Familie, Weihnachten

Happy Birthday!

Gestern:

  • Kindergeburtstag gefeiert: 1x
  • Raufereien unterbunden: 4x
  • Krümel aufgefegt: 28x
  • Kinderbitten erfüllt: 198x
  • Die Nerven verloren: 1x (heimlich auf dem Klo)
  • Lebkuchenhäuser gebaut: 8x

Heute:

  • Baum geschmückt: 1x
  • Zerschlagen gefühlt: unendlich viele Stunden lang
  • Geschwisterstreitigkeiten beendet: 76x
  • Den Kindern Grundsatzpredigten gehalten: 3x
  • Die Nerven verloren: 14x
  • Kinder angeschrien: 1x
  • Mit der Tür geknallt: 1x
  • Gegessene Plätzchen: 0 (Ich kann sie nicht mehr sehen…)
  • Böden geputzt: 1x
  • Ein Buch über den Israel-Palästina-Konflikt gelesen: 1x

Jedes Familienmitglied verarbeitet die Last und Aufregung der vergangenen Tage anders:

Ein Kind ist so empfindlich, dass es bei der kleinsten Kleinigkeit in Tränen ausbricht und untröstlich bleibt. Man könnte meinen, das Ende der Welt hämmerte heute ein paar Mal an die Tür.

Das andere Kind verweigert sich und braucht gleichzeitig soviel Nähe, dass es mich fast erdrückt. Selber beschäftigen war heute nicht drin, obwohl beim Frühstück laut verkündet wurde: „Heute werde ich mich nicht langweilen!“

Mein Mann zieht als Fels in der Brandung seine To-Do-Liste stoisch durch. Saugt beide Autos aus, die seit Jahren vor sich hinmodern. Schleppt frische Rehkeulen nach Hause (ganz wie seine Vorfahren vor tausenden von Jahren….). Malt ein Puppenschränkchen an.

Ich habe Schmerzen. Er kriecht an jeder Faser meines Körpers hoch und vernichtet das letzte Quentchen Geduld. Ich schicke die Kinder aus dem Wohnzimmer, um den Baum alleine zu schmücken. Ich halte ihre laute, hilfswillige Gegenwart schier nicht aus. Der Schmerz zwingt mich in die Knie und verspottet mich: „Du bist so ein Weich-Ei. Schau dich an, jetzt versagst du sogar noch als Mutter.“

Halt’s Maul, Schmerz! Ich schmeiß mir eine Tablette ein, leg „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ in den DVD-Spieler und pfeif auf die restliche Arbeit und das schlechte Mütter-Gewissen.

Schon lang nicht mehr lagen unsere Bedürfnisse und Schwächen so verwundbar offen wie heute. Schon lang nicht mehr war unser Versagen so offensichtlich wie heute. Schon lang nicht mehr brauchen wir Vergebung und Neuanfänge und Liebe so bitter nötig wie heute.

Wie gut, dass morgen Weihnachten ist. Pfeif auf die Geschenke und den Nostalgie-Mix aus Liedern und Lichtern. Ich brauch den Erlöser, der Mensch geworden ist. Schon lang nicht mehr hab ich ihn so bitter nötig gehabt wie heute.

Happy Birthday Jesus.

Jedem Einzelnen von euch wünsche ich, dass ihr eure Bedürftigkeit und eure Unfähigkeit und euren Schmerz und eure Enttäuschungen an Weihnachten nicht übertüncht. Sondern an die Krippe bringt. Und euch trösten lasst von dem, der uns allen nahe sein will.

Meine Lieben, feiert dieses Weihnachten mit trotzigem Lachen, einer Menge herrlich-unnötiger Kalorien und dem Vertrauen auf den, der uns mit einer abgefahrenen Liebe liebt. 

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Familie

Endlich Urlaub

Ähäm. Ich hab gestern meinen Blog-Eintrag sausen lassen.

Gestern Mittag stand ein Schulkind mit dickem Grinsen im Gesicht vor der Haustür. „Endlich Ferien!“ Ich konnte körperlich spüren, wie von uns eine Last wich. Da wo vorher die Last drückte, feierte jetzt Freude eine Party. Länger schlafen. Keine Hausaufgaben. Geburtstag feiern. Weihnachten feiern. Nur noch im Schlafanzug leben.

Nachmittags kam mein Mann mit dickem Grinsen im Gesicht nach Hause. „Endlich Urlaub!“ Mit diesen Worten zog er sich die alte Jogginghose an. (Erste Tat 2016: Die Hose landet im Müll).

