling Mercies“ in der Nacht lesen (zum zweiten Mal! Ich lese selten Bücher zweimal. Aber dieses ist ein J.U.W.E.L.).
  • Rechtzeitig zu Bett gehen, acht Stunden ausgeknockt sein, am nächsten Morgen eine Menge Energie haben.
  • Meine Sorgen Gott hinhalten. Jeden. einzelnen. Tag.
  • Dieser Artikel über Ehe. 
  • Zeit freischaufeln, die ich mit Amelie und Josefine verbringe. Ohne Facebook und Pinterest nebenbei.
  • Ein Shopping-Trip mit einer Freundin zu IKEA. Inklusive Kinderparkplatz im Smaland, Kaffee und Krokanttorte. (Und ich verstehe immer noch nicht, wie EINE Vanillekerze 63 Euro kosten konnte…..)
  • Die Speicherkarte von Amelies Kamera plündern. Ich liebe ihren Blick auf die Welt: P1080401P1080411P1080420P1080522P1080562P1080619P1080643P1080670P1080675