Freitags-Futter

Freitags halte ich inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

Ich komme heim, fünf Tage stand unser Haus leer. Die Räume sind kalt und staubig. Im Flur stapeln sich Dreckwäsche und Krimskrams. In der Küche finde ich überall Katzenfutterspuren. Die Wiese hinter dem Haus ist übersät mit goldenem Laub, das langsam vor sich hinmatscht.

Jetzt hätte ich gerne einen Zauberstab, mit dem ich alles *hexhex* in einen Zustand perfekter Ordnung und Sauberkeit verwandeln könnte. Blöd nur, dass dieser Zauberstab noch nicht erfunden wurde (aber den Mars erforschen, das können wir!).

Ich verfalle mal wieder in innere Panik, weil nicht gleich wieder alles im perfekten Zustand ist (war es das jemals??). Mein Leben fülle ich an bis in den letzten Winkel mit To Dos und trotzdem ist es nie genug. Mein Haus ist nie komplett sauber, der Garten niemals tiptop, die Kinder nie porentief rein.

Gerade lese ich das neueste Buch von Elizabeth Gilbert „Big Magic“, das von kreativen Prozessen und Inspiration handelt. Ich stehe ihrer Schreibkunst und ihrer pathetischen Esoterik zweifelnd gegenüber. Aber bei Frau Gilbert ist das so, dass sich in ihren Büchern hie und da Perlen verstecken, die es wert sind, sich durch ihr Universums-Gelaber zu kämpfen.

Direkt nach unserer Rückkehr hab ich diesen Absatz gelesen:

„Ich glaube, Perfektionismus ist nur die edle Haute-Couture-Version von Angst. Ich glaube, Perfektionismus ist nur Angst in schicken Schuhen und Nerzmantel, scheinbar elegant, aber eigentlich voller Panik. Denn hinter der glänzenden Fassade ist Perfektionismus nur tiefsitzende existentielle Angst, die wieder und wieder sagt: ‚Ich bin nicht gut genug, und ich werde nie gut genug sein.‘ „

Die Wahrheit ist doch, dass alles was ich tue, tatsächlich nie genug ist. Ich lerne immer mehr, diese Wahrheit zu akzeptieren und mich nicht von ihr ängstigen zu lassen. Am Ende dieser Woche ruhe ich mehr und mehr in dieser Wahrheit, ich schaue über die To-Dos hinweg auf mein Leben, das genug ist.

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2 Kommentare zu „Freitags-Futter

  1. Oh ja, dieses „Post-Urlaubschaos“ plus die ganze Gedankenpalette ist mir sehr vertraut…..
    Freu mich für dich, dass ihr eine tolle Zeit hattet. Mit Pferd und ohne Kinder und mit Anne Frank. Hab auch meine Geschichte mit dem Tagebuch und frag mich, ob das allen so geht oder vor allem (die Jugend) unserer Generation geprägt hat.
    Danke jedenfalls, dass du nicht nur von deinen goldenen (Herbst-) Tagen schreibst, sondern auch von den nebligen.

    Liebe Grüße,
    Kathrin

  2. Unbekannterweise eine herzliche Sympathiebekundung von der schwäbischen Alb!
    Bin mit einem Perfektionisten verheiratet und kann nur bestätigen, dass dies wirklich ein Ausdruck
    von ganz tief sitzender Angst ist!!

    Christine

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