Wir fläzten uns alle im Wohnzimmer mit Kaffee und Büchern auf die Couch. „Eigentlich hab ich jetzt auch ein bissl Urlaub verdient,“ dachte ich. Und beschloss, keine Blogeinträge mehr zu schreiben. Weil ich kann ja schlecht beschließen, keine Wäsche mehr zu waschen oder nicht mehr jedem hinterher zu räumen. Hier würde der Wahnsinn ausbrechen. Aber mal etwas mehr Ruhe hier im Blog – daran stirbt keiner und der Wahnsinn bricht deswegen auch nicht aus.

Vielleicht schaue ich dieser Tage nochmal hier rein. Vielleicht auch nicht. Je nach Lust und Laune. Ich hab jetzt erstmal Urlaub.

Jetzt muss ich aber Frühstück machen. Sonst bricht hier der Wahnsinn aus. Ein vom Adventskalender überzuckertes Kind zerrt bereits hungrig an meinem Ärmel. Ich wrde ja gere weiterchreiben, abaöäas  #apüsi g#ow*Ü399q r4j klar,ng äü009ou34j3 #p08njäalsjn   ………..f…………

Fotografie, Gedanken, Haushalt

Die Macht des Ausschnitts

Ha, erwischt! Gib zu: Du hast heute auf meinen Blog nur wegen des Titels geklickt.

Jaja, die Macht des Ausschnitts. Früher konnte er nicht groß genug sein, um sich einen Ehemann zu angeln oder eine Beförderung zu bekommen (ersteres hat gut funktioniert).

Heute ist ein großer Ausschnitt nicht mehr angesagt. Weil er zu viel zeigt. Zuviel echtes, normales Leben. Das wollen wir doch gar nicht sehen und zeigen. Wir wollen nur Ausschnitte präsentieren, die andere vor Neid grün werden lassen.

Gestern habe ich noch schnell ein Brot gebacken (sonst hätten wir IKEA-Knäckebrot frühstücken müssen). So hübsch, nicht wahr? So gestellt….

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Das ist die Macht des (Bild-)Ausschnitts.

Ich habe rausgezoomt und damit wird unser Morgen-Chaos sichtbar. Leere Milchflaschen, Schlafanzüge, angeschnittene Gurken, dreckiges und sauberes Geschirr in fröhlicher Umarmung

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Ich präsentiere in meinem Blog vorzugsweise die Ausschnitt-Bilder (wir reden hier nicht mehr von meinem Dekollete, falls noch nicht bemerkt….). Man könnte fast drauf reinfallen, nicht wahr? Dass mein Leben jeden Tag idyllisch und gestylt und aufgeräumt und bullerbü-mäßig daher kommt.

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Lasst euch nicht täuschen. Auch nicht von anderen Bloggern. Es braucht nicht mehr als gutes Licht (das hatte ich bei diesen Fotos heute definitiv nicht), ein Händchen für Fotografie und Ästhetik, ein ordentliches Bildbearbeitungsprogramm.

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Andererseits habe ich schon immer gerne Details aufgenommen. Weil ich im Chaos, im mittelmäßigen Licht des Alltags das Besondere nicht übersehen möchte. 

Meine Kamera lehrt mich genau hinzusehen. Im Einfachen das Außergewöhnliche sehen. Nicht achtlos an einem Laib Brot oder einem Farbkasten oder einem Vogelnest oder einem Lego-Bauwerk vorübergehen. Anhalten. Ganz nahe rangehen. Bild-Ausschnitt festlegen. Auslösen. Staunende Freude über die vielen kleinen Wunder an meinem Wegesrand.

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Vielleicht können wir heute das Besondere im Chaos sehen? Und uns dran freuen, anstatt uns über dreckige Geschirrstapel und verstreutes Spielzeug zu ärgern?

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Und hören wir auf, Instagrammer und Blogger für ihr scheinbar perfektes, geordnetes Leben zu beneiden. Sie beherrschen einfach nur die Macht des Ausschnitts. Und des perfekten Filters…..

 

 

 

 

Einfache Adventszeit, Freitags-Futter, Gedanken

Freitagsfutter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Montagabend Book-Club.

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Sally stellt ein Buch vor, das sie regelmäßig im Advent liest. Dann hält sie es hoch und fragt: „Wer möchte es ausl….“ „ICH!“

Nun lese ich täglich in „Watch for the Light“. Unter anderem kommen in dem Buch Bonhoeffer, Donne, Aquinas, Nouwen und Yancey zu Wort. Ich sauge jeden einzelnen Satz wie eine Verdurstende auf. (Und dabei stelle ich wieder fest: Schreiben ist keine unnütze Sache!).

