Mein Weihnachtsbuch

Heute morgen war ich bei meinem anatolischen Allgemeinarzt. Erst sprachen wir über zu hohe Cholesterinwerte und Harnsäure und dann über kurdische und fränkische Großfamilien, während vor dem Behandlungszimmer die Warteschlange immer länger wurde. Irgendwie vermisse ich, genauso wie mein Allgemeinarzt, das Gefüge einer Großfamilie. Das bedeutet nämlich auch, dass nicht alle Last die eigenen Schultern zerquetscht. Die war übrigens in Ordnung, die Schulter. Und meine Lunge hätte die Kapazität eines Profisportlers, meinte der Arzt. „Treiben Sie professionell Sport?“ „Nein, ich schreie nur meine Kinder an.“

Auf dem Nachhause-Weg brummte mir der Schädel. Es ist zu laut, da oben in meinem Kopf. Zuviele Stimmen, die an mir zerren. „Du musst noch…denk daran….du darfst nicht…du solltest….und genug Butter haben wir auch nicht mehr im Haus.“

Wie schön wäre so eine Großfamilie, in der die Oma öfter mal das Kochen übernimmt und die Tante Socken für die Kinder strickt und das Kind im Tante-Emma-Laden die Butter holt. Ich hab zwar so eine Familie, die ist aber weit weg und im Alltag nicht verfügbar.

Im Alltag, da bin nur ich. Ab und zu eine Freundin, die ein bisschen was abnehmen kann. Aber die haben selbst alle ihre Schultern pickepackevoll.

Die Adventszeit naht mit Riesenschritten, sowie drei Geburtstage, die ich wuppen muss. Der Gedanke daran verursacht Schnappatmung und Herzrasen.

IMG_8635Am Wochenende hab ich auf einem Bücherflohmarkt „Das große Ravensburger Weihnachtsbuch“ aus dem Jahr 1972 mitgenommen. Ich weiß nicht, was mich da gerade wieder reitet, aber mich hat ein Retrobuch-Fimmel befallen. Und dieses Buch ist dermaßen herrlich retro, dass ich seit Tagen darin lese und eine Perle nach der anderen finde:

„Haben Sie viel Mürbeteig zubereitet, so sollten Sie die Ausstechreste zum Schluss nicht auf Mehl, sondern auf Puderzucker ausrollen. Das macht den Teig nicht so trocken.“

„Kaufen Sie sich einen Wäschesprenger mit großen Löchern und füllen Sie ihn voll Mehl. Dann pudern Sie den Teig und die Tischplatte mit ein.“

„Wer seinen Putzzwang nicht zu überwinden vermag, der putze in Gottes Namen, aber nicht mehr in der zweiten Dezemberhälfte und nicht, wenn der Rest der Familie in der Wohnung wohnen will.“

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Nach einigen Seiten stieß ich auf den Ratschlag der Autorin, ein Weihnachtsbuch zu führen. Einerseits zur leichteren Planung und andererseits als Dokumentation für die nächsten Jahre. Ich hab den Vorschlag sofort in die Tat umgesetzt, damit endlich meine Schnapp-Atmung aufhört. Und tatsächlich, ich liebe schon jetzt mein Weihnachtsbuch. Friede kehrt ein.

Jede Seite in meinem Weihnachtsbuch enthält eine Liste.

  • Seite 1: Geschenke-Liste. Hier notiere ich nicht nur konkrete Geschenke, sondern auch übers Jahr Geschenk-Ideen.
  • Seite 2: Backliste (dieses Jahr werde ich aus dem Retro-Buch ein paar Rezepte nachbacken – bin so gespannt!)
  • Seite 3: Geschenke – Selbermachen
  • Seite 4: Namensliste für Weihnachtspost
  • Seite 5: Weihnachtsmenü
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Ich habe noch zwei Seiten hinzugefügt für die Kindergeburtstage, die in die Weihnachtszeit fallen.