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Vorgestern las ich diesen Augenöffner:

„How are we to carry out all the tasks laid upon us; how are we to plan our next year; how shall we find the strength both for securing our economic needs and in reaching out to the needs of others? But as important as these questions are, it is more important to remember the ancient question ‚why‘.“ Philip Britts

Wir sollten innehalte und aufhören zu fragen: „Wie soll ich das alles schaffen“ und stattdessen nach dem „Warum“ zu fragen. 

Warum tue ich das?

Warum brauche ich das alles? Brauche ich das alles?

Warum ist mein Kalender so voll?

Warum bin ich so gehetzt?

Warum muss alles ins Detail geplant sein? Muss alles ins Detail geplant sein?

Warum treibe ich jeden Tag meine Kinder an?

Warum bin ich unzufrieden mit meinem Mann?

Warum bin ich unzufrieden mit mir selbst?

Aus den Warums fließen die Antworten, die uns zeigen, wie irrelevant vieles ist. Wir können Dinge getrost aus unseren Kalendern und Listen purzeln lassen. Ohne Verlust.

In den Warums erkennen wir, dass das Leben unperfekt bleiben und sich immer gegen unsere Optimierungs-Bemühungen sträuben wird.

Die Warums zeigen mir, dass ich immer und immer wieder meine Hände öffnen und loslassen muss. Um sie mir füllen zu lassen mit Dingen, die ganz anders aussehen als erwartet.

Wir können Weihnachten für uns klein und für andere groß machen. Kleine Geschenke. Weniger Spielzeug. Weniger auf dem Plätzchenteller. Mehr in die „Brot-für-die-Welt“-Tüte. Weniger auf den Listen. Mehr Zeit. Weniger Schreien. Mehr Umarmungen.

 

Aufatmen im Advent, Bücher, Familie, Weihnachten

Was wir so lesen (Kid’s Edition)

Die letzte Woche war voll gepackt mit Aktivitäten. Fußballturnier. Flötenkonzert. Kindergeburtstage. Bastel-Nachmittag. Ballett. Wir genießen das alles, aber wenn so viele Highlights aufeinander treffen, werden die Kinder müde. Sobald wir daheim ankommen, zerbröseln sie wie Weihnachtsplätzchen: Tränen, Streitsucht, Zorn. Da hilft kein Dagegen-an-reden. Kein Schimpfen. Kein Türenknallen.

Nur eines: Alles stehen und liegen lassen, einen Tee aufbrühen und ab aufs Sofa zum Bücher vorlesen.

Unser Büchervorrat ist langsam nicht mehr lustig und bald werden wir wohl eine öffentliche Bibliothek eröffnen. Aber es gibt Schlimmeres, nicht wahr?

Unsere Favoriten im Monat Dezember, die immer und immer wieder zum Vorlesen angeschleppt werden:

(Wer noch auf der Suche nach Geschenken ist, wird hier vielleicht fündig?!)

IMG_8943Picknick in der Badewanne (4-10 Jahre)
Ich habe das Buch letztes Jahr von der Autorin Elisabeth Vollmer selbst bekommen, die ich sehr sehr schätze (checkt mal ihre anderen Kinderbücher!).

Amelie liebt dieses Buch heiß und innig. Weil es 24 Geschichten mitten aus dem Familienleben enthält, in denen sie sich wieder findet: Alltag, Aufregendes, Probleme, verzwickte Situationen, schöne Momente.
Das Schmankerl: Jedes Kapitel schließt mit einer Gesprächsanregung und einem Aktions-Impuls ab. So sind bei uns auf dem Sofa schon einige interessante Gespräche in Gang gekommen!

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Weihnachten mit Astrid Lindgren
Was soll ich dazu groß schreiben? Dass dieses Buch uns allen immer wieder riesige Freude macht? Dass die Illustrationen traumhaft schön sind? Dass dieses Buch ein optischer Leckerbissen ist? Dass ich immer noch in Pippi, Madita und Lotta verliebt bin und diese Liebe bei meinen Kindern gerade aufblüht?

IMG_8945Pelles neue Kleider 
Das ist ein Klassiker von Elsa Beskow aus dem Jahre 1912. Heißgeliebt von unserer Josefine, die sich an den Illustrationen von Pelle und seinem Schaf nicht satt sehen kann. Die Geschichte beschreibt den Werdegang von der Wolle hin zum Kleidungsstück. Meine Kinder staunen immer wieder, wieviele Arbeitsschritte dafür nötig sind.

Netter Nebeneffekt: Josefine ist von Wolle so angetan, dass sie das Fingerstricken gelernt hat (hier das Tutorial). Seitdem sind alle ihre Puppen mit Schals ausgestattet. Und auch unser Holz-Elch vor der Haustür….

Und was lest ihr im Dezember?

Aufatmen im Advent, Freitags-Futter

Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Haha! Jeden Tag denke ich erwartungsvoll: Morgen wird es ruhiger. 

Pustekuchen.

Jeder Tag ist voll mit Terminen und Hausaufgaben und Plätzchenbacken und Tierarztbesuchen und Kindertaxi-Fahrten und Schreiben und Kochen und Putzen und Wäschewaschen.

Und jeden Tag beginne ich neuerdings mit fünf Minuten Stille. 

Wenn Mann und Kinder aus dem Haus sind, setze ich mich aufs Sofa und sage: Gott, hier bin ich.

Und dann bin ich fünf Minuten komplett still. Fünf Minuten, in denen ich nicht produktiv bin und nicht nachdenke. Nur Gott. Und ich.

Die Stille rauscht in meinen Ohren. Meine Schultern lockern sich. Es reicht, dass ich einfach nur da bin.

Ich verlasse die Stille ein klein wenig verändert.

Es ist schon fast ein Akt der Rebellion in der Zeit des größten Lärms still zu werden und sich kurz auszuklinken.

Anett kommentierte diese Woche meinen letzten Blogbeitrag sehr treffend:

„Mein ganz persönlicher Stop findet mittags statt, wenn ich auf dem Weg nach Hause ein paar stille Minuten in einer der viele Kirchen Würzburgs einlege und mich für eine kleine Weile aus dem Stress ausklinke.“

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Aufatmen im Advent, Familie, Weihnachten

Advent, Advent, mein Kopf ausbrennt…

Lieber Advent,

es ist mal wieder soweit. Du hast noch gar nicht richtig angefangen und ich pfeife bereits aus dem letzten Loch. Gerade springen vier überzuckerte Kinder um mich rum und tragen zur Vergrößerung des Alltags-Chaos bei. Ich habe vorhin mit ihnen Plätzchen gebacken. Und gestern habe ich einen Kindergeburtstag gewuppt. Ich habe ihn zwar völlig basic gehalten, aber zwei Kindergeburtstage in der Adventszeit sind echt der Supergau für den Multi-Tasking-Verweigerer.

Überhaupt Zucker. Bist du des Wahnsinns, unsere Kinder mit dem Gift tagtäglich kiloweise zu bombardieren? Heute reicht ja ein Stück Schoki aus dem Adventskalender nicht mehr. Neeeeeiiiiiin….es muss ja gleich die doppelte Milka-Lindt-Kinder-Christmas-Edition sein. Dreifach. Weil Opa und Tante ja dem armen Kind ja auch noch was schenken wollen. In jedem Geschäft, auf jedem Markt, in der Schule – überall werden die lieben Kleinen zugeschüttet. Und Nikolaus war noch gar nicht da. Mir graut davor. Besonders vor der vorwurfsvollen Frage meiner lieben Kleinen, warum sie NUR einen Schoko-Nikolaus und ein paar Plätzchen bekommen haben und alle anderen tolle Geschenke. „Warum ist der Nikolaus so ungerecht, warum Mama??“ (Damit ihr keine verzogenen, materialistischen Gören werdet, die den Wert einer Gabe nicht mehr würdigen können – Darum!!)

Lieber Advent, und was ist mit den tausend Feiern? Jeder muss auf Biegen und Brechen feiern. Dieser Verein und jener Verein, der Kindergarten, die Schule, die Anonymen Alkoholiker, die Gewerkschaft, der Hauskreis, die Bürgerwehr, die Kleintierzüchtervereinigung. Mein Kalender ist so voll, dass ich ihn am liebsten in den Müll werfen würde.

Wie wäre es, lieber Advent, wenn ich deine trügerische Seite boykottiere? Die Seite, die aus Lärm und Hektik, Konsum und überzogenen Erwartungen besteht?

Lieber Advent, ich will nicht mit dir Schluss machen. Aber wir müssen unsere Beziehung auf eine andere Ebene stellen. Ich will deiner leisen Seite mehr Glauben schenken. Manchmal meine ich fast, du flüsterst mir zu: „Jetzt setz dich doch mal bitte zu mir. Sieh dich um. Atme. Und werde still. Schau auf den, der kommt.“

Weniger, weniger, lieber Advent.

Und so werde ich heute Abend Hauskreis schwänzen. Das Thema des Abends? Lebenstempo.

Ich will nichts drüber hören. Ich will es drosseln. Das Lebenstempo.

Und ankommen.

Bei dir, lieber Advent.

Deine ausgebrannte Verehrerin