Listen helfen mir. Listen sind gut. Listen bringen die sorgenvollen Stimmen in meinem Kopf zum Schweigen. Ich muss meine Listen nicht lückenlos abarbeiten, aber sobald ich die Gedanken aus meinem Kopf zu Papier bringe, werde ich ruhig. Und wenn mir dann doch wieder alles über den Kopf wächst, dann lass ich einfach mal einen Urschrei los. Die Lungenkapazität dazu besitze ich ja.

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(Retro-Bücher riechen übrigens gut. Den Duft sollte es als Parfum für Büchernerds wie mich geben…..)

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14 Kommentare zu „Mein Weihnachtsbuch

  1. Ich wünsche Dir viel Kraft für die kommenden Wochen und die Kindergeburtstage! Das mit dem Weihnachtsbuch ist eine super Idee – werd ich mir vielleicht abschauen (ich bin auch so ein Listen-Typ)… Heute hab ich übrigens das erste Rezept aus Deinem Buch gekocht: Überbackene Spinat-Enchiladas :-). Sooooo lecker, echt super!!! Werd mich so nach und nach durchkochen und -backen ;-). Liebe Grüße von Miri

    1. Hallo liebe Miri,
      dann viel Spaß beim Nachkochen- und backen 🙂 Allerdings musst du beim Muffin-REzept aufpassen. Da hat sich der fiese Fehlerteufel eingeschlichen. Bei den Muffins reicht die Hälfte der angegebenen Öl-Menge!
      Liebe Grüße
      Veronika

      1. Liebe Veronika, danke für den Hinweis, ich werde es vermerken :-). Als nächstes kommt dieses Fladenbrot mit Hackfleisch (Sfiha oder so ähnlich) dran. Liebe Grüße zurück, Miri

      2. Oh, Veronika, heute Vormittag hab ich deine Muffins gebacken und mich (natürlich ;)) strikt ans Rezept gehalten… die Öl-Menge kam mir zwar etwas komisch vor, aber naja… ich glaub, die Muffins schmecken trotzdem, und ich mach mir gleich ne Notiz! Liebe Grüße!

  2. Das Buch ist echt Retro 😉
    Viel Erfolg beim Gedanken sortieren – Listen sind super!
    Hast du zufällig einen 7. Geburtstag zu planen? Davon hatte ich einen am Samstag und es gibt kein Copyright 😉

      1. HIer gehts zu unserem 7er Geburtstag:
        http://allgaiers.com/sieben/

        Wenn Du noch etwas mehr Details brauchst (z,B. genauere Spielbeschreibungen oder ich die Vorlage für das Puzzle-Bild), dann schick mir mal Deine email. Meine Email müsstest Du ja bei den Angaben zum Kommentar sehen, oder? Ich mail Dir das dann gerne zu 🙂
        Die Kids waren auf alle Fälle super gut bei der Sache und hatten alle Spaß mit den unterschiedlichen Spielen.
        Bei den 7 Zwergen könnte man alternativ zum Angelspiel das Apfel-Anbeißen machen: Apfel in eine Wasserschüssel und dann ohne Hände versuchen anzubeißen.

        Liebe Grüße
        Doro

  3. Du sprichst mir aus der Seele… wie sehr wünsche ich mir eine Großfamilie in der Nähe. Doch leider ist das im Moment schwierig. Listen sind tatsächlich auch das einzige was hilft bei mir… auch wenn ich nie alles schaffe was darauf steht, aber sie helfen gegen das Chaos im Kopf.

  4. Hi Veronika,
    Ich lese ca. 1 Jahr oder mehr deinen Blog. Aber als ich heute im Kindergarten in der Bücherkiste „zu verschenken“ kramte, da fand ich genau dieses Buch. Jetzt amüsiere und genieße ich mit 😃. Danke für deine vielen wunderbaren Beiträge
    Beate

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